Publication:
1896
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-15365322
Path:

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ifficielle Ausstellung*^- Nachrichten.
Abend benutzen würden, diese überaus lehn 5 er
behindert von der drängenden Menge, fortzittß.
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Am Lendemain. In einem so grossen Complex von
Etablissements aller Art wie die Gewerbe-Ausstellung ist eine Bc-
obachtungsreise am Morgen nach einem Feiertag oder Sonntag
natürlich besonders ergiebig an stimmungsvollen Scenen. — Lang
sam und melancholisch kommen die Beschäftigten angerückt, —
manche noch im demselben Gewand, das sie Tags vorher anhatten!
Manch’ liebliches »Stillleben« ergötzt unser Auge in den rück
wärtigen belaubten Partieen. Fettige Papierstückchen kräuseln sich
im Morgenwind; wie viele geistvolle Zeitungsartikel finden hier ein
frühes Grab unter grünen Bäumen. Auf einer Bank liegt ein zer
brochener Regenschirm neben einem Plan der Ausstellung; der
Besen, der Ordnung schaffen sollte, ruht daneben im Gebüsch. Ja,
beim Weitergehen stösst unser Fuss gar an eine Geldbörse, sie ist
zerrissen -—- und leer —, wahrscheinlich hat der Besitzer sie aus
Wuth über die Vergänglichkeit allen Mammons von sich geworfen.
Auch Streichholz - Schachteln, Cigarren- und Cigarettenstummel,
Fruchtschalen, Bonbonnieren u. a. m. »schmücken« die jetzt so
stillen Pfade, von denen gestern Staub von Tausenden von Menschen
aufgewirbelt wurde, oder tanzen über die zitternden-Wellen des
Karpfenteichs. —- Nur die Schwäne ziehen still und feierlich wie
immer über die glänzende Wasserfläche.
V
Die Polizei auf dem Ausstellung® - Terrain.
Die Gendarmen sollen den Dienst auf der Ausstellung thun? —
So fragten noch vor wenigen Wochen kopfschüttelnd die Berliner
und mancher ängstliche Philister spürte sogar einen leichten Anflug
von Gänsehaut, wenn er daran dachte, dass die Sicherheit der
Gross-Berliner Bevölkerung während des Ausstellungsbesuches »nur«
den Landgeudarmeu anvertraut sein soll. Seitdem sind Tage und
Wochen vergangen, manch’ bewegten Tag hat unsere Ausstellung
schon gesehen, und doch haben die Gendarmen mit Ruhe und
Umsicht den Verkehr bewältigt. Aber die Hauptprüfung auf ihre
Leistungsfähigkeit hat die Gendarmerie doch erst in den beiden
Pfingstfeiertagen ablegen können, wo zum ersten Male seit
Eröffnung der Besuch der Ausstellung wahre Riesen
dimensionen annahm. Das Prädicat der abgelegten Prüfung
lautet nach einstimmigem Urtheil: »Vorzüglich!« Es war nicht
nothwendig, wie man vermuthet hatte, Aushilfe von der Berliner
Schutzmannsehaft zu erbitten; die Beamten der Landpolizei haben
ihre Schuldigkeit so gut gethan, dass es weder im Personen- noch
Wagenverkehr zu nennenswerthen Auftritten gekommen ist. Die
Gendarmen sind zum grössten Theil schon ältere, ruhige und über
legende Männer, die in den Vororten den Verkehr mit einer gross
städtischen Bevölkerung vollauf kennen gelernt haben und die dabei
erworbenen Erfahrungen nun mit Glück verwerthen; sie sind freund
lich und zuvorkommend und schreiten doch in geeigneten Momenten
mit voller Energie ein. Die beiden Feiertage haben zur Genüge
bewiesen, dass die Gendarmen ihrer Aufgabe vollauf gewachsen
sind. Es ist aber nur eine Pflicht der Gerechtigkeit, wenn wir
ausdrücklich hervorheben, dass auch der Berliner Schutz
mannschaft auf den Zufahrtstrassen zur Ausstellung eine schwere
Aufgabe oblag und dass von ihr diese Aufgabe mit Umsicht und
Geschick gelöst wurde.
V
Zur Warnung. Bedauerlich und durchaus zu tadeln ist
der grobe Vertrauensmissbrauch, den manche Inhaber von Dauer
karten trotz aller Bekanntmachungen immer noch treiben. Es
scheint, als oh die Leute, die ihre Dauerkarte verborgen oder die,
welche sie unbefugter Weise benutzen, sich nicht darüber klar sind,
dass es in dürren Worten Beihilfe zum Betrüge respective Voll
endung eines Betruges ist, dessen sie sich dadurch schuldig machen.
Da fehlt weder der »dolus«, die Vorspiegelung falscher Thatsachen
und der rechtswidrige Vermögensvortheil für den Benutzer, noch die
Vorschubleistung und Begünstigung für den Verleiher der Dauerkarte.
