Publication:
1896
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-15365322
Path:

Officielle Ausstellungs - Nachrichten.
ii
bahn, Elektrische Bahnen, Darapfooote u. s. w. sind von dem Statt
finden der Früh-Concerte unterrichtet.
9
Die Inhaber grosser amerikanischer Firmen
•weilten gestern längere Zeit auf der Ausstellung und ertheilten
hervorragenden Berliner Ausstellern grössere Aufträge. Ein Treib-
riemenfabrikant erhielt allein für ca. 100 000 Mark Lieferungen
hierdurch.
V
Unser Pavillon war auch am gestrigen Dienstag wieder
ausserordentlich besucht. Unter den Gästen befanden sich: Prinz
Carl von Hohenzollern mit seiner Gemahlin, geborenen Prinzessin
von Belgien, die Wittwe des Generals der Infanterie Frau Excellenz
von Kamelie mit ihrem Sohne Begierungsrath von Kamelie, Graf
und Gräfin Lucke, Staatsminister von Puttkamer u. A.
9
Das Fest der Gewerke. Das Comitee für die Vor
bereitungen zum Fest der Gewerke, das, wie bereits gemeldet, aus
den, Mitgliedern der Fest-Commission und 14 Obermeistern der
Innungen und Vorständen der selbstständigen Gewerkschaften besteht,
hat sich bezüglich des grossen Festzuges dahin schlüssig gemacht,
für die Aufstellung und Einordnung der Theilnehmer ein grösseres
Terrain ausserhalb der Ausstellung zu beschaffen. Die ursprüngliche
Absicht, zu diesem Zweck Alt-Berlin zu benutzen, hat man auf
gegeben, da für die 10—12 000 Zug-Theilnehmer der Kaum daselbst
nicht ausreichen dürfte. Erst nach der vollständigen Fertigstellung
des Zuges zieht dieser von der Coepenicker-Laudstrasse aus in die
Ausstellung und zwar zunächst nach Alt-Berlin, von da längs des
Neuen Sees vor das Hauptgebäude. Hier findet eine Aufstellung
und wahrscheinlich auch eine Ansprache statt, worauf der Zug sich
nach dem sogenannten »Nassen Viereck« bewegt, wo er sich auflöst.
Die Wirthe daselbst haben sich bereit erklärt, den Theilnehmern des
Festes billigere Preise zu gewähren und sind noch Illumination und
ein Feuerwerk in Aussicht genommen, um den Abend zu einem
besonders festlichen zu gestalten. Das Entree in die Ausstellung,
das am 4. Juni, einem Donnerstag, eine Mark beträgt, soll aus
nahmsweise an diesem Tag schon um 3 Uhr auf 50 Pfennige
herabgesetzt werden.
9
Die Gruppe IV ist, wenigstens in dem südlichen Theile
des ihr zugewiesenen Querschiffs des Hauptindustriegebäudes, noch
unglaublich zurück. Es sieht hier aus, als sollte die Ausstellung
erst in einigen Wochen eröffnet werden. Dabei werden gar keine
sichtbaren Anstrengungen gemacht, um die Fertigstellung dieses
Theils der Gruppe zu ermöglichen. Es behauptete neulich Jemand,
die Gruppe IV werde wohl bis zum 14. October d. J. fertig
werden. Der Mann, der diese Bemerkung machte, wurde aber
von Sachverständigen für einen blöden Optimisten erklärt.
9
Internationale Hunde-Ausstellung. In dem ein
gezäunten Gelände für die Internationale Hunde-Ausstellung, welches
von der Treptower Chaussee, den Marine-Schauspielen und dem
Kiesenfernrohr begrenzt wird, ist mit dem Aufschlagen der baracken
artigen Ausstellungsgebäude begonnen worden. Die Hunde-Ausstellung
dauert nur drei Tage und zwar vom 29. bis 31. Mai.
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Ueber zweitausendzweihundert Zeitungen ge
langen jetzt täglich auf dem Postamt Gewerbe-Ausstellung zur Aus
gabe, von denen allerdings der grösste Theil dem Stangen’schen
Reisebureau gehört, welches damit die Lesehalle im Wandelgang
ausstattet. Unter diesen Zeitungen befinden sich ca. 700 Exemplare
aus dem Auslande, 1600 politische und unpolitische Tageszeitungen,
über 300 Fachzeitungen und 300 Monats- und Wochenschriften.
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Fremde Press-Stimmen. Die Ausstellung findet all
mählich auch im Auslande die gebührende Anerkennung. Die
Pariser Ausgabe des New-York Herald schreibt unter dem
14. Mai wörtlich Folgendes:
„Als ich mich am anderen Tage mit einer Anzahl Mitglieder
der auswärtigen Kolonieen, namentlich der englischen und amerika
nischen, unterhielt, versuchte ich auch ihre Ansichten über die
Berliner Gewerbe-Ausstellung zu ergründen. Jedermann erklärte,
dass sie ein glänzender Erfolg ist, in jeder Beziehung des grossen
Deutschen Reiches werth, ein neuer Beweis, dass das Reich nicht
nur auf dem Schlachtfelde, sondern auch auf dem Gebiete der Kunst,
Industrie und des Handels siegreich ist.
