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Volume Nr. 35, 22. Mai 1896

Full text: Officielle Ausstellungs-Nachrichten (Public Domain) Issue1896 (Public Domain)

Officielte Ausstelfungs - Nachrichten. 
Geschichte in ihren bedeutungsvollsten Phasen, die Grossthaten einzelner 
Heroen, politische Charaktere, Künstlertypen, culturelle Ereignisse 
n. A. mehr finden wir durch sie verewigt und, als noch keine Witz 
blätter existirten, war es der Medaille beschieden, die Thorheiten 
der Zeit zu geissein, wie die zahlreich existirenden Spott- 
medaillen beweisen. Es gab eine Zeit, wo die Medaille so populair 
geworden war, dass man sie mit Recht »das Volkslied der Cultur« 
nennen durfte. 
Lange Zeit lag in Frankreich die Kunst der Medailleure im 
Banne einer unnatürlichen Classicität. Es gab einen bestimmten 
Medaillenstil und, wer nicht streng in diesem arbeitete, dessen 
Werke wurden von der Pariser Münze, die das Alleinrecht der Prägung 
besass, einfach zurückgewiesen und so der Vervielfältigung entzogen. 
Leider gestattet uns der beschränkte Raum, nicht so eingehend, 
wie dies wünsehenswerth wäre, auf die interessanten Ausführungen 
des geistvollen Redners einzugehen, der den langen Kampf schildert, 
den seit 1830 die am Studium Pittore Pisano’s gereiften fran 
zösischen Künstler Chapu, D’Angers i. A. gegen das in der Medaille 
herrschende Zopfthum führten — ein Kampf, der endlich mit dem 
vollen Sieg der Vertreter einer neuen, die Wege echter Kunst 
und Natürlichkeit wandelnden Richtung endete. Heute besitzt 
Frankreich in den Meistern .). C. Chaplain, Roty und Chapu die drei 
grössten Medailleure, die wir kennen. Sie sind leuchtende, freilich 
auch unerreichte Vorbilder für die etwa 50 Köpfe starke jüngere 
französische Künstlerschaar, welche die Kunst der Medailleure wieder 
zu hohen Ehren gebracht hat, wie die zahlreichen trefflichen 
photographischen Reproductionen beweisen, die Herr Professor Licht- 
wark seinen dankbaren Hörem in ausserordentlich fesselnder Weise 
erläuternd vorführte. Hoch interessant sind die Mittheilungen, 
die der Redner über die geistige Entstehung und technische Her 
stellung der Medaille macht, und hat auch auf diesem Gebiet Frank 
reich die führende Stellung. Als besonders günstigen Factor für 
die stets wachsende Künstlerschaft der französischen Medailleure 
bezeichnet Redner die Thatsache, dass diese meistens auch tüchtige 
Bildhauer sind. Wohl macht seit 1890 auch Deutschland An 
strengungen, die Medailleurkunst wieder zu heben; allein es geht 
darin, wie der Vortragende meint, etwas zu schnell und nicht mit der 
nöthigen Gründlichkeit vor. Er empfiehlt unseren Kunstjüngem 
auf diesem Gebiet dringend, dem Vorbild der französischen Künstler 
zu folgen und namentlich sich deren innige Liebe und Hingebung 
für ihre Kunst, die unter keinen Umständen nur nach Gelderwerb 
gehen darf, zum Muster zu nehmen. Dann dürfte auch die deutsche 
Medaille endlich zu Ehren kommen. Herr Professor Lichtwark 
fand lebhaften Beifall -— schade, dass so wenig Berliner Medailleure 
seinem hochinteressanten und überaus lehrreichen Vortrag beiwohnten 
Fr. Br. 
Der Kronprinz und Prinz Eugen von Schweden 
benutzten gestern Mittag ihren kurzen Aufenthalt in Berlin auf 
der Reise nach Moskau zu einem Besuche der Ausstellung. Nach 
einem Frühstück im Hauptrestaurant begaben sich die fürstlichen 
Gäste nach Alt-Berlin. Hier liessen sie sich die einzelnen Bau 
werke erklären und legten reges Interesse für alle Einzelheiten an 
den Tag. Von den historischen Stätten am Karpfenteich ging es 
nach Kairo, wo Herr Director Möller den Führer machte. So früh 
es auch verhältnissmässig war, so hatte Kairo doch schon 
seine Morgentoilette beendet und prangte im Sshmuck 
seiner farbenreichen, abenteuerlichen Pracht. Am Palmen 
wäldchen vor der grossen Pyramide lagerten in buntem 
Durcheinander die Kamccltreibcr, die Mauleselführer mit 
ihren Thieren und die Fellachen, auf der Pyramide, bis hoch 
hinauf, standen und sassen auf den Riesensteinen die Beduinen in 
ihren weissen Mänteln, ein Bild, das den Prinzen sehr gut gefiel. 
Man besichtigte dann die Waffensammlung des Khedive und wohnte 
einer Vorstellung in der Arena hei, wo besonders die tanzenden 
Derwische die Aufmerksamkeit der hohen Besucher fesselten. Bei 
dem weiteren Rundgange liess sieh der Kronprinz in den Bazaren! 
von Stohbe und von Panis verschiedene Schmucksachen und 
