Publication:
1896
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-15365322
Path:

Officielle Aussteifungs-Nachriclrten.
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welche auf das Lazaretliwesen im Kriege und die zur Zeit infcenirten
großen Vorbereitungs-Maßnahmen für einen Feldzug directen Bezug
haben, sollen diesen interessanten und werthvollen Ausstellungs-Objecten
angesägt werden.
V
Außer den officielleu Gebäulichkeiten siud iin Ausstellungs-
park zu Treptow bis jetzt 48 Privat-Gcbüude (Restau
rants, Cafes, Pavillons) errichtet und fast ausnahmslos unter
Dach gebracht worden. Ungefähr fünfzig Pavillons liegen auf
den Zimmerplätzen in Berlin und Vororten fertig zum Aufstellen
bereit. Der Park wird mehr als 100 Privatgebäude enthalten.
ü»
Auf dem Bauplatz in „Kairo" find augenblicklich noch gegen
400 Arbeiter beschäftigt. Die Arbeiten sind außerordentlich weit
gediehen. Im Februar beginnt das Anmalen der Gebäulichkeiten,
find diese werden in ihrem bunten Gewände dann noch interessanter
aussehen als jetzt. Kommt man mit der Ringbahn von Nixdorf,
so sieht man vom Conpecfenster ans zur Linken wie eine fata
inorgana die schlanken Minarets und die KuPPelgcbäudc von Kairo
auftauchen. Die Malereien an den Gebäulichkeiten werden
„wetterfest" auf Kalkolith durch Theatermaler ausgeführt. Auch
mit dem Aufstellen der vielen Hunderte von Palmen lvill man
im Februar fertig werden.
i &
Das Gebiet der Volksmassen-Ernährung wird auf
Der Berliner Gewerbe-Ausstellung 1806 vom Verein der Berliner
Kindcrvolksküchen zur Veranschaulichung gebracht werden, dem
seitens des Arbeitsausschusses in Anbetracht des edlen Zweckes
und wegen der Eigenart der Ausstellung das erforderliche
Terrain innerhalb des AuSstellnngSgcbictcs kostenlos zur Ver
fügung gestellt worden ist. Die Ausstellung für Volksmassen-
Ernährung wird für alle diejenigen von besonderem Interesse sein,
welche mit der Verpflegung des Militairs, mit der Ockvnomie der
Krankenhäuser und anderen ähnlichen communalen Einrichtungen
betraut sind oder sich überhaupt für rationelle Volksernährung
intcrcssiren. Sic soll den Nachweis bringe», daß sich bei
der Massenverpflegung die Billigkeit und der hohe Nähr-
wcrth der Lebensmittel sehr wohl vereinigen lassen, ohne
daß dein Wohlgeschmack einerseits und den Neigungen der
Menschen andererseits Abbruch gethan zu werden braucht.
Die Nohproducte, welche zur Herstellung der Speisen dienen,
werden in dem sich den Koch- und Speiseräumen anschließenden
Ausstellungsraum dem Publikum zur Ansicht ausgestellt werden.
Die aus diesen Nährmitteln bereiteten Speisen werden möglichst
dem Publikum sichtbar hergestellt und in genügenden Portionen
zu billigem Preise verabreicht werden. Das Verhältniß von Nähr-
werth und Preis der zur Verwendung gelangenden Nahrungs
mittel wird von einem bekannten Chemiker, welcher als chemisch-
technischer Beirath der Ausstellung zur Seite stehen tvird,
wissenschaftlich festgestellt und veröffentlicht werden. Die ganze
Veranstaltung dürfte wohl einen der Bedeutung des heutigen
Standes der Volkscruäyrung würdigen Rang einnehmen.
S
K. Sehr weit mit ihren Arbeiten ist die Gruppe IX (Chemie).
Sie hat 110 Aussteller, welche in sechs Abtheilungen ausstellen. Für
diese Gruppe ist ein Drittel des Erdgeschosses in dem besonderen,
nördlich von der Treptower Chaussee stehenden, von zwei Thürmen
flantirtcn Gebäude für Chemie, Mechanik und Photographie zugetheilt.
In dem Rundbau zwischen de» beiden Thürmen an der Chaussee be
findet sich der Bortragssaal. Ju diesem werden durch die Gruppe
während der Sommermonate Vorträge mit Experimenten veranstaltet
werden, um die neuesten Erfindungen der Chemie zu popularisiren.
Das Programm der Vorträge steht noch nicht fest. — An diesen Rund
bau schließt sich der sog. Laboratoriumsraum von 31,50 m Länge und
0,50 m Breite. Hinter diesem liegt der große Ansstellungssaal von 48 m
Länge und 17,50 w Breite. In den beiden nördlichen Ecken der großen
Halle liegen die interessanten Pavillons von Treu und Nuglisch und
von Lohse. Den Mittelpunkt nimmt ein riesenhafter Pavillon der ver
einigten Berliner Seifefabrikanten ein, welcher die Höhe von drei
Stockwerken hat, und der von ebenso hohen Obelisken aus buntfarbiger
Seife umgeben ist. Ein wissenschaftlich gebildeter Vertreter der Gruppe
wird ständig in der Ausstellung anwesend sein, um alle einschlägigen
Fragen zu beantworten und die nothwendigen Erklärungen zu gebe».
