Publication:
1896
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-15365322
Path:

10 Officielle Ausstellungs-Nachrichten.
In der Ausstellung dieser Maschinen nun fallen vor
Allem die ungeheueren Braupfannen in’s Auge. Blinkende
Kupferkessel von gewaltigen Dimensionen, auf starken,
eisernen Untergestellen ruhend, sind dazu bestimmt, den
eigentlichen Brauprocess, d. h. die Umwandlung des Bolunaterials
in Bierstoff durchzuführen. Von einer mit Treppenaufgang ver
sehenen Plattform sind die oberen Theile der ballonförmigen Brau
pfanne zugänglich. Unten befinden sich die Ablasshähne und das
Dampfzuleitungsrohr. Diese grossartigen Apparate sind es gerade,
auf welchen die Leistungsfähigkeit einer Brauerei zum grossen
Theile beruht. Deshalb wird auch hierauf das Hauptaugen
merk gerichtet, denn ein vielleicht anscheinend geringer
Fehler kann sofort einen erheblichen Einfluss auf die
Qualität des gewonnenen Bieres ausüben. Blankes Kupfermaterial
wird zum Bau der Brauereimaschinen verwendet, weil dieses die
peinlichste Reinhaltung erfordert und Sauberkeit ist ein Haupt
factor der Bierproduction. Neben diesen von Verschiedenen Firmen
ausgestellten Braupfannen erheben sich mehrere thurmartige, braun
lackirte Cylinder. Diese Apparate haben mit der Brauerei nichts zu
■ thun, sondern gehören zur Spiritusproduction. Es sind Destillir-
apparate, in welchen die sogenannte Maische in Spiritus über-
destillirt wird und zwar ist dieser Apparat im Stande, innerhalb
einer Stunde 1350 Liter Spiritus von 96 pCt» Tralles, also fast
ganz rein, zu liefern.
Lediglich zu den Brauerei-Bedarfs-Artikeln zählen die Kfthl-
Apparate, wie ein solcher in der nordöstlichen Ecke der Halle
neben einer Braupfanne seinen Platz gefunden hat. Das aus den
Apparaten kommende, vom Brauprocess noch warme Bier wird
durch ein aufrecht stehendes, schlangenförmiges Kühlrohr geführt.
Die Wandungen der Rohre werden von wellenförmig gebogenen
Kupfer - oder Blech wandun gen gebildet, deren sichtbare Aussen-
seite von oben her dauernd von kaltem Wasser berieselt wird,
um eine erhebliche Abkühlung des Bieres zu erzielen.
Weiter rechts finden wir eine Menge mit zierlichen Hähnen,
Glasgefasseh u. s. w. versehener Apparate, deren saubere Ausführung
sofort in’s Auge fällt. Wir haben es hier mit Filtrir-Apparaten zu
thun, welche dazu dienen, das Bier von mitgerissenen festen Be
standtheilen zu reinigen und gebrauchsfertig zu machen. Diese
Apparate bestehen aus den in eine Trommel eingeschlossenen
Fiitrirrahmen. Diese Letzteren werden gebildet aus einzelnen Schichten
von Filtrirpapier, einer Masse ähnlich dem englischen Löschpapier,
jedoch so vollkommen gereinigt, dass es mit seinen feinen Fasern
selbst die kleinsten Unreinlichkeiten fernzuhalten geeignet ist.
Zwei Leitungsrohre sind vorhanden, von denen das eine der Zu
führung des ungereinigten Bieres dient, das andere den Ausfluss
des gereinigten Productes bildet. Oben auf dem ganzen Apparat
ist ein Glasgefäss sichtbar, an welchem man die Filtrationswirkung
des Apparates an gereinigtem Bier erkennen kann.
Schliesslich kommen wir zu den Apparaten, die auf die
Vertheilung des fertigen Productes sich beziehen, und zwar kommt
in erster Linie die Einrichtung der Flaschen - Füllmaschinen in
Betracht. Ihr Bau beruht zum grössten Theil auf dem Princip der
Saugheber, deren kürzerer Arm in die Füllwanne, in welcher sich
das abzufüllende Bier befindet, eintaucht, während auf den
längeren die leeren Flaschen aufgeschoben werden. Der Sauge
hebel ruht im Schwerpunkt auf einem leicht beweglichen Gelenk; durch
ein Gegengewicht wird bei Nichtbenutzung des Apparates die Ausfluss
öffnung des längeren Armes über dem Niveau des Bieres in der Füll
wanne festgehalten, so dass nichts auslauten kann. Wird jedoch die
Flasche aufgeschoben, so sinkt der Arm nieder und das Bier geht
in die Flasche über, welche nach der Füllung durch eine neue leere
Flasche ersetzt wird. Jeder einzelne Apparat wird mit einer
grösseren oder kleineren Anzahl solcher Saugrohrhebel versehen
und genügt daher trotz seiner Einfachheit vollkommen allen An
forderungen.
