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Periodical volume Nr. 4, 22. Februar 1896

Full text: Officielle Ausstellungs-Nachrichten Issue 1896

Gfstrielle Ausstellungs Nachrichten. 
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nährung und Bekleidung angeht. Hier wird die Hausfrau 
alles Wissenswerthe über Nährwerth der Nahrungsmittel und ihre 
gesundheitsgemäße Zubereitung, über Kleidung erfahren. Be 
reitungsanstalten sterilisirter Kindermilch, Volksküchen, Trinkhallen, 
Kochmaschinen, Gesundheitskleider, orthopädische Cvrscts »nd Gradc- 
halter — diese auf's Gerathewohl aus der großen Zahl heraus 
gegriffenen Dinge mögen ein Uebersichtsbild dieser Abtheilung 
geben. Eine Specialausstellung der Herren Prof. B. Baginsky 
und I. Munk umfaßt eine hygienisch - wissenschaftliche Zusammen 
stellung der wichtigsten Nührproductc. 
Die von Prof. Lassar geleitete Unter-Gruppe V umfaßt das 
B a d e w c s e n mit allen seinen Zweigen. Der Berliner Verein 
für Volksbäder wird hier ein eigenes Gebäude für Volksbäder 
ausstellen. Bäder wie Badeeinrichtungen jeder Art werden dem 
Publikum vorgeführt werden. 
Gewerbehhgiene und Unfallschutz, — welche hervor 
ragende Rolle spielen diese verhältnißmäßig jungen Begriffe in 
unserem Staatsleben! Sie find von ungeheurer Bedeutung für 
unsere gesammtc Volkswirthschaft und bilden das eigentliche Binde 
glied zwischen Nationalökonomie und Hygiene. So wird denn 
diese unter Geheimrath Pfarrius stehende Gruppe in erster 
Linie für die Belehrung der Arbeiter aller Betriebe von Nutzen 
sein. Einen hervorragenden Theil dieser Ausstellung nimmt das 
Material des Reichsversicherungsamtes ein. Ferner ist eine An 
zahl von Berufsgenossenschaften mit ihren Unfallverhütungsappa 
raten vertreten. In einem besonderen Gebäude wird der bekannte 
Sicherheits-Dampfkessel des Herrn Richard Schwarzkopf zur Vor 
führung gelangen. 
Die letzte von Herrn vr. Albrecht geleiteteUnterabtheilnug 
Wohlfayrtseinrichtungen wird sich zu einem schönen Bilde 
des Berliner Wohlthätigkeitswescns und der Berliner Wohlsayrts- 
einrichtungen gestalten. Fast sämmtliche Vereine der Reichshaupt 
stabt, die ihre Thätigkeit humanitairen Zwecken widmen — und 
deren giebt es eine große Zahl — werden in Modellen, Prv- 
specten, Plänen eine Uebersicht über ihr segensreiches Wirke» 
geben. Wir nennen hier nur die Berliner Hausfrauenvereinc, den 
Verein für Ferienkolonieen, den Verein für Kinderheilstätten, de» 
Verein zur Erziehung schulpflichtiger Mädchen. 
Von öffentlichen Wohlfahrtseinrichtungen wird, besonders bei 
den Freniden, die weltberühmte Berliner Feuerwehr Interesse er- 
wecken, welche in mustergiltiger und zweckentsprechender Weise ihre 
Mittel zur Vorführung bringen wird. 
Ein nach hygienischen Grundsätzen erbautes Wohnhaus wird 
hi der Höhe von zwei Stockwerken aufgebaut werden. 
Auch die Berliner Sanitätswachc, welche schon jetzt ihren 
Dienst auf km Ausstellungsterrain versieht, verdient hier Er 
wähnung. Arthur Süß mann. 
Wie stellt die Kerlirrer Mirstlrrrrstrrrrrrerrterr- 
Irrdrrstrre aus? 
Von Carl Baetz. 
Wenn man im Allgemeinen dem Gesammtvorftand das 
Compliment machen kann, Alles gethan zu haben und noch zu 
thun, um der diesjährigen Berliner Gewerbe-Ausstellung eine 
große Anziehungskraft zu verleihen, so muß noch ganz besonders 
hervorgehoben werden, daß in gleicher Weise auch der Vorstand 
der Gruppe XII, „Musikalische Instrumente", bemüht ge 
wesen ist, das gewaltige Gebiet, welches sie beherrscht, zu fesseln 
der Darstellung zu bringen. 
Bei der großen Anzahl der Aussteller, im Ganzen etwa 120, 
von denen die meisten einen Platz von 25 bis 50 Quadratmeter- 
Größe für sich beanspruchen, eine sehr bekannte Weltfirma hat 
sogar 160 Quadratmetern benöthigt, mußte der ursprünglich be 
willigte Raum bedeutend erweitert werden, und die Berliner 
Musikinstrumenten-Jndustrie hat nunmehr in dem rechten Seiten 
flügel des Industrie-Palastes, gleich am Hanpteingange, ein ihrer 
Größe würdiges Heim gefunden. Hier kau» sie sich den zahl 
reichen Besucher» der Ausstellung in einem Lichte zcigcch daß 
man den gewaltigen Aufschwung unseres Berliner Pianoforte- 
baues, dessen Jahresproduktion sich von ca. 16-—17 000 In 
