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Volume Nr. 33, 20. Mai 1896

Full text: Officielle Ausstellungs-Nachrichten (Public Domain) Issue1896 (Public Domain)

10 Officielle Ausstellungs-Nachrichten. 
von der unendlichen Fülle von Arbeit, die in ihren Details ent 
halten ist, ein so farbenschönes Bild, dass es auf dem letzten inter 
nationalen Geologen-Congresse anerkannt wurde, dass Deutschland 
die schönste geologische Special-Karte der Welt besitzen wird und 
zum Theile schon besitzt. An der linken Wand sind auch die 
geologischen Uebersichtskarten des Thüringer Waldes und des 
Harzgebirges angebracht; besonders letztere, von Lossen bearbeitet, 
ist ein berühmtes Meisterwerk, dessen beinahe plastischer Farben 
wirkung sich auch der Laie nicht ganz entziehen wird. 
Dr. E. T. 
Der Berliner Pelz-Export und Stapel-Waaren. 
[Abdruck untersagt.] 
Wer kennt nicht jene zahlreichen und ertragsarmen Waaren* 
Genres, die sozusagen ihr Herz auf der Haut tragen, deren vor 
nehmsten Werth ihre hübsch hergerichtete Aussenseite repräsentirt? 
Sie gleichen auf ein Haar jenen Beautes, deren Schönheit einzig 
in ihrem Chic liegt — man braucht nichts weiter zu sagen und 
Jedermann weiss, dass man von sogenannten Stapelwaaren spricht. 
Solche »Stapelwaaren« hat die Pelz-Branche auch, nur sind sie 
hier ausnahmsweise einmal besser als ihr Ruf. 
Unsere Ausstellung zeigt im Stapel-Pelz-Genre Collectionen, 
die in ihrem industriellen Werth alle Achtung verdienen und die 
als Waare von grosser, commercieller Bedeutung sind. Man muss 
sie aber sehen, und sie von jeder Relation zum eleganten Detail- 
Erzeugniss beherzt loslösen. 
Das vorausgeschickt, darf man der Berliner Industrie, die in 
den letzten zehn Jahren auf diesem Gebiete ansehnliche Fortschritte 
gemacht hat, uneingeschränktes Lob zollen. Denn auch auf diesem 
Arbeitsfelde giebt die Ausstellung leider nur andeutende Proben von 
dem in Wahrheit sehr umfangreichen Gewerbe, das eine Ausdehnung 
erlangt hat, die von Jahr zu Jahr wächst, und alle ausländische 
Concurrenz auf dem heimischen Markt längst schon erfolgreich ge 
schlagen hat. Man darf davon sprechen, auch wenn man nicht in. 
intimen Familienkreise ist; wir hatten nämlich eine ausländische 
Concurrenz zu schlagen. Und eine Concurrenz, die unsere Achtung 
nicht weniger verdient, weil wir tüchtige Mühe hatten, sie zu über 
winden, denn vom besseren Engros-Genre bis zum billigsten Lager- 
Artikel ist der Berliner Stapel-Pelz feine gesuchte Waare! Sehen 
wir die Objecte nur näher an, so werden wir das durchaus ver 
ständlich finden. 
Da finden wir z. B. Capes, Schultern-Fichus, Stola- 
Kragen, Kopf- und Schlangen-Boas etc., die in der Correct- 
licit ihrer Ausführung und der künstlichen Zurichtung ihrer 
Felle den Gedanken an »Stapel werthe« gar nicht auf 
kommen lassen. Da sind Canin rose, Mufflon, gefärbte Hasen-, 
Lamm- und Ziegen-Felle zu dem täuschenden Aussehen echter 
Pelze gebracht und durchaus im Stil der herrschenden Mode nach 
Farben- und Material-Cöntrasten combinirt, - ganz comme il saut. 
Von einem der wichtigsten Artikel dieser Branche aber giebt 
die Ausstellung kaum eine Andeutung: von den Damenmäntel- 
Garnituren, die, zum Aufsetzen fertig präparirt, in den Dienst der 
Mäntel-Confection gestellt und in Tausenden von Dutzenden, in allen 
Modeformen und zuständigen Fellarten jahraus jahrein geliefert werden. 
Dagegen bieten die ausgestellten Einzel-Collectionen eine un- 
gemein belehrende Anschauung von dem, was die Pelzbranche auf 
dem Gebiete der Damenhüte neuerdings leistet. Es ist ein ganz neues 
Arbeitsfeld, denn bis vor etwa vier Jahren kannte man nur die zur 
»Garnitur« gehörige Damen-Kappe, recte Barett. Heute ist der 
Pelzhut ein Modehut nach allen Regeln der Kunst, nach jeder 
Pariser Modeform herstellbar und mit dem ganzen Raffinement der 
Modistinnen-Phantasie gamirt. Ganz prächtige Einzelheiten heben 
sich hier aus einer mehr als durchschnittlich guten Gesammtheit 
hervor. Auch die famosen Herren- und Knaben- Pelzmützen ver 
dienen alles Lob. Aber wer dürfte diese erstklassigen Waaren mit 
gutem Gewissen noch zum Stapelgcnre rechnen! Auch dort diese 
allerliebsten »Kinder-Gamituren« in weissem Canin, Schwanenfeil, 
Grobes, weissem Lamm etc., ebenso die nett ausgeführten vielartigen 
