Publication:
1896
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-15365322
Path:

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©ffmcUc AnssteUrrngs-Uachrtchtett.
die das öffentliche Leben reguliren, die ihm unbehaglichen
Zwang oder wohlthuende freie Bewegung verleihen, können für
die Behaglichkeit der Fremden viel beitragen. Unsere Gäste sollen
sich bei uns wohl fühlen, das ist das Mindeste, was sie mit
Rücksicht auf die in allen civilisirten Ländern hochgehaltene Gast
freundschaft verlangen können. Die Fremden, die zu uns
kommen, sollen, wenn sie von dannen ziehen, da draußen
das Vorurtheil zerstreuen und nicht bestärken, daß Berlin eine
Polizeistadt sei, sie sollen nicht nur sagen, daß die Gewerbe-
Ausstellung ein großes, Achtung abzwingendes Werk, sondern
auch, daß Berlin eine unterhaltende Weltstadt sei. Unsere Reichs-
Hauptstadt wird moralisch nicht den geringsten Schaden erleiden,
wenn die Petition der verschiedenen Körperschaften der Gastwirthe
und Lokalbesitzer Berücksichtigung sinder. Die Verlängerung der
Polizeistunde kommt schließlich nur dem Fremden zu gute, denn
der Berliner, . der seinem Berufe nachgehen muß, pflegt um zwei
Uhr Nachts bereits der Ruhe, um sich für die Arbeit des fol
genden Tages zu stärken. Ihm ist es gleichgiltig, ob die Polizei
stunde verlängert wird oder nicht, aber der Fremde darf die Rücksicht
beanspruchen, daß sein Vorsatz, sich in Berlin zu amusiren, nicht
durch eine Stunde eingeschränkt wird. Die Ausstellung wird bis
zwölf Uhr Nachts geöffnet sein; es läßt sich annehmen, daß bei
günstigem Wetter jeder Besucher das glänzende Abendleben da
selbst bis zur letzten Minute auskosten wird. Bor l j 2 l oder
1 Uhr Nachts wird Berlin alsdann schwerlich erreicht; wann
also soll der Fremde das Berliner Nachtleben kennen lernen?
Unser Polizei-Präsidium hat hoffentlich in dieser Angelegenheit
noch nicht das letzte Wort gesprochen. Berlin hat jetzt eine Probe
«zu bestehen, hat zu beweisen, daß es verdient, eine Fremdenstadt
ersten Ranges zu werden. Möge unsere Polizeibehörde schon im
Interesse unserer Gäste die Petition berücksichtigen; findet sie,
daß ihr Entgegenkommen von Einzelnen gemißbraucht wird, dann
möge sie von ihrem guten Recht, dessen Ausübung jeder objectiv
urtheilende Mensch gutheißen wird, Gebrauch machen. Die
Fremden aber sollen sich hier frei und ungezwungen fühlen; sie
sollen hinaustragen die Kunde, Berlin ist eine echte und rechte
Weltstadt, in der Intelligenz und Arbeit, aber auch liebens
würdiger Frohsinn und harmlose Freude zu Hause sind.
Der Umbau des Glaspalastes im Landes-
AussteUnngs-Parlr.
Von Dr. @ e o t g Malkowsky.
Die internationale Jubiläums - Kunstausstellung wird neben
unserer Gewerbe-Ausstellung das größte Interesse nicht nur der
Berliner, sondern auch der Fremden auf sich lenken. Die Frage
eines würdigen Ausstellungs - Palastes wird seit etwa einem
halben Jahrhundert als eine brennende bezeichnet, ohne daß diese
Bezeichnung von berufener Seite Widerspruch erfahren hätte oder
daß man über den Versuch einer provisorischen Lösung hinaus
gekommen wäre. Die Gründe für die Schwierigkeit einer end-
giltigen Lösung dieser Frage zu erörtern, würde hier zu weit
führen; es möge genügen, zur Ehre der Wahrhaftig
keit zu constatiren, .daß die periodisch wiederkehrende akade
mische Kunst - Ausstellung 1876 aus den „Dunkelkammern" der
Akademie in den „Kunststall" am Cantianplatz, 1881 in die
„Trockenwohnung" im Charlottenburger Polytechnicum über
siedelte, von wo sie 1884 reuig an den Cantianplatz zurückkehrte,
um 1886 endgiltig im „Glashause" im Ausstellungspark all
jährlich erneuerte Pflege zu finden. Dazwischen liegt ein Ver
such der Berliner Künstlerschaft, die zuständigen Behörden für die
Hergäbe des Krvll'schen Etablissements für Ausstellungs- und
Clubzwecke zu erwärmen, der an durchaus gerechtfertigten prak
tischen Erwägungen scheiterte. Die ganze Angelegenheit ist eine
außerordentlich complicirte, weil sic nur im Zusammenhange mit
einer Reihe anderer Platzfragen für öffentliche Bauten, wie
Bibliothek und Kunst-Akademie, zur Entscheidung gebracht werden
kann. Daß auch die Jubiläums - Ausstellung der Akademie im
„Glastreibhause" zwischen Moabit und Berlin stattfinden muß,
ist eine Thatsache, die man bedauern kann, ohne einen der zu
ständigen Faktoren besonders verantwortlich zu machen.