Sehr täuschen sich die Leute, die da glauben, dass bei der relativen
Geringfügigkeit der Summe, um die sie die Verwaltung der Aus
stellung schädigen, die Sache nicht so schlimm erscheine und
sei. Diese Auffassung zeugt nicht nur von einem beklngenswerthen
moralischen Defect, sie rechnet auch mit Voraussetzungen, die
nicht vorhanden sind. Zunächst wird es keinen Richter geben,
der aus diesem Thatbestand nicht zu einer Verurtheilung des An
geklagten kommen würde, und andererseits hat die Verwaltung der
Gewerbe-Ausstellung weder einen Grund noch die Absicht, Leute,
die sie betrügen, irgendwie zu schonen. In ihrem eigenen Interesse
warnen wir nochmals die Karteninhaber, insbesondere die Inhaber
von Freikarten; denn leider hat sieb bei der neuerdings verschärften
Kontrole gezeigt, dass besonders von den Inhabern solcher Karten,
wie sie die Verwaltung in entgegenkommendster Weise unentgeltlich
abgab, Missbrauch getrieben wird.
S
Ermässigte Fahrpreise für Arbeiter. Seitens des
Herrn Ministers der öffentlichen Arbeiten sind die Königlichen
Eisenbahu-Directionen ermächtigt worden, von mindestens 75 km
von Berlin entfernten Stationen an gewerbliche Arbeiter (auch
Arbeiterinnen) einzelner auf der Berliner Ausstellung vertretener
Gewerbezweige, deren Sonder-Ausstellung ihrer Anlage nach vor
zugsweise belehrend und anregend auf die Arbeiter zu wirken
geeignet erscheint, ermässigte Rückfahrkarten mit sieben
tägiger Gültigkeitsdauer zum Preise von einem Pf. für das
Kilometer je der Hin- und Rückfahrt auszugeben, welche zur
Benutzung der III. Klasse der Personenzüge berechtigen. Die
Ausgabe ist jedoch von einem bei der Direction zu stellen
den schriftlichen und eingehend begründeten Antrage des Arbeit
gebers oder Betriebsleiters sowie davon abhängig zu machen, dass
die Fahrt von einer Mindestzahl von 30 Arbeitern und unter
Führung des Antragstellers bezw. eines Beauftragten desselben unter
nommen wird. Die Gewährung von Freigepäck findet nicht statt;
die Rückreise kann auch einzeln angetreten werden. Die vorstehende r
Bestimmungen finden auch auf die Arbeiter der Staatseisenbahr -
Werkstätten und auf Angehörige des Fischereigewerbes, letzterenfalls
mit der Maassgabe Anwendung, dass es einer besonderen Begründung
des Antrages sowie der Vermittelung eines Arbeitgebers nicht bedarf.
Die Dienststellen haben auf Anfragen dementsprechend Auskunft zu
ertheilen und die Interessenten zu veranlassen, die Anträge unter
Angabe der Theilnebmerzahl möglichst frühzeitig einzureichen. Bei
Bewilligungen eines Antrages werden den Fahrkarten-Ausgabestellen
die gedruckten Rückfahrkarten überwiesen werden.
V
Die Sanitätswache wurde am zweiten Pfingstfeiertage
in 23 Fällen vorzugsweise von Ausstellungsbesuchern in Anspruch
genommen. Zum Theil handelte es sich um vorübergehende Indis
positionen, theils um nicht allzu schwere Verletzungen. Unter
den Patienten befanden sich mehrere, welche heftiger Zahnschmerzen
wegen Hilfe suchten und, von den Quälgeistern befreit, vergnüg!
die hilfreiche Stätte verliessen.
V
Auf der Unfall-Station wurden gestern 16 Fälle be
handelt. Ein Kaufmann aus Stettin gerieth vom Wege ab in’s Ge
büsch und erhielt von einem dort befindlichen elektrischen Leitungs
draht einen Schlag gegen die Wade, der ihn momentan bewusstlos
machte und ihm den Fuss lähmte. Eine äusserliche Verletzung
konnte nicht constatirt werden, jedoch musste der Verletzte nach
der Stadt transportirt werden. Ferner hatte sich ein Matrose von
den Marine-Schauspielen eine Schussverletzung am Kopf und Brand
wunden beim Laden eines Geschützes des Modellbootes zugezogen.
a) In der Ausstellung.
Die Malerei auf der Gewerbe-Ausstellung.
[Abdruck verboten.]
I.
Architektur, Plastik und Malerei haben zusammen gewirkt,
um den Eindruck der Gewerbe-Ausstellung zu beleben, das Nütz
liche mit einem schönen Schein zu umgeben und zierend die
Werke des Gewerbefleisses zu verherrlichen. Dass diesmal die
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