Muffen-Genres sind Stapel-Bijoux! 
Neben diesen Zierlichkeiten nehmen die kostbaren Erzeugnisse 
der in’s Gigantische ausgewachsenen Kutschergarnituren mit den 
decken von gold-weiss geflecktem Guanaeco sich aus, wie groteske | 
Fabelthiere neben einer Familie friedlicher Spitzmäuse. Und erst ' 
diese wunderbaren Decorationsfelle von ächten »naturalisirten« 
Tigern, Panthern, Leoparden, Weissbären und Wölfen, eine höchst 
aristokratische Gesellschaft, deren raubritterliche Vergangenheit uns 
allerdings leise Schauder über die Haut jagt. Auch diese vor 
nehmen Herren werden von dem nivellirenden Zuge unserer 
Industrie gezwungen, sich unter’s »Volk« zu mischen. Unsere « 
rührige Pelzzurichterei hat längst alle diese unerschwinglichen f 
ächten Schätze in prächtig gelungene Imitationen übersetzt. Da / 
ist z. B. ein riesiger Königstiger aus gefärbten Murmeln (etwa f 
drei bis vier Hundert Felle) sozusagen mit Portrait-Aehnlichkeit |;l 
ausgeführt; dort kleinere Panther, Jaguare etc. Und hier »färbt« 
man nicht mehr die Felle, hier werden sie buchstäblich mit Natur 
treue gemalt. 
Ganz dicht an den Kunstbetrieb aber streift das Handwerk 
bei jener Ornament-Scheertechnik, die in bas-relief auf bc- ■ 
sonders hergerichtetem Nutria (Sumpf-Biber) die köstlichsten 
Bildnereien erzeugt. Das Fell ist hier so gefärbt, dass von dem 
Flaum ab nach der Anssendecke hin die Haare eine ganze Scala 
von Nuancen zeigen, vom zartesten Gelb bis zum tiefen Braun. 
Je nach der verschiedenen Höhe nun, die man dem Haar beim 
Seheeren (natürlich Handarbeit ohne jede Maschinenhilfe) giebt, er 
scheint dessen Farbe verschieden getönt. Diese zwei Factoren: 
die wellige Oberfläche und die wandelbaren Farben, die beide nur 
eine Quelle haben, sind die ganzen Hilfsmittel dieser Technik, 
deren Effecte so wunderbar sind, dass sie schlechthin zum Kunst 
gewerbe zu zählen ist. Wir sehen in der Ausstellung von den 1 
allerhand Decorations- und Gebrauchsgegenständen dieser seltsamen 
Technik sehr hübsche, aber leider zu wenige Artikel vertreten. 
Dagegen sind einige kolossale Zimmerteppiche vorhanden, deren 
Muster, eine Verbindung dieser Ornament-Scheererei mit Pelz-Mosaik, 
von einzigartiger Schönheit und wegen der unendlichen Mühe und 
Sorgfalt ihrer Herstellung jeder ehrenden Anerkennung werth 
sind. Und das Alles ist doch, bei aller Vorzüglichkeit, immer erst 
unsere Pelz-Industrie zweiten Ranges und an nominellem und 
ideellem Werth mit den Pelz-Erzeugnissen erster Ordnung nicht zu 
vergleichen. 
Zwischen Beiden ihrem Werth und Range nach ungefähr in 
der Mitte steht unser weit ausgedehnter Pelz-Export, der einen Auf 
schwung erfahren hat, wie er nur als Ergebniss einer einschneidenden ji 
inneren Wandlung eines productiven Fortschrittes möglich ist. 
Dieser productive Fortschritt aber ist nicht sowohl ein specifisch 1 
Berlinischer, als vielmehr ein weltgiltiger. Allein die Berliner 
Industrie hat das Verdienst, dass sie nicht blos verblüffend rasch, 
sondern gründlicher als andere geleimt und überdies es verstanden 
hat, das heut Gelernte morgen schon in praktischer Nutzanwendung 
zu verwerthen. Es ist noch nicht gar zu lange her — im besten 
Falle etwa anderthalb Decennien —, seit wir überhaupt am Export 
theilnehmen; noch kürzere Zeit, seit wir als Weltmarkt-Concurrenten 
ernst genommen werden und heut marschiren wir an der Spitze! 
Mit der Ruhe des Kraftbewusstseins, mit der Sichereit, die ein be 
währtes Können giebt, füllen wir unseren Platz aus, immer »strebend 
bemüht« und ohne Uebcrhebung, die an den »gewordenen Mann« er- % 
innert. Nicht blos unsere Industrie, auch unsere Industriellen sind im 
Auslande gut angesehen. F. G. 
An den beiden Pfingstfeiertagen, am Sonntag und 
Montag, finden in der Ausstellung Früh-Concerte statt. Der 
Ausstellungspark öffnet um 6 Uhr seine Thore, der Beginn der Concerto 
ist um 7 Uhr, die Ausstellungs-Gebäude werden um 8 Uhr ge 
öffnet. Das Eintrittsgeld beträgt während des ganzen Tage? 
50 Pfennige unter Fortfall des erhöhten Eintrittsgeldes zwischen 
8 und 10 Uhr Morgens. Sämmtliche Verkehrsanstalten: Eisen- 
kolossalen Schlittendecken von ächtem Bär, den eleganten Wagen
	        
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