Publication:
1896
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-15365322
Path:

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Officielle Ausstellungs - Nachrichten.
seinen künstlerischen Societairen das Deutsche Theater be-
gründete, verwirklichte er damit einen Gedanken, der in
der Zeit lag, er schuf ein Werk, das in der Reichs
hauptstadt endlich einmal geschaffen werden musste. Das König
liche Schauspielhaus hatte der Neigung Kaiser Wilhelms I. für das
Lustspiel folgend, nicht nur das klassische Drama stark vernach
lässigt, sondern auch die besseren Schöpfungen des Auslandes
gänzlich unberücksichtigt gelassen. Und hier setzte das Deutsche
Theater ein. Seif langen Jahren bot es zuerst mustergiltige Aufführungen
der Werke unserer Klassiker und der besten Dichter aller Nationen
und erbrachte damit den Beweis, dass in der deutschen Reichs
hauptstadt neben dem Schauspielhause auch Privatunternehmer! von
gleicher Vornehmheit existiren können, es gewöhnte das Berliner
Publikum an den Gedanken, dass man auch ausserhalb des Schau
spielhauses gute, fein abgetönte Aufführungen klassischer Werke
bieten kann.
Die Eröffnung des Deutschen Theaters bedeutete den
Beginn einer neuen Aera für das Berliner Theaterwesen. Es
entstanden im Laufe der folgenden Jahre das Lessing-Theater, das
Berliner Theater, das Neue Theater, das Schiller-Theater u. 's. w.,
Institute, von denen jedes in Folge der wachsenden Concurrenz
bemüht ist,’ in dramaturgischer Hinsicht das Beste zu bieten.
Aber auch auf das Königliche' Schauspielhaus ist die neue Zeit
strömung nicht' ohne Wirkung geblieben, da cs jetzt eine Schaar
von hervorragenden Künstlern auf ' seiner Bühne vereinigt, deren
Zusammenspiel mustergiltige Aufführungen ermöglicht.
Das Thcatcrlcben in Berlin steht jetzt in höchster Blüthe. Aber'
dieses Aufblühen der theatralischen Kunst hat auch ein Problem
gezeitigt, das vorläufig unlösbar scheint. Das industrielle und ge
werbliche Leben unserer Zeit, das die Anspannung aller Kräfte
jedes Einzelnen in höchstem Grade in Anspruch nimmt, macht es
oft nothwendig, dass das Theater auch eine Stätte der Erholung sei.
Wie nun dieses Efholungsbedürfniss des Publikums mit der ernsten
Kunst vereinbart werden soll, ist eine jener wichtigen Fragen, deren
Lösung jedenfalls der Zukunft vorbehalten bleibt.
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Die Kaiserin in der Ausstellung.
Das hohe. Interesse, welches unser Kaiserpaar dem Gedeihen
von Kunst und Gewerbe entgegenbringt, hat sieh schon in zahl
reichen Fällen deutlich gezeigt, doch mit unverhohlener Freude ist die
kaiserliche Antheilnahmc an dem Berliner Kunstleben und an der
Industrie gerade jetzt zu begrüssen, wo augenblicklich die
Kunst - Ausstellung und die Gewerbe - Ausstellung die beiden
Angelpunkte für das gesummte gesellschaftliche und ge
werbliche Leben der Hauptstadt bilden. Am Donnerstag
besuchte die Kaiserin die Kunst-Ausstellung und gestern (Freitag.)
Nachmittag kurz nach ?> 1 /, i Uhr fuhr Ihre Majestät in die Gewerbe-
Ausstellung ein. Am Fontairienbeckcn vor dem Hauptgebäude hielt
der kaiserliche Wagen und hier bewillkommneten die Herren Geheim
rath Goldberger, Commercienrath Kühnemann und Baumeister
Feilsch die hohe Frau, welche in Begleitung ihrer jüngsten
Schwester der Herzogin Caroline Mathilde von Schleswig-Holstein-
Sonderburg, des Herzogs Ernst Günther von Schleswig-Holstein,
des Prinzen Albert von Schleswig-Holstein-Glücksburg gekommen
war. Im Gefolge der Kaiserin waren Graf v. Mirbach, Kammer
herr v. Koller. Frl. v. Gersdorf, Gräfin Brockdorff und Frl. v. Baum-
bach. Herr Commerciemath Kühnemann übernahm es, die Herr
schaften zu führen, während sich Herr Geheimrath Goldberger und Herr
Baumeister Felisch verabschiedeten. Die Kaiserin, w elche für Erzherzog
Carl Ludwig von Oesterreich Hoftrauer angelegt hatte, trug schwarzes
Moire antiquc-Kleid, reich mit Schmelz besetztes Cape und ein
gleichfalls sehr geschmackvoll mit Schmelz garnirtes Toque. Die
hohe Frau zeigte gegen ihre Umgebung eine herzgewinnende Liebens
würdigkeit und auch die Prinzessin Caroline Mathilde entzückte
durch die frische fröhliche Laune, die freundliche Antheilnahme,
die sie für alle Sehenswürdigkeiten an den Tag legte. Nach
kurzer Besichtigung der Kuppelhalle und der Ausstellung der
König!. Porzelian-Manufacfur nahmen die Gäste eingehend die
Erzeugnisse der Berliner Möbel-Industrie in Augenschein. Die
Kaiserin verweilte kurze Zeit bei den Kojen von Herrmann Gerson
und Hoftischlermeistef Groschkus und betrat alsdann die benachbarte
Seitenhalle, welche die hohe Frau, die.einzelnen Zimmer musternd, durch
schritt, um nach der grossen Längshalle zurückzukehren. Im rechten
Seitengange blieb Majestät vor dem Schrank der Elfenbeinschnitzerei
von C. A. Heinrich Schulz, Rungestrasse, stehen und
machte ihre Schwester und den Herzog auf die hier zur
Schau gestellten Kunstarbeiten aufmerksam. In ziemlich raschem
Tempo ging die Wanderung weiter bis zur Trachten-Ausstellung
von Moritz Bacher, deren Gruppen der Kaiserin und der Hofgesell
schaft sehr zu gefallen schienen. Auf der linken Seite der Längshalle
wurde der Rückweg angetreten und nur in der Juwelen-Ausstellung
verweilte man noch kurze Zeit. Hier trat die Kaiserin in den Pavillon
des Hofjuweliers J. H. Werner und liess sich namentlich die
grosse silberne Bowle in Gestalt eines Elephantenkopfes, zu welcher
bekanntlich der Kaiser selbst den Entwurf gezeichnet hat, zeigen.
