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Volume Nr. 4, 22. Februar 1896

Full text: Officielle Ausstellungs-Nachrichten Issue 1896

OfftcieUe AussteUnngs Uachrichten. 
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fräste vereinigen sich mit der altüberkommcnen Lebhaftigkeit und 
Schnellkraft des Berliner Geistes. Ihr gemeinsames Erzeugnis; 
ist der Stand der Berliner Industrie, wie ihn uns die Auf 
stellung vorführen wird. Es wird nicht das Bild eines abge 
schlossenen, lokalen Gewerbes werden, sondern einer unendlichen 
industriellen Vielseitigkeit, die mit allen Bestrebungen und Er 
folgen mit der gesammten werkthütigen Welt in enger Fühlung steht. 
Alle Anregungen von außen treffen bei ihr wegen der vielseitigen 
Zusammensetzung ihrer Arbeitskräfte auf ein unmittelbares uild 
feines Verständniß und auf ein starkes — bisweilen überstarkes 
Bestreben nach Anpassung. Die Folge dieser Vielseitigkeit wird 
sein, daß jeder fremde Ansstellungsbcsucher auf bekannte und 
vertraute Züge in der Ausstellung stoßen wird. Alle deutschen 
Gaue haben dem Berliner Gewerbe ihre Arbeitskräfte zugesandt, 
und so ist auch die Auffassung berechtigt, daß ganz Dcutfchlaud 
an den Leistungen und Erfolgen der Berliner Gewerbe-Aus 
stellung auf's engste betheiligt ist. 
Für die Förderung und das lebhafte Interesse, welches Seine 
Majestät der Kaiser der Berliner Gewerbe-Ausstellung wieder 
holt erwiesen hat, liegt ein neuer erfreulicher Beweis vor. Der 
Staatssecretair des Reichs-Marine-Amts Vice-Admiral Hollmann 
hat dem Arbeits-Ausschuß mitgetheilt, daß Seine Majestät der 
Kaiser die Beschickung der diesjährigen Berliner Ge 
werbe-Ausstellung mit Modellen S. M. Kriegsschiffe 
befohlen hat. Nach vorläufiger Feststellung würden etwa 25 
Schiffs- und Schiffs Maschinen-Modelle zur Ausstellung ge 
langen. 
Alle Interessenten, welche Telephon - Anschluß für die 
Gewerbe-Ausstellung wünschen und sich noch nicht bei der 
Oberpostdirection gemeldet haben, mögen sofort ihre A i- 
meldungen einreichen. Dem Arbeits-Ausschuß ist folgendes 
Schreiben der Kaiserlichen Ober-Postdirectivn zugegangen: 
„Um die rechtzeitige Drucklegung und Herausgabe eines amt 
lichen Verzeichnisses derjenigen Personen sicher zu stellen, welche 
an das aus dem Platze der Gewerbe-Ausstellung zu errichtende 
Fernsprech-Vermittelungsamt angeschlossen sein wollen, müssen dies 
seits, auch wegen der Nnmmervertheilung, schon jetzt die erforder 
lichen Vorbereitungen getroffen werden. Den Arbeitsausschuß der 
Berliner Gewerbeausstellung ersuche ich aus diesem Anlaß ergebenst, 
gefälligst dahin wirken zu wollen, daß diejenigen Aussteller, welche 
außer den bereits angemeldeten noch Anschluß wünschen sollten, 
ihre bezüglichen Anträge unverzüglich hierher einreichen. 
Der Kaiserliche Ober-Postdirector." 
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Räch den auf früheren Ausstellungen gemachten Erfahrungen 
hat sich die Nothwendigkeit herausgestellt, die in den Ausstellungs 
räumen beschäftigten Personen, sowie das Publikum vor lln- 
fallen zu schützen, die durch die ausgestellten Maschinen und 
maschinellen Anlagen herbeigeführt werden könnten. Zur Durch 
führung dieser wichtigen Aufgabe ist eine Commission für 
Unfallverhütung gebildet worden, bestehend aus folgenden 
Herren: E. Blum, Director der Berlin-Anhaltischen Maschinen 
bau-Acticn-Gesellschaft, Berlin NW., Martinikcnfclde, Vor 
sitzender ; K. Hartmann, Kaiserlicher Rcgicrungsrath im Rcichs- 
Vcrsicherungsamt uudProfessor, Charlvtteubnrg, Fasancustraße 18, 
stellvertretender Vorsitzender; G. Braune, Ingenieur und 
Beauftragter der Norddeutschen Holz-Berufsgenossenschaft, Berlin X., 
Fennstraße 54, Schriftführer; Dr. Sprenger, Königlicher 
Regierungs- und Gewerberath, Berlin; Dr. von Rüdiger, 
Königlicher Regierungs- und Gewerbe-Rath, Potsdam: 
A. Pütsch, Civil-Ingenieur, Berlin XW.. Schadowstraße 12/13; 
R. Fleck, Fabrikbesitzer, Berlin X., Charisseestraße 31: 
