Publication:
1896
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-15365322
Path:

13
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Officielle Aussteltangs - Nachrichten.
die für jede Fingerweite passen, ferner Monogramme, Namenszüge
in Silber und Gold u. A. — Ein Glasschleifer schleift mittels rotirenden
Knpferrädchens vor unseren Augen jedes gewünschte Monogramm,
Namen oder Zeichnung in Gläser, die gern als Andenken gekauft
werden, auch eine Gravirmaschine mit Elektromotoibe trieb befindet sich
hier. Eine zweite Glasschleiferei hat sich in derNähe der Bodega etablirt.
Nebenan sind junge Mädchen mit der Anfertigung kunstvoller Draht
arbeiten beschäftigt, sie fertigen mit verblüffender Schnelligkeit binnen
wenigen Minuten Broschen, Nadeln, Agraffen, Schmetterlinge etc.
mit und ohne Malerei, auch grössere Sachen wie Blumenkörbchen,
Attfapen, etc.; ein kleiner Laden, in dem eine Glasspinnerin Glas
blumen und Glasgespinnste anfertigt, vervollständigt die Stätten von
Kunst und Handwerk in Alt-Berlin.
V
Das erste grosse römische Feuerwerk in den
Marine-Schauspielen findet nach neuerer Bestimmung am
Dienstag, 26. ds. Mts., also am dritten Pfingstfeiertag, statt.
Die Vorbereitungen zu demselben sind soweit gediehen, dass der
Termin nur bei dem uns leider jetzt zu sehr bekannten, ungünstigen
Wetter verschoben werden könnte. Das Feuerwerk der »Girandola«
schliesst sich unmittelbar an die Abend-Vorstellung der Marine-
Schauspiele an und wird ungefähr eine Stunde dauern.
ist in diesem Thal immer rein und klar, mag’s auch draussen im
Treptower Park in Strömen regnen; und durch die den Wagen
überdeckenden Blendschinne, welche alle künstlichen Hilfsmittel
dem Auge des Besuchers verdecken, wird die Illusion noch be
deutend verstärkt.
Auch bei den am Sonntag Vormittag vorgenommenen Wieder
holungen der Probefahrt functionirten die Apparate tadellos und
es ist somit diese interessante Sehenswürdigkeit der
Gewerbe-Ausstellung endlich für den Verkehr eröffnet. Auch
die Umgebung des Tiroler Schlosses hat durch die Anlage einer
Umfassungsmauer, durch welche ein massiges Thor hindurch-
führt, einen wirkungsvollen, naturgetreuen Abschluss erhalten»
die überlebensgrosse Gestalt eines Tiroler Bergkraxlers, in
flotter Manier auf die Mauer gepinselt und mit der Unterschrift
»Zillerthal, du bist mei Freud’!« versehen, begrüsst den Ankömm
ling, und eine seitwärts an der Bergschlucht angebrachte Tafel
»Eintritt verboten,« scheint sehr klug den Eigensinn der Bergfexen
herauszufordern, welche bekanntlich die verbotenen Wege vorziehen.
Elektrischer Aufzug und Thalbahn, welche auch jedes für sich be
nutzt werden können, waren am Sonntag Nachmittag unablässig von
dichten Menschenmassen umlagert, die mit Sehnsucht die nächste
Auffahrt abwarteten.
Die Zwölf-Apostel-Uhr, die im Vergnügungspark
ihre Aufstellung gefunden hat, zählt jedenfalls zu den interessantesten
Arbeiten auf dem Gebiet der Uhrmacherkunst, die sich freilich
heute in ihrer Technik so glänzend vervollkommnet hat, dass die
weltberühmte Uhr des Strassburger Münsters, um deren Ent
stehung sich ein ganzer Legendenkreis wob, längst kein Unicum
mehr ist. Auch der Schöpfer des hier ausgestellten Werkes, der
bayerische Hofuhrenmacher Gustav Speckhart, darf sich zu den be
deutendsten Künstlern- seines Faches zählen; ist doch seine Zwölf-
Apostel-Uhr ein würdiges Pendant zu dem Strassburger Werk.
Speckhart’s Arbeit zeichnet sich durch automatisches Figuren
werk aus und durch vorzüglich gearbeitete, bewegliche
Gruppen, welche anschaulich die Leidensgeschichte Christi vor
führen. Das in Chicago mit sechs Preisen prämiirte Kunst
werk (drei derselben entfielen auf den Uhrmacher, je einer
auf den Bildhauer, Architekten und Schreiner) ist nahezu fünf
Meter hoch und in reinster, feingegliederter Gothik gearbeitet.
