Publication:
1896
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-15365322
Path:

Gffieielle AussteUnng«-Nachrichten.
11
bilden und zugleich einen fesselnden Ueberblick über den Ent
wickelungsgang und die hohe künstlerische Stellung der Keramik
ermöglichen.
Das Arrangement für die Sander-Ausstellung derPorzellan-
manufactur ist mit hohem künstlerischen Verständniß getroffen
worden. Die architektonische Einfassung, welche von einem
mächtigen Kuppelbau gekrönt ist, bilvet einen vornehmen Hinter
grund für die Ausstellungsgegenstände. Auch der decorallve
Schmuck der Architektur ist ungemein reichhalüg und schwungvoll
in der Composition; verschiedene Cartouchen und Medaillons,
von Amoretten und Genien getragen, verleihen derselben einen
abwechselungsvollen und doch harmonischen Charakter. Die ffeien
Wandfüllungen sind für die Aufnahme von großen Fliesengemälden
bestimmt, welche nicht nur durch ihre riesigen Dimensionen, sondern
mehr noch durch ihre reizvolle Farbenstimmung und die anregen
den Motive welche ihnen zu Grunde liegen, den Beschauer fesseln.
■ Das Hauptbild, welches den Kaiser in der Uniform der
Gardes du Corps darstellt, befinvet sich unter der Kuppel, deren
Träger, zwei Doppelsäulen, einen wirkungsvollen Abschluß der
Umrahmung bilden. Dieses Bild wird in einer Höhe von 'fünf
Metern zur Ausführung gelangen. Hieran schließen sich seitlich
je zwei Fliesengemälde rein decorativer Art. In der Brüte sind
die Portraits von Alexander von Humboldt, Wagner, Rauch unv
Schinkel, im Charakter der plastischen Büsten gemalt, angebracht;
geflügelte Putten die Bildnisse der Koryphäen der Kunst und Wiffenschast,
während der untere Theil durch Embleme, welche auf oie Be
deutung und Thällgkeit derselben Hinweisen, in malerischer
Gruppirnng ausgefüllt ist. Die Zeichnung der Bilder ist schwung
voll und bestimmt: auch die leichte ornamentale Einfassung ist
lebhaft in der Form und Linienführung.
Die beiden Seitenflügel der architektonischen Umrahmung
hingegen sind für die Aufnahme von Geniälden allegorischen
Charakters und mythologischer Landschaften bestimmt. Erstere
sind in der flotten Composition und der satten Farbenitimnnmg
des Makart'schen Genre gehalten. Als Motiv ist die Verherr
lichung der Künste und Wissenschaften gewählt worden, eine Auf
gabe, welcher sich die hervorragendsten Künstler aller Zeiten mit
Vorliebe zugewendet haben. Das figurenreiche Bild verspricht ein
Werk von monumentaler Wucht und glänzender decorativer
Wirkung zu werden, soweit überhaupt die Skizze ein abschließen
des Urtheil über die Ausführung zuläßt. Di- Höhe dieses Ge
mäldes beläuft sich auf vier Meter während es eine Länge von
annähernd neun Metern erreichen wird, ein Format, welches der
Bedeutung der Sache durchaus entsprächt.
Nicht weniger eigenartig in der Auffassung und Stimmung
sind die homerischen Landschaften mit einigen mythologischen
Wesen als Staffage welche unter dem lächelnden Himmel
Griechenlands in trauten Hainen sich ungestörter Lebensfreude
hingeben. Schwer nur trennt sich das Auge des Beschauers von
den anheimelnden Gefflden der olympischen Welt, welche der
Künstler uns durch diese Werke so nahe gerückt hat.
Die Beachtung, welche das Fliesengemälde in neuerer Zeit
wieder gesunden hat, verdankt es nicht allein einigen technischen
Vorzügen vor anderi. Arten der decorativen Malerei, sondern
mehr noch der reizvollen transparenten Farbenwirkung, welche
das Material hervorruft. Als störent empsindet man aber die
grellen Glanzlichter der Glasnrschicht; oft vertheilt sich der Reflex
so mrglücklich, daß man nur wenige Partieen deutlich wahrnehmen
kann. Der allgemeine Eindruck wird dadurch häufig so abge
schwächt, daß sich der Beschauer unbeftiedigt von dem Bilde ab
wendet.
Von den plastischen Ausstellungsgegenständen -rregt zunächst
der große Wandbrunnen, welcher schon in Chicago ungetheilten
Beifall gefunden hat unsere Aufmerksamkeit Er besteht aus
einer umfangreichen, kräftig gegliederten Muschelschale, welche von
einem Triton und einem Meerweibchen getragen wird. Die
Figuren sind annähernd in Lebensgröße ausgeführt, die Ver
einigung von Thier und Mensch ist sehr geschickt vermittelt und
die Modellirung beider Theile gewissenhaft durchgeführt. Mit
dem üblichen Beiwerk von Seetang, Seesternen und anderen!
