Publication:
1896
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-15365322
Path:

Officielle Äussteliungs - Nachrichten.
II
Punkte, etwa von den Baumschulanlagen des Oekonomierath Späth,
aus die junge Lenzesheniichkeit überschauen will, einen Stütz
punkt; Wiesen und Beete, blühende Bäumchen und kräftige Alleen
bauen sich in malerischen Gruppen — nur durch die unkünstlerische
lange Linie des weissen Zeltdachs der Wandelbahn unangenehm
gestört — weithin auf, bis ihnen am westlichen Horizont die
weissen Flächen der Ausstellungspaläste einen stimmungsvoll ab- >
tonenden Abschluss bieten.
Für unsere genialen Landschaftsmaler, für einen Walther
Leistikow, einen Lesser Uiy, einen Heitmann und wie sie alle :
heissen mögen, ist ein lohnendes Arbeitsfeld entstanden. Einzelne
Ausblicke am Ufer des Karpfenteichs, am Strande der Spree, in
den Laubgängen der Gatten, auf der Verbindungsbrücke nach dem
Vergnügungspark, und vor allein auf der Terrasse des Thurm-
restaurants sind von unsäglichem, neuartigem Reiz. Be
sonders in der bunten Beleuchtung des Sonnenunter
gangs bieten sieh dem Auge Bilder von so vollendeter Schönheit,
dass sie den Vergleich mit den ' berühmten Landschafts -Bildern
ferner Länder getrost aushalten können. Wer um diese Zeit —
gegen acht Uhr -— sich im Boot auf den See hinausbegiebt, sieht
den Sonnenball links von dem Hauptgebäude blutroth hinter die
Wipfel hinabsinken; zugleich umloht ein lichtrother Schein —
— ähnlich dem Alpenglüh’n — die weissen Terrassen und den Wasser-
thurm, an dem das Licht langsam immer höher steigt. Aus den
Fensterscheiben und aus den Wellen desSees funkeln die letzten Strahlen.
Dann zerfliesst die Gluth über den ganzen westlichen Horizont; immer
schärfer und riesiger Indien sich die Konturen des Industriepalastes und
seiner Thürme von dem lichten Hintergrund; zugleich färbt sich
das Firmament in allen Farben des Regenbogens; in blau, lila,
orange, roth getauchte Wolkenschleier dehnen sich, ziehen und zer-
flattern über den rothen Festungszinnen Alt-Berlins; die dunkel
scheinenden Wipfel schwimmen jetzt ein Weilchen in warmgetöntem
Goldblau, dann steigt die Dämmerung empor, ein kühler
Windhauch fegt über die sich kräuselnde Flut, und dunkel
breitet sich die Nacht weithin über Wiesen, Wipfel und Gewässer.
Ein Wettsegeln zu Ehren der Berliner Gewerbe-
Ausstellung findet am 31. d. Mts. aut dem Müggelsee statt. Der
Vorstand des »Berliner Yacht-Club« schreibt uns: »Die Wettfahrt
war erst auf 11 Uhr angesetz, jedoch in Folge einer Anregung
des-Kaisers gelegentlich der Antwort auf unsere Einladung ver
legten wir den Beginn der Wettfahrt auf 1 Uhr Mittags. Da es
besonders unser Bestreben ist, den Berliner Segelsport nicht nur zu
ibidem, sondern auch zur Zeit der Berliner Gewerbe-Ausstellung
würdig durch Extra-Veranstaltung einer Regatta zu repräsentiren, so
haben wir zum Wettbewerb ausser dem Wanderpreis des Berliner
Yacht-Club noch den .uns vom Kaiser Wilhelm II huldvollst ver
liehenen Ehren-Wanderpreis gestellt.«
. . © - '
Der Trabrenn-Verein Berlin- Westend hat in der
Sport-Halle seine diesjährigen Ehrenpreise für das. Meeting am
20. Mai und frühere Ehrenpreise ausgestellt. Das Glanzstück
dieser Sammlung ist eine grosse. Silberbowle in Rococostil mit ge
triebener Blumenornamentik. Aehnliche Ausführung zeigen ein
hoher Silberbecher, eine grössere und eine kleinere Schale sowie
sechs Trinkbecher. Eine herrliche Bronzearbeit ist ein hoher alt
deutscher Becher, theilweise mit Email verziert. Der reiche
Wappen- und Figurenschmuck lässt die Anlehnung an ältere Muster
erkennen. Ein kostbares Stück der Sammlung ist ferner ein
Champagnerkühler in Silber mit drei Henkeln aus Nilpferdzähnen,
der als Ehrenpreis beim Blumencorso am 20. Mai vergeben
werden soll. Auch 1889er und 1873er Preise sind hier auf
gestellt, unter Anderem ein kostbares Theeservice, mehrere Schalen
und Becher, die zusammen mit den oben angeführten Ehrenpreisen
einen Silberschatz von hohem Werth repräsentiren.