Kunstgegenständc vorlegen. Beim Abschied sprach er sieh Herrn 
Director Möller gegenüber sehr anerkennend über das Gesehene, 
aus. Im Hauptgebäude, wohin die Prinzen sieh nun mit 
ihrem Gefolge wandten, verweilten sie längere Zeit bei 
der Königlichen Porzellanmanufactur, deren Kunstschätze sie 
eingehend musterten. In der rechten Seitenhalle weiterschreitend 
blieb der Kronprinz bei einzelnen Möbelkojen stehen und 
schien grossen Gefallen an den Kunstschmiedearbeiten zu finden. 
Auch die Ausstellung historischer Trachten und die Papier-Industrie 
wurden in Augenschein genommen. Dann wurde das Hauptgebäude 
verlassen, an dessen Ausgang sich Prinz Eugen mit dem Kammerherrn 
Graf v. Rosen verabschiedete, um nochmals nach den Industrie- 
hallen zurückzukehren. Der Kronprinz begab sich nach 
der Spoit - Ausstellung, wo er, -geleitet von Herrn Director 
Mosino, sich namentlich für die Ausstellung des Kaiser 
lichen Marstalls und für die Rennpreise sehr intercssirtc. 
Schliesslich dankte er Herrn Mosino für die freundliche Führung 
und stellte seinen nochmaligen Besuch der Sportausstellung nach 
der Rückkehr von Moskau in Aussicht. Im Alpenpanorama war 
der Kronprinz von der Schöpfung des Malers Rummelspacher in 
hohem Maasse entzückt und sprach seine volle Bewunderung für 
das sehöngelungene Werk aus. Nahe der Alpenwiese hielten bereits 
die Wagen. Der Prinz verabschiedete sich von Herrn Capitain 
Heyn und äusserte dabei, dass ihm die Ausstellung vortrefflich ge 
fallen habe. Dann bestiegen die Gäste die Wagen und fuhren 
durch den Hauptausgang ab. 
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Die Vorbereitungen für das Fest der Gewerke, 
das am 4. Juni stattfindet, sind in vollem Gange. In der gestern 
(Donnerstag) Nachmittag stattgehabten Sitzung des Fest-Comitee 
theilte der stellvertretende Vorsitzende Herr Hauptmann Schweitzer 
zunächst mit, dass man sich an das General -Commando mit der 
Bitte gewendet habe, dass dem Fest-Comitee der hei dem Ansstellungs- 
Hötel gelegene Exercierplatz des 3. Garde-Regiments am Nach 
mittag des 4. Juni zur Verfügung gestellt werde, damit die Zug- 
theiinehmer sich dort versammeln können. Eine definitive Zusage 
ist noch nicht eingetroffen, hingegen die Benachrichtigung, 
dass eine solche mit Bestimmtheit. erwartet werden darf. 
Betreffs der Einordnung der einzelnen Innungen, selbstständigen 
Gewerke und sonstigen Theilnehmer in den Zug war beschlossen 
worden, dieselbe durch das Loos zu entscheiden. Auf Antrag des 
Herrn Obermeister He Isert entschloss man sich jedoch, der 
Schlächter-Innung die Eröffnung des Zuges zu überlassen, da diese 
mit einer Anzahl Berittener und mehreren Equipagen erscheint, 
und es schon im Interesse der Sicherheit geboten erscheint, 
die Innung nicht mitten im Zuge gehen zu lassen. 
Die nun vorgenommene Verloosung der übrigen 83 Gruppen, die 
sich an dem Zuge betheiligen, ergab folgende Ordnung desselben: 
Auf die Schlächter folgen: 1) der Verein selbstständiger Conditoren 
Berlins, 2) Seiler-Innung, 3) Vereinigte Sattler- und Riemer-Innung, 
4) Berliner Buchbinder, 5) Glaser-Innung, 6) Klempner-Innung, 
7) M. Fabian (Kassenschrankfabrik), 8) II. Meyen & Comp. 
(Silberwaarenfabrik), 9) Barbier-, Friseur- und Heilgehilfen-Innung, 
10) Lackirer-Innung, 11) Maler-Innung, 12) die Lederzurichter- 
Innung, 13) der Verein der Berliner Schneidermeister für Damcn- 
Confection, 14) Adolf Pitsch, 15) Damenmäntel-Schneider-Innung, 
16) Pfefferküchler- und Conditorci-Innung, 17) Gustav Boeder (Stahl 
federnfabrik), 18) Vergolder-Innung, 19) die Berliner Blechemballage- 
Fabrik, 20) die Tabak- und Cigarrenfabrik von Doussin & Comp., 
21) Töpfer-Innungen, 22) L. Leichner (Parfumeriefabrik), 23) Ge 
bauer & Albrecht (feine Holz-Galanteric-Waaren), 24) Handschuh 
macher-Innung, 25) Zahnkünstler-Innung, 26) Gelb-, Kunst- und 
Metallgiesser-Innung, 27) Verband deutscher Lohnfuhr-Cnternehmer, 
28) Gürtler-Innung, 29) Barbier-, Friseur- und Perrückenmacher- 
Innung, 30) Raschmacher-Innung, 31) Gastwirths-Innung, 32) Ver 
band deutscher Gastwirthsgehilfen, 33) Schornsteinfeger-Innung, 
34) Tischler-Innung, 35) Quaadt u. Hirschson, 36) Acticn-Gesell- 
schaft für Pappenfabrikation, 37) Werkmeister-Verein. 38) Heintze 
und Blankertz (Stahlfederfabrik), 39) Maschinenfabrik für Mühlen 
bau (Kapier), 40) Brunuenmacker -Innung, 41) Korbmacher-
	        
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