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Volume Nr. 37, 24. Mai 1896

Full text: Officielle Ausstellungs-Nachrichten (Public Domain) Issue1896 (Public Domain)

Officielfe Äusstellungs - Nachrichten. n 
längst, längst erstorben. Die gewaltige Anziehungskraft der Erde 
hat ihn dermaassen beeinflusst, dass er nicht wie die Erde sich um seine 
eigene Achse dreht, sondern der Erde nur eine Seite zukehrt. Das 
ist die Seite, auf der er von der Sonne beschienen wird, während 
auf der anderen Seite seiner Kugelgestalt eine ewige, tiefe Finsterniss 
herrscht und eine Kälte, die über — 100 Grad geschätzt wird. 
Aber die Sonne leuchtet nicht immer auf der uns zugewendeten 
Seite des Mondes. Wie der Astronom Herr Dr. F. S. Archenhold 
in seinem Vortrage »Ein Tag auf dem Monde« an zahlreichen Licht 
bildern demonstrirte, beträgt der Mondtag volle 14 unserer Tage, während 
14 Tage lang die volle Nacht über den ganzen Weltkörper gebreitet ist. 
Prall und grell fällt das Sonnenlicht ohne jeden Strahlenglanz auf die 
gewaltigen, bis zu 8000 Meter aufsteigenden Berge, auf die Höhen 
der Bingwälle und der ausgebrannten, gewaltigen Krater, während 
dicht neben den Höhen, in den Thälern und Vertiefungen tiefe 
Finsterniss und Kälte herrscht. Kein Ton erschallt jemals 
auf dieser erstorbenen Welt, da keine Atmosphäre den 
Schall weiter trägt. Kein Tropfen Wasser netzt jemals die 
Höhen der Berge, auf welchen die Sonne mit furchtbarer, un 
gebrochener Gluth brennt, da sich das Wasser der einstigen Meere 
und Flüsse längst verflüchtigt hat. Nicht eine Spur von Leben 
regt sich mehr, keine Pflanze vermag dort zu existiren. 
So ist der Mond das Bild einer Welt, die einst gewesen, 
ein Wahrzeichen vielleicht für andere Welten, die demselben 
Schicksal entgegengehen. 
Werden und Vergehen — dieses furchtbare Gesetz gilt nicht 
nur für uns kleine Sterbliche, sondern auch für die gewaltigen, 
herrlichen, strahlenden Himmelskörper, die wir in unserer Einbildung 
für Symbole der Ewigkeit halten. . . « 
Der Sonnabend vor Pfingsten hatte seine ganz be 
stimmte Physiognomie in der Ausstellung. Schon lange vor 10 Uhr 
Morgens schaarten sich vor den Kassen jene bestimmte Gattung 
Publikum, das man am richtigsten mit dem zusammenfassenden Aus 
drucke »Pfingsturlauber« bezeichnet. Damit sind sowohl die Ferien- 
bummler aus der Provinz gemeint, als auch die Zöglinge 
der Berliner und Provinzialschulen, der Cadetten - Anstalten, 
beurlaubte Mannschaften der hiesigen und auswärtigen Garnisonen. 
Und dieses Publikum ist das schönste, beste, das sich eine Aus 
stellung wie die maserige wünschen kann. Es kommt mit der 
ganzen Begeisterung daher, die Wunder anzustaunen, welche die 
Zeitungen seit Wochen und Monaten geschildert haben. Es kommt 
begeistert daher, bleibt begeistert und kehrt noch begeisterter als 
zuvor heim, um wahrscheinlich während der ganzen Dauer der 
Pfingstferien Tag für Tag in Treptow in der Ausstellung zu er 
scheinen. Man sieht es einem Jeden von ihnen, ob klein ob gross 
an, wie befriedigt er ist. Er fragt nicht, wo geht es hierhin 
und dorthin? Er hat einen Führer, seinen Situationsplan, 
ganz genau vorher studirt und findet im Augenblick heraus, wie 
man zum Kaiserschiff und zur Industriehalle, wie man nach Alt- 
Berlin und zu den Marine-Schauspielen gelangt. Er schwelgt mit 
einem Worte und trinkt Zuckerlimonade im Radeberger und Cham 
pagner im Cafe Bauer. Er prüft Alles ernst und gewissenhaft, er 
will nicht nur für sein Feld Alles genossen und gesehen haben, 
er will vor Allem draussen in der Heimath, unter den Kameraden 
und Schulfreunden, die nicht so glücklich gewesen sind, zu Pfingsten 
in Berlin und in der Gewerbe-Ausstellung weilen zu können, ein 
wenig prahlen. 
V 
Die Heimkehr der überaus zahlreichen Aus 
stellungsbesucher am Abend der grossen Illumination voll 
zog sich verhältnissmässig sehr gut, obwohl alle Verkehrsmittel bis 
aufs Aeusserste in Anspruch genommen waren. Am schnellsten 
vergriffen waren die Droschken, an denen bereits um 10 Uhr voll 
ständiger Mangel herrschte. Die Dampfschiffe, Pferdebahn, elektrische 
und Stadtbahn waren überfüllt, trotzdem machten sich nirgends 
störende Zwischenfälle bemerkbar, da die Unbill des Zusammen 
