Publication:
1896
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-15365322
Path:

4 Officielle Ausstellungs-Nachrichten.
Gruppe IX und XI steht z. B. ein besonderer Pavillon, in dem sich
die wissenschaftlichen Vertreter der beiden Gruppen aufhalten. Dicht
an die Gruppe IX grenzt der Theil der ausgestellten Gegenstände
aus Gruppe XI, die sich auf Chemie beziehen, also chemische
Apparate. Es folgen dann physikalische und meteorologische
Apparate; auf diese die mathematischen Apparate, in deren
Fabrikation Deutschland einen Weltruf besitzt. Hieran schließen sich
optische Apparate, Mikroskope und optisches Glas und chirurgische
Instrumente. Auch in der Abtheilung für chirurgische Instrumente
sind einzelne Fabrikanten aus Deutschland neben den Berlinern
vertreten. Diese Abtheilung zählt 36 Aussteller, von denen ein
zelne bis zu 30 gm belegt haben. Tie Untergruppe für wissenschaft
liche Instrumente zählt 136 Theilnehmer, unter ihnen die Physikalisch-
Technische Reichsanstalt in Charlottenburg, ferner Prof. Reuleaux,
welcher hier seine weltberühmten Modelle für Kinematik (Prof. Reü-
leaux ist bekanntlich der Erfinder der Kinematik, der Bewegungslehre)
ausstellt. — Die Untergruppe 2 (Uhren) zählt 8 Aussteller. Berlin
ist nur Fabrikationsort für wissenschaftliche Uhren und für Thurm
uhren. Taschenuhren werden bekanntlich in Berlin nur repassirt.
Tie 8 Aussteller zeigen daher nur wissenschaftliche Uhren, Prä
cisionswerke , Pendeluhren neuerer Construction, Pendel - 'Aus
hängungen u. s. w. Den Abschluß der Gruppe XI. im
Ausstellungsraum gegen die Gruppe „Photographie" bilden die
photographischen Apparate und Objective, so daß auch hier eine
Verbindung mit der nächsten Gruppe geschaffen ist. Wie bereits
erwähnt, hat auch die Gruppe XI, während der Ausstellungszeit
einen wissenschaftlichen Vertreter in der Ausstellung. Der Hörsaal,
der sich vorn in der Rundung des Gebäudes befindet und der
tagsüber leer steht, wird besonders zu Demonstrationen von Instrumenten
aus Gruppe XI benutzt werden, wenn Käufer und Interessenten sich
hier einfinde». Da der Saal mit elektrischem Licht und Erperimentir-
tischen ausgestattet ist, können hier leicht Apparate für Speciralanalyse,
Mikroskope u. s. iv. vergleichsweise den Interessenten vorgeführt
werden. — In der Gruppe XI herrscht große Siegesgewißheit.
Man nimmt an, daß gerade durch diese Ausstellung die deutsche Fabri
kation wissenschaftlicher Instrumente auf dem Weltmarkt einen noch
größeren Ruf erhalten wird als bisher.
Die große-Halle des Hnupt-Ausstelluiigs-
Gebäude s, deren Mittelgang sich zu einer via friumphalis der
Berliner Industrie gestalten wird, ist soweit fertig gestellt, daß
mit dem Einbau der Z w i s ch e n w ä n d e in den Seiten-
Tracten begonnen werden kann. Diese Zwischenwände werden
ans Holz hergestellt, mit Inte benagelt und mit bunten Farben
schablonirt.
V
In der Kuppel des Haupt -Ausstellungsge-
bändes, welche noch voll Leiter-Rüstungen ist, arbeiten jetzt
gleichzeitig Putzer, Stuckateure und Dealer auch Abends
bei elektrischem Licht. Die Putzarbeiten in der Kuppel werden
iin Laufe des Februar beendet, die Stückarbeiten am 15. März
abgeschlossen sein, so daß die Maler dann gelingend Zeit haben,
bis zur Eröffnung der Ausstellung vollständig fertig zu werden.
Die Drahtputz-Arbeiten im Innerik des Gebäudes
für Chemie, Mechanik, Optik und Photographie
sind im vollen Gange. Dieselben werden im Laufe des Februar
erledigt. Auch die Maler haben hier ihr Werk schon begonnen.
