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Full text: Officielle Ausstellungs-Nachrichten (Public Domain) Issue1896 (Public Domain)

Officieiie Ausstellungs - Nachrichten. 
begann der kleine Pinscher zu kläffen und die »Wilden« liefen 
vor dem »Zahmen« davon. 
3 
Im Depeschensaal des Pavillons des »Berliner Lokal- 
Anzeiger« sind wieder einige interessante Neuigkeiten ausgehängt, 
so z. B. eine Collection von russischen Photographieen, die zum 
Theil farbig die inneren, speciell für den Zaren bestimmten Ge 
mächer im Kreml zu Moskau und die wichtigen Oertlichkeiten dar 
stellen, welche der Krönungszug berührt. Viel Aufmerksamkeit 
erregen auch die farbigen Bilder der französischen Kolonialarmee, 
die zugleicher Zeit von dem Dienst und dem Lehen dieser Truppen 
in den fernen Welttheilen eine gute Anschauung geben. Auch 
an Portraits von Persönlichkeiten des Tages fehlt es nicht. So sieht 
man u. A. das Bildniss Ph. Küfer’s, des erfolgreichen Componisten 
*on »Ingo«. 
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Im Damenheim. Die Firma Hermann Gerson hat seit 
den Feiertagen im »Damenheim« eine Separatausstellung von 
Costümen, Blousen, Damenhüten zu wohlfeilen Preisen veranstaltet. 
Vom schlichtesten Kattunkleid bis zum eleganten Foulardkleid 
können wir die Reichhaltigkeit dieser Ausstellung bewundern. 
Beispielsweise ist da ein allerliebstes Costüm in hellgemustertem 
Kattun, Rock undBlouse schon zu dem Preise von 8,50 Mk. zu haben. 
Ein anderes Costüm ist besonders geschmackvoll in hellblau- und 
weissgestreift und kostet nebst dazu passendem Sonnenschirm und 
kleidsamem, einfachem Hut 35 Mark: Die einfachen und mit Recht 
hei allen Damen so sehr beliebten englischen Costüme (Rock und 
Jacke) sind in den besten Qualitäten vertreten, in braun, grau, 
modefarben und auch in der praktischen grüngrauen Farbe, die 
nach dem Regen nichts an Frische einbüsst und die die Sonne 
nicht auszieht. Die Preise sind 35, 44 und 55 Mark. Ganz 
besonders hübsch erschien unserer Mitarbeiterin ein schlichtes 
Costüm aus ecrufarbenem Mull mit grossen weissen Punkten, 
der weisse Kragen war gestickt und den übrigen Ausputz bildeten 
schwarze Seidenschleifen und ein ebensolcher Gürtel. (Preis 80 Mark.) 
Auch ein weiss gepunktetes Mullkleid mit Besatz von gelblichen 
Spitzen erregt in seiner vornehmen Schlichtheit die allgemeine 
Bewunderung der Damenwelt. Die schon seit zwei Jahren beliebten 
marineblauen Cheviotkleider erfreuen sich noch immer, und mit 
Recht, zahlreicher Anhängerinnen. Wir finden im Damenheim drei 
sehr hübsche blaue Cheviotcostüme mit kleidsamen Westen- 
Einsätzen ausgestellt. Einem von den vorhandenen Foulard 
kostümen den Preis zuzuerkennen wäre eine schwere Aufgabe, so 
hübsch und geschmackvoll erscheinen sie alle und so massig sind 
die Preise dafür gestellt. Eines in lilagemusterter Chinesekle, dessen 
Kragen in grauem Stoff reiche Stickerei aufweist, gefällt ebenso, 
wie jenes in weisser, mit blau gemusterter Seide, dessen 
Taille einen Westeneinsatz zeigt von marinefarhenem, mit 
schmalen gelblichen Spitzen umsäumtem Crepe. Ausserdem 
können wir uns an Ort und Stelle sofort für eine kleidsame 
Blouse entscheiden. Wir sehen dort eine einfache Blouse 
für die Haustoilette, sowie eine sehr elegante in rother Seide 
mit türkischem Muster und eine in rosa Seide mit reichem 
Ausputz. Kinderkleider sind ebenso ausgestellt, wie Sonnenschirme; 
letztere einfarbig, bunt, in Kattun, Halbseide, Seide u. a., einer 
von schwarzem Atlas mit gemalten Blumen und schwarzen Spitzen 
volants. Die vorhandenen Golfcapes zeigen meist dunkle Muster, 
sie sind im Preise sehr massig, kosten 36 Mark und sind hei 
kühlen Abenden eigentlich unentbehrlich und sehr praktisch. 
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Die Stufenbahn besitzt eine gewissenhafte Direction. 
Letztere hat es vorgezogen, die Bahn selbst während der beiden 
Feiertage noch geschlossen zu halten; sie will erst eröffnen, wenn 
der letzte Nagel am richtigen Platze sein wird und das Ganze bis 
auf die kleinste Kleinigkeit tadellos functionirt. Wir hören, dass die 
behördliche Abnahme heute (Dienstag) 10 Uhr stattfinden soll. 
3 
Durch eine neue Brücke, welche über die süd-östliche 
Ecke des Karpfenteiches von der Kolonial-Ausstellung nach 
Alt-Berlin führt, wird einem dringenden Bedürfniss abgeholfen. 
Die Brücke ist bereits so weit ausgeführt, dass sie für den Verkehr 
in wenigen Tagen eröffnet werden kann. 
