Publication:
1896
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-15365322
Path:

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Officielie Äusstellungs - Nachrichten.
häufig gespieltes Musikstück ist der Czardas aus Grossmann’s
Oper »Der Geist des Wojewoden«, und von sonstigen Opern-
. melodieen, die man allwöchentlich zwei- oder dreimal hört,
sind noch zu nennen Gounod’s »Faust«, Nessler’s »Trompeter
von Säkldngen« oder Hochzeitsmarscli aus dem »Ratten
fänger von Hameln«, ferner die Ouvertüre zu Maillart’s
Oper »Das Glöckchen des Eremiten«, Herold’s »Zampa«, Auber’s
»Fra Diavolo«, Leoncavallo’s »Bajazzi«, Ignaz BrliH’s Ouvertüre zum
»Goldenen Kreuz«, Lortzing’s »Waffenschmied« und Kreutzer’s-
»Nachtlager in Granada«.
Von ernsteren Orchester-Compositionen wurden am häufigsten
gespielt Franz Liszt’s »Ungarische Rhapsodieen« und Johannes
Brahm's »Ungarische Tänze«, Franz Schuhert’s ernste Weise »Am
Meer« und Beethoven’s Adagio aus der. »Sonate, pathetique«.
Unter den neueren Compositionen steht obenan Henrion’s
Militairmarsch »Hie gut Brandenburg allewege«, unter Be
nutzung der langen Heroldstrompeten, den man sicher einen
Tag um den anderen hören kann. Fast ebenso oft kommen »La
Paloma« , das schwermüthige und melodieenreiche Mexikanische
Lied von Tradier, E. Ascher’s »Fanfare militaire«, Golde’s »Preussen
marsch« und das Lied von Pressei »An der Weser« zum Vortrag.
Lehr, beliebte. Lieder . sind inner Abt’s »Waldandacht«. und:
R. Ileiser's »Grab auf der Haide«, zu dem schwermüthigen Text
des. märkischen Dichters F. Brunold. Auch .des Kaisers »Sang an-
Aegir« ist bereits fünf- oder sechsmal gespielt worden. Auf die
Frage: »wer ist der beliebteste Walzercomp.onist?« wird man un
zweifelhaft in den meisten Fällen die Antwort erhalten: Johann
Strauss. Die Aussteilungs-Concerte aber geben eine andere Antwort,
denn die Walzer von Waldteufel werden seltsamer Weise viel
häufiger gespielt, als die beliebtesten Melodieen von Strauss, wie
»Rosen aus dem Süden«, »Wein, Weib, Gesang«, »Wiener Blut«
und ähnliche. Strauss’ Landsmann Keler Bela vermochte mit
seinem allbeliebten Walzer »Am schönen Bheine« auch noch einen
. e'rwälinenswerthen Platz zu ■ behaupten, und von Compositionen,
die Manchem aus der Jugendzeit, aus der Clavierstunde
lieb und werth geblieben sind, dürften noch zu nennen sein:
Lumbye’s »Traumbilder« und Kontzky’s »Erwachen des Löwen«.
Dass zeitgemässe Compositionen eine besondere Bevorzugung erhalten,
ist erklärlich. Dieser glückliche Stern lächelt dem »Berliner Gewerbe-
Ausstellungs-Potpourri« von Thiele und dem in der Kolonial-
Abtlieilung tast täglich gespielten »Buren-Marseh mit Verwendung
der Nationalhymne von Transvaal«, eine dem Herzog Albrecht von
Mecklenburg gewidmete Compositiou von H. Weiss, der »Neu-
Guinea-Walzer« von II. Schmidt und der »Berliner Kolonial-Aus-
stellungsmarseh« von C. Voigt. Von Operetten-Componisten werden
am häufigsten Millöcker und Zeller gespielt. Auch das Potpourri
ist stets sehr beliebt, und einer der besten und gewandtesten Ver
treter dieses Genre ist immer noch der selige Conradi, der einst
in der Glanzzeit der Ernestine Wegener, Helmerding und
Reuscke die Musik für deren zündende Couplets geschrieben hat;
seine Potpourris »Melodieen - Congress« und »Oifenbachiana«
sind auch in den Äusstellungs - Concerten populaire Nummorn.
Zu den gern gehörten und gespielten, stets mit wekmuthsvolleia
Interesse aufgenommenen Compositionen gehören »Kaiser-Friedrich-
Marsch« von Friedemann und »Kronprinz-Friedrich-Marsch« von
Mertens. Die Aussteilungs-Concerte sind ein beliebter, eiserner
Bestandtheil der Ausstellung geworden, sie sind mannichfaltig und
interessant zusammengesetzt und bringen daher Jedem etwas.
V
Orientaliche Festtage in Kairo. Aus Anlass des
hoben Muliamedanischen Festtages Kurban Beiram, welcher
mit dem gestrigen Sabbat-Eingang begann, wurde gestern (Freitag)
Mittags um 1 Uhr eine Vorfeier, bestehend aus einem feierlichen
Gottesdienste, in der Moschee El Muayad abgehalten. Eine halbe
Stunde vorher batte der Mueddin (Gebetrufer) die Galerie des Minarets
bestiegen und durch ein feierliches, an den Propheten gerichtetes
»Saläm!« und durch leiernden Gesang den Gläubigen das äusser-
gewöhnliche Ereigniss verkündet. Leider scheinen die im Berliner
»Kairo« ansässigen Muhamedaner sich in grosser Entfernung von
des Propheten und Allak’s Rache zu glauben; denn nur
wenige folgten dem Rufe; Frauen und Kinder sind durch
die orientalische Sitte von den heiligen Räumen fern
gehalten, und so versammelten sich ausser dem Imam, seinen
Beiständen und den tanzenden und heulenden Derwischen
nur etwa fünfzig Personen in der weiten mit Strohmatten belegten
Säulenhalle der Moschee.