Das an der Südseite des Parkes belegenc Gebäude
für die Gruppen XVIII und XIX (G e sini d h e i ts-
pflege und Erziehung) ist unter Dach gebracht. Die
Arbeiten der Draht Putzer und Maler haben begonnen.
Tie x ä u!»l i ch größte Ausdehnung hat die Gruppe III (Bau-
und Jngcnicnrlvcseil). Sie nimmt für 200 Aussteller nicht
weniger als 6000 Quadratmeter in Anspruch und bildet eine in sich
vollständig abgeschlossene „B a u - 2ku s ste l l uh g", die auch außerhalb
des Rahmens der Berliner Gewerbe-2lusstellung eine Sehenswürdigkeit
bilden würde. Der südliche Theil dieser Ban-Ausstellung liegt, allerdings
nur in einer Breite von IQ Metern, im nördlichen Theil der Haupthalle.
Der Haupttheil der Bau-Ausstellung befindet sich in einem Anbau an der
Nordseite der Haupthalle. Direct an den in der Haupthalle gelegenen
Theil schließt sich ein Bauhof von -15 Metern Länge und 30 Metern
Breite an, auf welchem Baumaterialien, Steinmetzarbeiten u. s. w. auf
gestellt sind. An der Ostseite dieses Bauhofs zieht sich die IS Meter
lange Verbindungshalle hin, die nach der Haupthalle der Bau-
Ausstellung führt, Von da aus führt nördlich von einem kleinen, kunstvoll
mit Pflanzen decorirten See eine Pergola (Laubengang), südlich eine
Wandelhalle zu dem „Repräsentationshause" der Bau-Ausstellung. An
der Westseite des Bauhofs liegen besondere Hallen in deren nördlichem
Theil Kachel- und steinerne Oefen, in deren südlichem Theil
eiserne Oefen ausgestellt werden. Südlich von diesen Hallen,
wiederum in der Haupthalle der Geiverbe-Ausstellung,finden die K ü ch e n-
e i n r i ch t u n g c n Unterkunft, die der Gruppe III zugetheilt sind.
Allen Bauleuten vom Fach wird in dieser großartigen Bau-
Ausstellung Gelegenheit zu umfassenden Studien geboten werden; aber
auch das Laienpublikum wird an der Außen- und Jnnendecoration der
Baulichkeiten dieser Gruppe, sowie an den 'Ausstellungs-Objecten seine
Freude haben.
K. Die Gruppe I (Textilindustrie), welche bisher vier Unter
gruppen hatte, und zwar für Gespinste, Webewaaren (Teppiche),
Strumpf- und Phantasiewaaren und Färberei hat eine neue fünfte
Untergruppe erhalten, und zwar für Modells, Präparate, Hilfsmaschinen
(Webestühle und Apparate). Die Gruppe hat 60 Aussteller im Haupt
ausstellungsgebäude und zwei, welche im Freien wasserdichte Zelte auf
stellen. Die Gruppe ist mit ihren Arbeiten sehr weit vorgeschritten.
Die Eisenconstructioil des Wasserthurmes, der das Haupt-
restaurant überragt, ist vollendet. Es beginnt jetzt die Herstellung
des „Mantels" durch Draht Putz. Diese Arbeit wird bis zum
1. April beendet sein. Der Wasserthurm erhält zur Personen
befördcrnng nach der Plattform, die um daS Wafferbaffiii an
der Spitze des Thurmes herumführt, einen elektrischen Aufzug.
Man wird von hier ans eine herrliche Aussicht ans die ganze
Ausstellung und aus die umliegende Landschaft haben. Leider ist
das Besteigen der anderen Thnrmbanten der Ausstellung, sowie
der Galerie in der Riesen Kuppel des Haupt-Ausstellungsgebändes
polizeilich untersagt.
