Publication:
1896
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-15365322
Path:

Officielle ÄusstelIür=22=J^-«» t richten.
prächtiger Pflanzen erhöht noch den freundlichen Eindruck des
Raumes. Nur eines mag dem Unkundigen an den Blüthen auf
fallen: sie riechen allesammt nicht. Doch auch diese Auswahl ist
mit Absicht getroffen. Ins Krankenzimmer gehören keine stark
riechenden Gewächse. Medicus.
Seine Hoheit der Hersog Johann Albrecht von
Mecklenburg-Schwerin besuchte gestern (Dienstag) Vor
mittag mit seiner Gemahlin und seinen Neffen, zwei Prinzen von Reuss
und dem Prinzen Bernhard von Weimar unseren Pavillon. Die Frau
Herzogin und der Prinz Bernhard von Weimar hatten schon einmal
uns die Ehre ihres Besuches gegeben. Es war Staunenswerth, wie
sehr sich die Frau Herzogin auf die statistischen Daten betreffend
die beschäftigten Arbeiter und die Anzahl der Abonnenten des »Berliner
Lokal-Anzeiger« besann und ihren Neffen Mittheilung machte. Die Setz
maschinen, die Stereotypie und die Zwillingsrotationsmaschinen er
regten das lebhafteste Interesse der hohen Besucher. Der Pierzog, der
bekanntlich Protector der Deutschen Kolonial - Ausstellung auf
der Berliner Gewerbe-Ausstellung ist, sah auch der Anfertigung
eines für ihn bestimmten Extrablattes zu und besuchte dann den
Depeschensaal. Die Einrichtung des Depeschensaals erklärte er
für eben so interessant wie werthvoll für jedermann, der sich mit
den Zeitereignissen beschäftigt.
Von unserem Pavillon aus begaben sich die Herr
schaften nach dem Hauptindustrie - Gebäude, wo sich Herr
Graf Schweinitz ihnen anschloss, um auf dem weiteren Wege
als Führer zu dienen. Nach flüchtigem Rundgange durch die
Hallen verweilte man bei der Trachten-Ausstellung. Auch die Aus
stellung von Schaffer und Walcker und die Juwelen-Abtheilung
wurden durchmustert. Dann durchschritten die fürstlichen
Gäste die Terrassengänge des Hauptgebäudes und begaben
sich durch die nördliche Wandelhalle nach dem Musterstall,
wo Herr Fabrikant Kühlstein die Führung durch die einzelnen
Räume übernahm. Der Herzog besonders zeigte reges Interesse
für die ausgestellten Pferde und Wagen und sagte Herrn
Kühlstein beim Abschiede zu, seinen Besuch bald wieder
holen zu wollen. Durch die Gartenausstellung, wo rasch noch
die Halle für Bindereien in Augenschein genommen
wurde, ging nun der Weg zu den Marine-Schauspielen.
Von den Herren Directoren Dieter und Leps empfangen, liessen
sich die Herrschaften in der Kaiserloge nieder und wohnten einer
Sondervorstellung bei. Die verschiedenen Schiffsmanöver, die
Paradeaufstellungen und die Beschiessung des Forts gefielen so
vortrefflich, dass der Herzog versprach, auch am Abend dem
Feuerwerk beiwohnen zu wollen. Das nächste Ziel des Rundganges
war Alt-Berlin. Herr Director Kaufmann begrüsste die hohen
Gäste und geleitete sie durch die dichtgefüllten Strassen. Mit
sichtlichem Interesse, mit besonderer Anerkennung für die Erbauer der
althistorischen Bauwerke betrachteten das herzogliche Paar und die
Prinzen den Spandauerthurm, das alte Rathhaus, die Heiligegeist
kirche und alle die anderen prächtigen Imitationen der geschichtlichen
Gebäude. In heiterster Stimmung aber versetzte sie ein Besuch des
holländischen Irrgartens, der seit wenigen Tagen zu den besuchtesten
Vergnügungen von Alt-Berlin gehört. Es dauerte ziemlich lange, bis
die Herrschaften unter Scherzen und Lachen durch das Wirrsal
der verschlungenen Gitterpfade den Thurm im Innern gefunden
hatten und wieder den Ausgang erreichten. Am Landungsplätze
der Motorbootgesellschaft bei Alt-Berlin nahm ein Motorboot die
Fürstlichkeiten auf und brachte sie hinüber an das jenseitige Ufer des
Karpfenteiches in die Eingeborenen-Dörfer der Kolonial-Ausstellung.
