Publication:
1896
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-15365322
Path:

16
Gfstrielle ArrsfteUungs-Nachrichle«.
„Das macht nichts aus! Jeder Berliner hat die Pflicht,
während der Ausstellungszeit in Berlin und wenn möglich in der
Ausstellung zu sein. Es darf sich kein Berliner davon drücken,
„Staffage" in der Ausstellung zu machen! Jeder Bürger hat
die Pflicht, Hansenweife zu wimmeln, Hurrah zu schreien, an-
wesend zu sein! Ohne große Volksmasse hat die ganze Aus
stellung keine Wirkung, kein Ansehen! Ich erfülle meine Bürger
pflicht, wenn ich als Volksmasse auftrete!"
Max war ganz in Eifer gerathen. Er ist wirklich ein sehr
bedeutender Redner. Eigentlich müßte er schon längst Stadt
verordneter oder Reichstags-Abgeordneter sein. Aber der Mann
ist zu bescheiden! Er duldet es, daß sich andere Leute vor
drängen, die lange nicht soviel können und verstehen wie er!
„Das Geld, das wir sonst zu der Soinmerreise verbrauchen",
fuhr er dann fort, „wird eben für die Ausstellung verwendet.
Die Ausstellung bietet uns mehr Neues und Interessantes als
zehn Sommerreisen! Wir Alle, Du, ich, die Kinder, vermehren
durch den häufigen Besuch der Ausstellung unser Wissen, wir
fördern unsere Bildung, wie erweitern unsern Horizont!"
„Ganz gewiß, lieber Max! Dagegen läßt sich nichts ein
wenden! Auch ich fördere gern meine Bildung, trotzdem ich wohl
sagen kann, daß ich eine gute Erziehung genossen habe und für
eine Frau eigentlich Bildung genug besitze. Aber hast Du auch
daran gedacht, was es für uns bedeutet, während der Haupt-
Ausstcllungszeit in Berlin zu bleiben? Du und ich haben eine
weitverzweigte Familie in der Provinz, Du und ich sind stolz
darauf, einen großen Bekanntenkreis im ganzen Reiche zu haben,
i'llle unsere Vcnvandtcn und Bekannten kommen zur Ausstellung
nach Berlin!"
„Natürlich habe ich daran gedacht, inein Kind! Ich weiß,
was diese Invasion der Gäste bedeutet! Unsere lieben Verwandten
und Bekannten werden bei uns wohnen wollen oder werden
mindestens von uns erwarten, daß tvir sie durch die Ausstellung
führen, daß wir ihnen Berlin zeigen, kurzum, daß wir uns ihnen
zur Verfügung stellen!"
„Das ist es, was ich fürchte! Ich glaubte sogar, es wäre
,ür uns sehr praktisch gewesen, wenn ich wenigstens mit den
lindern dieses Jahr uqch früher die Soinmerreise angetreten
hätte und länger fortgeblieben iväre, als sonst. Dann gingen wir
allen Unannehmlichkeiten und Verpflichtungen aus dem Wege!"
„Daran ist nicht zu denken! Das hieße ja feige die Flucht
ergreifen! Natürlich können wir nicht ruhig stillhalten, wenn
unsere lieben Verwandten und Bekannten uns während der Aus-
stellnngszeit in Anspruch nehmen wollen. Gingen wir darauf
ein, so wären wir in wenigen Wochen pecuniair ruinirt und
könnten nur gleich um Armen-Unterstützung einkommen! Das
geht nicht! Ich werde einfach ein Circular drucken lassen und
an sämmtliche Verwandte und Bekannte versenden. In diesem
Circular werde ich ihnen inittheilen, daß es uns eben mit Rück
sicht auf den kolossalen Besuch von außerhalb ganz unmöglich
ist, unseren lieben Freunden »nährend der Ausstellungszeit irgend-
wie zur Verfügung zu stehen. Die Leute tverden doch ein Ein
sehen haben!"
Ich ivar geradezu bestürzt über diese Worte meines lieben
Mannes.
„Max! Um Himmels willen Max! Mit einem gedruckten
Circular willst Du bie Leute vor den Kopf stoßen? Das be
deutet den Bruch aller verwandtschaftlichen und freundschaftlichen
Beziehungen! Mit einem Schlage haben wir Hunderte von
Feindschaften auf Lebenszeit, das bedeutet geradezu ein Unglück
für uns. Das dürfen wir nicht thun . . . ."
„Dann mache einen besseren Vorschlag!" unterbrach er
mich ziemlich heftig. „Dann rede Du gefälligst! Ich werde
mich nicht durch die Ansstellungsgäste rniniren lassen. Ich
kann meine Beschäftigung, meinen Broderwerb nicht für mehrere
Monate aufgeben und mich in einen unbesoldeten Fremdenführer
verwandeln. Wir können uns nicht in Schulden stürzen, um
unsere Gastfreundschafts-Pflichten zu erfüllen, ganz abgesehen von
der kolossalen Belästigung, von der Mühe, Arbeit, Unbequemlich
keit, Unbehaglichkeit im eigenen Heim, die uns durch die Gäste
drohen! Jeder ist sich selbst der Nächste. Außer den Pflichten der
Gaststeundschaft haben wir auch noch Pflichten, heilige Pflichten
gegen uns selbst und unsere Kinder! Wenn Du also keinen besseren Vor
schlag zu machen hast, dann laß mich gefälligst mein Circular versenden!"
