Publication:
1896
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-15365322
Path:

Officielle Ausstellungs-Nachrichten. 13
nnd meistens wohlbehalten gelandet. -Denn nur fünf Ballons
geriethen in die Hände der deutschen Armeen; einer fiel in
München, der andere in Wetzlar nieder, einer verschwand spurlos,
vermuthlich im Meer; von einem anderen fand man im Herbst 1873
die Fetzen in einem Baume zu Port-Natal im südöstlichen Afrika
wieder. Alle übrigen wurden glücklich herabgelassen ausserhalb
des Radius unserer Belagerungsarmee in Frankreich oder auf neu
tralem Boden, einer in Belgien, drei in Holland, einer sogar auf
einem Schneefelde Norwegens, 60 Meilen nördlich von Christiania,
180 Meilen von Paris, die zu durchfliegen 15 Stunden genügt
hatten.
Erwähnt sei, dass schon gelegentlich der Pariser Ausstellung
von 1867 Giffard einen Fesselballon — ballon captif — construirt
hatte, welcher 5000 cbm Inhalt besass und dessen erste Füllung
mit Wasserstoffgas 5000 Francs gekostet hatte. Der Ballon lag
an einem Drahtseil von 300 m Länge und wurde durch eine Dampf
maschine von 50 Pferdekräften nach erfolgtem Aufstieg zurück
geholt. Der tägliche Wasserstoffverlust infolge Durchdringens durch
den Ballonstoff — Diffusion — betrug täglich etwa 15 cbm.
Die Lenkbarkeit des Ballons ist ein Problem, das schon
Montgolfier’s Zeitgenossen, darunter bekannte Physiker und Mathe
matiker, lebhaft beschäftigte. Eine Unzahl von geistreichen, von
unfruchtbaren und von geradezu absurden Vorschlägen waren die
Früchte solcher Bemühungen, die noch immer nicht zu einem be
friedigenden Ergebnisse geführt haben. Giffard gab 1852 seinem
Ballon die Form einer Cigarre und betrieb mittels Dampfmaschine
eine Schraube, deren Bewegung zwar den Ballon zu drehen ver
mochte, aber nur bei völliger Windstille.
Ebenso wenig Erfolg hatte der Apparat einiger Franzosen,
darunter der bekannte Luftschiffer Nadar, die versuchen wollten,
durch blosse Maschinenkraft, ohne Anwendung leichter Gase, die
Luft der Höhe und Länge nach zu durchschneiden.
Auch Dupuy de Lome von der Academie des Sciences, mit
Versuchen zur Herstellung eines lenkbaren Luftschiffs beauftragt,
hatte nicht viel mehr Glück mit seinem Modell, das sich dem
Giffard'sehen in Form und Idee anschloss, aber auch hinsichtlich
der Lenkbarkeit selbst massige Winde nicht besiegen konnte und
ausserdem nur geringe Geschwindigkeit besass. Es zeichnete sich
indessen vor seinen Vorgängern durch eine sehr praktische Gondel
befestigung und durch den Umstand, einen für das Füllgas fast
undurchdringlichen Firniss zu besitzen, sehr bedeutend aus.
Die Lenkbarkeit der Luftschiffe ist an zwei Bedingungen ge
knüpft: an die Herstellung von Ballons von kleinstem Volumgewicht
und an die Beschaffung von leichten, widerstandsfähigen Motoren,
von Kraftmaschinen, die mit geringer Schwere eine grosse Leistungs
fähigkeit verbinden. In wie weit die Chemie etwa durch das
Aluminium, Chemie und Physik durch die Elektricität der Er
füllung letzterer Bedingung Wahrscheinlichkeit geben, das ist noch
nicht zu entscheiden. »Für die erste derselben hat sie bereits vor
t>0 Jahren im Wasserstoff eine Erfüllung gefunden, welche die
Neuzeit vollständig anerkannt hat.«
Dr. Werner liefst er.
9
Die künstlerische Ausschmückung der Ufer-
gelände des Neuen Sees, an der eifrig gearbeitet wird,
naht sich ihrer Vollendung und dürfte am Illuminations-Abend
(Freitag) fertig gestellt sein. Die zehn Löwenköpfe an den schönen
Mittelrondels geben seit gestern Wasser, was dem Seebild Lehen
und Bewegung verleiht. An den grossen Lichtträgern rings um den
See sind ausser den bereits erwähnten Gipspostamenten je zwei
Wappenschilder angebracht, die an den Rondelcandelabern besonders
gross und aus Gusseisen hergestellt, ausserdem aber von Mauer
kronen überragt sind. Die betreffenden Postamente haben ausser
dem als besondere Zierde je vier reizende Frauenköpfe erhalten.
9
Eine Sitzung der Vergnügungspark-Aussteller
hat gestern (Mittwoch) in der »Welt - Musik« stattgefunden, zu
welcher seitens dos Arbeitsausschusses Geheimer Commercicnrath
Goldberger und Commercicnrath Kühnemann erschienen waren.
