Publication:
1896
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-15365322
Path:

OfficielSe Ausstellungs - Nachrichten.
9
Die Ausstellung der Geologischen Landes-Anstait
und Berg-Akademie.
[Abdruck untersagt].
In der Gruppe XIX nennt der Haupt-Katalog unter den Aus
stellern die Königl. preussische Geologische Landes-Anstait und
Berg-Akademie, ohne einen weiteren Zusatz betreffs der Ausstellungs-
Gegenstände zu machen. Wer von Einheimischen und Fremden
diese Anstalt einmal in ihrem prachtvollen Heime (Invaliden
strasse 44, zur Linken des grossen Museums für Naturkunde) be
sucht hat, wird ohne Weiteres vermuthen, dass die Ausstellung
dieses Instituts der Grösse und der Bedeutung desselben, welche
in den reichen, in jenem Gebäude aufgespeicherten Sammlungen
ihren Ausdruck findet, entsprechen wird. In der That hat die
genannte Anstalt zusammen mit der ihr verschwisterten Akademie
in dem herrlichen Holzbau zur Linken des Hauptausstellungs
gebäudes auf geringem Raume — links am Mittelgange —
eine Ausstellung geschaffen, welche geeignet ist, sowohl dem Ge
lehrte: als dem Laien, der sich zu längerem Verweilen Zeit nimmt,
eine lehrreiche und höchst interessante Uebersicht über die geo
logische und bergmännische Thätigkeit im Königreich Preussen und
vorzugsweise in der Umgebung Berlins zu geben. Wir können
die inhaltreiche Collection etwa folgendermaassen theilen: Erstens:
Uebersicht über die Methoden und die Fortschritte der geologischen
Erforschung des Landes an der Hand geologischer Karten und
anderer Publicationen, sowie von Darstellungen zahlreicher Tief-
bohrungen im Boden des norddeutschen Flachlandes. Zweitens:
Sammlung von Bohrinstrumenten zum Zwecke der Untersuchung
des Untergrundes. Dr ittens: Sammlung von Proben der Gesteins
arten, welche die Oberfläche des norddeutschen Flachlandes bilden.
Viertens: Demonstration der Wirkung der Eiszeit durch Karten
und Proben aus dem norddeutschen Flachlande und Vergleichs
proben aus anderen Gebieten. Fünftens: Sammlung von Säuge-
thierreste.’! aus der sogenannten Interglacialzeit (d. i. die Periode
milderen Klimas, welche die beiden grossen Eiszeiten trennte),
besonders aus den Schichten der Umgegend von Berlin. Wir
wollen nun dem Inhalte dieser Abtheilungen im Besonderen noch
eine aufmerksamere Beobachtung widmen.
In der Mitte der Querwand der geräumigen Nische hängen
zwei grosse Karten, jede aus 36 Blättern zusammengesetzt, die Um
gebung von Berlin in 81 Quadratmeilen Areal im Maassstab von
1 : 25000 darstellend. Die linke ist eine Höhenschichtenkarte, auf
welcher Linien und in sieh verlaufende Curven die Höhenstufen
des Landes bezeichnen; der Raum zwischen zwei benachbarten
Linien bedeutet einen Höhenunterschied von 15 Fuss. Die grösseren
Höhen sind mit tiefer werdenden, braunen Tönen hervorgehoben,
und diese Colorirung ergiebt ein kräftiges Bild von Berg und Thal,
Hügel und Ebene. Manches Auge wird dort gewiss mit Interesse
auf der klaren Zeichnung derUmgegend von Potsdam oder dem bergigen
Gebiete von Friedrichshagen weilen und bekannte Berge und Seeen
suchen und wiedererkennen. Rechts daneben hängt die gleiche
Karte in der nämlichen Grösse, nur mit anderer Colorirung und
anderen Marken als »Geologisch-agronomische Specialkarte«, bearbeitet
von der Flachlands-Abtheilung der Königl. preussischen geologischen
Landesanstalt. Geologische Zeichen nennen an dichtgesäeten Punkten
die Bodenart und die Beschaffenheit des Untergrundes (ob Sand,
Lehm Moor etc.) mit Angaben, wie tief die betreffenden Bodenarten
reichen; agronomische Zeichen und Farben geben die landwirth-
schaftliche Beschaffenheit des Terrains an (Wald oder Forst, Haide,
Bruch, Sumpf, Wiese, Feld etc.). Die vielen verschiedenen, zu
Siegeln abgekürzten Bezeichnungen, welche auf einer grossen, daneben
hängenden Tafel erklärt werden, geben zugleich Andeutungen über
den Grundwasserstand; der Geologe liest aus ihnen auch das relative
Alter und die Entstehung der einzelnen Bodenarten ab. Rechts
neben diesen Tafeln hängt die bekannte, schöne »Geo
logische Karte der Stadt Berlin«, welche unter Benutzung
von Vorarbeiten des jung verstorbenen Dr. A. Kunth durch
den hochverdienten Königl. Landesgeologen Lossen, dessen Tod
die Anstalt vor wenigen Jahren betrauerte, ausgeführt und von dem
Magistrat Berlins herausgegeben wurde. Dieser Karte, welche, den
Untergrund der Stadt auf einem Plane von 1 : 10000 vorführt,
wurde bei der Herausgabe eine ausführliche Beschreibung durch
den genannten Verfasser beigegeben, desgleichen auch vier Tafeln
mit Bodenprofilen, welche du Aufeinanderfolge der Schichten in der
Tiefe, wie sie durch zahlreiche Bohrungen ermittelt wurden, dar
stellen; auch von diesen Tafeln sind zwei ausgehängt. Unter diesem
Wandschmuck steht eine Flachvitrine mit jener Reihe von »Ab
handlungen der Geologischen Landes - Anstalt, z. B. die von Eck
über »Rüdersdorf und Umgegend« u. A.
