Publication:
1896
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-15365322
Path:

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Officielle Ausstellungs - Nachrichten.
13
> sondern wegen directer Betheiligung. Der Leiter der Vcr-
sicherungsangelegenheiten Herr Dohm von der Magdeburger
Feuerversicherungs-Gesellschaft ist, um die Interessen der
Gesellschaft wahrzunehmen, fast ununterbrochen auf dem Platze und
revidirt von früh bis spät alle Gebäude, ob auch keine Ueber-
schreitungen der Vorschriften stattfinden, welche in Bezug auf
Feuersicherheit getroffen sind. Gestern fand in der Hauptallee
durch Herrn Bohrn und Herrn Branddirector Giersberg eine
Revision der elektrischen Linien innerhalb des Gebäudes statt, wo-
k bei eine Anzahl Anordnungen getroffen wurden, welche auf die
Erhöhung der Feuersicherheit abzielen.
a) In der Ausstellung.
Die erste festliche Beleuchtung der Ausstellung.
Es war kein wolkenlos-südlicher Himmel, der am gestrigen Freitag
auf die Ausstellung herniederlachte und kein besonders sommer
liches Lüftchen, das die Besucher umwehte, die in hellen
Sehaaren von Mali und Fern herangekommen waren, um das
längst ersehnte Schauspiel der ersten grossen Illumination zu
gemessen. Allein so gnädig erwies sich der launische 'Wettergott
wenigstens den Schaulustigen, dass er nicht gerade seine
tückischste Miene aufsetzte und sogar zeitweise Frau Sonne ge
stattete, einen freundlichen Blick auf die Herrlichkeit da unten zu
werfen. Schon in den Vormittagstunden war der Besuch ein äusserst
reger. Neben den Einheimischen machten sich zahlreiche Fremde
bemerkbar und auch einige Vereine und Schulen waren in corpore
erschienen. Von Stunde zu Stunde mehrte sich der Andrang,
wollten doch die meisten vor 5 Uhr, wo ein erhöhtes Entree ein
trat, zur Stelle sein, allein auch nach dieser Stunde strömten noch
Tausende in den Park, der ein ausserordentlich belebtes, fest
freudiges Bild bot. Mit lebhaftem Interesse wurden die umfassen
den Vorbereitungen für die bevorstehende Illumination in
Augenschein genommen, und Alles war des Lobes voll
über die geschmackvollen Arrangements, die schon am Tage sich
als ein reizender Schmuck der Anlagen präsentirten und so viel für
den Abend versprachen. Immer dichter schaarte sich, je näher der
^Beginn der Illumination herannahte, die Menge um den Neuen
See, den glänzenden Mittelpunkt derselben, ungeduldig den Augen
blick erwartend, der unsere Ausstellung zum ersten Male im
strahlenden Festgewand vieltausendfachen Lichterglanzes zeigen
sollte.
»Ob Regen, ob Sonnenschein«, die Illumination muss heute
stattfinden! war die am Morgen ausgegebene Parole, und sie fand
statt. Trotzdem der Himmel sich gegen 5 Uhr wieder drohender um-
düsterte, wurden die letzten Vorbereitungen getroffen und von ^9 Uhr
an entwickelte sich ein Schauspiel von so bestechendem
Reiz, dass sofort jede Unfreundlichkeit der Witterung, die gegen
Abend einen freundlichen Charakter annahm, vergessen und Alles
nur bestrebt war, das Gebotene in allen Zügen zu ge
messen. Und es wurde viel geboten! Waren doch die Bordkanten
des Neuen Sees mit 12 000 weissen Lichtem geschmückt, die
dreifache Promenaden-Allee mit nicht weniger als 20000 Flämmehen
in opalfarbigen Gläsern erleuchtet, wozu noch die Tausende von bunten
Gläsern kamen, die in mehrfachen Reihen die am Ufer aufgestellten
eisernen Pyramiden schmückten, die unter sich wieder durch eine
Doppelreihe von Lichtern malerisch verbunden waren. In orientalischer
Farbenpracht erstrahlte der Neue See, in dessen Wasser sich
feurige Reflexe widerspiegelten. Von der Kuppel des Haupt
gebäudes und vom Hauptrestaürant stiegen von Zeit zu Zeit rothe Feuer
garben auf, weithin den Park und dessen Umgebung magisch
erleuchtend, und tief unten glänzten in den prachtvollen Blumen
beeten und Rasenflächen Tausende von farbigen Flämmehen —
ein Anblick, der von wahrhaft poetischem Reiz war. Aber auch
der übrige Park, der namentlich in seinen verschiedenen Zugängen
von der Eisenbahn- resp. Dampfschiffstation, sowie in den beiden
Promenaden von der Treptower Chaussee und der Coepenioker
m
Landstrasse mit vielen Tausenden von weissen, gelben
und blauen Gläsern illuminirt war, gewährte einen
prachtvollen Anblick, und zwar ganz besonders da, wo die
leuchtenden Ballons und Lämpchen zwischen dem nachtdunklen
Grün der Bäume und Büsche angebracht waren. Dazu die festfrohe
Menge, die sichtlich ihre hochgespannten Erwartungen übertreffen
fand, die rauschende Musik, die überall ihre heiteren Weisen ertönen
liess, das fröhliche Treiben auf dem mit zahlreichen elektrisch
erleuchteten Motorbooten und Gondeln bedeckten See — Alles in
Allem ein echtes, farbenfrohes Festbild. Wenn aber erst der
Sommer seine volle Herrschaft angetreten hat, der Himmel
wolkenlos über dem Treptower Park blaut und wärmere Lüfte
die Besucher umwehen, dann werden diese Feste von einem
Zauber umflossen sein, der Hunderttausende nach der Ausstellung
locken wird.
