Publication:
1896
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-15365322
Path:

(DffwwUe Ausstellung« -Nachrichten.
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'ähren hat, als seine Seitenflügel nunmehr in je vier gleich große
Kompartiments getheilt sind.
Eine wesentliche Verbesserung der Beleuchtung der Seitcn-
säle ist dem Vorbilde der Münchener Secession zu verdanken,
llm ein mildes, gleichmäßig einfallendes Licht zu erzielen, wird
unter den Satteldächern der äußeren Seitenflügel ein durch
sichtiger Gazerahmen ausgespannt, der die Strahlen in eine ver-
rheilt einfluthende Lichtmasse abdämpft und, auf einer aus be
malter Leinwand bestehenden Boute scheinbar ruhend, die Eisen-
construction des Daches für das Auge verdeckt.
Auch die in Aussicht genommene Vertheilung des Kunst
schaffens der einzelnen Schulen und Nationen zeugt vou rugen-
fülligen Fortschritten gegenüber den bisherigen Zuständen. So
berührt es besonders wohlthuend, daß man von dem Institut der
sogenannten Ehrensäle Abstand genommen hat. An die für die
Plastik reservirten beiden Säle der Vorderseite schließen sich fünf
große Mittelräume, die für die Berliner Künstlerschaft rescrvirt
sind. München erhält zwei Obcrlichtsäle und drei Eompartimeuts
im linken Seitenflügel, Düsseldorf einen Saal und zwei Ncben-
räume. Dresden und Stuttgart sind in: linken, Weimar und
Karlsruhe im rechten Seitenflügel untergebracht. Die übrigen
großen Säle des Hauptgebäudes vertheilen sich auf England,
Frankreich, Spanien, Oesterreich und Italien, während Ungarn,
Rußland, Amerika, Schweden und Norwegen, Dänemark, Holland
und der Schweiz eine Reihe seitlicher Abtheilungen zugewiesen
ist. Der ganze rechtwinklige hintere Anbau ist für die historische
Ausstellung bestimmt, die unter Leitung der Herren Professor
Hans Müller und Dr. Seidel zum ersten Male ein zusammen
hangendes Bild des Berliner Kunstschaffens der Vergangenheit
geben soll.
Die Decoration der praktisch eingetheilten, prächtig beleuch
teten Räume bleibt, wie bereits angedeutet, dem Geschmack und
der Munificenz der Berliner Künstlerschaft überlassen, die sicher
über der rühmenswerthen Sparsamkeit nicht vergessen tvird, daß
es sich bei einem Anlaß, wie der Feier des zweihundertjährigcn
Bestehens der Kunstakademie, um unerläßliche repräsentative Pflichten
handelt. Auch die Aufgabe, der schönen Kunst einen schönen
Rahmen zu geben, ist des Schweißes der Edlen werth.
In den beiden Musikpavillons, die in reizvoller Lage an
der Nord- und Südseite des Neuen Sees errichtet sind, werden
bis zum Schluß der Ausstellungsräume täglich die officiellen
Concerte stattfinden. Diese musikalischen Veranstaltungen sind
natürlich durchaus unabhängig von jeder privaten Unternehmung:
die Kapellen werden ausschließlich vom Arbeits-Ausschuß engagirt.
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h. Das Bestreben, der Ausstellung auch in ihrem Ver
gnügungstheil ein charakteristisches Relief zu verleihen, wird auch
bei dem Wenden Haus, das die Actien-Brauerei-Gesellschaft
Friedrichshöhe errichtet, zum Ausdruck gelangen. In seiner
inneren und äußeren Architektur und Ausstattung wird das Wenden
haus, das H offacker erbaut, ein getreues Abbild sein der jetzt noch im
Gebiete des Spreewaldes heimischen Stätten. Das Haus, das sich
in schöner, malerischer Lage am Karpfenteich erhebt, wird natürlich
in erster Reihe Restaurationszwecken dienen, aber auch zugleich
eine Art Museum bilden, indem das Museum für Volkstrachten
die verschiedenen Ländertrachten früherer und jetziger Zeit aus
stellen wird. Der Besuch dieses eigenartigen Miniaturmuseums
wird Jedernmnn freistehen. Im Wendenhaus wird Alles echt
sein, die Einrichtung, das Bier und auch die Bedienung, die un
verfälschte, bei uns mehr als Milchheben für Kleine denn als
Bierheben für Große bekannte Spreewälderinnen in ihren kleid
samen, breiten Gewändern besorgen werden.