Die Gruppe beginnt schon im Februar mit der Aufstellung der ein
heitlichen Schränke. Anfang April bereits beginnt das Einräunie» der
Ausstellungsgegenstände, so daß 14 Tage vor Eröffnung der Ausstellung
diese Gruppe vollständig fertig.sein dürfte.
Bei der Gruppe «I (Bekleidnngs-Judiistrie) sind in Folge Rück
tritts einiger Aussteller noch folgende Plätze zu vergeben: Saal A
Damenconfection, 4 LäMeter, Saal B, Herren-Knabenconfection, 8 lüMeter,
Saal C, Kürschnerwnaren, 8 cSMeter, Saal D, Wäsche und Weiß
waaren, 6 LSMeter M a s ch in e n b e t r i e b, Saal E, F, G, H und
Mittelhalle sind besetzt. Reflectanten erfahren Näheres im Bureau der
Gruppe II, Hausvoigteiplatz 2.
5G»
— -rv
Ausstellung
Die Beleuchtung der Ausstellung.
Eine Zeit lang hat die Frage tvegen der Beleuchtung der
Ausstellung getvaltig die Gemüther erregt. Die Beleuchtung nun
das „Schmerzenskind" des ganzen Unternehmens. Wie sich aber
so oft im wirklichen Leben gerade frühere Schmerzenskinder am
schönsten entwickeln, so wird es auch mit der Beleuchtung der
Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896 gehen. Die Ausstellung wird
eine Beleuchtung haben, lvie sie noch keine Weltausstellung auf-
zuwcisen hatte.
Vier Kraftstationcn .werden de» nöthigen Strom für die
Beleuchtung liefern, und zwar mittels 16 000 Meter Kabel,
welche unterirdisch verlegt sind. Die Leistungsfähigkeit der Kraft
stationen der Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896 übertrifft die
Leistungsfähigkeit der beiden großen Centralen von Hamburg und
Frankfurt am Main zusammengenommen. Die erste Kraftstation
liegt in der nordwestlichen Ecke des Haupt-Ausstellungsgebäudes.
Hier liefern 1900 Pferdekräfte Gleichstrom von 240 Volt (Drei
leitersystem) und 1200 Pferdekrüfte Drehstrom von 2000 Volt.
Nördlich und südlich vom Neuen See in der Nähe des Haupt-
restaurants und des Theaters Alt-Berlin werden zwei Loco-
mobilcnhüuser errichtet, welche zusammen 300 Pferdekrüfte haben
und Gleichstrom von 240 Volt (Dreileitersystem) liefern. Oestlich
vom Vergnügungspark liegt die große Syndikatsstation, welche
mit 1000 Pferdekräften Gleichstrom von 240 Volt (Drcilciter-
system) zur Beleuchtung und mit 450 Pferdekräften Gleichstrom
von 500 Volt für den Betrieb der elektrischen Bahn innerhalb der
Ausstellung schaffen wird.
Das Hauptgebäude der Ausstellung erhält 400 Bogen
lampen, außerdem 20 Bogenlampen für die Kuppel, 62 Bogen
lampen für de» halbrunden Theil, der vor dem Eingang zur
Haupthalle vorgelagert ist, endlich 36 Bogenlanipen für die elek
trische Abtheilung (Gruppe XIV) in der Nordwestecke des Haupt
gebäudes.
Der Laie kann sich nur schwer einen Begriff davon machen,
welche Fülle von Licht diese 608 Bogenlampen verbreiten werden.
Zum Vergleich sei angeführt, daß die Leipzigcrstraßc^ zwischen
dem Potsdamer Platz und der Friedrichstraße von 25 Bogen
lampen beleuchtet wird. Die Haupthalle hat also allein 20 Mal
so viel Licht wie jener Theil der Leipzigerstraße. Für die
Kuppel des Hauptgebäudes und den halbrunden Theil sind noch
250 Glühlampen vorgesehen. Das Hauptgebäude wird bis zehn
Uhr Abends erleuchtet sein.
Das tvestlich vom Hauptgebäude gelegene Kesselhaus tvird
mit acht Bogenlampen und 40 Glühlampen erleuchtet. In den
Locomobilenhäusern werden sechs Bogenlampen verwendet. Der P a r k
der Ausstellung wird bis 12 y 2 VI h r N a ch t s mit 200 B o g e u l a m p c n
erleuchtet, von denen 40 ans den Vergnügungspark kommen.
Zur Grottenbeleuchtung der Cascade» am Hauptrestaurant werden
60 Glühlampen im Betrieb gehalten. Das Theater Alt-
Berlin hat 1100 Glühlampen. (Tie Ausstellung Alt-Berlin
selbst wird sich mit Gasbeleuchtung begnügen.) Die Special-
Ausstellung Kairo hat eigene elektrische Beleuchtung, die von
Siemens u. Halste geliefert wird. Die officielleu Belcuchtuiigs-
stationen der Ausstellung liefern außer der Kraft für die elektrische
Eisenbahn innerhalb des Partes noch Strom für 74 Elektro
motoren in der Haupthalle und für 100 Cvnsumcntcn im
Park, iu den Pavillons, in den Restaurants u. s. tv. Auch der
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