Publication:
1896
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-15365322
Path:

12 Gfficielfe Äussiellungs-Nachrichten.
Die Medaille von 1844. Ina Besitz der «Grossen
.Staatsmedaille von 1844« ist auch die Firma J. A. Gilka,
Schützenstrasse.
V
Die National- und Kriegstänze der Neger in der
Kolonial-Ausstellung halten nach wie vor das lebhafteste Interesse
des Publikums rege und allgemein wird dankbar anerkannt, dass
unsere dunkeln Freunde sich auf beiden durch die Zanzibar-Brücke
verbundenen Seiten des Ausstellungsgebäudes produciren. Ganz be
sonders aber nehmen die Tänze der Neu-Guinea-Leute die Auf
merksamkeit der Besucher für sich in Anspruch und in erster
Seihe ist es der geheimnissvolle, mit allen bunten und grotesken Zu
thaten des naturwüchsigen Geschmacks der Australneger ausgestattete
Dukduk, dem stets neue Mengen von Zuschauern ein nie er
müdendes Interesse zuwenden.
V
Im Damenheim, welches sich auf der Plattform des
Pavillons der Ausstellung historischer Trachten befindet, veranstaltet
die Firma Herrman Gerson in der Pfingstwoche, beginnend am
Pfingstsonntag, eine Separatausstellung woldfeiler Costüme, Con-
fectionen in Blousen, welche ein übersichtliches Bild der Frühjahrs-
Saisonmoden geben werden. Das Damenheim, woselbst sich ein
Buffet unter Verwaltung des Kaiserhofes befindet, bietet einen
herrlichen Ausblick auf die gesummte Industriehalle.
V
Ein findiger Milchmann. Lebt da im Nordwesten unserer
guten Stadt Berlin seit vielen Jahren ein wackerer Handelsmann,
der mit dem ersten Hahnenkrähen fleissig treppauf treppab Milch und
Backwaaren in die Wohnungen seiner nicht unbeträchtlichen Kundschaft
trägt. Allein die Zeit ist hart, die Concurrenz gross, und so musste auch
unser Milchmann auf Mittel und Wege sinnen, um sich seine Kundschaft
zu erhalten. Das Mittel, was er fand, war ebenso praktisch, einfach und
auch billig. Der Milchmann besitzt nämlich auch ein Bosslein
und einen Wagen. Am Sonntag nun spannt er des Nachmittags
nochmals die Kosinante vor seinen Karren; aber anstatt der
blitzenden Milchkannen sieht man auf letzterem zwei Längsbänke,
und in diesem so umgeformten, garnicht so üblen Break fährt
unser guter Mann Sonntag für Sonntag die Küchen- und Hausfeeen
seiner Kundschaft abwechselnd nach dem Grunewald oder in
sonstige Natur- und Vergnügungskneipen. Dort mögen die
Huldinnen von der Gasseroie und dem Staubtuche thun und
lassen, was sie wollen; der wackere Milchmann kümmert sich nicht
weiter darum. Punkt neun Uhr aber muss sich wieder alles um
ihn versammeln; es geht dann in schlankem Trabe heimwärts,
und Hulda und Bertha sind somit billig und angenehm in den
Stand gesetzt, vor zehn Uhr hübsch Wieder zu Hause zu sein.
Die Herrschaften sind entzückt von der Pünktlichkeit ihres Personals,
und der Milchmann soll seit Jahren seine Kundschaft nicht
verringert, sondern vergrößert haben. Aber auch er wusste mit der
Zeit zu gehen. Eines Tages nämlich — es ist noch garnicht so
lange her — schien unter den Stammgästinnen seines sonntäglichen
Break eine offene Empörung aüsbrechen zu wollen. »Wat hier,
wat da, Gesundbrunnen und Grunewald«, hiess es. »Nach Treptow,
in die Ausstellung wird gefahren oder -— wir können ja Milch
und Backwaare auch nebenan von Müllerin beziehen!« Unserem
Freunde fiel es ja garnicht ein, den Wünschen seiner »Damen«
zuwider zu sein. »Kinder«, sagte er und drehte sofort den
Spiess um, »müsst ihr mir denn jede Freude verderben?
Von Pfingsten ab wollte ich ja Sonntag für Sonntag mit Euch nach
der Ausstellung und in den verjnügten Park jondeln! Det war mein
Pfingstgeschenk für Euch. Nu habt ihr mir den Spass richtig ver
dorben. Na, schadet nischt: Also los dafor!« Und so sieht man
in der That seit vorigen Sonntag den Milchhändler aus Berlin NW
mit seinem vollbesetzten Break nach Treptow zur Ausstellung ziehen.
Ja, einem unverbürgten Gerücht zufolge soll er auch entschlossen
sein, für jede seiner Damen einmal das Eintrittsgeld in die Aus
stellung zu bezahlen. Kein Zweifel, dass dieser Patriotismus seinem
Geschäfte einen weiteren, ungeahnten Aufschwung bereiten wird.