K. Specht, Ingenieur und Beauftragter der Nordöstlichen Eisen - 
und Stahl-Berufsgenossenschaft, Berlin X.. Weißenburgerstraße 58: 
P. Hosemann, Ingenieur und Beauftragter der Berufsgenosseu- 
schaft der Feinmechanik, sowie der Norddeutschen Edel- rrnd Uu- 
edelmetallindnstric - Berufsgenossenschaft, Berlin XXV., Baudel- 
straße 20a. F. Kühnemann, Ingenieur der Berliner Gewerbc- 
Ansstelluug 1806, Berlin X., Elsasscrstraße 22. 
Die Commission hält cs für wünschenswerth, daß sämmtliche 
ausgestellte Maschinen — nicht nur die in Betrieb gesetzten 
den nothwendigen und üblichen Anforderungen hinsichtlich der 
Unfallverhütnug genügen möchten. 
Tic beste Schutzvorrichtung macht eine schlechte Maschine 
nicht empfehlenswerth; aber es bricht sich immer mehr die Er 
kenntniß Bahn, daß eine an sich gute Maschine, welche gleichzeitig 
möglichst unfallsicher gebaut und ausgerüstet ist, vor einer gleich 
guten Maschine ohne genügende Schutzvorrichtungen den Vorzug 
verdient. 
Die Herren Specht, Hosemann und Braune sind nun 
mit der Aufgabe betraut worden, die nöthigen Anordnungen mit 
den Herren Ausstellern in freundschaftlicher Verständigung zu ver 
einbaren. Sic sind zu diesem Zweck mit besonderen Legitimations- 
Karten versehen worden. Falls eine Einigung bezüglich der An 
ordnungen eines der drei Sachverständigen nicht zu erzielen ist, 
soll die Angelegenheit der Gesammt-Commission zur Entscheidung 
vorgetragen werden; die letzte Instanz würde dann für beide 
Theile der Arbeits-Ausschuß bilden. Die Commission hofft, daß 
— bei der Art ihrer Zusammensetzung und durch die freundschaft 
liche Mitwirkung von Beamten der betheiligten Behörden — ein ge 
deihliches Zusammenwirken mit den Herren Ausstellern gesichert ist. 
Tgu Herren Ausstellern wird ferner empfohlen, die Schutz 
vorrichtungen an den Maschinen als solche mit rother Farbe zu 
kennzeichnen. 
Leider ist ein Unglücksfall mit tödtlichem Ausgang auf 
dem Ausstellungsterraiu zu verzeichnen. Am 20. d. Nachmittags 
'/z4 Uhr stürzte der neunundvierzigjührige Zimmermeister Hergt 
von einem 22 Meter hohen Gerüst im Ausstellungs-Gebäude für 
Unterricht (Gruppe XU). Er erlitt einen Schüdelbruch und verstarb 
bald darauf. 
Wie wir bereits mittheilten, sollen während der ganzen Zeit 
der Ausstellung im Hörsaal des Gebäudes für Chemie, Mechanik 
und Photographie wissenschaftliche Vortrüge über alle mit 
Kunst, Industrie und Gewerbe zusammenhängen Fragen 
gehalten werden. Die Organisation des ganzen Vortrags-Unter 
nchmens hat unter dem Vorsitze des Präsidenten des Rcichs- 
Versicherungsamts Dr. Bödiker eine Commission übernommen, 
welcher etwa 20 Herren aus den Kreisen der Industrie, Wissen 
schaft und Kunst angehöre». Eine Subcominission ist mit der 
Aufgabe betraut, aus gelehrten und industriellen Kreisen 
geeignete Kräfte für die Vorträge zu gewinnen und die bezüglichen 
Verhandlungen zu leiten. Eine zweite Subcommission hat für die 
Einrichtung des Hörsaales, die Beschaffung der erforderlichen 
Apparate k. zu sorgen. Der unter Leitung des Architekten Hans 
Grisebach erbaute Hörsaal liegt in nächster Nähe des Hauptcin- 
ganges der Ausstellung und hat Raum für 500 Zuhörer. Die 
für Experimente und Demonstrationen erforderlichen Einrichtungen 
(Vvrbereitungsranm, Projectivnsapparat rc.) werden auf Kosten der 
AusstellnugSlcitnug hergestellt werden. Ein Eintrittsgeld von 
50 Pfennig für die Person wird lediglich zur Deckung der laufenden 
Ausgaben dienen. Während des Tages wird der Saal Vereinen re. 
zur Abhaltung von Versammlungen, sowie Ausstellern zur Vor 
führung neuer Apparate und Verfahren rc. zur Verfügung stehen: 
über die Benutzung des Saales entscheidet in derartigen Füllen 
ausschließlich die Ausstellungsleitnng. Bezüglich der Vorträge sind 
vorläufig folgende Bestimmungen getroffen: Die Wahl des Themas 
bleibt den Vortragenden überlassen, soweit nicht bei der Vortrags- 
Commission besondere Wünsche vorliegen; in letzterem Falle wird
	        
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