Publication:
1896
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-15365322
Path:

14 Officielle Äusstellüngs-Nachrichten.
versehene breite Treppe zum eigentlichen Pavillon de«: Kaiserpaares
empor. Auf halber Treppe leuchtet uns von der Wand der Gruss
»Salve« entgegen. Im Grunde des ersten Stockwerkes öffnet sich
eine Thür, die zu den Räumlichkeiten des Schiffes »Hohenzollern«
führt. Den Pavillon erschliesst wiederum eine Doppelflügelthür mit
grossen, Krystallscheiben und Bronzebeschlägen. Das Publikum
wird diesen Raum nicht betreten, wohl aber durch die genannte
Thür m Augenschein nehmen können. Er wird von vier korinthischen
Säulen getragen, deren Kapitale vergoldet sind. Der Fussboden
fällt allmählich zur Brüstung ab, der Himmel des Pavillon besteht in
einer geschmackvoll gefalteten Draperie aus dunkelcremefarbiger
Seide mit Einfassung aus schwerem, bordeauxfarbigem Stoffe.
Zwischen den beiden Mittelsäulen fällt der Baldachin an zwei ge
krönten goldenen Stangen hinaus; er ist aus Plüsch gefertigt und
trägt schwere Goldstickerei. In der Mitte ist ebenfalls in Gold ge
stickt der Kaiserliche Namenszug sichtbar, darüber die mit farbigen
Edelsteinen besetzte Krone. In der ersten Reihe befinden sich
die beiden Kaiserlichen Sessel, die denjenigen im Reichstage ähneln;
sic sind mit Sammetstoff bezogen und führen ebenfalls die Namens
züge ' in Goldstickerei. Die Beleuchtung ist sehr geschickt an
gebracht; in den inneren Falten des Knaufes der Decke bergen
sich Glühlampen; ein weiterer Kreis Lämpchen läuft auf der
Ausser,seife und leuchtet durch den Stoff der Decke hindurch in
gemilderter- .Monulkkttönung. Sämmtliche liier beschriebenen Räume
einschliesslich der Treppe sind mit Smyrnateppichen ausgelegt
b) In Berlin.
Zur heutigen Eröffnung des Olympia-Theaters.
[Abdruck untersagt.]
Das Olympia-Riesentheater, Ecke Alexander- und Magazin
strasse, öffnet heute Abend seine Pforten. Seit Monaten lasen
wir in den Tagesblättern vereinzelte Notizen über den Fortgang
dieses grossen Unternehmens, die jedoch nicht im Stande waren,
uns ein vollkommenes Bild desselben zu geben. Wir haben nun
Gelegenheit genommen, das erst \ seit wenigen Tagen vollständig
fertig gestellte Bühnenhaus eingehend zu besichtigen, und müssen
von .vornherein constatiren, dass es die Bezeichnung eines Riesen
theaters mit vollem Recht verdient.
Das von den Herren Hahn und Enders unter Mitwirkung
des Architekten Hugo Trotz in kaum drei Monaten errichtete
Gebäude ist ein schlank aufstrebender, kolossaler Hallenbau, der,
von mächtigen Eisensäulen getragen, einen imposanten Eindruck
macht. Der gewaltige Zuschanerraum bildet ein nach dem Muster
des Bayreuther Festspielhauses eingerichtetes, fünf Meter aufsteigen
des Parterre, so dass man von jedem Platz des Hauses aus die
Bühne vollkommen übersehen kann. Dieses Parterre, das u. A,
36 sehr geräumige -Orchester- und SB Parquetlogen mit zusammen
506 Sitzplätzen enthält, ist so gross, dass man allein in diesen Bogen
fast das ausverkaufte Residenztheater unterbringen könnte. Hinter der
vierfachen Logenreihe' befinden sich ; 7 64 Fauteuils,' dann folgen
752 Parquetsitze, denen sich das Mittelparterre mit 524, die
beiden Seitenparterres mit zusammen 424 Sitzen anschliessen. In
Summa 2970 numerirte Plätze, zu denen noch 1000 Stehplätze
kommen, die ebenfalls einen vollen Ueberblick über die Bühne ge-,
währen. Besonders hervorzuheben sind noch die Zwischengänge,
die ausnehmend breit sind und selbst für den grössten Andrang
genügen. Der Zugang zu den Sitzen ist für Fussgänger von
der Alexanderstrasse, während die Einfahrt von der Magazinstrasse
aus zu geschehen hat. An dieser Stelle wollen wir gleich des
Kassenflurs erwähnen, der in seiner Grösse ebenfalls einzig da
stehen dürste, da er etwa 4 Meter breit, und 55 Meter lang ist.
