Publication:
1896
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-15365322
Path:

Officielfe Äusstellungs - Nachrichten. n
längst, längst erstorben. Die gewaltige Anziehungskraft der Erde
hat ihn dermaassen beeinflusst, dass er nicht wie die Erde sich um seine
eigene Achse dreht, sondern der Erde nur eine Seite zukehrt. Das
ist die Seite, auf der er von der Sonne beschienen wird, während
auf der anderen Seite seiner Kugelgestalt eine ewige, tiefe Finsterniss
herrscht und eine Kälte, die über — 100 Grad geschätzt wird.
Aber die Sonne leuchtet nicht immer auf der uns zugewendeten
Seite des Mondes. Wie der Astronom Herr Dr. F. S. Archenhold
in seinem Vortrage »Ein Tag auf dem Monde« an zahlreichen Licht
bildern demonstrirte, beträgt der Mondtag volle 14 unserer Tage, während
14 Tage lang die volle Nacht über den ganzen Weltkörper gebreitet ist.
Prall und grell fällt das Sonnenlicht ohne jeden Strahlenglanz auf die
gewaltigen, bis zu 8000 Meter aufsteigenden Berge, auf die Höhen
der Bingwälle und der ausgebrannten, gewaltigen Krater, während
dicht neben den Höhen, in den Thälern und Vertiefungen tiefe
Finsterniss und Kälte herrscht. Kein Ton erschallt jemals
auf dieser erstorbenen Welt, da keine Atmosphäre den
Schall weiter trägt. Kein Tropfen Wasser netzt jemals die
Höhen der Berge, auf welchen die Sonne mit furchtbarer, un
gebrochener Gluth brennt, da sich das Wasser der einstigen Meere
und Flüsse längst verflüchtigt hat. Nicht eine Spur von Leben
regt sich mehr, keine Pflanze vermag dort zu existiren.
So ist der Mond das Bild einer Welt, die einst gewesen,
ein Wahrzeichen vielleicht für andere Welten, die demselben
Schicksal entgegengehen.
Werden und Vergehen — dieses furchtbare Gesetz gilt nicht
nur für uns kleine Sterbliche, sondern auch für die gewaltigen,
herrlichen, strahlenden Himmelskörper, die wir in unserer Einbildung
für Symbole der Ewigkeit halten. . . «
Der Sonnabend vor Pfingsten hatte seine ganz be
stimmte Physiognomie in der Ausstellung. Schon lange vor 10 Uhr
Morgens schaarten sich vor den Kassen jene bestimmte Gattung
Publikum, das man am richtigsten mit dem zusammenfassenden Aus
drucke »Pfingsturlauber« bezeichnet. Damit sind sowohl die Ferien-
bummler aus der Provinz gemeint, als auch die Zöglinge
der Berliner und Provinzialschulen, der Cadetten - Anstalten,
beurlaubte Mannschaften der hiesigen und auswärtigen Garnisonen.
Und dieses Publikum ist das schönste, beste, das sich eine Aus
stellung wie die maserige wünschen kann. Es kommt mit der
ganzen Begeisterung daher, die Wunder anzustaunen, welche die
Zeitungen seit Wochen und Monaten geschildert haben. Es kommt
begeistert daher, bleibt begeistert und kehrt noch begeisterter als
zuvor heim, um wahrscheinlich während der ganzen Dauer der
Pfingstferien Tag für Tag in Treptow in der Ausstellung zu er
scheinen. Man sieht es einem Jeden von ihnen, ob klein ob gross
an, wie befriedigt er ist. Er fragt nicht, wo geht es hierhin
und dorthin? Er hat einen Führer, seinen Situationsplan,
ganz genau vorher studirt und findet im Augenblick heraus, wie
man zum Kaiserschiff und zur Industriehalle, wie man nach Alt-
Berlin und zu den Marine-Schauspielen gelangt. Er schwelgt mit
einem Worte und trinkt Zuckerlimonade im Radeberger und Cham
pagner im Cafe Bauer. Er prüft Alles ernst und gewissenhaft, er
will nicht nur für sein Feld Alles genossen und gesehen haben,
er will vor Allem draussen in der Heimath, unter den Kameraden
und Schulfreunden, die nicht so glücklich gewesen sind, zu Pfingsten
in Berlin und in der Gewerbe-Ausstellung weilen zu können, ein
wenig prahlen.
V
Die Heimkehr der überaus zahlreichen Aus
stellungsbesucher am Abend der grossen Illumination voll
zog sich verhältnissmässig sehr gut, obwohl alle Verkehrsmittel bis
aufs Aeusserste in Anspruch genommen waren. Am schnellsten
vergriffen waren die Droschken, an denen bereits um 10 Uhr voll
ständiger Mangel herrschte. Die Dampfschiffe, Pferdebahn, elektrische
und Stadtbahn waren überfüllt, trotzdem machten sich nirgends
störende Zwischenfälle bemerkbar, da die Unbill des Zusammen
drängens mit Geduld und echtem Berliner Humor getragen wurde.
