Publication:
1896
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-15365322
Path:

Ofstcrelle Ansstellungs Nachrichten.
stcllung vermiethbar sind. Es ist da eine ganz großartige Organisation
geschaffen worden, die sich hoffentlich ans den Bahnhöfen, wo die
Wohnungsnachweise sich befinden werden, in demselben Umfange
bethätigen wird, wie sie geplant wurde.
Das Officielle Verkehrs-Burean theilt uns mit und hat uns
Einsicht in die Listen gewährt, daß ihm — und zwar in ganz
überwiegender Weise von Leuten, die aus dem Vermiethen kein
Gewerbe machen — schon jetzt 16 000 Betten angemeldet worden
sind, nicht ettva in Hinterhäusern und verlorenen Gegenden, sondern
hauptsächlich in immerhin erreichbarer Nähe der Stadtbahn, der
in Betrieb zu setzenden elektrischen Bahnen, der Pferdebahn und
der Dampfboot-Stationen. Fast ausnahmslos befinden sich diese
Wohnungen in Vorderhäusern, und ein Corps von Rechercheuren
ist dabei, dieselben zu inspiciren und diejenigen auszumerzen,
welche Fremden unter keinen Umständen zu empfehlen sind. Die
Preise, welche sich bis zu 5 Mark pro Bett steigern, bewegen
sich jedoch ganz überwiegend in der Höhe von 2 Mark und 2,50
Mark per Tag. Unter Hinterlegung einer kleinen Caution wird jeder
Zimmervermiether verpflichtet, das Freiwerden seines Zimmers
augenblicklich anzumelden, was übrigens in seinem eigenen Inter
esse liegt. Die Verzeichnisse des Verkehrsbureau sind nach Preis
lage einerseits, nach Stadtvierteln andererseits geordnet und werden
vorzügliche Dienste thun. Diese Listen sind indessen noch nicht
abgeschlossen, das Verkehrsbureau rechnet mit Bestimmtheit darauf,
die Ziffern der zu vermiethenden Betten in allerkürzester Frist
bis auf 20 000 zu steigern.
Sollte darüber hinaus aber sich doch noch die Nothwendig
keit Herausstellen, neue Unterkommen zu finden, so sind vorläufige
Abschlüsse gemacht, mit Hilfe deren es möglich sein wird, durch
große Möbelfabrikanten und Magazine leerstehende Wohnungen
innerhalb eines einzigen Tages, wenn auch nicht elegant, so doch
immerhin genügend zu möbliren, um den Fremden ein angemessenes
Nachtquartier zu gewähren.
Auf Grund aller dieser Wahrnehmungen darf man behaupten,
daß auch ohne den Bau von neuen Hotels, welche ja im günstigsten
Falle doch nur 1000 bis 1500 Fremde unterbringen können, in
vollstem Maße dafür gesorgt sein wird, alle Gäste beherbergen zu
können.
Es sei wiederholt, daß die Ziffern, so weit sie sich auf den
ivahrscheinlichen Besuch beziehen, nicht den Anspruch auf Zu
verlässigkeit machen können, daß sie aber, wie schon erwähnt, weit
gegriffen wie sie sind, als Grundlage für unsere Feststellung dienen
müssen. U. 8.
Am Montag Nachmittag hatte die Gewerbe-Ausstellung hohen
Besuch. Die Kaiserin Friedrich besuchte mit ihrer Tochter,
der Frau Prinzessin Friedrich Carl von Hesse», nebst Gefolge den
Ausstellungspark. Die hohen Gäste waren bereits am Tage zuvor
durch den Oberhofmarschall Grafen Seckendorfs angemeldet worden.
Die Herren Kühnemann, Fetisch und Goldberger hatten die Führung
übernommen. Es wurden zunächst das fast fertige Chemiegebäude,
das Fischcreigebüude und das Alpenpanorama besucht. Hier wurde
der Kaiserin der Maler Rummelspacher vorgestellt, welchem die
Kaiserin für das gelungene Werk ihre Anerkennung aussprach.
Sodann ging die Fahrt nach „Alt-Berlin", über welches ebenfalls
die hohe Frau sich lobend äußerte. Endlich wurde noch eine kurze
Besichtigung des Haupt-Ausstellungsgebüudes vorgenommen, wo
der hohe Besuch sich dann verabschiedete, nicht ohne zuvor den
Herren vom Arbeitsausschuß den Dank für das schöne und große
Werk ausgesprochen zu haben. Die Kaiserin Friedrich stellte die
Wiederholung ihres Besuches in Aussicht.