strumenten 1873 auf mehr als 30 000 im Jahre 1895 steigerte, 
deutlich erkennen kann. Einen imposanteren, großartigeren Anblick 
hat noch keine Welt-Ausstellung, weder in Paris, noch in 
Philadelphia oder Chicago geboten, als ihn die diesjährige 
lokale Berliner Gewerbe-Ausstellung in dieser Branche 
bieten wird. 
Die Gruppe der Musikinstrumente (Vorsitzender 
Herr Commercienrath C. Bechstciuj ist in drei Abtheilungen ge 
schieden, von denen die erste die T a st e n - Inst rum ent e, 
Pianinos, Flügel, Harmoniums und Orgeln, umfaßt, die zweite 
eine Collection der mechanischen und automatischen Musik 
werke, sowie der Streich- und Blasinstrumente enthält und 
die dritte einen Ueberblick der Bestandtheil-Fabrikation 
(Mechanik, Claviaturen, Holz- und Metallarbeit) bietet. Die beiden 
ersten Untergruppen werden sicher nicht verfehlen, auf alle Be 
sucher, die musikalisches Interesse besitzen, ihre Zugkraft auszuüben; 
aber auch die dritte Untergruppe wird nicht nur für den Fach 
mann eine specielle Anziehungskraft haben, sondern auch dem 
Laien so viel Neues und Bemerkenswerthes vorführen, daß er 
nicht theilnahmlos an ihr vorübergehen kann. 
Was das allgemeine Arrangement betrifft, so werden die 
Ausftellungsobjecte entweder in freistehenden Schränken, jedem 
Besucher zum Einblick offen, angeordnet sein oder aber sich in vier 
Reihen von Kojen, die mit den nöthigen Podien zum Schutz 
gegen Feuchtigkeit und Nässe versehen sind, befinden. Letzteres 
hat man aus dem Grunde gethan, damit nicht eine gewisse 
Monotonie, die beim Anblick von mehr als 400 Pianinos und 
Flügeln in einer einzigen offenen und dabei sehr großen Halle un 
vermeidlich sei, eintreten müsse. Diese Kojen werden Schilder 
mit dem Namen der betreffende» ausstellenden Firmen tragen. 
Durch geschickt angebrachte Draperieen soll der Eindruck hervor 
gebracht werden, als ob jede einzelne Koje einen Musiksalon 
resp. das Magazin eines Fabrikanten darstelle. 
In Abtheilung 1, „Tasteninstrumente", stellen etwa 
80 Theilnehiner ihre Pianinos, Flügel, Harmoniums und Orgeln 
aus. In der Rotunde wird eine große Kirchenorgel, erbaut 
von Gebr. Di »sc, Aufstellung finden, die den Besucher bei 
seinem Eintritt in die Halle mit inächtigen, feierlichen Klängen 
begrüßen wird. Dieselbe steht unniittelbar über dem prächtigen, 
decorativcn Portale, und der von Prof. Bruno Schmitz entworfene 
Prvspect der Orgel, der reiche verzierte und geschmückte Arbeit 
enthält, ist so gestaltet, daß er an beiden Seiten architektonisch 
aufstrebende, spitz zulaufende, thurmartige Säulen trägt, während 
der Mitteltheil niedriger ist, um das hohe Bogenfenster, welches 
sich über dem Portale befindet, nicht zu verdecken und so dem 
hereinströmendeu Lichte freie Bnhn zu lassen. Die Orgel ist 
nach dem wohlbewährten, röhrenpneumatischen System erbaut: 
sie hat zwei Manuale mit 25 klingenden Stimmen, 3 Koppeln, 
Collectivtritte, Roll- und Jalousie-Schweller, sowie pneumatische 
Druckknöpfe. Bei voller Registratur muß das Werk von im 
posanter Wirkung sein. 
Die ca. 400 Pianinos und Flügel, welche unsere Ber 
liner Fabrikanten ausstellen, werden zunr Theil auch in einem 
architektonisch reichen Gctvande erscheinen, für das unsere ersten 
Künstler Zeichnungen und Entwürfe geliefert haben: sonst ist aber 
das Hauptgewicht darauf gelegt, den Tvnkörper des Instrumentes vor 
allen Dingen mit der Sorgfalt zu arbeiten, die ihm erst den eigeitt 
liche» Werth verleiht. Die Spielereien, die man auf früheren 
Ausstellungen als etwas ganz Besonderes anwendete, werden hier 
gänzlich fortfallen. Was hat es auch für einen Zweck, einen 
Flügel zu bauen, dessen Kasten fast ganz mit Perlmutter, Jaspis 
und Malachit ausgelegt ist, wie z. B. die Firma Erard ihn 1855 
auf der Pariser Ausstellung vorführte und der auf 50 000 Francs, 
glaub' ich, bewerthet wurde. Unsere Instrumente werden vor allen 
Dingen einen dauerhaften und klangvollen Resonanzboden, einen 
guten Eisenrahmen mit Panzerstimmstock und eine vorzüglich 
arbeitende Mechanik haben. Daß dabei alle neuen Verbesserungen 
und gut wirkenden Systeme zur Geltung kommen werden, muß als 
selbstverständlich gelten. Ans dieser Gruppe stammen auch drei
	        
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