drängens mit Geduld und echtem Berliner Humor getragen wurde. 
Selbst in den Wagenabtheilen, wo 20—24 Personen eingepfercht sassen 
und standen, herrschte die beste Laune. Vor Allem aber konnte 
der stille Beobachter des bewegten Volkslebens auf den Bahnhöfen 
und Halteplätzen die erfreuliche Wahrnehmung machen, dass unsere 
frühere, eindringliche Warnung, beim Einsteigen möglichst allen 
Kampf um die Plätze zu vermeiden und in Buhe die nächste Fahr 
gelegenheit abzuwarten, auf guten Boden gefallen war und das 
Publikum sich nach und nach das »Nicht drängeln!« zur Parole 
macht. 
V 
Die grosse Berliner Hunde-Ausstellung am 29., 
30. und 31. Mai auf dem Terrain der Gewerbe-Ausstellung Treptow 
wird, wenn auch nicht eine der grössten, so sicher doch, was das 
Material anbelangt, die beste sein, welche bisher in Deutschland 
abgehalten worden ist, demnach eine Hunde-Elite-Ausstellung, wenn 
dieser Ausdruck gestattet ist. Es sind über 800 Aussteller, in 
über 1100 Nennungen angemeldet, darunter Collectionen, die 
sämmtlich in Extrazellen untergebracht sind, wie solche so zahl 
reich und in so vorzüglichem, erstklassigem Material überhaupt noch 
nicht gesehen wurden. Hervorragend sind durch ihre Collectiv-Aus 
stellungen in erster Bcihe der deutsche Doggen-Club in Berlin mit über 30 
Doggen, der Barsoy-Club in Berlin mit seinen russischen Windhunden, 
ein Material, welches sich in so vorzüglicher Zusammenstellung kaum 
nochmals finden dürfte. — Welche Bedeutung man speciell dieser 
Ausstellung höheren Ortes beimisst, beweisen nicht nur die Be 
schickung der Ausstellung des Deutschen Kaisers selbst mit seinen 
5 Barsoys (russische Windhunde), sondern auch die ungemein reiche 
Dotirung von Staatspreisen durch das landwirtschaftliche Ministerium. 
Die Internationale Hunde-Ausstellung zu Berlin ist überhaupt eine 
der an Preisen reichst dotirten Ausstellungen, welche jemals ab 
gehalten wurden. 39 Staatspreise im Werthe von über 7000 Mk. 
an Geld, ferner 115 Ehrenpreise im Werthe von 10 000 Mk 
stehen zur Verfügung. Sämmtliche Preise werden im Haupt 
Eestaurant von Adlon & Dressei ausgestellt, die vom deutschen 
Doggen-Club und vom Barsoy-Club gestifteten Preise jedoch in der 
eigenen Collectivräumen. Die Ausstellung wird, abgesehen von dein 
überaus reichen Material über 100 deutsche Doggen der grössten 
und edelsten Rassen, einige sechzig Bernhardiner, darunter Exemplare 
von 10, selbst 20000 Mark Werth, vorführen. Hervorragend sind 
ferner die wellhaarigen russischen Windhunde vertreten, in noch nie 
gesehener Anzahl und Auswahl werden aber die Damenhunde 
vom kleinsten glatt- und rauhaarigen Pinscher, die noch kein 
Kilogramm an Gewicht erreichen, mit wahren Vogelbeinchen vor 
handen sein. Auch an sensationellen Neuheiten werden die 
Besucher sehr Interessantes beobachten können; so wird beispiels 
weise ein Wolf in Gemeinschaft mit 3 Jagdhunden in einem Käfig 
ausgestellt werden. Ferner wird man antreffen eine Collection 
von 7 nackten Afrikanerhunden, eine solche von 6 riesigen 
Bernhardinern und eine von 25 Jagdhunden verschiedener Rassen, 
alle drei Collectionen gehören einem Besitzer. 
9 
Die elektrische Stufenbahn, an deren Fertigstellung 
mit aller Energie gearbeitet worden ist, wird, wenn kein Zwischen 
fall eintritt, den Besuchern der Ausstellung die Pftngstüberraschung 
ihrer Inbetriebsetzung bescheeren. Gestern (Sonnabend) wurden 
die gründlichen Reinigungsarbeiten vorgenommen, der letzte Pass 
wagen an den Zug gekettet. Die freien Fahrten fanden in der 
heutigen Nacht nach Schluss der Ausstellung statt, um die Bahn 
nach jeder Richtung hin zu erproben. Heute (Sonntag) früh um 
10 Uhr wird die Prüfung der Stufenbahn seitens der technischen 
Behörde beginnen, und von Mittag an, wenn alles glatt gegangen 
sein wird, steht dem Publikum die Benutzung frei. 
9 
Zahlreiche ausländische Berichterstatter für die 
Ausstellung sind in den letzten Tagen hier eingetroffen. Nament 
lich sind England, Frankreich und Amerika stark vertreten. Dia 
Herren haben sich meistens auf dem internationalen Pressbureau 
gemeldet und sprechen sich äusserst anerkennend über die für die 
Vertreter der Presse geschaffenen bequemen und eleganten Arbeits 
räume aus.
	        
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