K. Außerordentliche Schwierigkeiten hat die Gruppe IV (Holz-
Industrie) bisher zu überwinden gehabt. Die Anmeldungen für
diese Gruppe waren so überaus zahlreich, überstiegen so sehr alle
Erwartungen, daß ein empfindlicher Platzmangel eintrat. Es waren
der Gruppe 2500 qm im Hauptausstellungsgebaude zugewiesen. Diese
laugten jedoch bei Weitem nicht ans, und es mußte daher ein Anbau
an das Hauptausstellungsgebäude mit einem Flächenraum von 1300 qm
projectirt werden. Leider befindet sich an der Stelle neben dem Haupt-
Ausstellungsgebände, auf welchem der Zlnbau errichtet werden soll, ein
Bosquct mit zahlreichen und iverthvollen älteren Bäumen. Trotzdem die Park
deputation großes Entgegenkonimen zeigte, mußten doch zwei Bau-
projccte verworfen werden. Das dritte wird jetzt endlich wohl zur
Ausführung gelangen. Das 2lrrangement der Gruppe, welche 226 Aus
steller hat, ist Herrn Architekt Lange übertragen. Derjenige Theil der
Gruppe, welcher im Hauptgebäude liegt, wird entschieden einen groß
artigen Eindruck machen. Steht man im Kuppelraum des Haupt-
ausstelluugSgebäudes, so sieht man rechts und links die beiden Tracte, in
denen die Berliner Möbelindustrie und die Tapeziere untergebracht sind.
Den Mittelpunkt jedes Tractes nimmt ein großes Quadrat ein, von denen
das rechts zur 2lnfstellung der Lotteriegewinne und der vom Kaiser
verliehenen Sportpreise dient, während das Quadrat links die Special
ausstellung der Königlichen Porzellanmanufactur aufnimmt. Um diese
beiden Mittelpunkte gruppiren sich mehr als 100 Kojen, in denen
die bekannte und wohlrenommirte Berliner Möbelindustrie ihr
Bestes zu leisten sucht. Eiu bedeutender Eckraum im linken Seiteu-
tract ist für die Collectivausstellung der Berliner Tapeziere
reservirt. Trotz der vielen Kojen ist das Arrangement so geschickt,
daß die Räume nicht überladen sind und immer noch freie Aus
sicht nach allen Richtungen bleibt. Ter Anbau im Freien,
welcher hinter der Gruppe XII (niusikalische Instrumente) liegst
enthält Kleinmöbel (Etagören, Rauchtische, Wandschränkchen u. s. w.),
Geschäfts- und Kücheneinrichtungen, Goldleisten (Spiegel- und Bilder
rahmen), die Collectivausstellung der Korbmacher, die Arbeiten der
Böttcher, der Bautischler, der Jalousiefabrikanteist der Fournier-
schneidereien, der Fraisereieu und Dampfschneidereien. Im Betriebe
wird hier eine Holzstofs-Roulcauxfabrik gezeigt werden. Es wird in
dieser Gruppe noch bedeutender airbeit bedürfen, um so weit zu
kommen, wie sich ein großer Theil der anderen Gruppen bereits befindet.
v
Die Gruppe XVIII (Gesundheitspflege und Wahlfahrts-
einrichtllllgen) wird in der ersten Etage des zweistöckigen Ge
bäudes für Hygiene und Schulwesen untergebracht werden. Sie
weist eine sehr' große Zahl von Theilnehmern aus. Das Gebäude
ist von dem Bahnhof Gewerbe-2lusstellung durch den Haupteingang III
leicht zu erreichen. Es wurde in der letzten Sitzung beschlossen, daß
die Gruppe XVIII gleichmäßige Schränke benutzen "soll. — Wie uns
ferner von sicherer Hand mitgetheilt wird, beabsichtigen der Centralverein
(Rothes Kreuz) für verwundete und kranke Krieger und der Vater
ländische Frauen-Verein (Geschäftsstelle Wilhelmstr. 73), gleichfalls aus
dem reichen Schatze ihrer gesammelten Depot-Materialien eine Aus
wahl zu treffen und diese auszustellen. Endlich ist Herr Dr. Max
Bauer, der im Feldzüge 1870/71 im Bereich der Maas-Armee neun
Monate laug ein großes Depot leitete, beschäftigt, diese Ausstellungen
durch Gegenstände des praktischen Gebrauchs, die sich jm Kriege speciell
bewährt habe», zu completiren. Auch diejenigen Bücher und Schristcn,
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