Weiter sind noch die Flaschenspülmaschinen und die jetzt aller
dings durch den Patents!aschcn-Verschluss grösstentheiis überflüssig ge
wordenen Korkmaschinen zu erwähnen. Erstere bestehen aus einer
in Tischhöhe angebrachten Wanne, über welcher sich weiche, walzen
förmige Bürsten, mit dein Fuss oder durch Riemenantrieb in Be
wegung gesetzt, befinden und die Innenreinigung der Flaschen
gründlich besorgen." Bei den Korkmaschinen wird der Pfropfen
durch eine mechanische Pressvorrichtunc derartig zusammengepresst,
dass er von dem durch einen Hebel in Bewegung gesetzter. Stöpsel
bequem in den Hals der unterstehenden Flasche getrieben werden
kann, ohne dass ein Platzen derselben zu befürchten ist.
schliesslich stehen wir vor den verschiedenartigen Ausschank
apparaten. Von den einfachen bis zu den reichverzierten Zapfhähnchen ist
alles, was zum Bierausschank gehört, vertreten. Als Druckapparate
sind nur die hygienisch vortheilhafteren Kohlensäure-Druckapparate
vorhanden. Aus dem länglichen Stahlcylinder tritt die comprimlrte
Kohlensäure durch ein mit Manometer versehenes Ventil in einen
unter dem Schanktisch befindlichen Druckkessel oder direct in den
Fassraum ein und treibt nun mittels ihres Ueberdrucks das
Bier in die Zapfhähne, wo der Ausschank erfolgt. Diese Apparate
haben, wie wohl allgemein bekannt ist, den Vortheil der grösseren
Bequemlichkeit, da die Inbetriebsetzung der früher üblichen Hand
druck-Luftpumpen fortfällt, und sie bewirken ferner, dass sich unter
dem Einflüsse der Kohlensäure das Bier länger frisch hält.
Die Ausstellung der Brauerei-Maschinen bietet zwar nur ein
schwaches Abbild der Special-Ausstellungen für diesen Betriebs
zweig, gleichwohl bringt sie genug, um auch bei den Besuchern
aus dein Auslande ein günstiges Urtheil über die Leistungsfähigkeit
der Fabriken zu erzielen, die sich mit dem Ban der Brauerei-
Maseninen beschäftigen. J. Gustavus.
Die Vorträge in der Ausstellung.
[Abdruck untersagt:]
Die moderne Medaille.
Herr Professor Dr. Lichtwark, Director der Kunsthalle in
Hamburg, der am Mittwoch Abend sprach, hat, wie wir seinem
Vortrag entnehmen, öfters und längere Zeit in Frankreich im Ver
keilt- mit Künstlern und Gelehrten gelebt. Die Art und Weise,
wie er sein Thema »Die moderne Medaille« behandelte, hat uns
gezeigt, dass er nicht nur viel des Wissens, sondern auch die
liebenswürdige Kunst der Gauserie, die ja den französischen Red
nern ganz besonders- eigen ist, mit nach Hause brachte. In voll-
" ständig freier Rede und in souverainer Beherrschung seines Stoffes
plauderte Herr Professor Lichtwark mit seinen Hörern, von denen
die meisten wohl erst gestern erführen,' welche bedeutende Rolle
die Medaille in der Kunstgeschichte spielt.
Allerdings war es vorwiegend eine Geschichte der französischen
Medaille, die uns der Redner Vorführte, was sich aber naturgemäss
aus dem Umstand ergiebt, dass Frankreich auf diesem Gebiet seit
lange schon die unbedingt führende Rolle übernommen und nament
lich Deutschland weit hinter sich zurückgelassen hat. Als vor
einigen Monaten die französische Regierung ein Preisausschreiben
für Modelle neuer Geldmünzen erliess, war man erstaunt, dass nun
auch diese als Kunstwerk behandelt werden sollen. Und doch
bildete der Vorgang nur den Abschluss einer langen Entwicklungs
periode, welche die Kunst des Medailleurs seit 1830 in Frankreich
durchmachte, während man in Deutschland erst 1890 anfing, das
zu erstreben, was man an der Seine seit 20 Jahren schon erreicht
hatte.
Die Kunst der Medailleure ist sehr alt und stand bereits
vor Jahrtausenden in hoher Blüthe. Die antiken Medaillen werden
noch heule in Ehren gehalten und vornehme Damen tragen sie,
kostbar gefasst, als Schmuck. Später ging diese Kunst verloren
und erst im 15. Jahrhundert feierte sie in Italien ihre glänzende
Auferstellung durch Pittore Pisano, der sich als ein Künstler
allerersten Ranges entwickelte und auf diesem Gebiet Werke schuf,
die denen eines Michel Angelo und Raphael würdig an die Seite
zu stellen und noch heute unerreicht sind. Der grosse Goethe ver
ehrte diesen eminenten Meister ganz besonders und hinterliess eine
grössere Anzahl seiner Werke, die er sorgfältig gesammelt und
mehrfach in zwei bis drei Exemplaren nach Deutschland gebracht
hatte.
Trotz dieses grossen Vorbildes aber machte die Kunst der
Medailleure in den darauffolgenden Jahrhunderten keine besonderen
Fortschritte, wenn sie auch in Frankreich eine grössere Pflege erfuhr
als in Deutschland. Dies war bedauerlich, denn diese Kunst stellt,
wie der Redner sehr fesselnd ausführt, was Ausdrucksfähigkeit betrifft,
vielfach noch über der Sculpturi Was kann in der Medaille nicht
Alles gesägt werden, was hat sie uns nicht Alles überliefert! Die
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