Ich merkte, daß ein ehelicher Zwist drohte und schwieg!
Was soll aber nun werden?
Ich weiß keinen Rath!
Lassen wir die Gäste über uns kommen, so sind wir notorisch
ruinirt, und weisen wir die Gäste ab, so verlieren wir für immer
unsere Verwandten und Freunde und schaffen uns für Jahre
namenlosen Aerger!
Was sollen wir thun?
Ich bin ganz verzweifelt!! — —
Herr» T. M. in Charlottenburg. Der Paragraph 3 des
„Programms der Berliner Gewerbe-Ausstellung" (angenommen in der
Sitzung des Gesammt-Vorstandes vom 25. Januar 1894) lautet: „Ver
einigungen und Corporationen, deren Sitz oder Vorort Berlin ist, können
gemeinsame (Collectiv)-Ausstellungen aller ihrer Mitglieder (auch nicht in
Berlin Wohnender) zur Vorführung bringen. Es sollen solche Collectiv-
Ausstellungen besonders gefördert werden."
A. M Lcipzigerstratze. Auch Bescheidenheit kann unangenehm
werden, besonders wenn man die Absicht merkt. Darin geben wir Ihnen
rechtl Der Satiriker I. H. Detmold sagt: „Bescheidenheit ist vor Allem
dazu da, um desto größere Ansprüche zu machen, wie denn Bescheidenheit
eigentlich nichts weiter ist, als der bekannte Kniff, daß man, um einen
recht weiten Sprung zu thun, etwas zurückgeht."
H. M. R. Die Zahl der Quadratmeter macht es doch nicht. Man
kann auf einem einzigen Quadratmeter Sachen ausstellen, die so großartig
und interessant find, daß die Sachen von mehreren hundert anderen Qua
dratmetern dagegen gar nicht aufkommen. ^
Frau H. W., Köpenickerstratze. Wenn Sie während der Aus
stellungszeit Wohnungen vermiethen wollen, so wenden Sie sich an Carl
Stangen's Reisebureau, Berlin W., Mohrenstraße 10. Der Arbeits-Aus-
schuß der Berliner Gewerbe-Ausstellung hat mit diesem Bureau einen Ver
trag abgeschlossen, aufGrund dessen das genannte Bureau einen „Officiellen
Wohnungs-Nachweis" übernommen hat. In diesen Nachweis werden
alle für die Besucher der Ausstellung fteistehenden Wohnungen kostenstei
eingetragen. Die Listen, in welche, die Eintragungen erfolgt sind, werden
an die Wohnungsuchenden auf Verlangen ebenfalls kostenfrei versandt. Es
steht somit jedem Einzelnen frei, sich mit den Vernriethern von Zimmern
direct oder durch Vermittelung des „Officiellen Verkehrs-Bureau" der
Ausstellung (Carl Stangen's Reise-Bureau, Berlin W., Mohrenstraße 10)
in Verbindung zu setzen. Schon jetzt ist von dem Letzteren für die Dauer
der Ausstellung eine große Anzahl Zimmer sowohl für feste Rechnung ge
miethet, als auch in anderer Form gesichert worden, so daß sowohl für
einzelne Reisende aller Klassen, als auch für Vereine und Gesellschaften in
ausreichender Weise gesorgt sein wird. Vom 1. Mai ab wird Carl Stangen's
Reise-Bureau außer seinem Haupt-Bureau, Mohrenstraße 10, auf allen
Hauptbahnhöfen Berlins zum Zweck des Wohnungs-Nachweises für die
ankommenden Fremden Bureaux errichten.
Landwirth M. in K. Ueber die im Mai d. I. in Berlin statt
findende „Mastvieh-Ausstellung" werden wir keine Berichte bringen. Mast
vieh interessirt uns nur in gebratenem Zustande!
Direktor H. St. Ihre freundliche Zusendung wird in der nächsten
Nummer Verwendung finden.
I. S. Die Berliner Theater und Vergnügungen werden wir in
unserem Blatte erst mit Beginn der Ausstellung in eingehenderer Weise be
rücksichtigen und so den Fremden auch ein treuer Führer sein durch das
„Berlin, in dem man sich amnsirt".
Herrn Q. P. in Berlin (Alexanderstratze). Wir werden nach
Eröffnung der Ausstellung über Ihre Terrarien Bericht erstatten.
Herrn Cafetier W. (Potodnnierstratze). Ueber Ihren Pavillon
auf der Ausstellung berichten wir nächstens in einem Artikel, welcher die
Privat-Gebäude der Ausstellung behandeln wird.
Herrn Aug. E. (Köpenickerstratze). Wir können Ihnen, nach
besonderer Anstage beim Arbeitsausschuß, nur mittheilen, daß Saison-
Billets für die Ausstellung nicht ausgegeben werden.
Top of page

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.