Ein Mitglied einer der auswärtigen Gesandtschaften, das als
Autorität für Ausstellungswesen gilt, sagte zu mir: „Man muss
entweder blind oder unwahr sein, wenn man nicht den glänzenden
Sieg anerkennen will, welchen Deutschland errungen hat. Sagen
Sie Ihren Lesern, dass sie von einem Besuch grossen Vortheil
haben werden. Sogar Amerikaner können etwas von der Aus
stellung lernen und sie werden finden, dass Berlin manche Ideen
von der Weltausstellung in Chicago entlehnt hat.“
Die Türmer Zeitung Patria plaudert über Festessen, Reden
und Festlichkeiten, die das erste Stadium der Ausstellung kurz
nach der Eröffnung kennzeichneten. Der Berichterstatter hält es
für ein Zeichen germanischer Zähigkeit, dass die Deutschen so viel
consumiren können und im Zuhören so geduldig sind. Die zarten
Frauen, die gelegentlich des Festes der Kunstakademiker stunden
lang in der Sonnengluth aushielten und vom Morgen bis zum Abend
sich auf den Beinen halten konnten, erscheinen ihm alle wie helden-
müthige Thusnelden.
Der Correspondent der Gazetta dell’Emilia schreibt:
-Ich trage keine Scheu zu behaupten, dass in ein oder zwei
Wochen, wenn die Ausstellung wirklich vollendet sein wird, sie
besonders in Bezug auf die Nebenveranstaltuugen sich mit jeder
Weltausstellung messen darf.“
V
In der Camera obscura. Am Aufgang zum Haupt-
Ausstellungsbahnhof zur Linken befindet sich ein kleines niedliches
Bauwerk in maurischem Stil, es enthält eine Camera obscura, die
seit gestern eröffnet ist. Im Kuppelthürmchen ist ein drehbarer
Spiegel, der das Bild in den unteren, völlig dunklen Raum auf
eine kreisrunde, ziemlich grosse, weisse Tischplatte wirft Die
Bilder erscheinen in den natürlichen Farben, und sind bei Sonnen
schein die in der Nähe befindlichen Personen erkennbar. Wir
sehen nach einander die grosse Brücke zum Ausstellungsbahnhof,
die Wandelhalle, die Kuppel und Thürme des Hauptausstellungs
gebäudes, die Thürme der Tabaks-Ausstellung von Loeser & Wolff
und den Karpfenteich. Diese farbigen, beweglichen Bilder sind von
fesselndem Reiz, besonders schön macht sich der Karpfenteich,
wenn Elektromotorboote, Gondeln und die Cannes der Schwarzen
auf der blauen Fläche kreuzen oder wenn in der Wandelhalle
die Besucher promenireu, von denen man jede Bewegung sehen
kaun.
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Die Fontaine im Karpfenteich ist gestern (Dienstag)
als erste grössere Wasserkunst der Ausstellung in Betrieb ge
setzt worden. Die Speisung der aus einem 2,5 m hohen Fels
kegel inmitten des Karpfenteiches emporsteigenden Fontaine ge
schieht durch eine elektrisch angetriebene Dreikolbenpumpe der
Maschinenbauanstalt C. Hoppe. Die Leistung dieser Maschine, die
im Pumphause am Karpfenteich neben dem Münchener Bürgerbräu
aufgestellt ist, beträgt 2 cbm in der Minute bei 50 m Druckhöhe.
Die Fontaine gewährt einen prächtigen Anblick und erregte bei
ihrem ersten Angehen ein nicht geringes Staunen bei unseren
schwarzen Landsleuten, welche mit ihren heimischen Fahrzeugen
den Teich belebten.
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Luxuspapiere. In der Gruppe XVI (Papier-Industrie)
befindet sich eine Ausstellung von Luxuspapieren, die vielseitiges
Interesse in Anspruch nimmt. Namentlich sind es sehr gute
Imitationen von mittelalterlichen Drucken, Manuscripten und Mini
aturen auf echtem Pergament, Urkunden etc., zum Theil in
leuchtenden Farben auf Goldgrund und in Gold gemustert. Höchst
interessant ist eine Darstellung der Geschichte des Briefes in einem
Wandschrank. Hier sind Briefe genau nach den Originalen aus
dem 3. Jahrhundert bis auf den heutigen Tag in 22 Nachahmungen,
stets auf das Papier der Zeit geschrieben. Das erste Manuscript
zeigt ein Blatt aus dem Codex Argenteus, ferner sind Briefe Karls des
Grossen, Heinrichs III., Luthers, Napoleons und der Königin Luise
vorhanden. Weiter sind da ausgestellt Kupferdrucke, Sport- und
Jagdbilder auf Atlas, Menus auf schwerer Seide mit Blumenmalerei,
Gold- und Brillantprägung, Cassetten etc. in grossartiger Aus
stattung. Am meisten interessirt indess eine Cassette in orange
farbener Seide mit schwarzen und goldenen Adlern in hochfeiner
Stickerei, in der Mitte ein massiv silbernes Monogramm A. V.,
sowie die Krone der Deutschen Kaiserin, enthaltend Briefbogen
und Couverts, mit Wappen und Monogramm in echtem Silber
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