Publication:
1896
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-15365322
Path:

12 Officielle AussteHungs-Nachrichten.
uns einen solchen bestellen müssten, so würden wir einer
abgebrochenen Säule den Vorzug geben, wie sie die Saalburger
Marmorwerke hier verlockend zur Schau stellen. Aber unser
Geschmack ist nicht maassgebend und, wer die Billigkeit vorzieht,
dem empfehlen wir die nachempfundenen Betonmassen, theils Granit,
theils Sandstein darstellend, wie sie im Zierhof der Gruppe III zur
Schau stehen. Ja, es giebt sogar Kunststeinmarmor, der ohne
Zweifel wegen seines Gehaltes an Kieselsäure gegen den Einfluss
der Feuchtigkeit und des Frostes, sowie der atmosphärischen Kohlen
säure widerstandsfähiger ist, als der simple Naturmarmor. A. Koch
stellt davon einen ganzen Pavillon aus, ebenso die Gesellschaft
Ischyrota im Bauhof der genannten Gruppe. An Auswahl ist
naturgemäss kein Mangel in einer Stadt, wo täglich doch ungefähr
für nahezu hundert Leute eine geeignete und würdig ausgestattete
Unterkunft unter der Erde beschafft werden muss. Danken wir
den genannten und ungenannten Firmen. Sie meinen es gut mit
uns. Nur möchten wir sie bitten, uns noch recht lange mit Ihren
Diensten, soweit sie mit unserer monumentalen Verherrlichung post
mortem in Beziehung stehen, zu verschonen. Wir haben mancherlei
Mängel, aber Streber nach posthumen Ehren sind wir nicht.
V
Die Leibpferde, die von den Mitgliedern der Kaiserlichen
Familie benutzt werden, sind in der Sporthalle in zehn Aquarell
bildern abgebildet, die ein Fräulein v. Schulz-Dratzig gemalt hat.
Ausser dem Leibpferde des Kaisers und der Kaiserin findet man
hier auch das Leibpferd des Kronprinzen »Junger Herr«, das von
ihm in Plön benutzt wird. Auch der Dogcart des Kaisers mit
dem Dogcartpferd »Bob« ist hier im Bilde zu sehen.
9
In der Unfall-Station wurden 8 leichtere, in der
Sanitätswache 6 ebensolche Fälle behandelt, unter letzteren
eine Contusion des linken Unterarms, die sich eine Besucherin der
Gewerbe-Ausstellung zugezogen hatte.
a) In der Ans Stellung.
Vorträge in der Ausstellung.
Die Aufgaben des deutschen Turnens.
Vortrag des Herrn Dr. med. Angerstein.
Die Lebensaufgaben des deutschen Turnens sind in dem ersten
Buch über Gymnastik niedergelegt, welches im Jahre 1816 erschien
und die beiden Schöpfer des Turnens Jahn und Eiselen zu Ver
fassern hat In demselben wird als Hauptaufgabe die Wieder
erlangung der verloren gegangenen Gleichmässigkeit des Leibes und
der Seele hingestellt. Die Ausführungen in diesem Werke sind
aus dem einfachen Grunde interessant, weil sie neben den Ansichten
über die damaligen Verhältnisse eine Probe der kernigen Sprache des
Turnvaters Jahn gegeben. Dem Turnen wird eine erziehliche Bildung
des menschlichen Körpers zugewiesen und zwar beider Seiten des
menschlichen Wesens, Leih und Seele, welche in engem Zusammenhang
miteinander stehen. Diese Wechselwirkung zwischen Leib und
Seele ist eine in ihren Aeusserungen ganz eigenthümliche, wie
jeder wohl an sich selbst erfahren hat. Wenn man beim Turnen
von Leibesübungen redet, so ist eine alleinige Thätigkeit des
Körpers vollkommen ausgeschlossen, da auch die Seele in Thätig
keit treten muss. Es ist aber kaum festzustellen, wo die Thätig
keit des Leibes aufhört und die des Geistes anfängt. Ein sehr
gutes Beispiel liegt in der Uebung, einen Arm in horizontaler, den
anderen in verticaler Richtung zu bewegen. Nur mit Aufbietung
der Willenskraft wird es gelingen, diese Uebung tadellos aus
zuführen.
