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Volume Nr. 40, 27. Mai 1896

Full text: Officielle Ausstellungs-Nachrichten (Public Domain) Issue1896 (Public Domain)

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Officielle Äussteil‘ülftchten. 
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Architektur unter den Künsten in erster Reihe steht, darüber 
kann kein Zweifel walten. Der Bau des Hauptausstellungspalastes 
und des gegenüberliegenden Erfrischungspalastes, malerisch 
um den See gruppirt, ist ein ebenso originelles, als 
ausdrucksreiches Meisterstück der Baukunst. Bruno Schmitz, 
der geniale Architekt, der wie Wenige die Spannkraft der 
architektonischen Phantasie besitzt, welche den Charakter und die 
Ansprüche modernen Lebens bewältigt, hat ein Werk geschaffen, 
das immer schöner erscheint, je länger, je öfter man es be 
trachtet. Gegenüber dieser lebensprühenden Improvisation mit der 
stählernen, ritterlichen Physiognomie müssen die anderen Künste 
zurücktreten, da ihre Werke ja von vornherein nur einen dienenden 
Charakter haben können in dieser Umgebung und die Schnelligkeit, 
mit der sie vollendet werden mussten, nur ganz leicht decorative 
Behandlung zuliess. Wie weit es aber gelungen ist, einen solchen 
decorativen Charakter von weittragender Wirkung zu erzielen, das 
ist gewiss einiger näheren Betrachtung werth. 
In der Kuppel der grossen Ausstellungshalle gewahren wir eine 
grosse allegorische Darstellung von Klein-Chevalier, die inter 
essant ist dadurch, dass sie nicht die üblichen antiken Personificationen 
mit rebusartigen Emblemen sprechen lässt, sondern sich einmal einer 
zeitgeinässeren Ausdrucksweise bedient. Da sehen wir mächtige, 
musculöse Arbeiter mit der Hacke die Erde aufgraben und auf 
schaufeln und die Schollen umlegen. Einen Feuerherd und Ambos 
vor der Meeresküste sehen wir in der Nähe stehen. Wir blicken weiter 
an dem allegorischen Panorama umher und sehen in der Meeresbrandung 
Fischer ihre Netze aufziehen. Ein Adler schwebt über den Wassern; 
nicht ein heraldischer allegorischer, ein leibhaftiger, lebendiger Adler 
mit natürlichem Flügelschlag. Wir können keinen Augenblick 
zweifeln, was das für ein Adler ist, der über dem Wasser 
schwebt und über den Elementen, welche der Mensch sich 
dienstbar macht für die Werke seines Fleisses und seiner 
Hand. Wir sehen weiterhin die goldig untergehende Sonne und 
ein aus dem Wasser auftauchendes Ungeheuer der Nacht, das 
gar wohl geeignet ist, Schrecken zu verbreiten. Es scheint, dass 
der Maler, im richtigen Bewusstsein seiner Zeit und dessen, was 
hier am besten taugte, eine Art von modern naturalistischer Allegorie 
beabsichtigt hat; denn auch in der Zeichnung hat er sich eines 
gewissen derben, rauhen Naturalismus bedient und somit spiegelt 
er jedenfalls eine Zeitstimmung auch hoch oben in der Wölbung 
der Kuppel wieder. Man dürfte selbstverständlich diese und andere 
Malwerke nicht zu genau auf Form und Ausdruck betrachten; es 
sind rasche Improvisationen, bei denen es auf die eine oder andere 
Vorzeichnung nicht ankommen kann. Wenn sie nur die Decke an 
genehm beleben, wenn sie nur durch perspectivisehe Wirkung der 
gewählten blauen und grünen Farbentöne die Kuppel selbst vertiefen 
und eine Vorstellung des Unendlichen erwecken. Nun, das ist dem 
Maler der Kuppel zweifelsohne gelungen, und somit darf sein Werk 
als flott und zweckdienlich gelten. 
Die Technik der Glastransparenz war an den Malereien zu 
erproben, die um die Orgel im Kuppelsaale Stimmung und charak 
teristisches Licht in den Raum zaubern sollen. Stolz thront in 
der Mitte die Berolina mit ihrem Bären, den Lorber hocherhebend. 
Von rechts und links kommen nackte Weiber und Männer herbei 
gelaufen, bereit, sich in ihren Dienst zu stellen. Man kann sich 
bei dieser nicht gerade sehr bestimmt gedachten Allegorie allerdings 
sehr Verschiedenartiges vorstellen. Aber die hageren Formen, die 
mageren, etwas ausgearbeiteten Glieder dieser Wesen zeigen, dass 
sie nicht gerade als solche gedacht sind, die in Wohlleben hausen, 
mit anderen Worten ein socialistischer Zug beherrscht auch hier 
den Formensinn und die Einbildungskraft. Die Farbe wirkt nur 
wie eine leichte, dünne Lasur; es ist auch hier etwas Flottes in 
der Art, wie diese hinlasirten Gestalten sich geberden und gegen 
das dahinter liegende Tageslicht durchscheinen. 
Was decorative Malerei heutzutage zu leisten im Stande ist, 
das zeigt einige Schritte weiter die Berliner Porzellan - Manufactur, 
deren glänzende Qualitäten an dieser Stelle bereits gewürdigt wurden. 
Betritt man die Räume der Auskunftei im Hauptgebäude, so 
