Publication:
1896
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-15365322
Path:

Ur. 4.
Berlin, den 22. Februar
1896.
Bekanntmachungen des Arbeits - Ausschusses.
1. In Gemäßheit des § 11 des in der Sitzung des Gesammt-Vorstandes vvm 25. Januar 1894 angenommenen
Programms für die Ausstellung und in Gemäßheit des bestätigenden Beschlusses der Gruppen-Vorstünde vom
15. Januar er. sind die Preisrichter von den Ausstellern zu wühlen.
Wir bitten die Gruppen-Vorstünde, möglichst unverzüglich die Wahl der Preisrichter zu bewirken,
damit die Namen derselben in den „Organen" und den ofsiciellen Katalogen veröffentlicht werden können.
Die Namen der gewählten Preisrichter sind uns spätestens bis zum 20. März er. bekannt zn geben.
2. Im Begriff, ein neues Verzeichnis; der Organe der Ausstellung herauszugeben, bitten wir die verehrlichen
Gruppen-Vorstünde, uns mit thunlichster Beschleunigung die Aenderungen mitzutheilen, die sie gegenüber dem
in ihren Händen befindlichen Verzeichniß vvm 1. Januar d. I. wünschen. Da das neue Verzeichniß in den
Ausstellungs-Hauptkatalog aufgenommen wird, müssen wir in Rücksicht auf die Drucklegung dieses Haupt
kataloges den Termin für die Einsendung der Aenderungs-Vorschläge auf 14 Tage (bis 8. März) beschränken.
Mittheilungen, die später eingehen, können nicht berücksichtigt werden.
3. Wir bringen hierdurch wiederholt zur allgemeinen Kenntniß, daß wir nicht mehr in der Lage sind, Vereinen, Ver
bänden x. den Zutritt zu dein Ausstellungsgelände zu gewähren. So bereitwillig wir seither allen solchen
Anträgen stattgegeben haben, so veranlassen uns zur Zeit Gründe zwingender Art, den Zutritt zu verweigern,
zumal die seitherigen Massenbesuche den Fortgang der Bauarbeiten zuweilen gehindert haben, und dies in erhöhtem
Maße bei der jetzt beginnenden Arbeit der Jnnen-Decoration der Fall sein bürste.
Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896.
Der Arbeits-Ausschuß.
Fritz Kühnemann. Bernh. Fetisch. L. M. Goldberger.
Die Rekrutirung der Berliner Industrie.
Von Dr. Karl T h i e ß.
Nicht nur die Berliner Garde hat den Vorzug, daß sie sich
aus allen deutschen Gauen rekrutirt, auch alle anderen Berufs
zweige in Berlin und namentlich die Berliner Industrie erhalten
den größten Theil ihrer Zugehörigen aus allen Theilen des
Landes und nicht durch den Berliner Nachwuchs. Die Aus
stellungsbesucher aus dem Norden und Süden, dem Osten und
Westen Deutschlands sinden ihre Brüder, Vettern und Söhne
nicht nur in den Berliner Kasernen, sondern noch viel zahlreicher
in den Werkstätten und Fabriken wieder. Wenn an den aus
gestellten Gegenständen mit den Namen auch die Heimath der
Ausstellenden und ebenso aller derer, die daran gearbeitet haben,
verzeichnet werden könnte, so würde sich daraus leicht ein fast
vollständiges Ortschaftsverzeichniß der deutschen Städte und Dörfer
zusammenstellen lassen. Ja, die Berliner Industrie beschränkt ihr
Rekrutirungsgebiet nicht auf Deutschland, sondern wie früher die
Garde des Soldatenkönigs Friedrich Wilhelm I. holt sie ihre
Leute aus der ganzen Welt zusammen.
Wenn wir hören, daß von den Einwohnern Berlins über
650 000 in Berlin und über 950 000 auswärts geboren sind,
so geben diese allgemeinen Zahlen noch keineswegs ein zu
treffendes Bild von der Betheiligung der Auswärtigen an der
Industrie. Denn unter den Zahlen der geborenen Berliner stecken
fast alle Kinder in Berlin, die naturgemäß meist dort geboren
sind, während durch Zuwanderung zum allergrößten Theil Er
wachsene hinzukomme^. Von den Erwerbsthütigen sind nur
200 000 in Berlin gebore» und über das Dreifache dieser Zahl
auswärts. Von den in Berlin arbeitenden Männern ist
noch nicht der vierte Theil in Berlin geboren, von den Unver-
heiratheten etwas mehr, von den Verheiratheten dagegen noch
nicht einmal ein Fünftel. Daraus crgiebt sich die sehr bemerkens-
werthe Thatsache, daß die Zugezogenen unter den ständigen
Arbeitern noch weit stärker vertraten sind als unter den jüngeren,
nicht ansässigen und nicht fest angestellten Ledigen. Unter den
unverheiratheten arbeitenden Frauen sind die geborenen Ber
linerinnen etwas stärker vertreten, nämlich mit einem guten
Viertel. Das kommt daher, weil in Berlin die erwerbsthätige
Arbeit der Frauen in weitere Kreise greift als namentlich in den
kleineren Städten, aus denen ein erheblicher Theil des Fremdeu-
stroms kommt, und wo die Frauen noch vielfach in der für
Berlin längst überwundenen Anschauung aufwachsen, daß Erwerbs
thätigkeit für sie eine Schande sei. Unter den verheiratheten
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