Publication:
1896
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-15365322
Path:

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Officielle Ausstellungs-Nachrichten.
Innung, 42) Hutmacher-Innung, 43) Bechinie und Brösel,
44) Schwertfeger-Innung, 45) Kammacher-Innung, 46) Neue Berliner
Messingwerke (Wilhelm Borchert jr.), 47) Gas-, Wasserleitungs
und Heizungsfachmänner, 48) Schuhmacher-Innung, 49) Steinsetzer-
Innung, 50) Fischer-Innung, 51) Sattler-Innung, 52) S. J. Arnheim
(Kassenschrankfabrik), 53) Strumpfwirker - Innung, 54) Dach-,
Schiefer- und Ziegeldeckermeister, 55) Köche-Innuug, 56) Ver
einigte Smyrna-Teppieh-Fabriken, 57) Seifensieder-Innung, 58) Jonas
& Barnewitz, 59) Nadler- und Siebmacher-Innung, 60) Drechsler-
Innung, 61) Perrückenmacher- und Friseur - Innung, 62) Nagel
schmiede - Innung, 63) Bäcker - Innung »Concordia« 64)
Stell- und Rademacher-Innung, 65) Berliner Böttcher-Innung
66) Schmiede-Innung, 67) Steinmetz-Innung, 68) Goldschmiede-
Innung, 69) Posamentier- und Seidenknopfmacher-Innung, 70) Kupfer
schmiede-Innung, 71) Weber-Innung, 72) W. Spindler (Färberei),
73) Pohl & Weber Nachf., 741 Kürschner-Innung, 75) Bäcker-
Innung »Germania«, 76) Karl Flohr, 77) Zeugschmiede - Innung,
78) Bund der Bau-, Maurer- und Zimmermeister zu Berlin, 79)
Musikmeister- und Stadtmusiker-Innung »Harmonia«, 80) Böttcher-
Innung »Eiche«, 81) Schlosser-Innung, 82) Tuchmacher-Innung und
83) E. Meyer & Comp.
Eine lebhafte Debatte entspann sich über die Frage der
Gestellung von Musikcorps, da man allgemein der Ansicht war,
dass die von der Festcommission in Aussicht gestellten vier Kapellen
für den Zug, der 10—12 000 Theilnehmer aufweisen dürfte, nicht
ausreichend seien. Da jedoch verschiedene Obermeister erklärten,
dass ihre Innungen mit Musik erscheinen würden, Herr L. Leichner
eine Kapelle von 20 Mann stellen wird und Herr Helfers ver
sprach, die Schlächter-Innung dahin zu bewegen, mit einem
berittenen Musikcorps zu erscheinen, dürfte auch diese Frage
befriedigend gelöst sein. Nachdem noch Herr Langen-
bueber kund gab, dass das märkische Museum alle ihm
zur Verfügung stehenden altdeutschen Requisiten gern den
Zugtheilnehmern für den Festtag überlasse, wurde die Sitzung
geschlossen und die nächste für einen der Tage nach Pfingsten
angesetzt.
V
Die blauen Passirkarten. Die Betriebsinspection und
die Platzinspection der Ausstellung machen bekannt, dass die zur
Fertigstellung von Arbeiten ausgegebenen blauen Passirkarten an
den drei Pfingstfeiertagen keine Giltigkeit haben.
V
Im Fund-Bureau der Ausstellung. »Es ist noch
nicht alle Ehrlichkeit aus der Welt verschwunden, wie so viele Schwarz
seher behaupten,« sagten wir uns, als es uns vergönnt war, einen
Einblick in den Kolossalschrank des Fund-Bureau, das sich im
Haupverwaltungs-Gebäude befindet, zu thun. In Reih’ und Glied,
übersichtlich geordnet, wenn erforderlich couvertirt und mit Nummern
versehen, liegen die von ehrlichen Findern abgelieferten Gegenstände
da aufgestapelt, während besondere Werthstücke im Kassenschrank
der Betriebsinspection verwahrt bleiben, bis der sich legitimirende
Eigenthümer sie abholt. Merkwürdiger Weise aber wird verhältniss-
mässig wenig abgeholt, trotzdem sich unter den Fundstücken Dinge
befinden, die der Verlustträger doch absolut vermissen muss. Diese
Thatsache dürfte ein Beweis dafür sein, dass auch das Fundbureau
das Schicksal so mancher nützlichen Institution theilt: nicht
genügend bekannt zu sein, was wir im Interesse der zahl
reichen Verlierer lebhaft bedauern.