Was die Bühne betrifft, deren complicirte maschinelle Ein
richtungen von dem rühmlichst bekannten Theatermeister J. Zimier
herrühren, so ist sie, was ihre Grösse anbelangt, jedenfalls ein Unicum
umhin Verbindung mit dem vor ihr liegenden Wassergraben, der zwölf
Meter breit ist und einen Spiegel von 672 Quadratmetern reprä-
sentirt, eine der originellsten Schöpfungen auf diesem'Gebiet. Im
Total 56 Meter breit, beträgt die Prospectüffnung 44, ihre Tiefe
28 Meter, ein Raumverhältniss, wie es bis jetzt in Berlin einzig
dasteht. Erleuchtet wird dieser kolossale Schauplatz mit 100 Bogen
lampen, mächtigen Scheinwerfern und Tausenden von Glühlampen
modernster Construction, so dass die höchsten Beleuehtungseffeete
erzielt werden dürften.
Der oben erwähnte Wassergraben, der als Schauplatz für die
in dem Stück vorkommenden Wasserspiele dient, ist rechts und
links von dem prächtig gemalten alten Hafen von Dover flankirt,
aus welchem die Festschiffe auslauten, die mit 1000 Glühlampen
erleuchtet werden. Durch eine sehr originelle maschinelle Vor
richtung wird der Wasserspiegel überdeckt, so dass die grossen
Ballets auf demselben- von der Bühne aus fortgesetzt werden können.
Einen kleinen Begriff von der eminenten Grösse des
Theaters gehen auch die hinter der Bühne rechts und links
liegenden Damen- und Herren - Garderoben, die ebenso
bequem, wie praktisch eingerichtet, jede für sich etwa
sämmtliche Zuschauer eines mittleren Stadttheaters fassen können.
Freilich müssen sich in denselben auch ca. 1000 Personen ankleiden,
denn, so hoch beläuft sich der Mitgliederbestand des Olympia-Theaters,
das für die fünf Abtheilungen seines Ausstattungsstückes nicht weniger
als 5000 Prachtcostüme gebraucht, die ebenso wie die zahlreichen
Waffen und Rüstungen von bewährten Meistern geliefert sind.
Originell sind die in den Garderoben aufgehäuften Berge von Schuh
werk, mit denen man verschiedene Fussbekleidungs-Geschäfte voll
ständig ausstatten könnte; .
Ein Gang durch die Stallungen des Theaters belehrt uns, dass
auch die Thierwelt berufen ist, eine grosse Rolle in dem Riesen
theater zu spielen. Zunächst begrüsst uns der Riesen - Elephant
Jumbo, indem er uns, Zucker heischend, vertraulich seinen Rüssel
in die Hand legt; im Nebenraum haust sein kleinerer afrikanischer
Landsmann, während eine Anzahl Kameele breit hingelagert tief
sinnig den Inhalt ihrer Rolle immer und immer wiederkäut.
Mehrere Esel, zahlreiche Pferde, prächtige Doggen completiren
diese vierfüssige Künstlerschaar, die theil weise schon früher in
Hunderten von Aufführungen des Stückes mitwirkte, also keine
Kündigung wegen Unfähigkeit mehr zu fürchten hat.
Es erübrigt uns noch, mit einigen Worten des Gartens zu
gedenken, der den Eingang des Theaters bildet. In demselben be
findet sich rechts das Restaurant mit seiner gedeckten Riesenhalle,
links eine Anzahl von Verkaufs-Pavillons, darunter einer der Frau
Dr. Fritz Friedmann, die anscheinend der Bühne schon Valet
gesagt und denselben für den Vertrieb von Cigarren gepachtet hat.
Soviel über die baulichen, technischen und Personalverhältnisse
des «Olympia-Riesentheater«. Ueber seine künstlerischen Leistungen
werden wir in unserer nächsten Nummer zu berichten haben.
V
Im Residenz-Theater ging eine Novität »Villa Beau-
mignard«, Schwank in drei Aufzügen von Marc Sonal und
Victor Grebon erstmalig in Scene, um wahrscheinlich schleunigst
wieder von derselben zu verschwinden. Es verlohnt sich nicht,
über das alberne, unsäglich unsaubere Machwerk viele Worte zu
verlieren, nachdem das ausverkaufte Haus sein strenges, aber
gerechtes Votum durch einmüthiges Auszischen des Stückes ab
gegeben hat. Die Darsteller, unter denen sich Frau Carlsen,
sowie die Herren Alexander, Pausa und Gaspard hervorragend
auszeichneten, gaben sich vergeblich Mühe, das Opus zu retten.
Dieser unglaublichen, in ihren Motiven vollständig veralteten Farce
gegenüber war »der Liehe Müh’« umsonst. Der dem Stück voraus
gehende Dreyfus’sche Einakter: »Vermischte Anzeigen«,
schon früher öfter aufgeführt, fand ebenfalls keine Gegenliebe.
Interesse erregte nur eine bildschöne, wie es scheint nicht un-
talentirte Debütantin, Erl. Margarete Ferida. Alles in Allem
aber war der Abend ein verlorener.
S. H. M. Solche Nachrichten bringen* wir nicht, Sie können sich
aber über das, was Ihnen wünschenswerth erscheint, im Depeschensaal
unseres Pavillons orientiren.
Dm. 21. In dem Etat der Berliner Gewerbe-Ausstellung sind
unter den Einnahmen die Posten „Platzmiethe“ mit 870000 Mark,
und „Pachtverträge“ mit 1297 000 Mark in Eingang gestellt.
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