Zum Schlüsse wollen wir als gewissenhafte Chroniqueure noch
mittheilen, dass sich die Festbeleuchtung in folgender Weise voll
zog. Zuerst entzündeten sich zwei mächtige Rothfeuer auf den
beiden Rondels am Neuen See, dann, nachdem die Fanfaren der
Baumann’schen Kapelle eingesetzt hatten, erschallten zwei Kanonen
schläge. Diese gaben das Signal zum Aufleuchten der Opalgläser
in den Gängen am See; auf einen dritten Kanonenschlag hin er
folgte die Entzündung der gesummten Uferbeleuchtung; auf den
vierten und letzten trat die ganze Illumination einschliesslich der
deeorativen Beleuchtung der Teppichbeete und der bengalischen der
Kuppelthürme in Kraft.
V
Die Fontaine lumineuse ist, wie wir im Anschluss an
unsere gestrige Nachricht mittheilen können, soweit vollendet, dass
gestern (Freitag) die Stromzuführung stattfinden konnte. Dieselbe
dient ausschliesslich dazu, um die einzelnen Scheinwerfer für den
jeweiligen Lichtkegel einzustellen. Der wassertechnische Theil da
gegen kann erst in einigen Tagen geprobt werden, worauf das
Zusammenwirken beider Theile stattfinden wird. Letzteres ist am
Mittwoch der nächsten Woche zu erwarten und tritt alsdann die
Fontaine, falls nicht noch unvorhergesehene Zwischenfälle eintreten,
unmittelbar für das Publikum in Thätigkeit.
V
Der Fesselballon nahm auf seinen ersten Auffahrten am
Donnerstag Nachmittag 250 Personen mit. Am gestrigen Tage
(Freitag) begannen die Auffahrten ebenfalls erst in der fünften
Nachmittagsstunde. An ihnen nahmen jedesmal 10—12 Personen
Theil. Der Aufstiegplatz selbst wurde gestern von vielen Hunderten
von Zuschauern besucht, die an der Technik des Auf- und Nieder
steigens ein grosses Interesse bezeugten.
S
Die Ausstellungsconcerte, die sich fortgesetzt des
ungeschwächten Interesses, der unveränderlichen Gunst und der
regsten Anerkennung aller Ausstellungsbesucher erfreuen, haben
bereits ein treues Stammpublikum. Die Musik-Dirigenten wissen
bei der Zusammenstellung ihrer Programme ganz genau, was sie
dem Publikum bieten müssen. Sie haben zunächst auf die grosse
Masse der Ausstellungsbesucher Rücksicht zu nehmen, die etwas
den Ohren gefälliges dem grossen klassischen Inhalt vorzieht; sie
müssen aber auch den Musikkenner berücksichtigen. In welcher
Weise das bisher geschehen ist, wird folgende kleine Statistik klarlegen.
Danach geniesst die Ehre, der am meisten gespielte Componist zu
sein, natürlich Richard Wagner, welchen man den im Bereich der
1896 er Ausstellung volhsthümlichsten Tondichter nennen könnte.
In den Ruhm, die zweite Stelle unter den am häufigsten vor
geführten Componisten einzunehmen, theilen sich Franz von Suppe
mit seinen Ouvertüren zu »Dichter und Bauer«, »Flotte
Bursche« und »Leichte Cavallerie«, Mascagni mit dem Intermezzo
aus »Cavalleria rusticana«, A. Thomas mit der Ouvertüre zu
»Mignon« und Bizet mit Introduetion und Chor aus der Oper
»Carmen«. In der Reihe der Opern-Componisten folgen alsdann
Flotow mit der Ouvertüre zu »Martha«, Rossini mit der »Teil -
Ouvertüre, Meyerbeer mit den »Hugenotten«, Bellini mit »Norma«,
Verdi mit der Ouvertüre zum »Troubadour«, Reissiger mit der
Ouvertüre zur »Felsenmühle« und Nicolai mit der zu den »Lustigen
Weibern von Windsor«. C. M. von Weber ist ebenfalls häufig
vertreten, am meisten hört man seinen »Oberon«, demnächst die
»Jubel-Ouverture«, die Ouvertüre zum »Freischütz«, ferner noch
die »Aufforderung zum Tanz« und »Preeiosa«. Ein gern und
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