¥
Verschiedene öffentliche Kundgebungen über die Berliner
Gewerbe-Ausstellung sind zu verzeichnen, deren Wiedergabe
auch weitere Kreise interessiren dürfte:
In der neuesten Nununer des von dem Ministerium der
öffentlichen Arbeiten herausgegebenen Centralbl. d. Bauverwalt,
äußert sich Herr Stadtbauinspecter Pinkenburg über die
Anlage der Berliner Gewerbe-Ausstellung folgendermaßen: „Schon
heute läßt sich trotz der winterlichen Stimmung, die über dem
Ganzen liegt, erkennen, daß die Ausstellung in ihrer Gesammtheit
vortrefflich gelingen und alle früheren Berliner Schaustellungen
verwandter Art in den Schatten stellen wird. Dies dürfte in
erster Linie auf den hohen landschaftlichen Reiz zurückzuführen
sein, den das ganze Gebiet der Ausstellung gewährt. Wo anders
als gerade hier Hütte man diese Wasserfülle gewinnen können, wo
anders wäre es möglich gewesen, für die Marine - Ausstellung
gleich günstige Bedingungen zu schaffen als hier an der Oberspree?
Schon der Plan läßt erkennen, daß ein Blick von der Ausstellung
nach dem Hauptwirthschaftsgebäude und umgekehrt das durch Paris
und Chicago verwöhnte Publikum fesseln und befriedigen wird.
Es war einer der glücklichsten Gedanken, den früheren Spielplatz
in einen See umzuwandeln, und wir möchten schon jetzt den
Wunsch aussprechen, daß dieser dauernd erhalten bleibe und ein
neuer Spielplatz auf dem Gelände des Hauptgebäudes oder ganz
im Osten angelegt werden möge". — Die in Berlin ansässigen
und vorübergehend hier weilenden Amerikaner feierten
am 22. d. M. ini deutsch - amerikanischen Club den Geburtstag
George Washington's. Besonderen Beifall erntete ein Redner, der
die hervorragenden Verdienste der Deutschen an der stetigen
Hebung des jungen Riesenstaates in der „Neuen Welt" hervor
hob, wodurch die Achtnngs- und Freundschaftsgefühle entflammt
würden, die beide Völker beseelten. Der folgende Redner betonte,
daß die Berliner Gewerbe-Ausstellung ein Thema bilde,
welches die Leser der größeren amerikanischen Blätter hoch inter-
essire. Die Anzahl der zur Ausstellung nach Berlin kommenden
Amerikaner werde eine sehr große sein. Die Amerikaner wollen
sehen, ob sie von der deutschen Industrie, die ja schon in vielen
Branchen die Superiorität auf dem Weltmärkte erworben, nicht
noch lernen könnten. (Beifall.)
Wie wir erfahren, sind in den letzten Wochen bei der hiesigen
amerikanischen Botschaft soviel Anfragen aus Amerika wegen
der Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896 eingegangen, daß mit
Sicherheit auf einen großartigen Besuch amerikanischer
Touristen in Berlin zu rechnen ist.
M-y. Ueber den Fortgang der Bau-Arbeiten in der
Gewerbe-Ausstellung kann Folgendes berichtet werden: Im
Kesselhause, hinter dem Haupt-Ausstellungsgebäude, sind bereits
eine Anzahl Dampfkessel verschiedener Systeme eingemauert, andere
aber auf dem Wege dahin, ebenso ist im Maschinenhausc ein
Theil der Fundamente für die Dampfmaschinen fertig. In der
großen Haupthalle sind noch Maler und Vergolder an der Aus
schmückung der Friese thätig. Ein Seitentract ist probeweise mit sechs
Bogenlampen versehen worden, an anderen Srellen ist man da
mit beschäftigt, die Lichtkabel anzubringen. Die Bekleidungsgruppe
hat bereits ihre Schränke rc. anfahren lassen, die dieser Tage aufge
stellt werden sollen. In der Abtheilung für Glas und Porzellan
ist ein massives Häuschen errichtet, dessen Wände mit Glasmosaik
verziert werden sollen. Die Seitenhallen werden theils durch
Bretterwände, theils durch Segeltuch wieder gesondert, das Segel
tuch wird mit Gips beworfen und sieht einer Kalkwand täuschend
ähnlich. In der großen Kuppel wird bei elektrischem Licht gearbeitet.
Das Gebäude für Chemie, Photographie und Mechanik ist im
Bau ziemlich fertiggestellt und macht außen und innen einen be
deutenden, vornehmen Eindruck; die großen, hellen Flüchen sind
durch breite, dunkelgrüne Friese belebt, eine Anzahl Fenster ist
mit Glasgemälden geziert, die mächtigen runden Pfeiler werden
marmorirt. Hier wird schon stark an der Einrichtung gearbeitet,
Hallen aus Holz mit hübschem Gitterwerk und Galerien zierlich,
reich mit Schnitzwerk versehen, zum Theil reizend profilirte Pa
villons werden aufgestellt, eine Anzahl grünausgeschlagener Kojen
sind fertig, die ganze Einrichtung ist stilvoll und einheitlich durch
geführt. — In dem Fischerei-Ausstellungsgebäude wird noch
energisch gearbeitet, während die Sport - Ausstellung innen fast
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