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h. In den leitenden Kreisen der Königlichen Theater
wird, wie wir erfahren, ernsthaft der Plan discutirt, mit Rück
sicht auf die Ausstellung sowohl das Königliche Opernhaus
als auch das Königliche Schauspielhaus in den Monaten Juli
und August nicht zu schließen. Tie Schwierigkeiten, die sich der
Verwirklichung des Planes durch das Ferienverhältniß der ein
zelnen Mitglieder entgegenstellen, will man in der Weise zu löse»
versuchen, daß man den Tauptkrüften anstatt der bisher üblichen
zwei Monate vier Wochen Ferienurlaub bewilligt. Der Fremde,
der die Ausstellung besucht, wird in erster Reihe natürlich auch
die Königlichen Theater kennen lernen wollen, und unsere General
intendanz handelt nicht nur in geschäftlichem, sondern auch in
künstlerischem und allgemeinem Interesse, wenn sie den stemden
Besuchern Gelegenheit bietet, während der ganzen Ausstellnngs-
zeit dievielgerühniten Königliche» Theater, die den wesentlichsten Factor
des öffentlichen Berliner Kunstlebens ausmachen, kennen zu lernen.
Unsere lieben Ausstellung» - Gäste.
Von Eugenik Schmitl.
Am letzten Sonntag war es.
Mein Eheliebster und ich genossen das Vergnügen, und zwar
unseren Kaffee zu trinken in aller Behaglichkeit, wozu wir Wochentags
nie Zeit haben, da mein Mann schon frühzeitig fort muß, um
seinen Geschäften als Agent nachzugehen. Der Kampf um's
Dasein in Berlin ist schwer, die Cvncurrenz ist riesig, ja man
könnte sagen mörderisch, und mein lieber Max muß sich recht
quälen, um seine Familie anständig durch das Leben zu bringen.
Ich miss mich nicht rühmen, aber was eine Frau thun kaun, uni
die Groschen, die der Mann schwer verdient, zusammenzuhalten,
das thue auch ich. Wir Frauen aus dem Mittelstände sind in
Berlin gezwungen, recht, recht sparsam zu sein. Aus dem Pollen
wirthschaften kann keine von uns, jede Extra-Ausgabe muß ver
mieden werden, denn sie macht ein Loch in dem peinlich genau
festgesetzten Etat des Haushalts und der Lebensführung
Wir saßen also in aller Behaglichkeit beim Sonntags-
Morgenkaffee. Max las die Zeitungen vor ltitb bemerkte endlich:
„Die Ausstellung wird doch großartig! So was hat die
Welt noch nicht gesehen!"
Mein lieber Max ist kein geborener Berliner, er stammt aus
dem Osten, ich aus dem Westen des Reiches, wir sind „Zu
gezogene": aber er liebt leine neue Hcimathstadt Berlin auf
richtig, und ich sinde das sehr nett und achtbar von ihm. Max
sagte daher die obigen Worte mit einer gewissen Begeisterung.
„Ganz gewiß!" entgegnete ich ihm. „Wir werden auch recht
häufig die Ausstellung besuchen. Das heißt, wenn die Sache
nicht zu theuer wird!"
„Das hilft nun einmal nichts!" erklärte Max. „Wir Ber
liner haben die heilige Pflicht, dieses R'eseu-Unternehmen, den
Triumph Berlins, durch recht fleißigen Besuch zu unterstützen!
Mit den Kosten kommen wir schon zurecht, in diesem Sommer
uncerbleibt die Ferienreise nach der See!"
„Du meinst, wir bleiben in diesem Sommer in Berlin?"
fragte ich etwas überrascht; denn die kleine vierwöchige Er
holungsfährt mit den Kindern nach der See war mir bisher
immer selbst eine wahre Wohlthat gewesen.
„Aber gewiß, mein liebes Kind!" entgegnete Max sehr ernst.
„Wir können doch in diesem Sommer gar nicht daran denken,
zu verreisen. Ein anständiger Bürger, der seine Heimathstadt ein
wenig lieb hat, der noch Ideale besitzt, hat doch noch andere
Verpflichtungen als nur die Stenern zu bezahlen. Er hat auch
moralische Verpflichtungen, und denen würde man sich ent
ziehen, wollte man in diesem Sommer verreisen. Das wäre ja
ganz unerhört! Denke Dir, wir Berliner laden die ganze Welt
zu Gaste zu uns, und dann wollen wir selbst verreisen?"
„Aber Du gehörst doch nicht zu den offieielle» Persönlich
keiten ?"
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