Von dem runden Vorraum (Maksura), in welchem sich unter
reich mit Stalaktiten geschmückter Kuppel die Gräber des Moschee- 1
Stifters und seiner Familie befinden, hatte sich eine Anzahl wiss- -
begieriger Zuseher eingefunden, welche, nach orientalischer Art mit
Hut und Filzpantoffeln angethan, der Ceremonie hinter dem Gitter
beiwohnen durften. — Die Feier nahm sodann ihren üblichen Ver- \
lauf. Zuerst stellten sich die Andächtigen in einer Reihe gegen- (1
über der Kibla auf, der Gebetsnische, welche der Lage Mekkas *
entsprechend angelegt ist, dann trat der Kadi in die Kibla und
verlas aus dem auf einem Pulte aufgeschlagen liegenden Koran das
18. Kapitel, wobei zwei geistliche Beistände von einem hölzernen,
auf vier Säulen ruhenden Podium herab jeden Vers für die Menge
laut wiederholten.
Plötzlich erschallt von draussen der feierliche Gebetruf der Mueddin
im Wechselgesang, die Vorlesung aus dem Koran wird unterbrochen, die
Versammelten knieen mit gekreuzten Beinen nieder. — Sobald dieses .
Intermezzo beendet ist, besteigt der Khadi, ein Schwert in der
rechten Hand haltend, unter Vorantritt eines Moscheedieners die
Kanzel und beginnt seine Festtagspredigt. Mit Andacht lauscht
die Menge, hie und da einen'. Satz mit leisem Murmeln begleitend.
Nach Schluss der Predigt sprachen alle Versammelten ein Gebet,
worauf der Prediger sich nochmals zur Gebetsnische begab, um ein
speciell für den Festtag Kurban Beiram bestimmtes Gebet zu ver- j
lesen, welches die Bekenner des Islam mit leisem Murmeln und
allerlei bittenden und beschwörenden Geberden nachsprechen. 1
Hiermit war die etwa 1 */ 2 Stunden währende religiöse Ceremonie
des Vorfestes beendigt und die Andächtigen verliessen, nachdem sie
die Filzpantoffeln abgelegt hatten, die Moschee und begaben sich |
an die Arbeit. Nur die Gruppe der tanzenden und heulenden
Derwische blieb zurück, um unter einförmigem Paukenschlag |
in endlosen Drehungen sich zur religiösen Verzückung zu er- I
regen. — Am Abend, zugleich mit dem Sabbat - Eingang begann
das eigentliche Fest; es ward durch einen zweiten Gottesdienst ein- ’
geleitet; sodann machten alle Moslemin bei ihrerNachbarschaft Freuden- ;
besuche, wobei sie sich mit dem Glückwünsche: »Allah möge alle J
Deine kommenden Jahre segnen!« begrüssten! Auf dem grossen
Khediveplatz war aus hellen Stoffen ein weites luftiges Zelt, das f
sogenannte Muletzelt, errichtet. Dort werden heute (Sonnabend) ;
hundert Hammel geschlachtet, auf glühend gemachten Steinplatten
geröstet und Nachmittags unter Gesang, Tanz und Spiel verzehrt. E
b) In Berlin.
Im Königlichen Opernhause fand Philipp Rüfer’s neue
vieraktige Oper »Ingo« eine sehr sympathische Aufnahme. Das ?
Buch ist nach Gustav Freytag’s Dichtung kurz, aber nicht ohne :
Ungeschick bearbeitet. Küfer ist in seinem »Ingo«, was er bereits 1
in seinem »Merlin« war, ein fein gebildeter, ernststrebender und f
gewissenhaft schaffender Musiker, dem es aber an fortreissender
Leidenschaft und wirklich schöpferischer Phantasie gebricht. »Ingo« I
erscheint trotz alledem als ein Werk, das Beachtung verdient, denn j
es ist das Product eines rastlos aufwärts strebenden Künstlers,
der vielleicht mit einem zu akademischen Ernst, mit einer
zu schweren Gewissenhaftigkeit schafft und in Folge dessen das |
natürlich Kraft- und Temperamentvolle vergisst; Rufer scheint mehr
mit dem Verstände, als mit der Phantasie des Künstlers zu arbeiten.
Der Componist hatte einen ehrlichen Erfolg, seine ernste, künstlerische ;
Schöpfung verdiente das ihr entgegengebrachte Interesse. Küfer
wurde nach allen Aktschlüssen hervorgerufen, selbst die gesellmaek- e
lose Ueberreichung von kostbar zubereitetem Lorbergemüse konnte
die Theilnahme nicht abschwächen. Im Mittelpunkt der von Sucher
meisterhaft geleiteten Aufführung stand Sylva, der die anstrengende
Titelrolle glänzend beherrschte. II.
V
Im Berliner Theater geht noch vor Olden’s Schauspiel
»Die officielie Frau« »Wilhelm Teil« mit Arthur Kraussneck
in der Titelrolle decorativ in Scene. Die erste Aufführung des '
Schiller’schen Drama, die auf Freitag, 29. Mai, festgesetzt ist, findet '
im Abonnement statt.
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