Und was wird nicht alles verloren und glücklicher Weise
auch gefunden. Das Herz jedes nur einigermaassen geschäfts
eifrigen Trödlers würde vergnügt aufhüpfen in dem Gedanken,
alle die schönen Sächelchen im Trödelladen statt im Fund
bureau zu wissen, wo sie am Ende garnicht abgeholt und schliess
lich schnöde versteigert werden. Wir wollen nicht von der üblichen
Legion von Taschentüchern, Handschuhen, Regen-, Sonnenschirmen
und Spazierstöcken reden. Diese Dinge zu verlieren ist einfach
und gewöhnlich, etwas auffallender dünkt uns aber schon das
gefundene, merkwürdig grosse Hörrohr, dessen Besitzer doch
nicht ganz so taub gewesen sein kann, wie das Instrument andeutet,
da er dieses so leichtfertig verlieren konnte. Neben diesem Hörrohr
paradirt eine prächtige eingelegte Carlsbader Cigarrentasche, deren
Verlierer uns vielleicht Dank weiss, dass er durch diese Zeilen
erfährt, wo er sein Eigenthum wieder erlangen kann, und auch
den zahlreichen Verlustträgem von Uhren, Ringen, Armbändern
dürfte zu rathen sein, sich nach dem Fundbureau zu bemühen, da
hier eine erkleckliche Anzahl solcher güldenen und silbernen Sächelchen
eingeliefert wurden. Auch einige Portemonnaies, darunter solche
mit nicht unbedeutendem Inhalt, harren da ihrer Erlösung und
nicht gering ist die Anzahl der Pincenez in allen möglichen
Fassungen, die sich vielleicht aus der dunklen Tiefe des
Fundschrankes in die frische Luft auf die Nase ihres Eigen-
thümers zurücksehnen. Zwei Schläger und eine buntfarbige Schärpe
figuriren als Ueberbleibsel des grossen Künstlerfestes unter den ge
fundenen Sachen. Die Letztere seiheint stummes, aber beredtes
Zeugniss für die Feuchtfröhlichkeit des Festes abzulegen, denn ge
wisse verdächtige Spuren an derselben deuten darauf hin, dass ihr
Träger einige Male mit dem Erdboden innige Bekanntschaft
gemacht hat, und der Kleidergürtel einer Dame, nebst daran
hängendem Schleier dürfte hoffentlich keine Illustration zu
Schiller’s: »Mit dem Gürtel, mit dem Schleier« bilden. Das
Büchlein »Ideal« ist in mehreren Exemplaren unter den Fund
stücken vertreten, unter denen sich auch einige ausländische Münzen
und ein Pferdebahnabonnement befinden. Als Curiosum wollen
wir erwähnen, das dieser Tage das zusammengestellte Fahrschein
heft eines Provinzialen als gefunden eingeliefert wurde, dem eine
Stunde später dasjenige seiner Frau folgte, das ein anderer Finder
überbrachte. Bei der Liebenswürdigkeit des amtirenden Fundbureau-
Leiters mag sich jener Herr bedanken, der ein grösseres Convolut
werthvoller Documente verlor und dieselben, noch ehe er seinen
Verlust bemerkt hatte, beim Nachhausekommen in seinem Hotel
bereits vorfand.
Auch die Kehrseite der Medaille, das Verzeichniss der als
verloren angemeldeten Gegenstände, ist ganz interessant. In ihm
finden sich eine Fülle von Dingen, namentlich aber zahlreiche
wirkliche Werthgegenstände, so dass anzunehmen ist, dass viele derselben
nicht verloren, sondern in die Hände von Langfingern gerathen sind,
wie z. B. das Portefeuille einer amerikanischen Dame, in dem sich
20 Zwanzigdollarstücke, mehrere einzelne Dollars, 50 Mark in
deutschem Geld und ein werthvolles Hamburger Staats-Anleihe-Papier
befanden. Wir möchten angesichts solcher Verluste allen Besuchern
der Ausstellung den dringenden Rath geben, alles Ueberflüssige an
Geld und Geldeswerth zu Hause zu lassen, wenn sie die Aus
stellung besuchen, da in dieser bekanntlich auch Individuen ver
kehren, die weniger unter den Ausstellungsobjecten, als in den
Taschen ihrer Nebenmenschen Umschau halfen. Deshalb beschäftigt
sich auch unsere Criminalpolizei mit Vorliebe mit dem Verzeichnis»
der verlorenen Gegenstände, das für sie öfters ganz werthvolles
Material enthält.
9
Die elektrische Rundbahn der Gebrüder Nagle, welche
den Verkehr im Innern der Ausstellung vermitteln soll, ist gestern
(Donnerstag) definitiv eröffnet worden, nachdem die bisherigen Betriebs
proben durch mangelnden Strom vielfach Unterbrechungen erlitten
hatten. Die Firma hatte die Vertreter der Presse für Vormittag
11 Uhr zu einer Probefahrt eingeladen, welche rasch und glatt
verlief und die Schönheiten des Parkes und der Ausstellung den
Theilnehmern gewissermaassen erst enthüllte. Nachdem nunmehr
die stromliefernde Station in der Berliner Gewerbe-Ausstellung
fertiggestellt wurde, ist die Firma in der Lage, den Betrieb der
elektrischen Rundbahn auf der Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896
ganz aufzunehmen, und dürften die Störungen, die denselben bisher
nachtheilig beeinflusst haben, nun wohl ganz ausgeschlossen sein.
V
An der Stufenbahn sind die Arbeiten für die Inbetrieb
stellung soweit gefördert worden, dass die behördliche Abnahme
und der Beginn der Fahrten für das Publikum ohne Zweifel am
Sonntag stattfinden kann. Gestern wurden auf der unteren Plattform
die Probefahrten mit bestem Erfolge vorgenommen, auch die Be
leuchtung funetionirt bereits ohne Störung. Soeben werden die
letzten Wagen auf die Strecke befördert.
9
Ein gläserner Luftballon. Gelegentlich der heute
erfolgten Probefahrt des Riesenfesselballons sei ein interessantes
Ausstellungsobject der Spiegelfabrik Aachener Glas- und Spiegel-
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