Publication:
1896
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-15365322
Path:

1.0
VfstrieU« A«ssteU«ngs -Uachrichte«.
Preise der ersten Serie für die Ausstellungslotterie: ein kost
barer Bechstein'scher Flügel im Werthe von 5000 Mark,
ein prächtiger Salonflügel von Duysen im Werthe von
2000 Mark und ein Concert-Pianino von Carl Ecke, im
Betrage von 1000 Mark.
In der zweiten Abtheilung befinden sich mechanische
Musikwerke, sowie Streich- und Blasinstrumente. Wer
hätte es wohl für möglich gehalten, daß die Ende der 70 er
Jahre erfundenen mechanischen Musikwerke mit durchlochtem
und auswechselbarem Notenblatt jemals einen so gewaltigen In
dustriezweig bilden würden, daß sie die früher so geschätzten
Schweizer Musikdosen fast ganz verdrängen könnten. Die kunstvoll
hergestellte und theure Stiftwalze der Schweizer Werke mußte der
einfacheren, losen, länglichen oder runden Notenplatte Platz machen.
Ist nun Berlin nicht gerade das Centrum dieser Industrie ge
worden, so bildet es doch immerhin einen großen Factor in der
Reihe der Fabrikation mechanischer Musikwerke. Eine einziges
Etablissement dieser Art, die Berliner Musikinstrumenten-
Fabrik A.-G. (vormals CH. F. Pietschmann & Söhne) gab
1880 ihre Jahresproduction auf 300 000 Instrumente zu einem
Werthe von iy 4 Million Mark an. Natürlich waren dabei
auch die lleineren Instrumente, wie Ziehharmonikas und Accor-
deons einbegriffen.
Diese eigenartige Industrie, welche einen ganz bedeutenden
Erwerbszweig für Berlin bildet, wird in allen Einzelheiten ihrer
Technik auf der Ausstellung zur Anschauung kommen. Daneben
werden auch Straßen- und Carroussellorgeln, sowie Orchestrions,
welche früher nur aus dem Auslande oder aber doch aus anderen
Theilen Deutschlands bezogen werden konnten, zu sehen sein.
Auch diese Branche hat in Berlin eine Heimath für ihre Her
stellung gefunden, und Hunderte von Arbeitern finden dabei
ihren Unterhalt.
In neuester Zeit ist man hauptsächlich bestrebt gewesen,
den kleinen mechanischen Instrumenten ein originelles Aeußere zu
geben, sie durch eine neue Fassung interessanter zu machen. Und
man muß gestehen, daß das Experiment gelungen ist. Da giebt
es sclbstblasende Trompeter, schlagende Trommler, automatische
Musikwerke aller Art in Form von Gebäuden, Wand- und Stand
uhren, die durch überraschende Klangwirkung der in ihnen enthal
tenen Musikwerke die Aufmerksamkeit zu fesseln wissen.
Was die Herstellung von Streich- und Blas-Jnstru-
menten betrifft, so kann von einer eigentlichen Fabrikation, die
nur auf die Masse bedacht ist, hier nicht die Rede sein. Fabriken
mit Hunderten von Arbeitern, von denen Jeder nur seinen Theil
an dem Instrumente fertigstellt, existiren in Berlin überhaupt
nicht. Berlin beschränkt sich auf die Erzeugung von durchaus
künstlerischen Instrumenten, und seine Streich- und Blas-Jnstru-
mcntcnbauer sind dafür bekannt, daß sie nur das Beste und Voll
endetste zu liefern bestrebt sind.
Es ist dies auch ganz natürlich, da gerade die edle Tonkunst
in Berlin eine würdige Heimstätte gefunden hat. Kein Künstler
kann eher zu Ruf und Ansehen kommen, ehe er nicht in Berliner
Concerten sich das Zeugniß der Reife erworben hat. Sie Alle,
deren Namen jetzt als leuchtende Sterne am Kunsthimmel prangen,
haben hier ihre ersten Lorbern geerntet und bewahren dafür der
Stadt eine freundliche, liebe Erinnerung und sind auf's innigste
mit ihrem Kunstlcben verknüpft. Daß dadurch auch eine ganze
Anzahl tüchtiger Meister im Instrumentenbau herangezogen wurde,
ist selbstverständlich: ihre Leistungen auf der Ausstellung werden
von ihrem Können den besten Beweis liefern.
Eine nicht minder interessante Abtheilung wird die dritte
sein, welche die Bestandtheilfabrikation für den Pianino -
und Flügelban vorführt. Dazu gehören die kunstvollen Me
chaniken, die Claviaturcn, sowie die zahlreichen Holz- und Metall-
arbeiten. Auch hierin ist, wie freudigst cvnstatirt werden kann,
eine große Entwickelung der Berliner Industrie zu bemerken.