Meeresgethier ist der Brunnen zwar keine originelle Schöpfung
doch eine fleißige Arbeit, deren künstlerische Conception und technische
Behandlung nicht hinter anderen Werken dieser Art zurücksteht.
vxine andere beachtenswerthe Leistung der keramischen Technik
sind oie Träger der Kuppel, vier gewundene Säulen, welche sich
aus mehreren, durch Metallgürtel verbundenen Theilen zusammen
setzen. Vom Standpunkt des Künstlers kann diese Form aber
nur als eine Verirrung des Rococosüls bezeichnet werden, und
es wäre daher erwünscht, daß sie keine Nachahmung in der
modernen Architektur finden möge. Von anderen außergewöhn
lichen Arbeiten hoher technischer Vollendung, welche aber auch
den Anspruch auf künstlerischen Werth erheben können, seien die
im Atelier des Professor Schley modellirten drei bis vier Meter
hohen Vasen besonders hervorgehoben. Sich an keine der alten
Formen anlehnend repräsentiren sie einen durchaus neuen Vasen
typus: zahlreiche Amoretten schweben um den Körper der Vasc
und bilden eine angenehme Unterbrechung der architektonischen
Linien. Die größeren, freien Flächen werden durch landschaft
liche Darstellungen oder Stillleben ausgefüllt, so daß auch hier
wieder die malerische und plastische Decoration harmonisch ver
schmolzen ist.
Unendlich ist die Zahl 0er kleinen kunstgewerblichen und
Luxusgegenstände, welche uns auf der Ausstellung vorgeführt
werden. Von den zartesten Rococofigürchen im leichten Spitzen-
gewand bis zu den künstlerisch vornehmen Wicthschaftsgerüthen,
von den kleinsten Gebrauchsgegenständen bis zurrt mächtigen Aus
stattungsstück, alle diese Prooucte der Königlichen Porzellan-
Manufactur werden uns im Treptower Park einen vollkommenen
Ueberblick über den Entwickelungsgang und die Vielseitigkeit der
keramischen Kunst ermöglichen. Insbesondere wird auch das de-
corative Ausstattungsstück die Aufmerksamkeit öer Besucher aut
sich lenken. Man hat mit unermüdlicher Ausdauer seit einigen
Jahren sich die Pflege der kolossalen Decorationsgegenstünde an
gelegen sein lassen. — ein Unternehmen, an welches sich bis dahin
noch keine der älteren Manufakturen herangewagt hat Nach vielen
mühseligen Versuchen und nach Ueberwindung großer technischer
Schwierigkeiten ist man heute zu Resultaten gelangt, welche die
kühnsten Erwartungen übertreffen Verschiedene Stutzuhren,
mächtige Bowlen und Tafelaufsätze, sowie eine Reihe in der Form
und der Uebermalung gleich eigenartiger Vasen sind als Typen
moderner Porzellantechnik aus der Königlichen Manufactur her
vorgegangen.
Auch in der Kleinkunst ist man nicht zurückgeblieben. Eine
noch junge Technik, das Pat-sur-Pat, welches sich durch den
malerischen Reiz und die weiche Behandlung der Form aus
zeichnet, wird uns in seinen schönsten Leistungen vorgeführt
werden. Diese Technik, welche die Mitte zwischen Malerei und
Plastik hält und sich besonders für die figürliche und landschaft
liche Decoration auf Tellern und Platten eignet, wird mit Hilfe
des Pinsels ausgeübt. Das Material, ein keramischer Stoff,
wird plastisch aufgetragen: nach dem Brennen wird der Gegen
stand mit einer Emailschicht überzogen, wodurch die transparent
malerische Wirkung erzielt wird.
Soweit über die einzelnen Gattungen der Ausstellungs
gegenstände. Das Gesammtbild der Abtheilung der Königlichen
Porzellanmanufactur im Treptower Park wird wie im Jackson- .
Park in Chicago von sascinirender Wirkung sein, keine raffinirtc
Gesuchtheit, keine Effccthaschcrei haftet den einzelne» Gegenständen
und der decorativen Ausstattung der Ausstellung an, alles ist
von rein künstlerischen Gesichtspunkten aus geleitet und durch
geführt worden.
Die Berliner Manufactur wird auf der Gewerbe-Ausstellung
wieder den Beweis erbringen, daß sie nicht nur den ältesten
Instituten der keramischen Kunst, der Porzellan-Manufactur von
Süvres oder derjenigen von Meißen, die sich bereits im vorigen
Jahrhundert eines Weltrufes erstellten, nach keiner Richtung hin
mehr nachsteht, sondern diese Institute bereits in der Durch
führung der künstlerischen Form und in glänzender Farbenteckrnik
überflügelt hat. I. G
Top of page

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.