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Periodical volume Nr. 150, 14. September 1896

Full text: Officielle Ausstellungs-Nachrichten Issue 1896

12 ünicielle Äusstellungs-Nachrichten. 
einer so gewaltigen Menschenmasse sehr grosse Schwierig 
keiten bereiten dürften, erboten sich die Herren Hauptmann 
Schweitzer und Herr v. Keller freiwillig das Ordneramt zu über 
nehmen, was mit Dank acceptirt wurde. Eine längere Debatte 
rief die Frage hervor, welchen Weg der Zug durch den Park 
nehmen solle, da es sich herausstellte, dass derselbe nicht längs 
des Neuen Sees ziehen könne, wo die dort angebrachten Lampen 
halter das Entfalten der Fahnen und Banner der Gewerke, 
die ja eine Hauptzierde des Zuges bilden werden, nicht er 
möglichen. Man wird also voraussichtlich denselben Weg wählen, 
den der Künstlerzug benutzte und soll darüber nach genommenem 
Augenschein seitens des Festcomite entschieden werden. Herr 
Mosino hat mit den Wirthen der Bestamants im Nassen Viereck, 
wo der Zug sich auflöst und die Fidelitas in ihre Rechte treten 
soll, unterhandelt. Dieselben haben sich bereit erklärt, den Fest- 
theilnehmern Vorzugspreise zu gewähren, — das Diner zu vier 
Gängen soll 1 Mk. 25 Pf. kosten -— wünschen aber, dass sich 
eine möglichst annähernd festgesetzte Zahl der Theilnehmer 
bei ihnen melde, damit sie ihre Vorbereitungen treffen können. 
Da man dies als billig erkannte, werden sich das Fest-Comite und 
die Obermeister nächsten Sonntag in corpore an Ort und Stelle 
begeben, um die nothwendigen Abmachungen zu treffen, damit alle 
Zugtheilnehmer nebst ihren Angehörigen in praktischster Weise 
untergebracht werden. Schliesslich können wir noch mittheilen, 
dass eine solenne Illumination in Aussicht genommen ist, die dem 
Festtag einen besonders glänzenden Abschluss geben wird. 
V 
Schwarze Paradegäste. Die Ost- und Westafrikaner 
aus den Dörfern der Deutschen Kolonial - Ausstellung, welche 
schon in der Deutschen Schutztruppe gedient haben, sind vom 
Kaiser eingeladen worden, der am 30. dieses Monats stattfindenden 
Parade auf dem Tempelhofer Felde beizuwohnen. 
Die Medaille von 1844. Herr Dr. Konrad Weidling, 
(in Firma Haude & Spener’sehe Buchhandlung) schreibt uns in 
Angelegenheit der Medaille der ersten Berliner Gewerbe-Aus 
stellung von 1844: »Hinsichtlich der Medaille ist genau zu 
unterscheiden, ob es eine Preis-Medaille mit eingravirter Firma 
ist, wie in No. 36 pag. 11 beschrieben, oder ob es eine 
werthlose Gedenkmedaille, wie auf pag. 11 der No. 21 be 
schrieben, ist. Von Letzteren wurden 61400 (!) Stück für die 
1844er Lotterie angefertigt. Hier darf keine Verwechselung ein 
treten. Manch’ einer hat diese Erinnerungsmedaille und denkt, 
so wie der Herr in No. 21, seine Firma sei damals prämiirt. 
Vielleicht werfen Sie auch einmal die Frage nach der ältesten 
ausstellenden Firma auf. Meine Firma ist 1614 begründet. 
Privileg, datirt vom 10. Mai 1614 ist noch vorhanden. Ich 
bin begierig zu erfahren, ob es noch ähnliche alte Knaben auf 
der Ausstellung giebt, insbesondere, ob überhaupt noch eine aus 
stellende Firma vorhanden ist, welche die Stürme des 30-jährigen 
Krieges in Berlin überstanden hat. 
V 
Zweihundert und fünfzig Schulmänner, Mitglieder 
der in Hamburg tagenden Lehrerversammlung, besuchten am 
gestrigen Mittwoch die Ausstellung und nahmen ihr gemeinschaft 
liches Diner im Münchener Bürgerbräu ein. 
Bei Schlickeysen. Im nassen Viereck stösst man ganz 
unerwartet auf eine Sonder-Ausstellung von beträchtlichem Um 
fange, es ist dies die Halle der Maschinenfabrik von C. Scklickeyseu, 
in welcher uns Maschinen zur Ziegel- Torf- Thonwaaren- und 
Mörtelfabrikation im Betriebe gezeigt werden. Betritt man den 
10 Meter breiten, hohen Mittelbau, dessen Achse quer zur Gebäude 
achse steht, so bietet sich ein fesselndes Bild dar, ein Bild voll 
Leben und Bewegung. Rechts und links vom Mittelgange stehen 
bis zu 4 Meter hohe, gewaltige Maschinen, Thon walzend 
oder hebend, Ziegel, Canalisationsrohre und Falzziegel pressend. 
Nach beiden Seiten anschliessend, in den etwas niedriger 
gelegenen Seitenflügeln stehen ebensogrosse, aber auch kleinere 
Ziegelstrangpressen, Mauerziegel, Lochziegel, Dachziegel, Strangfalz 
ziegel und gemusterte Trottoirziegel herstellend. In einem dritten 
Abtheil w eiter links sieht man eine grosse Betonmaschine, Erzbriquettes 
presse, Dampftorfmaschine, Ofenkachelpresse, Dampfnachpresse und 
kleinere Falzziegelpresse. Bei jeder Maschine ist deren Leistungsfähig 
