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Volume Nr. 35, 22. Mai 1896

Full text: Officielle Ausstellungs-Nachrichten (Public Domain) Issue1896 (Public Domain)

14 Officielle Aiisstelluiigs-Nachrichten. 
»Ist es gefällig?« fragte mein : Führer und bedeutete mir den 
Weg nach oben zum unteren Ventil. Ich dankte, er lachte. »Ja, 
man muss es gewohnt sein.« 
Und wieder ertönte seine Pfeife, diesmal dreimal. Wir fühlten, 
wie unter uns eine stärkere Macht an uns zog und zerrte: wir sanken! 
Der Ballon, der stärkste von uns dreien, musste ebenfalls gehorchen. 
Die Gegenstände unter uns wurden grösser und grösser, die Menschen 
reckten noch immer die Hälse empor, sie blickten genau so wie eine 
halbe Stunde vorher. Die . alte, brave Erde stand also noch un 
verändert auf ihrem Fleck und auch die Menschen dachten genau 
so, wie vorher. Nur das eine Auge blickte so wehmüthig feucht 
ans uns, als unsere Gondel sanft auf den Boden stiess.; 
Es weinte. heimlich und aus Freude, dass es uns wieder, 
hatte. Und als wir Arm in Arm von dannen gingen, als ich noch 
mals nach oben blickte, als könnte ich den Punkt erkennen, au 
dem ich zwischen Himmel und Erde geweilt, da bemerkte ich, dass 
auch des Himmels Thräne zu quellen begann. Und. ich stand 
wieder da, als ein ganz gewöhnlicher Sterblicher, der, aufsteigend; 
nach oben, in seinem Sehnen nach dem Ueberirdischen sich von 
seinen Gedanken an das Irdische dennoch nicht zu befreien ver 
mocht hatte. Alfred Ruhemann. 
V 
Der erste, Ausstieg des Riepen-Fesselballons. 
„Continental“ (siehe Aufsatz '»ü&it dem Fesselballon zwischen 
Himmel- ynd Erde«) konnte in Folge der starken WHädboen und 
des heftigen Regens, die gestern Vormittag auftraten, unter Leitung 
des CÜffrcains Schräder Mfst am Nachmittage stattfinden. Es er 
folgten* inehrere Auftähntenii'bis'-' zü -keine-r ’Höhe.. von '400 Metern,* 
die glücklich und zur allgemeinen Zufriedenheit verliefen, so. dass von 
gestern Nachmittag an der Fesselballon eine stehende Nummer in 
dem ohnehin schon so reichhaltigen Programm des Vergnügungsparkes 
bilden wird. Das geladene Publikum, unter dem viele Officiere, namentlich 
der Luftschiffer-Abtheilung sich befanden, war neben vielen zahlenden 
Neugierigen zahlreich erschienen, denn für Berlin ist das Schauspiel 
eines Ballons etwas Neues. Der weite Platz zeigte sich-im 
Festschmuck seiner bunten Fahnen-und Flaggen. Capitain Sehrader 
machte in grosser Uniform die Honneursj des Hauses Zekeli. Die 
Inhaber der vielen, ringsum den Platz belegenen Erfrischungs 
stätten ..und Verkaufstellen hatten ihre Hallen geöffnet und hübsch , 
arrangirt. Der Anblick, den der mächtige Ballon mit seiner grossen» 
Gondel bot, war entschieden ein imposanter. Das Ganze machte 
einen so vertrauenerweckenden Eindruck, dass sich viele Herren 
sofort entschlossen, an den von Herrn Schräder geschickt geleiteten 
Auffahrten theilzunehmen. 
V 
Die Festbeleuchtung des Ausstellungsparkes, 
welche, wie mitgetheilt, zu heute (Freitag) geplant ' war, 
wird heute stattfinden, wenn Jupiter pluvius es nicht gar 
zu arg meinen sollte. Herr Paul Demuth*, der Veranstalter 
der Beleuchtung, benutzte die ihm aufgezw.ungene ’ Müsse, ’ 
um seine Gläsläinpen gegen jede Witteruhgsbill .zu schützen. 
Die Bogenreihen mit Opalgläsern, die während des ganzen Sommers 
die Alleeen um den Neuen See an den Festabenden erleuchten 
"sollen, werden mit Zinkdächern versehen, sodass weder der Regen 
Zutritt in das Innere der Glaskörper findet, noch die Blätter und 
Blüthen der Bäume die Behälter verstopfen können. Also eine 
Bitte an den Himmel, dass er uns heute des schönen Schauspiels 
nicht abermals berauben möge. 
9 " 
Die Fontaine lumineuse wird heute (Freitag) Vormittag 
probeweise in Betrieb treten. Es wird dabei gleichzeitig ausprobirt, 
ob die elektrische Stromzuführung ordnungsmässig functionirt. 
Wenn "die Probe, sowohl, für das Springen der Wasser, als auch 
für die unterirdische Beleuchtung nach Wmisch ausfällt, wird, die 
Fontaine lumineuse nmrg;eh (Sonnabend) Abend zum ersten Male 
die Besucher der Ausstellung entzücken. ‘V'' 
9 . 
Das Parlaghy’sche Kaiserbild ist seit gestern (Donners- : 
tag) im Hauptgebäude links, Abtheilung IV, C’oje 62, bei Adolph 
Burehardt Söhne, ausgestellt. . 
9 
Dr. Wölfert's Fahrt mit dem lenkbaren Luft 
schiff. Ueber die am Mittwoch, 20. d. M., erfolgte Auffahrt 
