Publication:
1896
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-15365322
Path:

Officielle Äussteliungs ° Nachrichten.
13
Parteien getrennt. Die Firma E. H. Schütze hat die nöthigen
Tennis-Utensilien als Schläger, Bälle, Netze, Pfosten, Ballsammel
ständer und Markirer, sowie zwei praktische Gartenbänke mit Be
hältnissen unter den Sitzen für die Apparate ausgestellt. Der
ganze Platz, von schön gespflegten Blumenbeeten und Ziersträuchern
umgehen, ist ein Schmuckstück der Landschaftsgärtnerei und erhält
eine künstlerische Zierde durch mehrere aus der Bildgiesserei von
Gladenbeck Söhne hervorgegangene Bronzestatuen von Rusche,
Calandrelli u. A.
V
„Die Speisewirthschaft der Vegetarier-Gilde“
ist gestern innerhalb der Mauern Alt-Berlins am Markt No. 49
gegenüber der Heiligegeistkirche, eröffnet worden. Die Leitung
der Küche hat Frau Mertens von der Vegetarier-Vereinigung über
nommen. Die Preise der aus bestem Material bereiteten Speisen
werden nicht höher sein, als die in den vegetarischen Speisehäusern
Berlins üblichen. Die »Speisewirthschaft der Vegetarier-Gilde« soll
der Treffpunkt aller Vegetarianer werden, die zur Ausstellung
kommen.
V
Blinder Feuerlärm rief gestern (Sonnabend) gegen sechs
Uhr unsere Feuerwehr in die Marine-Schauspiele, wo das gerade
aus der Vorstellung kommende Publikum von der heransausenden
Dampfspritze überrascht wurde. Von Feuer war glücklicher Weise
keine Spur. Ob ein Missbrauch des Feuermelders vorliegt oder
ein Zufall denselben in Function treten liess, war nicht zu er
mitteln.
V
Aus dem Ämtsbureau Treptow. Auf Dampfern in
der Nähe des Steinlagerplatzes des Berliner Magistrats wurde ein
schwerer Diebstahl verübt. Ein Arbeiter wurde als verdächtig in
Haft genommen und gestand den Diebstahl zu. Man vermuthet,
dass er mit Complicen noch weitere Diebstähle in Spree-Grund
stücken zu Treptow' und Stralau, die zur Anzeige gelangten, be
gangen hat.
V
In der Unfall-Station wurden 16 Fälle behandelt.
Eine Kellnerin aus dem Vergnügungspark hatte drei Stecknadeln
verschluckt, dieselben wurden entfernt. Ein Bediensteter der
elektrischen Bahn war zwischen die Puffer gerathen und erlitt eine
Contusion des linken Unterschenkels. Ferner wurde eine Magen
blutung bei einem Ausstellungsbesucher beseitigt.
a) In der Ausstellung.
Mr. Naham Franko, Dirigent einer der besten amerika
nischen Militair-Kapellen, welcher z. Z. in Berlin weilt, ist eingeladen
worden, mit dem Philharmonischen Blasorchester (Orchester der
Berliner G e werbe-Ausstellung) am 28. Mai einige der beliebtesten
■ amerikanischen Compositionen in der Ausstellung zu Gehör zu
bringen.
V
Das Theater Alt - Berlin veranstaltet seinen nächsten
Novitätenabend, an dem Adalbert v. Hanstein’s Dichtung
Gotzkowsky zur ersten Aufführung gelangen soll, am Mittwoch,
27. d. M.
V
Das Restaurant der elektrischen Thurmbahn
wird heute eröffnet. Tn dem unteren, hochelegant decorirten Rund
bau liegen die Speisezimmer, in welche recht gemüthlich ausgestattete
Nischen und Kojen für kleinere Gesellschaften eingebaut sind. Auf
■bequemen Treppen steigt man zur grossen Plattform empor. Der
ganze Vergnügungs-Park, die Kolonial-Ausstellnng liegen vor dem
Beschauer, der von seiner hohen Warte aus mit Müsse
Fei einem Glase guten Rebensaftes das Drängen und
Wogen da unten beobachten kann. Von einladender Intimität
sind die vier Aussiclitsthünnchcn, jeder derselben hat im Innern
Raum für eine Gesellschaft von etwa zehn Personen, ist mit farbigen
Stoffen sehr geschmackvoll deeorirt und bietet ebenfalls eine äusserst
freundliche Fernsicht. Der grosse Thurm, welcher von der Plattform
umgeben wird, dient bekanntlich dazu, einen mächtigen Tragkorb,
der für ca. 150 Personen bequem Platz bietet, bis zu einer Höhe
von ungefähr 70 Metern emporzutragen. Während der Auffahrt
dreht sich dieser Tragkorb, so dass die Insassen, welche
in bequemen Sesseln ruhen, ein stetig wechselndes Rund
bild von der Ausstellung und ihrer Umgebung gemessen.