Auf der linken Hälfte der Querwand finden wir eine Probe
der geologischen Kartenaufnahme, durch welches in dem grossen
Maassstabe von 1 : 25000 allmählich das ganze Königreich Preussen
und die Thüringischen Staaten unter der Leitung jener Anstalt von
zahlreichen Geologen erforscht und dargestellt werden; hier hängt das
Blatt Buckow dieser Aufnahme, die Gegend, in der die lieblichen
Hügel der »Märkischen Schweiz« endigen, im Jahre 1893 von
Professor Wahnschaffe nach mehljähriger Arbeit vollendet. Daneben
hat auf einer Tafel Professor Berendt, der Leiter der Flachlands-
Abtheilung der Anstalt, die in Berlin vorgenommenen Bohrungen
nach Soolquellen zusammengestellt; die tiefste ist am Wedding-Platz
(über 300 Meter), während die bekannte Bohrung Friedrichstrasse 102
(Admiralsgartenbad) etwas über 250 Meter hinabreicht. Nach den
erwähnten grossen Karten hat Professor Berendt von der Stadt wie
von der Umgegend Berlins noch kleinere, handliche geologische
Uebersichtskarten bearbeitet, die eine im Maassstabe 1 : 15000, die
andere 1 : 10000, deren Benützung dem Berliner Touristen garnicht
genug empfohlen werden kann. Darunter sind einige der »Ab
handlungen zur geologischen Specialkarte des Königreichs Preussen
und der Thüringischen Staaten« ausgelegt.
Auch die Seitenwände der Nische sind noch mit Karten und
Zeichnungen bedeckt, welche die Thätigkeit der Geologischen Landes-
Anstait und ihrer Mitglieder beleuchten. Da hängt rechts die
geologische Uebersichtskarte von Schleswig-Holstein von Dr. Meyn,
eine ältere Publication der Anstalt. Unten zwei kleine Karten
blätter des Kreises West-Havelland; das eine stellt das Resulstat
der Bodeueinscliätzung von 1865 im Maassstabe von 1 : 200 000,
das andere das der geologischen Bodenaufnahme desselben Kreises
in den Jahren 1883—1889 in demselben Maassstabe vor; ersteres hat
sechs verschiedene Farben, letzteres eine zwölffache Bezeichnung.
Welch ein Fortschritt in der Kenntniss unseres märkischen
Bodens und in der Darstellung seiner Verhältnisse prägt sich
in dem Vergleiche dieser beiden, durch zwei Jahrzehnte
zeitlich getrennten Blätter aus! — und dabei ist das neuere
nur eine Zusammenfassung einer acht Mal so grossen und
dementsprechend genaueren Aufnahme! — Nicht weit davon
hängen vier Kartenblätter: »Blatt Tremmen« im Kreise West-Havel
land, welche die Entstehung eines Blattes der geologisch«» Landes
aufnahme noch eingehender darstellen sollen. Das eine Blatt zeigt
die Unterscheidung des Bodens nach der Bodeneinschätzung von
1861-—1863, der ersten Grundlage für die kartographische Auf
nahme der Bodenverhältnisse; da ist der Acker in acht Klassen,
die Weide ebentälls in acht, die Wiese in sieben, der Wald in vier
Klassen der Güte nach geordnet; jede der vier Bodenarten ist durch
eine besondere Farbe ausgezeichnet, und die Zahlen, welche die
Bodenklasse bezeichnen, sind auf den betreffenden Stellen der Karte
angemerkt. Das zweite Blatt ist eine Höhenschichtenkarte, wie die
beschriebene der Umgegend von Berlin. Das dritte Blatt zeigt die
heutige Art der agronomischen (landwirtschaftlichen) Bodenunter
suchung mittels zahlreicher Bohrungen, deren sieh auf dem
einen Blatte nicht weniger als 2635 befinden; auf diese Weise
werden nicht nur die Bodenbeschatfenheit der Oberfläche, sondern
auch die des Untergrundes bis zu einigen Metern Tiefe und damit
auch die Grundwasser-Verhältnisse ermittelt. Das vierte Blatt endlich
zeigt die Gegend nach Vollendung der agronomischen und der
geologischen Untersuchung als fertigen im Verhältniss zum Ganzen
winzigen Theil der grossen Landes-Aufnahme. Welche Riesen
dimensionen die ganze geologische Karte Preussens und Thüringens
nach ihrer Vollendung einnehmen würde, wenn man sie überhaupt
vereinigt in einem Raum unterbringen könnte — vielleicht auf
einer Ausstellung des kommenden Jahrhunderts! —- davon kann
die auf der gegenüberliegenden Wand angebrachte grosse Karte
eine Vorstellung gebe», welche, aus einzelnen Blättern der Special
karte zusammengesetzt, nur den »mittleren Thüringer Wald nebst seinem
nördlichen und südlichen Vorlande« enthält. Diese Karte nimmt die
ganze Höhe der Wand und fast ihre halbe Breite ein und gewährt, abgesehen
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