keit und der Kraftbedarf auf einer Tafel bezeichnet. Alle Maschinen 
werden beaufsichtigt und bedient von 15 sachkundigen Arbeitern. 
Das Publikum ist durch Barrieren von den Maschinen abgeschlossen 
und die bedienende Mannschaft durch alle bekannten Schutzvor 
richtungen an den Maschinen vor Verletzungen geschützt. Ganz 
rechts steht eine dreissigpferdige Locomobile mit Rieder’scher 
Steuerung von R. Wolf, Buckau-Magdeburg, welche die in der 
Mittelachse des rechten Seitenflügels lagernde Transmission treibt; 
die ganz gleich gelagerte Transmission im linken Flügel wird 
von der ersten durch eine Seilübertragung in Bewegung 
gesetzt, welche, von letzterer ausgehend, bis unter das 
Dach steigend daselbst über die Mittelhalle horizontal 
weggeht und auf der linken Seite herablaufend die Transmission 
links treibt. Sämmtliche Lager, Riemenscheiben, Transmissionstheile 
u. s. w. sind von einem Ende der Halle bis zum anderen durch 
eine zusammenhängende, überall leicht zugängliche Laufbrücke mit 
Geländer erreichbar. Damit ist indessen nicht erschöpft, was die 
Halle auch über den Kreis des maschinellen Ziegeleibetriebes hinaus 
einem grösseren Publikum interessant macht, sie enthält nämlich 
ferner die Fabrikate einer Zahl hervorragender Kunstziegeleien, 
namentlich vom Giebel rechts einen Comptoirbau mit zwei Falz 
ziegelspitzdächern in wundervollen Farben von der Möncheberger 
Gewerkschaft, Actien-Gesellschaft zu Cassel, dann an der Rückwand 
einen 4 m hohen Modell-Dampfschornstein von Heuschke & Niemer- 
Somroerfeld und daneben hängend eine Tafel mit einer ganzen Skala 
schöner, gebrannter Glasurfarben von Bienwald & Rother-Liegnitz. 
Im Mittelbau findet man einen etwa 4 m hohen Aufbau der 
Siegersdorfer Werke, architektonisch und »zieglerisch« schön, davor 
stehend eine Gartenbank desselben Werkes. Daneben ist ein gleich 
hoher Aufbau des Thonwerkes Witterschlick bei Bonn, sowie ein 
2,5 m hoher Aufbau der Helmstaedter Thonwerke mit deren 
Kunstsandstein geschmückt, und ferner ein ebenso hoher Aufbau 
der Zernsdorfer Werke, beide mit sehr schönen Ziegelfarben, dann 
ein Schrank mit schönen, rothen Verblendern von der Kunstziegelei 
Mittel-Bielau (Liegnitz), ferner ein solcher mit gleich schönen rothen 
Verblendern von der Dampfziegelei Bornhofen bei Beineuchen und 
eine Stellage mit Gebrauchsziegeln zu den verschiedensten Zwecken 
von der Freienwalder Rathsziegelei. 
Sodann bietet die Mittelwand über den Aufbauten der Siegers 
dorfer Werke und dem Thonwerk Witterschlick dem Haupteingang 
gegenüber grosse Fenster mit interessanten Glasgemälden, welche 
nach dem Wortlaut der ausliegenden gedruckten Karten darstellen: 
die Wissenschaft, eine allegorische Figur, umrahmt von 16 kleineren 
Glasbildern, von denen die unmittelbar darunter befindlichen vier 
das Ziegelgewerbe darstellen, wie es seit den ältesten Zeiten bis 
in dieses Jahrhundert hinein betrieben wurde; die sechs Bilder 
rechts von derselben stellen Erfindungen und Verbesserungen dar, welche 
in den letzten 50 Jahren im Fache des Ofenbaues, der Trocken 
vorrichtungen und der Chemie zu Gunsten des Ziegelgewerbes 
gemacht worden sind, und die 6 Bilder links stellen solche der 
Ingenieurwissenschaft dar. Im Felde rechts die Keramik, umrahmt 
von 14 Abbildungen bekannter Kunstziegeleien, im Felde links 
die Architektur, umrahmt von 14 Abbildungen hervorragender 
Berliner Ziegelrohbauten. Zum Schluss sei noch erwähnt, dass das 
ganze, in der Hauptsache in Eisen ausgeführte Gebäude mit Allem, 
was darin ist, ohne alle Fundirung auf einem Balkenrost stellt, 
der auf einer Anzahl lose auf die Wiese 2—3 Schicht übereinander 
gelegter Mauerziegel ruht, wie man an vielen Stellen des Gebäudes 
noch sehen kann. Sämmtliche Maschinen und Aufbauten stehen 
auf der Dielung. 
In der schlesischen Weber-Stube. Die Besucher 
der Berliner Gewerbe-Ausstellung, welche aus Schlesien und aus 
der Lausitz hierher kommen, werden jedenfalls angenehm überrascht 
sein, zwischen dem Hauptgebäude und dem Gebäude für Erziehungs 
wesen und Wohlfahrtseinrichtungen einen freundlichen, nicht grossen 
Holzbau zu finden, der ihnen lebhaft die Weberhäuschen in ihren 
Bergen in Erinnerung ruft. Selbst das kleine Blumengärtchen an 
der Front fehlt nicht, die Eingänge sind mit Fichtenbäumchen 
geziert. Im Gebäude ist die mechanische und Hausweberei 
dargestellt. Die moderne Weberei ist repräsentirt durch 
eine kleine mechanische Spülmaschine, die von einer jungen
	        
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