Publication:
1896
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-15365322
Path:

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Officielle Aussteilungs-Nachrichten.
namentlich allen Kühlungsuchenden den angenehmsten Aufenthalt
gewähren wird. Die spiegelgezierten Wände sind mit Gobelins
decorirt, rings an denselben laden in dunkelem Braun gehaltene
Sophas und Sessel nach dem Diner zur Ruhe ein und reizend
geschnitzte, mit Rauchutensilien versehene Tischchen werden den
jenigen willkommen sein, die sich dem Genuss einer Tasse Kaffee
mit obligater Havanna hingeben wollen.
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Eine lebenswahre Thiergruppe fristet am Ende der
Halle für Leder-Industrie im Haupt-Industriegebäude ein wenig
beachtetes Dasein. Sie ist das Werk eines geschickten Ausstopfers.
Von einer Gebirgshöhe herab kommen zwei Stiere, während am
Fusse des Hügels Kühe und Kälber weiden. Nicht nur die lebens
grossen Thiere sind mit vollkommener Naturtreue in der Haltung
wiedergegeben, auch die landschaftliche Scenerie ist reizvoll und
sehr geschickt hergestellt. Sämmtliche zur Gerberei verwandten
Pflanzen, wie Weide, Eiche u. s. w. bilden die Baumgruppen und
repräsentiren mit den Rindern die Lederfabrikation in ihren Roh
materialien und Bearbeitungstoffen.
V
Die Grotte des Rostes. Manocitin steht mit grossen
Buchstaten in der Maschinenhalle über einer blauen Grotte, in
Welcher das Wasser einer Quelle auf Maschinentheile, Messer und
anderes Eisenzeug tropft. An einzelnen Stellen ist das Eisen
noch hell und blank, an anderen vom Rost gebräunt. Die Grotte
mit ihrer Quelle macht einen ganz eigenartigen Eindruck und
mancher Besucher der Ausstellung mag sich wohl gefragt haben,
was das Arrangement zu bedeuten hat. Es handelt sich darum,
die Wirkung eines Rostverhütungsmittels vor Augen zu führen.
An den Stellen, wo das Eisen mit »Manocitin«, das aus ver
schiedenen Fetten und Gelen besteht, eingefettet wurde, ist es gegen
Rost geschützt, während es sich an den anderen Theilen rasch oxydirt.
V
Die Unfall-Station der Ausstellung hatte an den beiden
Feiertagen wiederholt Gelegenheit, in verschiedenen leichteren
und leider auch in mehreren bedenklicheren Fällen ihre
vorzügliche Organisation zu erproben. Am Sonntag hatte
ein Droschkenkutscher auf der Coepenicker Landstrasse das
Unglück, in die Schienen der elektrischen Bahn zu gerathen. Sein
Gefährt wurde von einem herankommenden Wagen der Bahn völlig
zertrümmert. Auf die Benachrichtigung hin eilte der Arzt und die
Oberin der Unfall-Station an Ort und Stelle, leisteten
dem Schwerverletzten die erste Hilfe und schafften ihn
mittels der eigenen Transportwagen auf seinen Wunsch in seine Privat
wohnung. — Ein zweiter Fall betraf eine junge Dame, die im Ver
gnügungspark in Folge starker seelischer Erregung von Schreikrämpfen
befallen wurde. Zufällig dort anwesende Aerzte versuchten ver
gebens die Kranke zu beruhigen. Ein Oberfeuermann brachte sie
in die Unfall-Station, wo sie dank der liebevollen Behandlung
so weit beruhigt wurde, dass sie auf ihren Wunsch in das
Krankenhaus am Friedrichshain befördert werden konnte. —
Gestern Montag kam eine vornehme Dame zur Behandlung, die
während einer Spazierfahrt im Rollstuhl von einem Blutsturz
befallen wurde. Man liess ihr ebenfalls die nothwendigste Hilfe
angedeihen. — Der bedauerliche Vorfall ereignete sich leider gestern
Nachmittag inmitten des grössten Festtrubels. Vor Portal IV
der Ausstellung wurde ein Möbelpolirer, Namens Püpke, wohnhaft
Mühlenstrasse, von einem Wagen der elektrischen Bahn Treptow-
Hollmannstrasse erfasst. Der Aermste. erlitt einen Rippenbruch,
ausserdem eine vollständige Zermalmung des rechten Armes
im Ellbogengelenk, während der linke Arm unverletzt blieb.
Der Patient verfiel in Folge der starken Erschütterung in Delirium.
Die Gendarmeriestation, wohin der Mann zuerst gebracht wurde, benach
richtigte die Unfall-Station. Diese schickte ihren Wagen und
in der Station selbst waren trotz des Feiertages sofort drei
Assistenzärzte der Berliner Unfall-Station und die Oberin zur Hand,
um den Schwerverwundeten soweit zu verbinden, dass er mit dem
W agen der Station in die Charite übergeführt werden konnte.