9
Die Taxameter-Fahrsessel auf dem Ausstellungsplatze
erfreuen sich einer von Tag zu Tag steigenden Nachfrage. Bei
schlechtem Wetter werden dieselben ganz besonders innerhalb der
Ausstellungshallen benutzt, wo diese zierlichen Wagen ja das
einzige Mittel sind, um ohne Ermüdung mit geringstem Zeitaufwand
und mit geringen Kosten einen Einblick in die zahllosen Abtheilungen
zu gewinnen, ohne irgend etwas Wichtiges zu übersehen. Denn
die gutgeschulten Fahrdiener sind über Alles aufs beste
orientirt und dienen dem Fahrgast zugleich als Führer und
Cicerone. Dass das Institut nicht blos für die »oberen Zehn
tausend« ein Bedürfniss ist, zeigt die Inanspruchnahme der Fahrsessel
an den Sonntagen. Wie uns das Institut mittheilt, hat der steigende
Bedarf bereits eine Vermehrung des Wagenparks nöthig gemacht.
Ausserdem hat dasselbe die Einrichtung getroffen, dass auf
telephonische Vorbestellung (Amt »Ausstellung 175«) Wagen inner
halb des Ausstellungsparkes, sowie an den Bahnhof gestellt werden,
für welche bis zu einer viertelstündigen Wartezeit eine Gebühr
nicht gerechnet wird. Das Institut hat ferner Fahrscheinheftchen
hergestellt. Diese Heftchen enthalten Fahrscheine ä 50 Pfennige,
deren jeder zu einer viertelstündigen Fahrt berechtigt.
o
Mittags bei Oswald Berliner. Von der Treptower
Chaussee nur durch ein weitmaschiges Drahtgitter getrennt, steht in
der Nähe der Maschinenhalle und des Kesselhauses ein altdeutscher
Bau, schön gegliedert, mit Altanen, spitzen Dächern, gebrochenen
Giebeln, Erkern und Thürmen. Breite Freitreppen führen zu einer
geräumigen, nach der Ausstellung zu offenen Galerie. Die
äusseren Wandflächen sind mit Freskomalerei geziert, die
Bedachung besteht aus glänzend bunten, glasirten Kunstziegeln. Grosse
Plätze, die genügend Sitzgelegenheit für ein paar Tausend Menschen
bieten, breiten sich nach dem Hofe zu und längs der Bundbahn
aus, begrenzt von Colonnaden und einem offenen Hallenbau. Auf
diesem Platze kann man in den Mittagsstunden ein buntes Treiben
beobachten. Da kommen aus dem Hauptgebäude, den Maschinen
hallen, den Kesselhäusern und verschiedenen Sonderausstellungen
Aussteller mit ihrem Personal, Monteure, Schmiede, Schlosser,
Maschinenmeister, Heizer, Verkäuferinnen, Ausstellungsbeamte und
Angestellte, um hier ihr Mittagbrod einzunehmen, wozu sich zuweilen
auch Weib und Kinder einfinden. Auf den Galerieen sitzen die
Ausstellungsbesucher, ebenfalls speisend und beobachten das Treiben
da unten und den Verkehr auf der Treptower Strasse, wo Wagen
um Wagen der Ausstellung neue Gäste zuführen und Spaziergänger
oder Ausstellungsbesucher oft in fast ununterbrochener Beilie hin
an d herziehen. Das Lokal erfreut sich einer gewissen Beliebtheit,
weil die Gäste zu denselben Preisen sich beköstigen, wie in Berlin.
Sehenswerth ist der grosse Saal mit dem mächtigen schönen Kathedral-
fenster, dessen Mittelbild den Gambrinus darstellt, ihm zur Seite
zwei Jünglingsgestalten »Malz und Hopfen«. Bings herum läuft
ein breites grünes Band mit zehn medaillonartigen Bildern, welche
Illustrationen deutscher Sprichwörter darstellen, dazwischen bunte
Schildereieu und Wappen, darüber in der Nische ein mächtiger
schwarzer Adler auf Goldgrund. Die Seitenräume, die, etwas höher
gelegen, hübsche Ausblicke nach dem Saal bieten, eignen sich für
Gesellschaften, die gern unter sich bleiben.
V
Eine Riesenholzplatte aus einem Stück im Durchmesser
von 2 m 60 cm ist in der Gruppe IV zu sehen. Die Platte, die
in ihrer Farbe der Bothbuche oder dem Mahagoni gleicht, rührt
von einem Padouc-Baum her, dessen Gattung auf den Philippinen
heimisch ist. Das Padouc-Holz ist augenblicklich für die Möbel
fabrikation stark in Mode und wird an Stelle von Mahagoni zu
Möbeln im Empirestil vielfach verwandt. — Holzkenner wollen be
haupten, — Jahresringe sind nicht zu erkennen — dass der Baum
etwa 500 Jahre alt gewesen sein mag.
Einen. Tennisplatz hat der Landschaftsgärtner F. Körner
gegenüber dem südlichen Zugänge zur Alpenwiese angelegt. Wie
in England ist hier eine wohlgepflegte Basenfläche der Spielplatz.
In Deutschland ist man in den letzten Jahren von Basen für die
Zwecke des Spiels ganz abgekommen und hat Aufschüttungen von
Kies oder Grand auf festem Macadam bevorzugt, auch Asphalt hat
sich gut bewährt. Der Basenplatz gewährt jedoch, das ist nicht zu
streiten, einen freundlichen Anblick, und wenn er, wie hier, auf
durchlässigem Mergelboden angelegt ist, wird sich wohl auch von
Seiten der Tennisspieler wenig dagegen einwenden lassen. Der Platz
ist durch weissgestrichene Holzlatten in die verschiedenen Felder
abgetheilt und durch ein Netz in der Mitte das Gebiet der beiden
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