Publication:
1896
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-15365322
Path:

Officielle Ausstellungs-Nachrichten. 13
manchen Strichen einen feinen und scharfen Beobachtungssinn
an den Tag gelegt. Es giebt ThierdarsteUnngen von wunder
barer Naturtreue und manche Statuen lassen auf eine frappante
Portraitähnlichkeit Schliessen.
Als Egypten von der römisch-griechischen Uebereultur über
schwemmt wurde, hörte es auf, ein eigenes Leben zu führen. Seine
Priesterkönige waren seine Künstler, das Volk nur seine Handlanger.
Mit ihnen und ihrem Wirthschaftssystem war auch ihre Kunst aus
gestorben. Erst Mohammed und die Khalifen schufen auf der töteten
Stätte eine neue Cultur und bauten aus dem Trümmergestein des
alten Memphis das arabische Kairo, die siegreiche Stadt, deren
reges und bewegtes Leben uns nach wenigen Schritten wieder
umfängt. Friedrich Fuchs.
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Das Fest der Gewerke in der Ausstellung
bildete gestern das Verhandlungsthema der seitens der Festcommission
einberufenen Versammlung. Dieselbe tagte im Festsaal des Kaiser
schiffes; anwesend waren ausser den Mitgliedern der Commission,
etwa 70 Delegirte von Innungen, selbstständigen Gewerkschaften und
sonstigen Corporationen, sowie mehrere Fabrikanten. Der Vor
sitzende Herr I. I. v. d. Wyngaert hiess die Anwesenden
willkommen und wünschte, nachdem die Commission in der ersten
Sitzung ihren Festplan vorgelegt habe, nun weitere Vor
schläge zur Ergänzung desselben ans der Mitte der Ver
sammlung entgegen zu nehmen. Herr Obermeister Keller,
war in der ersten Versammlung nicht anwesend, hat aber
mit Bedauern gehört, dass man von verschiedenen Seiten an die
Theilnahme an dem Fest verschiedene Bedingungen geknüpft habe:
er stimme dafür, sich ganz bedingungslos zu betheiligen, da das
Fest eine Ehrung der Gewerke bedeute, und diese müssten
kundgeben, dass sie zu der Sache mit voller Sympathie stehen.
(Beital!).
Obermeister Witte wünscht, dass der Zug durch die Stadt
gehe, was von verschiedenen Seiten lebhaft bekämpft und bei der
Abstimmung mit allen gegen drei Stimmen abgelehnt wird. Die
Frage nach der Zeit, in der die einzelnen Gewerke und Corporationen
auf dem Ausstellungsplatz in Alt-Berlin eintreffen sollen, wird auf 4 Uhr
festgesetzt, und soll der Zug sieh dann um 6 Uhr durch die Aus
stellung bewegen. Eine erregte Debatte, ob alle Mitglieder der
Innungen, freien Gewerkschaften z. Z. zu dem Zuge zugelassen
werden sollten, wurde nach der energischen Erklärung verschiedener
Anwesenden dahin beendet, dass die Theilnahme Allen gestattet
sein sollte, doch wird der 28. Mai als letzter Tennin festgesetzt,
bis zu welchem die Betreffenden ihre Mitwirkung an dem Zuge zu
erklären haben. Für die Theilnehmer des'Zuges wird an dem Festtage
der Eingang von der Köpeniekerstrasse aus reservirt. Dort werden die
einzeln eintreffenden Innungen und sonstigen Verbände, deren Mit
glieder, nach dem Vorschlag des Obermeisters Wo 11 schläger, sieb
durch Schleifen zu legitimiren haben, von Delegirten der Fest-
Commission empfangen und durch Alt-Berlin geleitet. — In das
engere Comitee, das gemeinsam mit der Fest-Commission die end-
giltigen Vorbereitungen für das Fest treffen soll, werden durch
Acelamation gewählt die Herren Keller, Beutel, Faster,
Wollschläger, Gemeinhardt, Schnarre, Langbucher,
Witte, Jakob, Meinecke, Marschall, Heitert, Kölzer und
Ullrich. Die Frage, ob es den Theilnehmem gestattet sein soll,
neben den vom Fest-Comitee gestellten Musikcorps auch eigene
mitzuführen, wird bejaht. Hierauf wird die allgemeine Versammlung
geschlossen und tritt das engere Comitee, zu dessen Vorsitzenden
einstimmig Herr v. d. Wyngaert und als stellvertretender Vor
sitzender Herr Hauptmann Schweitzer gewählt wird, zu einer
Berathung zusammen. Im laufe der Verhandlungen theilte der
Vorsitzende noch mit, dass der Herr Direetor Dr. Blumenreich
vom Theater »Alt-Berlin« in bereitwilligster Weise für den Zug
300 altdeutsche Costüme zur Verfügung gestellt habe.
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Die Kapelle des Badischen Leib-Grenadier-
Regiments, deren Engagement für die Gewerbe-Ausstellung wir
bereits gemeldet haben, wird, wie man uns von zuständiger Seite
berichtet, vom 1. Juni ab während des ganzen Monats neben dem
permanenten Ausstellungs-Orchester (philharmonisches Blas-Orehester,
Dir.: Gast. Baumann) concertiren. Diese von Büttge geleiteten
Concerte gelten als die interessantesten der deutschen Armee-Musik,
sowohl mit Rücksicht auf die Programme, als wegen der Aus
führung. Böttge ist bekanntlich schon wiederholt zum Deutschen
Kaiser befohlen worden.