Während früher die meisten Bestandtheile, in erster Lime Me
chaniken für Pianinos und Flügel, nicht allein von anderen
deutschen Jndustriebezirken, sondern zum Theil direct vom Aus
lande bezogen werden mußten, hat diese Specialfabrikation in
Berlin seit den letzten 25 Jahren einen Umfang angenommen,
daß sie unbedingt auf dem Weltmarkt eine dominirende Stellung
beanspruchen kann.
Nicht weniger als sechs Firmen der Mechanikenbranche, und
darunter Firmen von hohem Ansehen und Ruf, werden sich in
hervorragender Weise an der Ausstellung betheiligen. Sie wer
den die Erzeugnisse ihrer Fabrikation, die mit allen Hilfsmitteln
der neueren Technik hervorgebracht werden, den Besuchern zeigen
und den Interessenten dadurch genügend Gelegenheit zu ein
gehender Prüfung geben.
Auch die Claviaturfabrikation ist durch einige Firmen ver
treten, und wenn dieselbe auch nicht das hohe Interesse wie die übrigen
Branchen in Anspruch nimmt, so wird sie doch durch die Sauberkeit und
Solidität ihrer Arbeiten auf der Ausstellung den Beweis er
bringen, daß sie ebenfalls wesentlich zuni guten Ruf der Berliner
Industrie beiträgt.
Da bei der großen Ausdehnung, den der Pianofortebau gegen
wärtig genommen hat, es nicht mehr möglich ist, die Zurichtung
des für denselben nöthigen Holzes, des Resonanz-, Rippen-,
Deckel- und Claviaturholzes, desgleichen des Holzes für den
Violinen-, Guitarrenbau und andere ähnliche Instrumente selbst
vorzunehmen, so haben sich daftir eigene Geschäfte gebildet, welche
die Holzbearbeitung, auf breitem, maschinellem Betriebe fußend,
für sich selbstständig betreiben. Auch die Schnitzarbeiten für
Consolen, Galerien re. werden in eigens dazu errichteten Etablisse
ments vorgenommen und bilden eine Specialbranche, die ebenso
in dieser Abtheilung vertreten sein wird.
Als Material für Pianosaiten wird gegenwärtig aus
schließlich Gußstahl verwendet. Früher wurden die alten Clavi
chorde und ähnliche Instrumente mit Messingdrahtsaiten bezogen.
Später trat Eisendraht an ihre Stelle, und nur für den Baß
behielt man noch längere Zeit Messingdrahtsaiten bei. Als
Hauptbezugsquelle dafür galt lange Zeit Nürnberg, aber bereits
gegen 1821 begann man in Berlin brauchbare Eisendrahtsaiten
zu fabriciren, eine Industrie, die aber mit Einführung der Guß
stahlsaiten hier aufhörte. Dagegen hat sich auch hier in Berlin
ein ziemlich großer Zweig für Metallarbeiten gebildet, der seine
Products, wie Leuchter, Beschläge, Süfte und vor allen Dingen
die unumgänglichen Eisenrahmen, zur Ausstellung bringen wird.
Früher wurde zum Ueberziehen der Hammerköpfe Schafleder
gebraucht, welches man später mit bestem Erfolge durch Wild
leder ersetzte. Aber da dasselbe bei dem enormen Verbrauch nicht
ausreichte, so hatte man schon lange an einen künstlichen Stoff
gedacht, den man dafür verwenden könnte. Durch den Deutschen
Pape in Paris kam man dazu, Filz zum Ueberziehen der
Hämmer zu benutzen. Infolge, der damit erzielten sehr günstigen
Resultate wurde die Fabrikation des Hammerfilzes, in Verbindung
mit der Herstellung der Filze für andere Theile der Mechanik,
ein sehr bedeutender Industriezweig, der auch in Berlin eine
Heimstätte gefunden hat. Es wird gewiß von Interesse
sein, diesen Artikel der Musikinstrumenten-Jndnstrie auf der Aus
stellung, die hierzu reichlich Gelegenheit bietet, betrachten zu können.
Wie wir sehen, fehlt es in Gruppe XXII: „Musikalische
Instrumente", gewiß nicht an Objecten, die genügende An--
ziehungskraft haben, und von Seiten unserer Fabrikanten wird
gegenwärtig mit einem lobenswerthen Eifer gearbeitet, um die
Sache zu fördern, damit, wenn die Ausstellung den Besuchern
eröffnet wird, auch Alles an seinem Platze ist, um unsere Berliner
Industrie würdig zu repräsentiren.
Die Berliner Ponellattmaimfactur.
Wie bereits mitgetheilt, findet die Special - Ausstellung der
Königlichen Porzcllanmanufactur in Berlin in dem südlich von
der Hanptlüppel der Haupt-Jndustriehalle belegenen Raume Platz.
Obgleich wir noch heute kein abschließendes Urtheil über die
einzelnen Gruppen und Gegenstände fällen können, so wird diese
Abtheilung der keramischen Industrie entschieden einen der inter
essantesten Punkte auf oer großen Berliner Gewerbe-Ausstellung
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