Das Hauptindustriegebäude wurde dann verlassen und die hohen Gäste
begaben sich nach dem Pavillon des »Berliner Lokal-Anzeiger«
(siehe Leitartikel). Das nächste Ziel des Rundganges war das
Erholungshaus für weibliche Angestellte.
. Hier empfing das Damencomite der Anstalt und Propst v. d. Goltz
die Kaiserin und ihre Gäste. Die Herrschaften nahmen das Gebäude
und seine Einrichtung sehr eingehend in Augenschein und sprachen
Herrn Propst v. d. Goltz gegenüber ihre volle Anerkennung für das
Wirken der Anstalt aus. Die Kaiserin nahm ein ihr dargebotenes
Bouquet Marschall Niel-Rosen mit Maiglöckchen huldvoll entgegen.
Eine sinnige Ovation wartete der Fürstlichkeiten
im Alpenpanorama,
wo Meister Rummelspacher und die Direction die Aufwartung
machten. Während die Kaiserin die Treppe zum Bergschlosse empor
stieg, trennte sich Herzog. Ernst Günther von der übrigen
Gesellschaft und eilte nach dem Musterstall. Die Kaiserin
betrachtete bewundernd das herrliche Alpenpanorama, das ihr Herr
Rummelspacher in allen seinen Einzelheiten erklärte. Unterdessen
hatten sich die Tiroler Sänger in dem Eingangstunnel aufgestellt
und stimmten ein frisches'Jodlerlied an, zu dem eine Sängerindas
Echo sang. Bei der romantischen Scenerie machte diese Huldigung
einen ungemein günstigen Eindruck und die Kaiserin äusserte zu ihrer
Umgebung ihr besonderes Wohlgefallen an den gebotenen Genüssen.
Da die Monarchin die Fahrt durch das Zillerthal ablehnte, bestieg
ein Theil des Gefolges die Wagen, während die hohe Frau sich
das Panorama von der Ferne ansah und dann das Bergschloss
verliess, an dessen Ausgang sie Herrn Rummelspacher die Hand
reichte und ihre Befriedigung über das Gesehene aussprach. Das
Publikum hatte sich in dichten Schaareu um den Wagen an
gesammelt und begrüsstc die Kaiserin, die freundlichst dankte.
Am Musterstall
empfing die Kaiserin Herzog Ernst Günther und zeigte ihr die
einzelnen Räume, die Ställe, die prachtvollen Pferde, die hier unter
gebracht sind. Bald gesellten sich auch die Alpenfahrer von der
fürstlichen Gesellschaft wieder hinzu und gemeinschaftlich ging cs
nun zu der
Saumschule von Späth.
Hier machte Herr Späth selbst die Gäste auf die einzelnen
Leistungen der Gartenbaukunst aufmerksam. Die Kaiserin und die
Prinzessin Caroline Mathilde erkundigten sich nach Namen und
Zucht der Bäume und Blumen, und namentlich die Prinzessin gab
ihr Interesse an den verschiedenen Anlagen deutlich zu erkennen.
Im Marinepanorama
liessen sich die Herrschaften in der Kaiserloge nieder und wohnten
den Manövern der Flotte bis zum Schlüsse bei. Als die Kaiserin
sich von Herrn Dircctor Dieter huldvoll verabschiedete, meinte sie:
»Ich komme bald mit dem Kaiser wieder, um mir das einmal
gründlich anzusehen.« Die Prinzessin Caroline Mathilde, die eine aus
gesprochene Neigung für Landwirthschaft und Gartenbau hat, wünschte
durchaus noch einmal nach der Gartenbau-Ausstellung zurückzukehren,
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