Selbst in den Wagenabtheilen, wo 20—24 Personen eingepfercht sassen
und standen, herrschte die beste Laune. Vor Allem aber konnte
der stille Beobachter des bewegten Volkslebens auf den Bahnhöfen
und Halteplätzen die erfreuliche Wahrnehmung machen, dass unsere
frühere, eindringliche Warnung, beim Einsteigen möglichst allen
Kampf um die Plätze zu vermeiden und in Buhe die nächste Fahr
gelegenheit abzuwarten, auf guten Boden gefallen war und das
Publikum sich nach und nach das »Nicht drängeln!« zur Parole
macht.
V
Die grosse Berliner Hunde-Ausstellung am 29.,
30. und 31. Mai auf dem Terrain der Gewerbe-Ausstellung Treptow
wird, wenn auch nicht eine der grössten, so sicher doch, was das
Material anbelangt, die beste sein, welche bisher in Deutschland
abgehalten worden ist, demnach eine Hunde-Elite-Ausstellung, wenn
dieser Ausdruck gestattet ist. Es sind über 800 Aussteller, in
über 1100 Nennungen angemeldet, darunter Collectionen, die
sämmtlich in Extrazellen untergebracht sind, wie solche so zahl
reich und in so vorzüglichem, erstklassigem Material überhaupt noch
nicht gesehen wurden. Hervorragend sind durch ihre Collectiv-Aus
stellungen in erster Bcihe der deutsche Doggen-Club in Berlin mit über 30
Doggen, der Barsoy-Club in Berlin mit seinen russischen Windhunden,
ein Material, welches sich in so vorzüglicher Zusammenstellung kaum
nochmals finden dürfte. — Welche Bedeutung man speciell dieser
Ausstellung höheren Ortes beimisst, beweisen nicht nur die Be
schickung der Ausstellung des Deutschen Kaisers selbst mit seinen
5 Barsoys (russische Windhunde), sondern auch die ungemein reiche
Dotirung von Staatspreisen durch das landwirtschaftliche Ministerium.
Die Internationale Hunde-Ausstellung zu Berlin ist überhaupt eine
der an Preisen reichst dotirten Ausstellungen, welche jemals ab
gehalten wurden. 39 Staatspreise im Werthe von über 7000 Mk.
an Geld, ferner 115 Ehrenpreise im Werthe von 10 000 Mk
stehen zur Verfügung. Sämmtliche Preise werden im Haupt
Eestaurant von Adlon & Dressei ausgestellt, die vom deutschen
Doggen-Club und vom Barsoy-Club gestifteten Preise jedoch in der
eigenen Collectivräumen. Die Ausstellung wird, abgesehen von dein
überaus reichen Material über 100 deutsche Doggen der grössten
und edelsten Rassen, einige sechzig Bernhardiner, darunter Exemplare
von 10, selbst 20000 Mark Werth, vorführen. Hervorragend sind
ferner die wellhaarigen russischen Windhunde vertreten, in noch nie
gesehener Anzahl und Auswahl werden aber die Damenhunde
vom kleinsten glatt- und rauhaarigen Pinscher, die noch kein
Kilogramm an Gewicht erreichen, mit wahren Vogelbeinchen vor
handen sein. Auch an sensationellen Neuheiten werden die
Besucher sehr Interessantes beobachten können; so wird beispiels
weise ein Wolf in Gemeinschaft mit 3 Jagdhunden in einem Käfig
ausgestellt werden. Ferner wird man antreffen eine Collection
von 7 nackten Afrikanerhunden, eine solche von 6 riesigen
Bernhardinern und eine von 25 Jagdhunden verschiedener Rassen,
alle drei Collectionen gehören einem Besitzer.
9
Die elektrische Stufenbahn, an deren Fertigstellung
mit aller Energie gearbeitet worden ist, wird, wenn kein Zwischen
fall eintritt, den Besuchern der Ausstellung die Pftngstüberraschung
ihrer Inbetriebsetzung bescheeren. Gestern (Sonnabend) wurden
die gründlichen Reinigungsarbeiten vorgenommen, der letzte Pass
wagen an den Zug gekettet. Die freien Fahrten fanden in der
heutigen Nacht nach Schluss der Ausstellung statt, um die Bahn
nach jeder Richtung hin zu erproben. Heute (Sonntag) früh um
10 Uhr wird die Prüfung der Stufenbahn seitens der technischen
Behörde beginnen, und von Mittag an, wenn alles glatt gegangen
sein wird, steht dem Publikum die Benutzung frei.
9
Zahlreiche ausländische Berichterstatter für die
Ausstellung sind in den letzten Tagen hier eingetroffen. Nament
lich sind England, Frankreich und Amerika stark vertreten. Dia
Herren haben sich meistens auf dem internationalen Pressbureau
gemeldet und sprechen sich äusserst anerkennend über die für die
Vertreter der Presse geschaffenen bequemen und eleganten Arbeits
räume aus.
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