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Volume Nr. 37, 24. Mai 1896

Full text: Officielle Ausstellungs-Nachrichten (Public Domain) Issue1896 (Public Domain)

Officielle Äussteliungs ° Nachrichten. 
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Parteien getrennt. Die Firma E. H. Schütze hat die nöthigen 
Tennis-Utensilien als Schläger, Bälle, Netze, Pfosten, Ballsammel 
ständer und Markirer, sowie zwei praktische Gartenbänke mit Be 
hältnissen unter den Sitzen für die Apparate ausgestellt. Der 
ganze Platz, von schön gespflegten Blumenbeeten und Ziersträuchern 
umgehen, ist ein Schmuckstück der Landschaftsgärtnerei und erhält 
eine künstlerische Zierde durch mehrere aus der Bildgiesserei von 
Gladenbeck Söhne hervorgegangene Bronzestatuen von Rusche, 
Calandrelli u. A. 
V 
„Die Speisewirthschaft der Vegetarier-Gilde“ 
ist gestern innerhalb der Mauern Alt-Berlins am Markt No. 49 
gegenüber der Heiligegeistkirche, eröffnet worden. Die Leitung 
der Küche hat Frau Mertens von der Vegetarier-Vereinigung über 
nommen. Die Preise der aus bestem Material bereiteten Speisen 
werden nicht höher sein, als die in den vegetarischen Speisehäusern 
Berlins üblichen. Die »Speisewirthschaft der Vegetarier-Gilde« soll 
der Treffpunkt aller Vegetarianer werden, die zur Ausstellung 
kommen. 
V 
Blinder Feuerlärm rief gestern (Sonnabend) gegen sechs 
Uhr unsere Feuerwehr in die Marine-Schauspiele, wo das gerade 
aus der Vorstellung kommende Publikum von der heransausenden 
Dampfspritze überrascht wurde. Von Feuer war glücklicher Weise 
keine Spur. Ob ein Missbrauch des Feuermelders vorliegt oder 
ein Zufall denselben in Function treten liess, war nicht zu er 
mitteln. 
V 
Aus dem Ämtsbureau Treptow. Auf Dampfern in 
der Nähe des Steinlagerplatzes des Berliner Magistrats wurde ein 
schwerer Diebstahl verübt. Ein Arbeiter wurde als verdächtig in 
Haft genommen und gestand den Diebstahl zu. Man vermuthet, 
dass er mit Complicen noch weitere Diebstähle in Spree-Grund 
stücken zu Treptow' und Stralau, die zur Anzeige gelangten, be 
gangen hat. 
V 
In der Unfall-Station wurden 16 Fälle behandelt. 
Eine Kellnerin aus dem Vergnügungspark hatte drei Stecknadeln 
verschluckt, dieselben wurden entfernt. Ein Bediensteter der 
elektrischen Bahn war zwischen die Puffer gerathen und erlitt eine 
Contusion des linken Unterschenkels. Ferner wurde eine Magen 
blutung bei einem Ausstellungsbesucher beseitigt. 
a) In der Ausstellung. 
Mr. Naham Franko, Dirigent einer der besten amerika 
nischen Militair-Kapellen, welcher z. Z. in Berlin weilt, ist eingeladen 
worden, mit dem Philharmonischen Blasorchester (Orchester der 
Berliner G e werbe-Ausstellung) am 28. Mai einige der beliebtesten 
■ amerikanischen Compositionen in der Ausstellung zu Gehör zu 
bringen. 
V 
Das Theater Alt - Berlin veranstaltet seinen nächsten 
Novitätenabend, an dem Adalbert v. Hanstein’s Dichtung 
Gotzkowsky zur ersten Aufführung gelangen soll, am Mittwoch, 
27. d. M. 
V 
Das Restaurant der elektrischen Thurmbahn 
wird heute eröffnet. Tn dem unteren, hochelegant decorirten Rund 
bau liegen die Speisezimmer, in welche recht gemüthlich ausgestattete 
Nischen und Kojen für kleinere Gesellschaften eingebaut sind. Auf 
■bequemen Treppen steigt man zur grossen Plattform empor. Der 
ganze Vergnügungs-Park, die Kolonial-Ausstellnng liegen vor dem 
Beschauer, der von seiner hohen Warte aus mit Müsse 
Fei einem Glase guten Rebensaftes das Drängen und 
Wogen da unten beobachten kann. Von einladender Intimität 
sind die vier Aussiclitsthünnchcn, jeder derselben hat im Innern 
Raum für eine Gesellschaft von etwa zehn Personen, ist mit farbigen 
Stoffen sehr geschmackvoll deeorirt und bietet ebenfalls eine äusserst 
freundliche Fernsicht. Der grosse Thurm, welcher von der Plattform 
umgeben wird, dient bekanntlich dazu, einen mächtigen Tragkorb, 
der für ca. 150 Personen bequem Platz bietet, bis zu einer Höhe 
von ungefähr 70 Metern emporzutragen. Während der Auffahrt 
dreht sich dieser Tragkorb, so dass die Insassen, welche 