Dis ausserordentlich figurenreiche Gehäuse ist ein Meisterstück der
Holzbildhauerei, das Werk der Uhr eine Schöpfung allerersten
Banges. Der hochinteressante, kunstvolle Mechanismus bewegt die
neun Stationen der Passion in ausserordentlich schön gearbeiteten
plastischen Gruppen mit beweglichen Figuren, die, in elektrischer
Beleuchtung erstrahlend, einen um so weihevolleren Eindruck
machen, als die musikalische Begleitung, die ebenfalls von dem
Werk selbst herrührt, eine sehr stimmungsvolle ist. Die mecha
nische Einrichtung der Uhr enthält dreizehn stark gebaute Uhr
werke, wovon eins der Musik, neun der Gruppenbewegung, eins
dem Hahnenschrei, die übrigen dem Stunden- und Viertelstunden-
Schlagewerk dienen. Die Tages- und Nachtzeit wird durch eine
sich drehende Kugel, der Anfang derselben durch einen
laut krähenden Hahn angezeigt. Die ganze Vorführung des Pracht-
werkes mit allen seinen mechanischen Vorgängen dauert 10 bis
12 Minuten.
V
Die Zillerthalbahn ist seit gestern (Sonntag) Nachmittag
eröffnet! Die erste Probeauffahrt mit elektrischem Betrieb hatte
die (Zillerthal-) Bahn im Alpen - Panorama Sonnabend glücklich
bestanden. Von sechs Uhr Abends an waren Versuche gemacht
worden, die mit der entsprechenden Personenzahl belasteten
Waggons in Bewegung zu setzen. Sämmtliche »Alma-
deamdeln« und ein Theil der berühmten Schuhplattler-
Gesellschaft von Thomas Madl aus Garmisch-Partenkirchen
hatten die elegant gebauten, nach einer Seite ganz offenen Aussichts
wagen besetzt, deren Bänke, um jedem Passagier freien Aus
blick zu ermöglichen, in der Längenachse der Wagen stehen.
Ruhig und sicher setzte sich der mit 52 Personen be
lastete Wagen in Bewegung und beförderte die über die vorgesehene
Zahl von 40 weit hinausgehende Gesellschaft bis zu dem Schacht,
in welchem sich der elektrische Auszug befindet. Die Aussicht
b) In Berlin.
Die Jubiläums-Ausstellung.
Von Wolfgang Kirchbach.
[Abdruck untersagt.]
III.
Ein feines Plein-air herrscht in dem Gouache-Bilde »Die heilige
Elisabeth im Walde rastend« von Hans Looschen. Stimmungsvoll
und woldbegründet ist der blaue Ton, in dem das ausdrucksvolle
Ganze schwebt und der Berliner Impressionismus stellt sich hier
wie bei Dettmann von seiner künstlerischsten Seite dar. — Gänz
lich missrathen muss man das Bildniss der Kaiserin nennen,
welches A. v. Werner ausgestellt hat. Kälter, empfindungs
loser kann man wohl überhaupt nicht malen, als es hier ge
schehen ist; es waltet eine Leere der Beobachtung und der
Modell!rung, eine Unwahrheit des Lokaltons, die es für weiser würde
haben erscheinen lassen, dieses Bild überhaupt nicht auszustellen.
Eines der grössten Meisterstücke der Berlinischen Bildnissmalerci
giebt dagegen den Kopf gerade des Meisters wieder, der das vor
genannte Werk verschuldet. Max Koner hat Herrn von Werne»
gemalt. Die Vornehmheit des zarten, grauen Tons, in dem
der Kopf zusammengebracht ist, die Echtheit des Fleisch
tons, der ganz van Dykisch ausgefallen ist, machen
dies Portrait zu einem der besten auf der Ausstellung
Es ist weicher und mit grösserem Feingefühl modellirt, die Formen
und Ausdrucksmittel sind mit dem Pinsel in grösserer Sicherheit
der anatomischen Structur nachgeführt, als man es selbst bei Koner
bisher gewöhnt war. Um gleich ein anderes Berliner Bildniss
bester Art hierbei zu nennen, sei auch das »Herrenbildniss« von
Lepsius erwähnt, das in einem zarten, grauen Silbertoue aus
geführt ist und aus diesem heraus die übrigen Farbenwerthe
bestimmt. Der aristokratische Kopf des unbekannten Modells ist
mit grossem Formenbewusstsein und in einer sehr artigen Manier
plastisch herausgebracht und mit einer gewählten Charakteristik vor
getragen. Zu denjenigen, die Berlin im Wettbewerb der Künstler-
schäften Europas am würdigsten vertreten, gehört Hugo Vogel.
»Mutter und Kind in der Laube« ist ein mit modernen Augen
gesehenes, sehr liebenswürdiges Bildchen. Das Kleine hat einen
Verweis erhalten und senkt verschämt die Augen, auf dem Arm
der Mutter sitzend. Und der Kopf dieser blonden Mutter wirkt mit
sonnigen Malmitteln, in vollem Licht bei trefflicher Wahrung aller
Formenwerthe, sehr anziehend in Ausdruck und Mienenspiel. Wir
lieben diese discrete Art, die Mimik auf ihren feinsten Zuckungen zu
ertappen. Auch hierin haben moderne Künstler manchen grossen
Fortschritt gemacht aus der holzschnittartigen Mimik heraus, mit
der z. B. der Meister A. von Wemer noch seine historischen
Charaktere — seine Verdienste sonst unbeschadet — zeichnet
»Abendfriede« von Hugo Vogel ist nicht minder ein sehr duftig
und fein gestimmtes Bild; wie die Mutter mit dem Töchterchen
vor dem abendlich erleuchteten Fenster des Gartenzimmers auf der
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