Ein Jahrzehnt geht an einem luftigen Aufbau aus Eisen,
Fachwerk und Glas nicht spurlos vorüber. Eine Untersuchung des
Gebäudes im Sommer des vergangenen Jahres führte zu Ent
deckungen, die zunächst eine Panik hervorriefen, ganz allmählich
machte der erste Schreck ruhigeren Erwägungen Platz. Die
Summe, die man zu einer Beseitigung der augenfälligsten
Schäden flüssig machen zu müssen glaubte, streifte hart an eine
halbe Million. Die Stadt verweigerte aus principiellen und
sachlichen Gründen jeden Zuschuß; der Staat konnte sich zu einem
allzu tiefen Griff in die fiskalischen Taschen nicht entschließen.
Das Endresultat gestaltete sich zu eineni Compromiß zwischen
Regierung und Künstlcrschaft. Die Erstere stellte eine Sninme
von 150 000 Mark für Umbau und Reparaturen zur Bet
fügung, der Letzteren blieb die Jnnendccoration überlasten.
Die zehnjährige Benutzung des Glaspalastes für Ausstellungs
zwecke hatte durch die Erfahrung auf eine Reihe von Uebelständen
arifmerksam gemacht. Die Anzahl der kleineren Nebenräume und
Compartiments erwies sich als zu groß im Verhältnisse zu den
hohen, luftigen Sälen des Hauptgebäudes. Das seitlich ein
fallende Licht, das am Cantianplatz bei der Schmalheit der Einzel
abtheilungen genügt hatte, fiel allzu spärlich in die Cabinen und
glitt wirkungslos über die Bildflächen hin. Die Lichthöfe der
sich an den Mitteltract anschließenden Seitenflügel blieben todte
Räume, mit denen man nichts anzufangen wußte. Hier war zu
nächst Abhilfe zu schaffen. Ein Versuch, auch der Vorderfront
des Ausstellungsgebäudes eine künstlerische Gestaltung durch Er
richtung eines zierlichen, aus Glas und Eisen eonstruirten Vor
baues zu geben, der Verwaltungsräunre enthalten sollte, ist an
den Bedenken der Ministerialbau-Commission gescheitert, dagegen
hat sie sich endgiltig entschlossen, den sehr nothwendigen Neu
anstrich der gesammten Eisenconstruclion auf ihren Antheil zu
übernehmen.
Wer den Ausstellungspalast im jetzigen Stadium des Um
baues betritt, wird zunächst, wie gewöhnlich bei solchen Anlässen,
den Glauben an die rechtzeitige Fertigstellung des Ganzen kaum
aufrechterhalten können. Durch die noch unfertige Glas-
bedachung rieselt es feucht herein auf überall umherliegende
Decorationsstücke aus Stuck und Gips; die Wandbekleidungen
hängen in trübseligen Streifen herab, und die Baldachine der
Mittelsäle erscheinen mehr als nothwendige Regendächer denn als
künstlerische Lichtblenden. Hier und da steht eine köpf-, arm-
oder beinlose Gipsstatue als stummer Zeuge einer unverwirklichten
Künstlerhoffnung, die von Staatsaufträgen träumte und unmuthig
den werthlos gewordenen Entwurf im Stiche ließ. Die ganze
Schlüterherrlichkeit des Knppelsaales erscheint grau und unan
sehnlich, und nur das Klopfen und Hämmern in der luftigen
Dachhöhe belehrt, daß sich in der Stuck- und Eisenruiue neues
Leben regt.
Ein Rundgang unter der Führung des Bauleiters, des Bau
meisters Schmidt beseitigt alle Zweifel und läßt in dem Entstehen
die wünschenswerthe Vollendung ahnen. Das hier Geleistete dient
ausschließlich praktischcu Zwecken und stellt eine erhebliche Besse
rung der Zustände dar. Die engen, kaum benutzbaren Einbauten
der inneren Seitenflügel find verschwunden, sodaß sich an den
aus acht mächtigen Oberlichtsälen bestehenden Mitteltract acht
gleich große Räume rechts und links ununterbrochen anschließen,
von denen vier gleichmäßiges Oberlicht erhalten, während vier
andere mit sich von einem geschlossenen Mittelbau abschrägenden
Glasdächern versehen sind. Vollständig neu eingedeckt sind die
an der Vorderfront liegenden Säle für plastische Bildwerke und
vor. Allem die beiden äußeren Seitenflügel, deren Längstheilung
durch ein luftiges Glassatteldach bedingt ist. Hier ist eine Doppel
reihe von Compartiments geschaffen, die auf das Glänzendste die
bisherigen seitlich beleuchteten Kabinen ersetzen. An die im
Wesentlichen unverändert gebliebene Apsis des Hauptgebäudes
schließen sich zwei rechtwinklige Einbauten, die nothwendige Räume
für Herren und Damen und die Feuerwehr-Station enthalten,
während der rechtwinklige Anbau insofern eine Neutheilung er-
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