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Ein wasserreicher Brunnen. Am Wege zum Haupt 
gebäude der Berliner Gewerbe-Ausstellung, dicht am Eingang zu 
den Arkaden fällt rechts ein unmuthiger Pavillon aus Schmiede 
eisen durch reiche Decoration mit farbigen Glühlampen, Blumen und 
Pflanzenwerk auf. Es ist dies eines der interessantesten Ausstellungs 
Objecte, eine Wasserwerks-Anlage im Kleinen von eminenter Leistungs 
fähigkeit, dessen Besichtigung viel Belehrung für Laien und Interesse 
für den Fachmann bietet. Die Anlage veranschaulicht eine Eigenart 
des Brunnenbaues, wie sie einzig dasteht und zur Versorgung mit 
frischem Brunnenwasser in vielen Grosstädten vom Aussteller, 
Brunnenbaumeister Andrzejewski-Berlin angelegt worden ist. Sie 
besteht im Wesentlichen aus dem für den Fachmann sehenswerthen 
Brunnenkessel, der tadellos ausgeführt ist, dem 6 Tiefbrunnen aus einer 
Entfernung bis zu 200 Metern selbstthätig und ohne maschinelle Ein 
richtung ihre Wassermengen durch das im Kessel sichtbare Heberohr zu 
führen, der Kessel selbst ist nicht weniger als 10 m tief aus Porzellan 
steinen ausgemauert und absolut wasserdicht. Welche Wassermengen die 
Anlagen dieses Systems herzugeben vermögen, geht daraus hervor, 
dass der kolossale Verbrauch der grossen, vor dem Hauptgebäude 
sich erhebenden Biesen-Fontaine, der Cascaden und sonstigen 
Wasserkünste allein aus dieser kleinen Anlage gedeckt wird, die 
hei voller Ausnutzung ungefähr 460000 Liter Wasser stündlich 
herzugeben vermag. Noch sei bemerkt, dass diese Anlage auch 
dem Vortheil der Aussteller dadurch nutzbar gemacht ist, dass die 
in den verschiedensten Theilen des Platzes belegenen Anschlüsse 
für die Feuerwehr, 11 an der Zahl, von hier aus gespeist werden. 
Es dürfte auch interessiren zu erfahren, dass bei den bedeutenden und 
als mustergiltig anerkannten Wasserwerken von Cbarlottenburg zur 
Deckung des grossen, täglichen Bedarfes von 60 000 Kubikmetern 
und, um den noch in Aller Erinnerung befindlichen Wassermangel 
der Jahre 1892—93 abzuhelfen, das gleiche System vom Schöpfer 
der Anlage ausgeführt wurde. Auch in Kiel, Leipzig, Bautzen und 
anderen Städten hat das hier veranschaulichte System Eingang ge 
funden. 
3 
Die jüngste nach der Ausstellung führende 
Omnibuslinie ist gleichzeitig die interessanteste, erstens weil 
sie die inneren Strassenzüge meidet und zweitens weil sie durch 
eine selbst dem geborenen Berliner wenig bekannte Gegend, die 
mancherlei landschaftlichen Reiz bietet, führt. Sie verbindet den 
grossen Berliner Vorort Rixdorf mit der Ausstellung auf directestem 
Wege und ist von dem Besitzer des neuen Fuhrwerk-Standplatzes 
Herrn Karl Nauck eingerichtet. Vom Hermannplatz beginnend, 
führt die Strecke durch die Bergstrasse, vorüber an dem stattlichen 
Rathhause von Rixdorf und an zahlreichen Vorgärten, in denen 
jetzt Flieder und Kastanienbäume ihren reichen Blüthenschmuck 
entfalten. Dann biegt der Wagen in die Mühlen 
strasse, den eigentlich ländlichen Theil des Ortes, ein. 
Man durchfährt ein Stück echten idyllischen Landlebens, 
wie man es in der nächsten Umgebung von Berlin selten findet 
und dem das alte böhmische Kirchlein mit seiner verrosteten Wetter 
fahne einen eigenen Reiz verleiht. Rings um den Richard-Platz 
liegen die kleinen freundlichen Häuser der alt eingesessenen Acker 
bürger von Rixdorf, auf deren Höfen man noch grosse Scheunen 
und andere Wirthschaftsgebäude wahrnehmen kann. Verlässt der 
Wagen den Richard-Platz, nach links abbiegend, so breitet sich 
plötzlich ein weites, fruchtbares Wiesenland aus, dass von ver 
schiedenen Wassergräben durchzogen und ab und zu durch eine 
Laubenstadt, die Sommer-Wohnungen der kleinen Leute, unter 
brochen wird. Hatte man schon von Anbeginn der 
Fahrt die Thürme der Ausstellung beständig vor Augen, 
so bietet sich jetzt das ganze imposante Panorama derselben 
den erstaunten Blicken dar. Von keiner anderen Seite rings um 
Berlin kann man mit einem Blick die gesammte Ausstellung so 
übersehen, wie an jener Stelle, wo die neu angelegte und schön 
gepflasterte Hertzbergstrasse die Kaiser Friedrich-Strasse kreuzt und 
unterhalb des Bahndammes der Görlitzer Bahn hindurchfährt. 
3 
Das Hauptrestaurant ist nun endlich ganz fertig ge 
stellt und wurde am gestrigen zweiten Pfingstfeiertag der letzte 
Restaurationsraum seiner Bestimmung übergeben. Es ist dies der 
imposante Kuppelsaal, der in seiner vornehmen Ausstattung einen 
äusserst gediegenen Eindruck macht und an heissen Sommertagen
	        
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