V
Im Hofe der grossen Maschinenhalle wird noch
fieberhaft gearbeitet, noch treffen täglich grosse Maschinentheile ein,
zuweilen auf eigens hierzu erbauten Wagen von grosser Tragfähigkeit.
Massige Schwungräder und grosse Dynamos werden abgeladen und
durch Walzen, Balkenwerk, Hebewerken, Winden und Flaschen
züge in die Halle .befördert; zuweilen zerknicken unter den wuch
tigen Lasten die Balken wie Zündhölzer. Holzwollen, volle und
leere Kisten, Ketten, Balken, Nietbleche liegen und stehen
umher. Dampf- und Wasserleitungen werden gelegt, in
breiten, gemauerten Backsteinkanülen liegen die dicken, mit
Wärmeschutzmasse umhüllten Dampfzuleitungsrohre neben einander,
aus den Kanälen für Abgangsdämpfe steigt brodelnder Dampf auf
oder findet den Weg durch ein Steigrohr aus Eisenblech in die
Luft. Hier wird ein Graben ausgeworfen, dort einer gefüllt,
Arbeiter stampfen und walzen die Zugangswege. Die hier befind
liche Borsigmühle ist täglich von vier bis fünf Uhr im Betriebe.
Hinter dieser und dem Kesselhause arbeiten die Feldschmieden.
Ein hübscher Treppenaufgang zum Kesselhause wird jetzt herge
stellt, über welchen die Besucher auf eine mitten durch das Kessel
haus führende Laufbrücke gelangen. Unten liegt die Feuerung,
ihr gegenüber die Kessel mit längeren oder kürzeren Laufbrücken
für die Bedienungsmannschaften. Wir finden hier vier Borsig’sehe
Kessel, einen von Petry-Dereux-Düren, einen von Leinhaas-FreD
borg i. S., einen Patentwasserrohrkessel von Simonis & Lnng-Frank-
furt a. M. von zwölf Atmosphären Druck und 247 Quadratmetern
Heizfläche, einen Kessel der Petzold-Company, Berlin-Inowrazlaw-
London, einen von Walter & Cie., Kalk bei Köln, und zwei von
Steinmüller-Gummenbach. Einzelne Kessel sind noch ausser Be
trieb. In der Maschinenhalle waren Montag Vormittag sieben
Dampfmaschinen in Thätigkeit.
9
Feuer in der Ausstellung. Gestern (Montag) Vor
mittag 10V* Uhr berührte ein Junge in der Maschinenhalle beim
Putzen mit einem metallenen Gegenstand einen elektrischen
Leitungsdraht. Sofort entstand eine Flamme, welche eine hölzerne
Trennungswand in Brand setzte. Das Feuer wurde indess schnell
gelöscht, und beträgt der entstandene Schaden nur wenige Mark.
Immer aber wieder sind es die elektrischen Leitungen, durch welche
diese kleinen Schadenfeuer in der Ausstellung entstehen. — Abends
7 Uhr entstand blinder Feuerlärm. Die Feuerwehr wurde durch
einen der Feuermelder nach der südlichen Seitenhalle des Maschinen
gebäudes gerufen, doch war trotz umfassender Untersuchungen nirgends
ein Feuer zu entdecken. In ähnlicher Weise wurde die Feuerwehr
schon mehrmals dupirt, so dass die Vermuthung nahe liegt, dass
zu den Feuermeldern Nachschlüssel existiren, die von gewissenlosen
Menschen zur Ausübung gröblichsten Unfugs, benutzt werden.
9
In der Unfall-Station wurde ein Arbeiter behandelt,
der bei der elektrischen Rutschbahn »Nordpol« aus einer Höhe von
fünf Metern herabstürzte, wobei ihm der Oberschenkel geknickt wurde,
auch erhielt er schwere Risswunden, Quetschungen und eine Ver
letzung am Auge. Fenier wurde die Verrenkung der rechten
Schulter eines Arbeiters behoben, ausserdem kamen neun leichtere
Fälle vor. — Die Sanitätswache hatte zwölf leichtere Fälle zu
behandeln.
a) In der Ausstellung.
Spaziergänge in Kairo.
Alt-Egypten.
[Abdruck untersagt.]
Zu den Eroberungen, die der grosse Napoleon im Drange
seines genialen Unternehmungsgeistes gemacht hat, gehörte auch
Egypten. Wenn er selbst freilich den heissen Boden schnell und
heimlich verlassen musste und sein Stellvertreter vor der Ueber-
maclit der britischen Flotte und des türkischen Heeres bald das
kaum gewonnene Land wieder preisgab, so hat er das, was er mit
seinen Kameelritten das Nilthal hinauf neu entdeckte, das Land der
Pharaonen und Ramsessiden, erobert. Dahin hat Bonaparte der
Wissenschaft die Wege gewiesen. Seitdem bemächtigte sich die
gelehrte Forschung des neuen, fremden Gebietes; sie wühlte mit
emsigem Spaten im Wüstensande, legte die. verschütteten Kolosse
uralter Cultus , blos und brachte helles Licht, in‘die versteckten dunklen
Top of page

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.