V
Die Feuerwehr wurde gestern (Montag) Nachmittag 3 Uhr
alannirt. Im Zuntz sehen Pavillon hatten sich Gasrohre derart er
hitzt, dass eine Holz wand, durch welche sie geführt waren, in
Brand gerieth. Das Feuer wurde bald gelöscht.
In der Ausstellung.
Eine nächtliche Seeschlacht in Treptow.
(Abdruck untersagt.]
Die Schatten der Nacht senken sich hernieder auf die mäch
tige Kaiseryacht Hohenzollern und auf die stille Wasserfläche, die
sich von dem weissen Wasserpalast hinüberstreckt zu dem Felsenfort
mit seinen dräuenden Zinnen.
Die letzten Accorde einer rauschenden Tafelmusik klingen
aus den hellerleuchteten Fenstere des grossen Schiffssalons heraus,
sie schallen hinüber über die weite Wasserfläche und ersterben all
mählich in dem leisen Wogen der Bäume des Parks.
Da beginnt sieb's auf einmal zu regen. Signale ertönen, mäch
tige Scheinwerfer flammen auf und auf dem Wasser ransebt es
heran, ehern und drohend. Dann blitzt es auf, schnell und schneller,
drohender Geschützdonner lässt die Atmosphäre erzittern, dazwischen
heulen die fürchterlichen Dampfpfeifen, denen der Seemann den
Kosenamen »Sirenen« beigelegt hat, schrille Commandoptiffe durch
schneiden die Luft und in dichtem Pulverdampf sehen wir eine
Seeschlacht sich vor uns entwickeln — die nächtliche See
schlacht der Marineschauspiele.
Der blendend weisse Schiffskörper der »Hohenzollern«, in
Grösse und Form eine peinlich-genaue Nachbildung der Kaiserlichen
Yacht gleichen Namens, erhebt sich in seinen scharfen und eleganten
Conturen aus der Ebene. Zu seiner linken Seite dehnt sich die
weite Seefläche charakteristisch abgeschlossen von dem künst
lichen Fort.
Interessant, fesselnd und belehrend sind ja diese Marine-
Schauspiele immer, von bezauberndem, poetischem Reiz aber und von
wirklich grandioser Wirkung sind sie, wenn am Abend »der Mond
am Himmel funkelt zwischen den kleineren Gestirnen«. An einem
solchen prächtigen Maiabend war es, dass wir wiederum einmal
Gelegenheit hatten, die Marine-Schauspiele in ihrer abendlichen
Schönheit zu bewundern. Die Zacken und Thürme der Seefestnng,
die am unteren Ufer des Bassins den Horizont begrenzt, verschwimmen
in undeutlichen Umrissen im wallenden Nebel, die Tribünen sind
in Dunkel getaucht und gleichen einer hügeligen Umgrenzung des
Ganzen. Regungslos liegt vor uns die Wasserfläche, sanft über
gössen vom milden Silterglanz des Mondes. Ein langanhaltendes
Zeichen mit der Dampf-irene kündet den Beginn der Manöver an.
Hinter dem Fort ist der Hafen der Liliputaner-Flotte und aus
ihm kommen sie nacheinander hervorgedampft, grosse und kleine
Panzerschiffe. Grüne und rothe Laternen glühen an den Bordseiten,
vom Vormast werfen elektrische Scheinwerfer, sogenannte Torpedo-
sucher, ihr blendendes Licht weithin über’s Wasser. Immer mehr
Schiffe kommen aus dem Fort heraus, das Wasser schäumt auf und
ein äusserst kriegerisches Bild entwickelt sich vor unseren Augen.
Zunächst wurde ein Seegefecht zwischen zwei Geschwadern aus
geführt. In schnellem Tempo sausen die Fahrzeuge aufeinander
los, Breitseiten werden abgefeuert, dann wird gewendet, um die
Geschütze der anderen Breitseite abzulösen, und schliesslich noch
die schweren Heckgeschütze. Dichter Pulverdampf lagert bald über
der Fiuth, geschäftig und eilfertig siebt man die flinken Avisos vom
Admiralsschiff aus bald hierhin, bald dorthin eilen, glühend roth
funkeln die Steuerbordlichter durch den Nebel, ununterbrochen
krachen die Geschütze, schrillen Signalpfeifen und Hörner.
Immer aber zeigt sich dem aufmerksamen Auge, dass das bunte
durcheinander kein regelloses ist. Man sieht, dass ein Wille die
Bewegungen jedes einzelnen Schiffes lenkt nach einem einheitlichen
Plan. Unaufhörlich leuchten auf dem Mast des Admiralschiffes die
Signallaternen auf, die dem Kundigen eine deutliche Sprache
sprechen und die m nach ihrer Anordnung bald diesen bald lenen
Bosch 1 bedeuten
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