Nach den gepflogenen Verhandlungen dürfte dem Vergnügungspark,
der ja jetzt schon ein Hauptanziehungspunkt der Besucher ist, eine
grosse Vergünstigung gewährt werden. Vom »Neuen See« aus
wird der zur grossen Freitreppe des Vergnügungsparkes führende
Weg in geradezu feeenhafter Weise Abends erleuchtet werden, und
fernerhin soll auch mitten durch den Vergnügungspark hindurch
eine sogenannte Lichtstrasse geschaffen werden, durch welche der
gesummte Vergnügungspark tageshell erleuchtet werden wird.
9
Eine Bergfahrt in s Zillerthal lautete die Parole,
unter der gestern (Mittwoch) Abend 6 Uhr ungefähr 200 ein
geladene Gäste einen Ausflug in das entzückende Ausstellungs
Gebirge unternahmen. Durch Felsen und liebliche Thäler ging’s
hinauf zur Berliner Hütte, und manches Ali entquoll den
Lippen der Fahrgäste. Die schönsten Ausblicke des
Zillerthals erschlossen sich dem Auge und so naturwahr war der
Anblick, dass viele der Anwesenden die einzelnen Dörfer und Orte
mit Namen nennen konnten. Der schönste Ausblick eröffnete sich
jedoch auf dem Plateau, von dem aus man die schneebedeckten
Firnen und grünen Matten in ihrer ganzen Naturherrlichkeit be
wundern konnte. Als es dunkel geworden war, ging’s hinunter zum
fröhlichen Mahl, dann erfolgte abermals eine Auffahrt — bei Abend--
beleuchtung. — Der Anblick war ein so entzückender, das Alpen
glühen und die Mondschein-Landschaft so naturwahr, dass wir
jeden, der dem Alpenpanorama einen Besuch abstattet, nur dringend
rathen können, dieses abendliche GebirgsSchauspiel sich nicht ent
gehen zu lassen.
9
Zum „Sect“-Lieutenant a. D. soll Herr Max Julius
Kaufmann, der lustige Besitzer des fidelen Bauern-Musenms j»
Alt-Berlin degradirt werden. Bei einer Geldstrafe von 30 Mark
event, drei Tagen Haft für jeden Uebertretungsfall hat der Amts-
Vorsteher von Treptow Herrn Kaufmann das Verbreiten folgender
Visitenkarte verboten: »Max Julius Kaufmann, Sect-Lieut. im
Brandenburg. Ctua<;ao-Reg. No. 6, Wirk!, vortrug. Rath der Berliner
Gewerbe-Ausstellung 1896, gleichzeitig Director des Alt-Berliner
Bauern-Museums, Ausserordentl. Professor der unentdeekten Wissen
schaften, Verwahrer und Beschützer der Katakomben, p. p. Ritter.«
o
Die musikalischen Genüsse im Ausstellungs
gebiet sind von einer manchmal beängstigenden Vielseitigkeit.
Etwa 48 verschiedene Kapellen und Sängergesellschaften sorgen dafür,
dass die Musikfreunde, sie mögen einem Genre huldigen, welchem
sie auch wollen, auf ihre Rechnung kommen. Von der Königs Oper
an, die uns das Theatrophon der Herren Baensch & Comp, über
mittelt, bis abwärts zu dem mit der Zither aceompagnirten ober-
bayerischen Schnadahüpfl ist im Ansstellungsgebiet die Muse der
Tonkunst vertreten, und etwa 1400 Männlein und Weiblein be-
fleissigen sich täglich, uns spielend und singend das Dasein zu
erheitern. Acht Musikcorps unserer Garderegimenter, die Kapellen
der I. Matrose»-Division und des Füsilier - Regiments Prinz
Heinrich von Preussen reprüsentiren die Militairmusik, die
Hofkapelle des Khedive beweist uns in Kairo, dass
man auch im fernen Lande der Pharaonen die Tonkunst zu pflegen
versteht, und etwa sechs grössere und zehn kleinere Civilkapellen
bieten uns blasend und fiedelnd so viel des Guten und Minder-
werthigen, dass der Fülle kein Ende ist. In dem Schippanowski’schen
Weltmusik-Palast lassen neben der berühmten Kopetzküschen
Schützenkapelle und den schmucken Bersaglieri noch dreizehn andere
internationale Musik- und Säugergesellschaften ihre internationalen
Weisen ertönen, in Alt-Berlin, der Kolonial-Ausstellun?, im Nassen
Viereck, überall Sang und Klang. Und eines Vocalchors wollen
wir nicht vergessen — unserer gefiederten Sänger, die, unbeirrt
von all dem musikalischen Getriebe um sie her in dem frühlings
frischen Park ihre silssen Weisen ertönen lassen.
9
Ausstellung^ - Compositionen. Der bekannte Com-
ponist Harry Waiden hat mit besonderer Genehmigung des
Arbeite-Ausschusses der Berliner Gewerbe-Ausstellung zwei hübsche
Compositionen veröffentlicht, die, von der Verlagsfirma Hermann
Augustin künstlerisch schön ausgestattet, werth sind, allgemeine
Verbreitung zu finden. Die erste ist ein Festmarsch, der in seinem
frischen, kernigen Motiv sehr ansprechend wirkt, die zweite ein
flotter Gesangswalzer, dessen Text sich ebenfalls mit der Ans-
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