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Im Alpenpanorama wurde Sonntag Abend vorüber
gehend der Betrieb polizeilich eingestellt, und zwar auf Antrag
der Berliner Feuerwehr, welche die Beleuchtung mit Petroleum und
Kerzenlicht als feuergefährlich bezeichnete; nach der mit Leichtigkeit
zu bewerkstelligenden Erfüllung der polizeilichen Forderungen wurde
der Betrieb sofort wieder freigegeben.
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Der deutsche Kunstgewerbetag wird, wie jetzt bestimmt
ist, am Sonntag, 8. Juni, ein Festmahl in der Gewerbe - Aus
stellung einnehmen und an einem anderen Tage sich in Alt-Berlin
versammeln. Dem besonderen Ausschüsse für die Vorträge und
Veranstaltungen gehören u. A. an: Stadtrath Friedei, Geh. Regierungs-
rath Lessing, Professor Otto Lessing, Baurath Heyden, Architekt
Grisebaeh, Direetor Dr. Jessen, P. Walle, Fabrikant A. Müller und
Juwelier Sehlüttig. Näheres ist bei der Geschäftsstelle des Kunst-
gewerbevereins, Wilhelmstr. 44, zu erfahren.
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Die beiden Musikkapellen in Alt-Berlin haben
nunmehr ebenfalls mittelalterliche Trachten erhalten. Die bunt ge
kleideten Musiker ergänzen das stimmungsvolle Gesammtbild von
Alt-Berlin in charakteristischer Weise.
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Der Kaiser-Pavillon der Marine-Schauspiele
ist bald bereit, seine hohen Gäste aufzunehmen. Die Decorateure
legen die letzte Hand an seine Vollendung, und der stimmungsvoll
abgetönte, geschmackvoll eingerichtete Bau wird unbedingt das
Interesse des grossen Publikums erregen, dass nach dem
Besuche der Majestäten in die einzelnen Räume zuge
lassen werden wird. Eine Vorbeschreibung dürfte daher am
Platze sein. Der Zugang ist in der Mitte der Kaiserlichen'
Yacht »Hohenzollern« gelegen. Man betritt zunächst den schönen
breiten Flur, den Ehren-Corridor. Links und rechts nämlich, dicht
hinter dem Eingang, befinden sich an den beiden Wänden zwei
mächtige Tafeln, auf denen die Namen aller der Meister verewigt
werden sollen, die an dem Bau der Hohenzollern und der Schau
spiele überhaupt mitgewirkt haben. Dahinter öffnen sich links und
rechts die Eingänge zu den beiden Restaurations-Räumlichkeiten.
An den weiteren schmäleren Wänden hängt in Glaskästen die in
ihrer Art einzige Sammlung von militairischen Orden- und Ehren
zeichen, erworben auf allen Schlachtfeldern der Welt. Dieses kost
bare Unieum befindet sich im Besitz der Herren Bergner und Wände.
Ueber der zum Treppenflur führenden Glasthür mit reichem Bronze-
besehlag erblickt man das Wappen der Hohenzollern mit der Kette des
Ordens ponr 1c merke; darunter den Wahlspruch »8nnm cuique.« Wir
durchschreiten den genannten Treppenflur und gelangen durch eine
Flügelthür mit mächtigen Krystallscheiben und Bronzegriffen, über welcher
der Namenszug des Kaisers erglänzt, immer noch zu ebener Erde in
den Kaiserlichen Salon, in dem der Schreibtisch, Sessel mit Namens
zug, sowie auf kunstvoll gearbeiteten Tischen schwere Sflbergegea-
stände stehen. Der Salon hat zwei kleine Nebenräume, deren
Wände mit bordeauxfarbigein Stoff bespannt, deren Decken mit
weissein Atlas ausgeschlagen sind. Tritt man nunmehr ganz
in das Freie und wendet man sich zurück, so überblickt
man den Gesammtbau des Pavillon, den ein kupfernes Dach
schützt und dessen Höhe vom Erdboden bis zu der das
Ganze abschliessenden goldenen Krone achtzehn Meter beträgt. Im
oberen Fries der Brüstung, die in gelblich abgetöntem Stuck ge
halten ist und in drei Abtheilungen zerfällt, treten an dem Mittel
felde der Reichsadler, aus den beiden Seitenfeldern die Reichskrone
und die Reichsinsignien hervor. Im unteren Fries der Brüstung sieht
man ein Kurbrandenburgisehes Schlachtschiff mit geschwellten Segeln;
links und rechts die Wappen Preussens und Württembergs. Wir
kehren nunmehr zum Treppenflur zurück und steigen au einem lebens
grossen, einen vielarmigen Kandelaber tragenden Edelknaben vorüber,
der auf einer Säule aus grünem Marmor fusst, die mit eichenen
Bohlen belegte, mit einem kunstvoll aus Eisen gearbeiteten Gelände
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