Die Wasserfläche war malerisch ypn Gondeln und Motorbooten be
lebt und plötzlich lösten sich vom Ufer die schlanken Canoes, reich
geschmückt und mit schwarzen Ruderern bemannt, und schossen
pfeilschnell in toller Wettfahrt über den Wasserspiegel hin, während
die Bemannung muntere Lieder sang oder mit anfeuernden Rufen
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dg^enbahn, Schiffen tüf e te. Am Landungsplätze des Togodorfes
wurdeu^ohritt« weist iy von Beck, Lieutenant von Garczynski
und Ecclifslui wi!! en I-dberg den Herrschaften vorgestellt und
schlossen sich ihnen für den weiteren Rundgang an. In
den Dörfern wurde jede einzelne Hütte besichtigt und die Herzogin
erkundigte sich selbst bei den Eingeborenen nach Sitten und
Gebräuchen. Bei einem Goldschmied bestellte sich Prinz Reuss einen
Ring. Als man die Festung Quikurro qua Siki erreichte, meinte der
Herzog lächelnd zu seinem Neffen: »Siehst Du da oben die Schädel,
die sind sämmtlich von den Negern, die Graf Schweinitz erschlagen
hat!« Alles lachte über den Scherz. Auf dem Platz im Innern
der Festung waren die Schwarzen in voller Aufregung, auch ihrer
seits den Protector der Kolonial-Ausstellung mit allen Ehren zu
empfangen. Eine Familie der Suaheli warf sich mit gesenktem
Haupt knieend auf die Matten, die Neu-Guinea-Leute begannen
mit Schildern und Lanzen einen furchtbaren Kriegstanz. Eine Weber
und Flechterfamilie zeigte ihre Kunst im Flechten und am Web
stuhl. Als man im Neu-Guineadorf anlangte führten zwei Ein
geborene den hochinteressanten Maskentanz vor, bei welchem sie
anscheinend die Bewegungen spielender Affen nachahmen. Bei den
Verkaufsständen für Kolon ialproducte bestellte sich der Herzog
Neu - Guinea - Cigarren, wobei er bemerkte, dass ihm die letzte
Sendung vortrefflich geschmeckt habe. Auch das Tropen-
Lazareth des Frauenvereins wurde besucht, worauf die Reihe an
die Zanzibarstadt mit ihren malerischen Bauten und Anlagen kam.
Hier wurden die Kolonialhalle und das Tropenhaus des Auswärtigen
Amts aufmerksam in Augenschein genommen Dann folgten die
Herrschaften der freundlichen Einladung des Kolonial-Arbeits-
Ausschusses und nahmen im Verwaltungsgebäude den Kaffee ein.
Unterdessen versammelten sich sämmtliche Einwohner der Kolonial-
Dörfer auf dem grossen Platze vor dem Gebäude. Ein Schreien,
Singen, ein Trommeln und Blasen begann und bildete die würdige
Einleitung für das folgende Schauspiel. Etwa 20 Suaheli tanzten
vor dem Häuptling unter wilden Rufen den Kriegstanz. In wilden Be
wegungen flogen die Arme und Beine der schwarzen Gestalten, dass
Einem ganz wirbelig wurde; dann wieder rückten die Neu-Guinea-
leute an und sprangen um zwei in der Mitte tanzende Masken,
welche die Bewegungen der Casuare nachahmten. Endlich kamen
die Sehaaren mit lautem Jauchzen bis dicht an die Terrasse
heran, um dem herzoglichen Paar und den Prinzen zu huldigen.
Die Gäste verneigten sich dankend und verliessen, nachdem
sie sich von den Herren des Kolonial-Arbeitsausschusses verab
schiedet hatten, die Kolonial-Ausstellung und gingen nach dem
Vergnügungspark, wo sie einer Vorstellung Im Cirkus Hagenbeck
beiwohnten. Die seltene Dressur der verschiedenen Thiere, die herrlichen
Bilder, welche die einzelnenThiergruppen darboten, veranlassten die Herr
schaften mehrmals zu Kundgebungen lebhaften Beifalls. Mittels der
elektrischen Rundbahn stattete man dann noch Kairo einen Besuch ab.
V
Die grosse Probe ist bestanden. Der kolossale Be
such, dessen sich unsere Ausstellung an den Pfingsttagen erfreute
-— auch der dritte hielt sich auf der Höhe der voraus
gegangenen — hat den Beweis geliefert, dass der Treptower Park
mit seinen glänzenden und allgemein gewürdigten Darbietungen sich
der vollsten Sympathie bei allen Ständen erfreut. Wir können als
Resultat unserer gestrigen Rundgänge mit Vergnügen constatiren,
dass gerade in den breiten Schichten der Bevölkerung,
den Arbeitgebern und Arbeitnehmern, das bildende und er
ziehliche Moment des Vorgeführten ganz besonders anerkannt
wird. Wir sehen Kleinmeister mit ihren Gesellen sich an den
Ausstellungsobjecten ihrer Gewerbe lange Zeit aufhalten, deren
Vorzüge eingehend erörternd, so unter Anderem eine An
zahl Schneider, die jedes ausgestellte Stück ihrer Branche einer
gründlichen Prüfung unterziehen und sich gegenseitig zur Nach
eiferung empfehlen. Dergleichen zu beobachten ist in hohem Grade
erfreulich, beweist es doch, dass die Ausstellung ihren grossen
bildenden Zweck erfüllt und dass der gesunde Sinn des Volkes sie
nicht nur als eine Vergnügungsstätte betrachtet, gerade gut genug, um die
Sonntage angenehm zu verbringen. Wiederholt erhielten wir aus
dem Munde von schlichten Arbeitern die Versicherung, dass sie hier
während der Pfingsttage mehr gelernt hätten, als in Jahren und
dass sie, Wenn erst die volle Erleuchtung fuuktionire, jeden freien
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