fallen einige lichtgehaltene allegorische Darstellungen von Hans 
Koberstein nicht unvortheilhaft auf. »Für Recht und Ehr’ im 
Weltverkehr« ist das Motto des einen Bildes, wo wir Hermes um 
geben von einem idealen Briefboten und einer schreibenden Engels 
gestalt sehen. »Neue Zeit schafft Neues« schildert eine Küste mit 
Eisenbahn, Schiffen und allem Zubehör des Handels. »Stillstand 
ist f&ckschritt« weist i;h eine Landschaft, wo wir im Gegensatz dazu 
noch mit ÄM. alten Lastwagen fahren sehen und eine verfallene 
Fabrik auch die Folgen eines solchen Mangels an Modernität ver 
sinnlicht. Diese Wandgemälde sind Mar und übersichtlich ge 
zeichnet und bilden einen angemessenen Schmuck. 
Dies sind die Hauptmalereien in der grossen Ausstellungs- 
Halle; unser Rundgang wird uns von hier zunächst nach Kairo in 
die dortige Orfentbilder-Sammlung führen. W. K. 
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Im Theater Alt-Berlin gelangen heute (Mittwoch) 
Adalbert von Haustein’s »Gotzkowsky« und Axel Delmar’s »An 
mein Volk« zur ersten Aufführung. Im »Gotzkowsky« spielt 
Gustav Kober die Rolle Friedrichs, in »An mein Volk« tritt Friedrich 
Wilhelm III. auf, aber als stumme Person. 
S 
Ein Besuch im Innern der Pyramide von Gizüh 
in der Special-Ausstellung »Kairo« sowie eine Auffahrt zu der 
Plattform ist ungemein lohnend und lehrreich. Das kolossale Bau 
werk, welches zwar nicht ganz in den Dimensionen des Jahr 
tausende alten, unter König Cheops begonnenen Originals gehalten 
werden konnte, aber doch durch täuschende Nachahmung einen 
Begriff von der ehrwürdigen Schönheit dieses Monumentes alt- 
egyptiseher Despotenherrlichkeit zu geben geeignet ist, befindet 
sich in der südwestlichen Ecke des Ausstellungsterrains, einerseits 
an den Palmenhain der Nillandscliaft und die Felsengräber, anderer 
seits an die grosse Arena und die Fellachen dörfer als 
stimmungsvolle Fortsetzung und Abschluss angereiht. — 
Gleich einem Gebirgspfad windet sich der Weg zwischen den 
kolossalen Felsquadern hindurch, oft so schmal, dass man 
nur Schwindelfreien und nicht Angeheiterten diesen Aufstieg 
rathen darf. In einer Höhe von etwa 15 Metern gelangt man zu 
dem Eingangsschacht. Es ist dieser Eingang bekanntlich bis zu 
unserer Zeit durch einen Felsblock verborgen gewesen, um die 
Königsleichen im Innern der als Grabdenkmäler aufgeführten 
Pyramiden vor gierigen Räuberbanden zu schützen. Der Schacht wie 
überhaupt alle Gänge und Grabkammern der Pyramide sind denen des 
Originals mit grosser Treue nachgeahmt, nur etwas höher und bequemer; 
in den Gängen der alten Cheops-Pyramide kann man sich nur 
gebückt oder kriechend fortbewegen. Dagegen sind die starken 
Steigungen der Gänge, die in den Stein gehauenen Fussspuren, 
die labyrinthartigeu Verschlingungen der Gänge getreu der 
Wirklichkeit nachgebildet. In den beiden Grabkammern befinden 
sieb echte, von der Direction nach Berlin gebrachte Mumien, 
etwa acht an der Zahl, darunter einige vorzüglich erhaltene. —- 
Durch den rückwärtigen Ausgang gelangt man zum Aufzug, einem 
elektrischen Fahrstuhl, der bis 10 Personen fasst. Mit Blitzeseile gebt die 
Reise nun dreissig Meter in die Höhe bis zu einer Wendeltreppe, 
welche nach der Plattform der Pyramide führt. — Wer diese 
Aussichtswarte zum ersten Mal betritt, wird sich wohl kaum eines 
lebhaften Ausrufs der üeberraschung und des Entzückens enthalten 
können. Ueber eine niedrige Brüstung schweift der Blick frei 
hinaus nach allen Himmelsrichtungen. Sehen wir uns zuerst 
im Norden um. Da ist zu unseren Füssen das Bild 
des Palmenhains, durch dessen Wipfel, natürlich von oben 
gesehen, das Wasser des Nil durchblinkt; daran reihen sich die 
alten Tempelbauten .mit den von Säulen umgebenen Höfen, die 
neuarabischen Bauten, die Minarets der Moscheen, dazwischen 
Kopf an Kopf die Tausende von Menschen in deutscher und 
arabischer Tracht, die ganz besonders auf dem beliebten Eseltanz 
platz sich zu einer dichtgedrängten, bunten Masse concentrireu. 
Die Klänge der Musik, das Jubeln und Lachen der Menschen, 
das Peitschen und die Anrufe der Esel- und Kameeltreiber, das 
Geschrei der Händler dringt in confusom Durcheinander nach 
der Höhe. 
Weiterhin überblickt man die gesammte Gewerbe-Ausstellung; 
wie aus einem Zaubergarten winken all’ die Giebel, Kuppeln und 
Thürme, die Front des Hauptgebäudes, die Kuppel des »Lokal- 
Anzeiger«, das Chemie- und Fischereigebäude, der Wasserthurm, 
die Weltmusik, Thurmhahn etc. herüber. Hinter den letztgenannten 
Bauten breitet sieh weithin nach Osten ein mit Wald und Wiesen
	        
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