des lenkbaren Luftschiffes (System Wölfert), das im Vergnügungs 
park in gefülltem Zustande aufgestellt wird, gehen uns genauere 
Mittheilungen zu. Der Ballon, dessen Füllung mit Wasserstoffgas 
infolge liebenswürdigen Entgegenkommens seitens des Herrn Kriegs- : 
ministers auf dem Uebungsplatze der KönigL Luftschiffer-Abtheilung : 
iu Sehöneberg erfolgt war, .stand um ■i l / t Uhr Nachmittags auf 
dem Tempelhofer Felde bereit. Nachdem der Motor (Benzin) • 
in Betrieb gesetzt war, erfolgte die Abfahrt. In der 
Gondel befanden sich -der Erfinder Dr. Wölfert und sein 
Assistent Herr Michael- aus. Dresden- Der Ballon erhojb sich 
nun bis zu 1100 Meter Höhe. Während ; des Steigens liessen 
die Luftschiffer fortwährend den Motor arbeiten und die vordere 
Schraube laufen. Das Steuer wurde dann nach links gestellt, und 
kaum war dies geschehen,' als auch sofort der Ballon eine Wen 
dung nach links machte und sich dabei fortwährend langsam 
vorwärts bewegte. Gegen, 4 Uhr hatte das Luftschiff' nach An- 
i gäbe des in der Gondel befindlichen. Aneroid-Barometers eine Höhe 
von 1940 Metern erreicht. Auch in dieser Höhe liess Herr Dr. Wölfert 
die Schraube fortwährend laufen. Um diese Zeit befand sich der 
Aerostat direct über der Berliner Gewerbe-Ausstellung und zwar , 
über dem Vergnügungspark, welchen er im Zickzack, wenn auch 
nur sehr langsam, kreuzte. ' Darin wandte sich das Luftschiff in- 
, folge Jorfwähtenden. Expeiimentireifs mit deiri .-Steuerruder über die 
Spree, wo es..,gegen 5 Uhr einzig^und allein nutfels deU unter ;dei r .; 
Gondel ' angebrachten . 1 Schraub* zur Abwärtsbewegung in der ; 
Richturig'gegen Malchow glücklich landete. ", j .» 
i-.-r 9 t: 
)" "In-Alt -ist* es Vielfach -xorgokömmeri, dass in Re- ' 
; staurants Sängergesellschaften aufgetreten sind, die hierzu nicht die 
erforderliche Genehmigung der Treptower Behörde eingeholt hatten; 
die betreffenden Unternehmer wurden in Folge dessen polizeilich 
veranlasst, ihre Aufführungen einzustellen. Die Inhaber der Re- ■ 
staurants, welche Sängergesellschaften halten,' sollten daher nicht 
unterlassen, sich die behördliche Genehmigung zu verschaffen. Die 1 
Seiltänzergesellschaft auf dem Marktplatz zu Alt-Berlin musste'-s- Zt. ■ 
ebenfalls ihre Productiönen einstellen, doch ist ihr die Genehmigung, 
Vorstellungen, zu geben; himmeEf' ertheilt worden, - " 
9 
Orientalische Festtage in Kairo. Der höchste Fesj-, 
“tag der' Äsuhame'daiier Tät’ der Kürban'Beiram, welcher diesmal ans 
Freitag, den 22., und Sonnabend, den 23. d. M.. fallt. Wenn sonst 
Berlin kaum in der Lage war, von diesen in der grossen Welt des 
Islam mit ausserordentlichen Festlichkeiten, Gottesdiensten, Fest 
zügen etc. gefeierten Tag Kenntniss zu erhalten, so ist es in diesem 
Jahre der Ausstellung anders. Die in Kairo domicHirenden Araber 
rüsten sich, ihrer Religion entsprechend, das Fest zu begehen und 
die Direction der Ausstellung hat ihnen nach 'jeder Richtung hin ’ 
i freie Hand gelassen, sieh - diS Tage jjjn ihrer-Weise "zu'gestalten.' 
So wird denn am Freitag in 'der Moschee' el ‘Muäyäd' 
um 1 Uhr Gottesdienst abgehalten; es ist dieser erste Tag der 
ernsten Feier gewidmet,’ während der Sonnabend in echt orientalischer 
Weise der Freude dienen soll; An diesem * Tage Vonnittags werden 
von den Arabern selbst eine grössere Anzahl Hammel geschlachtet, 
um Nachmittags dann in arabischer Weise zubereitet und gegessen 
zu werden. Nachmittags um 3 Uhr arrangiren die Araber ihre 
Festzüge, nachdem sie sich ihr' Festzelt aufgestellt" haben,• halten 
ihre Zikos (Gebetsübungen im Freien und in der Moschee) ab, 
tanzen, spielen etc., kurz, sie feiern,’ wie wir es nennen würden, 
Kirchweih, wie sie es bezeichnen, Mutet«. 
b) In Berlin. 
Das „Leasing - Theater“ hat auch für die drei Pfiügst- 
Feiertage die so erfolgreiche Operette Waldmeister« angesetzt. 
. Der Vorverkauf für diese Vorstellungen hat. bereits begonnen. 
9 
Im Olympia-Riesentheater fand sowohl die vorgestrige 
zweite Abend-Vorstellung, als die gestern (Donnerstag) stattgehabte 
erste Nachmittag-Vorstellung unter 'stürmischem Beifall vor totul 
ausverkauftem Hause statt. Von Sonnabend, 23.. d. Mts-., an 
finden täglich zwei Vorstellungen und zwar von 5—7 Uhr 
Nachmittags und von -9—11. Uhr Abends statt. Der Beginn der 
Garten-Concerte ist 4 Uhr Nachmittags.
	        
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