in bequemen Sesseln ruhen, ein stetig wechselndes Rund 
bild von der Ausstellung und ihrer Umgebung gemessen. 
Die hydraulischen Aufzüge sind augenblicklich noch nicht fertig, 
und die Besucher des Restaurants werden vorläufig in dem sich 
drehenden Tragkorb, den man von der Plattform aus besteigt, nur 
eine Carrouselfahrt fünf Meter über dem Erdboden unternehmen 
können. 
S 
Die Feier des Kurban Beyram, des grössten orienta-; 
fischen Festes, nahm gestern (Sonnabend) ihren Fortgang. Es giebt: 
kaum eine günstigere Gelegenheit, die Bewohner von Kairo näher 
kennen zu lernen, als diese Feste, dessen Theilnehmer nach den 
Vorschriften des Koran eine gründliche Körperreinigung vornehmen 
und neue Festkleider anlegen müssen. 
Am Morgen des gestrigen Tages fand hei Sonnenaufgang eine 
Wiederholung des Festgottesdienstes statt, dann begaben sich sämmt 
liche Orientalen in ihre Wohnräume, um ihre Festtagsgäste zu empfanget; 
denn von der Morgenandacht an beginnt das eigentliche Freudenfest. 
Mit dem üblichen »Kullu senne eilte tajib« und anderen Glück 
wünschen, wie »Mögest du eine schöne Braut bekommen« etc. be- 
grüssen sich die Glaubensgenossen und bewirthen ihre Gäste mit 
Kaffee und Cigaretten. Gegen 10 Uhr fand die Ceremonie des 
Hammelschlachtens statt. Zwölf Hammel wurden mit gebundenen 
Füssen in die Arena gebracht und in einer Reihe nebeneinander auf 
den Boden gelegt. Dann tanzten Männer, Frauen und Kinder einen 
Reigen um die Opferthiere und sangen das Lied: »La illali la illallah 
Mohammed Rasullallah«; dann zogen die Fellachen ihre Messer 
aus den Gürteln und durchschnitten den Thieren die Hälse, zogen 
ihnen die Häute ah und vertheilten die Stücke untereinander, wobei ■ 
sich besonders um die Köpfe grosser Streit erhob; denn die 
Araber essen das Gehirn der Thiere mit grosser Vorliebe. 
Die Hauptfeier fand am Nachmittag statt. Genau wie in 
Kairo an den grossen Festtagen, bei Krönungsfeierliehkeiteu etc. 
gruppirten sich die Bewohner zu einem pompösen, farbenprächtigen 
Zuge; mit Fahnen und Standarten, religiösen und staatlichen In 
signien, unter Musik und Gesang durchzogen sie die Strassen. 
Sodann eröffneten die Beduinen mit ihren Kampf- und Wett- 
reimspielcn den Reigen der Vorführungen. Ohne dass jemand sich 
um die Anordnung zu bekümmern brauchte, steckten die Fellachen 
den weiten Raum vom Tempel Edfu bis zu dem Restaurant »Zum 
Khedivc« ab, auf welchem die Beduinen ihre Prachtpferdc im 
Wettlauf tummelten. Dann sonderten sich die Reiter in feindliche 
Lager, welche sich unter heftigem Schiessen angriffen. Kameel- 
reiter begleiteten diese Executionen mit Paukenschlag und Pfeifen, 
die Hofkapelle des Khedivc mit Nationalliedern, in welche die 
Menge begeistert einstimmte. 
Friedlicher war der zweite Theil der Ceremonie. Der Schech 
mit dem Stabe, gefolgt von den heiligen Derwischen, zog unter 
Klängen der Musik mehrmals im Kreise um das grosse, auf 
dem Khediveplatz errichtete Mulelzelt und trat dann unter 
Gebetsfonnein in dasselbe ein; die. religiösen Behörden 
nahmen auf den im Halbkreis aufgestellten Sitzen aus 
Palmenfasern Platz und, nachdem unter Tanz und Gesang die 
Einweihung stattgefunden hatte, labte sieh die Gesellschaft mit 
Kaffee und Cigaretten. — Unterdessen ist auf dem freien Platz vor 
dem Zelt ein »Grill« improvisirt worden, ein Feuer wird angemacht 
und die Vormittags geschlachteten Hammel geröstet. Sodann tritt 
der Schech vor und vertheilt unter Beschwörungen das Fleisch an 
die Menge, an Einheimische und Fremde. — Damit war für den 
gestrigen Tag die in ihrem Glanz, ihren Ceremonieen und Formeln 
echt orientalische Festfeier beendet. Am dritten Tage, also heute, 
findet eine Wiederholung des Gottesdienstes und der Festzüge statt. 
s 
Tn Kairo ist die Ausstellung) jüdischer Dörfer 
in Palästina, welche hauptsächlich den Zweck verfolgt, die \iel- 
bestrittene Blüthe der seit etwa 15 Jahren begründeten zahlreichen
	        
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