Die hydraulischen Aufzüge sind augenblicklich noch nicht fertig,
und die Besucher des Restaurants werden vorläufig in dem sich
drehenden Tragkorb, den man von der Plattform aus besteigt, nur
eine Carrouselfahrt fünf Meter über dem Erdboden unternehmen
können.
S
Die Feier des Kurban Beyram, des grössten orienta-;
fischen Festes, nahm gestern (Sonnabend) ihren Fortgang. Es giebt:
kaum eine günstigere Gelegenheit, die Bewohner von Kairo näher
kennen zu lernen, als diese Feste, dessen Theilnehmer nach den
Vorschriften des Koran eine gründliche Körperreinigung vornehmen
und neue Festkleider anlegen müssen.
Am Morgen des gestrigen Tages fand hei Sonnenaufgang eine
Wiederholung des Festgottesdienstes statt, dann begaben sich sämmt
liche Orientalen in ihre Wohnräume, um ihre Festtagsgäste zu empfanget;
denn von der Morgenandacht an beginnt das eigentliche Freudenfest.
Mit dem üblichen »Kullu senne eilte tajib« und anderen Glück
wünschen, wie »Mögest du eine schöne Braut bekommen« etc. be-
grüssen sich die Glaubensgenossen und bewirthen ihre Gäste mit
Kaffee und Cigaretten. Gegen 10 Uhr fand die Ceremonie des
Hammelschlachtens statt. Zwölf Hammel wurden mit gebundenen
Füssen in die Arena gebracht und in einer Reihe nebeneinander auf
den Boden gelegt. Dann tanzten Männer, Frauen und Kinder einen
Reigen um die Opferthiere und sangen das Lied: »La illali la illallah
Mohammed Rasullallah«; dann zogen die Fellachen ihre Messer
aus den Gürteln und durchschnitten den Thieren die Hälse, zogen
ihnen die Häute ah und vertheilten die Stücke untereinander, wobei ■
sich besonders um die Köpfe grosser Streit erhob; denn die
Araber essen das Gehirn der Thiere mit grosser Vorliebe.
Die Hauptfeier fand am Nachmittag statt. Genau wie in
Kairo an den grossen Festtagen, bei Krönungsfeierliehkeiteu etc.
gruppirten sich die Bewohner zu einem pompösen, farbenprächtigen
Zuge; mit Fahnen und Standarten, religiösen und staatlichen In
signien, unter Musik und Gesang durchzogen sie die Strassen.
Sodann eröffneten die Beduinen mit ihren Kampf- und Wett-
reimspielcn den Reigen der Vorführungen. Ohne dass jemand sich
um die Anordnung zu bekümmern brauchte, steckten die Fellachen
den weiten Raum vom Tempel Edfu bis zu dem Restaurant »Zum
Khedivc« ab, auf welchem die Beduinen ihre Prachtpferdc im
Wettlauf tummelten. Dann sonderten sich die Reiter in feindliche
Lager, welche sich unter heftigem Schiessen angriffen. Kameel-
reiter begleiteten diese Executionen mit Paukenschlag und Pfeifen,
die Hofkapelle des Khedivc mit Nationalliedern, in welche die
Menge begeistert einstimmte.
Friedlicher war der zweite Theil der Ceremonie. Der Schech
mit dem Stabe, gefolgt von den heiligen Derwischen, zog unter
Klängen der Musik mehrmals im Kreise um das grosse, auf
dem Khediveplatz errichtete Mulelzelt und trat dann unter
Gebetsfonnein in dasselbe ein; die. religiösen Behörden
nahmen auf den im Halbkreis aufgestellten Sitzen aus
Palmenfasern Platz und, nachdem unter Tanz und Gesang die
Einweihung stattgefunden hatte, labte sieh die Gesellschaft mit
Kaffee und Cigaretten. — Unterdessen ist auf dem freien Platz vor
dem Zelt ein »Grill« improvisirt worden, ein Feuer wird angemacht
und die Vormittags geschlachteten Hammel geröstet. Sodann tritt
der Schech vor und vertheilt unter Beschwörungen das Fleisch an
die Menge, an Einheimische und Fremde. — Damit war für den
gestrigen Tag die in ihrem Glanz, ihren Ceremonieen und Formeln
echt orientalische Festfeier beendet. Am dritten Tage, also heute,
findet eine Wiederholung des Gottesdienstes und der Festzüge statt.
s
Tn Kairo ist die Ausstellung) jüdischer Dörfer
in Palästina, welche hauptsächlich den Zweck verfolgt, die \iel-
bestrittene Blüthe der seit etwa 15 Jahren begründeten zahlreichen
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