Das Wesen des Turnens ist trotz der Einführung desselben
In die breitesten Volksschichten nur Wenigen bekannt. Aussprüche
von »brotloser Kunst« u. dgl. gehören heute freilich zu den Selten
heiten, aber trotzdem glauben fast alle, welche sich mit der Frage!
des Turnens beschäftigt haben, die Erziehung zur Wehrhaftigkeit
sei das hauptsächlichste Ziel. Wenn auch das Turnen geeignet
ist, die Wehrhaftigkeit eines Volkes zu begründen und zu erhöhen,
so ist diese Eigenschaft doch verschwindend gegenüber den ideellen;
Zielen. Wozu wird sonst das Mädchenturnen oder das Turnen
in Taubstummen-Anstalten geübt? Gerade für die Taubstummen
ist das Turnen von hervorragender Wichtigkeit, da durch dasselbe
die Lungen und folgerichtig die Athmungsorgane gestärkt werden..
Vor allem aber dient das Turnen dazu, den Muth im Kampf um'si
Dasein und mit der Misere des Lebens zu stählen und ein Geschlecht
zu erziehen, welches gewappnet ist gegen innere und äussere!
Anfechtungen. 1
Neben diesen Wirkungen des Turnens auf den Körper sind
die psychischen Einflüsse beachtenswert!!, denn einmal muss die Auf
merksamkeit angespannt werden, um eine Uebung aufnehmen zu ;
können, dann aber müssen die Uebungen ans die Bewegungssphäre ]
übertragen werden. Auf diese Weise wird Aufmerksamkeit, Willen,
Thatkraft und Schlagfertigkeit geweckt und gestählt, doch soll der
Turner nie tollkühn sein, sondern stets solche Uebungen wählen,
welche das Ziel nicht aus dem Auge lassen.
Die Turnübungen sollen gemeinsam ausgeführt werden, wenn
auch die Zimmergymnastik nicht zu verwerfen ist, da nur durch 5
die Gemeinschaftlichkeit der Uebungen die rechten Ziele erreicht ,
werden können. Wie beim Spiel die Unterwerfung unter die Spiel- i
regeln Haupterforderniss ist, so. muss auch beim Turnen ein Leiter
sein, dessen Führung sich Alle unterordnen.
Das Turnen muss das Eigenthum Aller werden und dazu ist j
die beste Gelegenheit geboten, denn es lässt sich billig ausführen
und man bedarf keiner grossen Hilfsmittel. Wenn aber Jeder den
Muth haben soll, sich am Turnen und an turnerischen Uebungen
zu betheiligen, so darf man dem Neuling keine zu schwierigen
Uebungen vorführen, wie es häufig bei den Schauturnen geschieht.
Durch complicirte Uebungen wird Mancher abgeschreckt, sich dem
Türmen hinzugeben.
In den Schlussausführungen berührte der Vortragende die Unter
schiede zwischen dem Sport und dem Turnen und die eigenartige
Stellung, welche die Turner einzunehmen bestrebt sind. Er legte
die Gründe dar, weshalb die Turner die Bezeichnung »Sport« für
ihre Uebungen mit aller Entschiedenheit ablehnen. Wenn auch
diese Ausführungen nicht geeignet waren, allseitige Zustimmung zu 1
finden, so darf man doch nicht alle Gründe für eine Trennung von
Turnen und Sport von der Hand weisen, uns scheint aber der
Sport zur Zeit noch so sehr entwickelungsbedürftig, dass wir für die
nächste Zeit die Frage über die Stellung des Turnens zum Sport
und umgekehrt als eine offene betrachtet wissen möchten.
Die leider nicht zahlreich Erschienenen folgten dem Redner mit
regem Interesse und belohnten die klaren Ausführungen mit leb
haften Dankesbezeugungen.
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Die Bogenlampen-Träger an den Ufern des Neuen
Sees, erhalten jetzt reich ornamentirte Sockel, welche bei den Trägern
an den Landungsplätzen der Gondeln noch auf einer Stufenunterlage
ruhen.
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Kunst und Handwerk in Alt-Berlin werden durch
eine Reihe von Werkstätten im Betriebe in anschaulicher Weise
charakterisirt. In der Georgenstrasse finden wir eine Brandmalerei,
die rach vorgezeichneten oder aufschablonirten Vorlagen die Conturen
mit glühenden Stiften nachzieht; so sieht man hier Teller, Photo-
graphieen, Rahmen, Wandschmuck, Uhrgehäuse, Visitenkartenschalen,
Bierkannen und verschiedene andere Sachen mit Brandmalerei ver
zieren, aber auch grössere Möbel, wie Pulte, Gartenbänke und Tische.
Gegenüber ist eine Werkstatt für Lederseimitt und Lederpunz-
arbeiten, in der nach streng heraldischen Vorlagen Tapeten, Mappen,
Büchereinbände etc. von mehreren jungen Mädchen hergestellt j
werden, eine braune Gassette ist so täuschend nachgeahmt, dass man j
meint, sie sei aus Holz geschnitzt; über dem Kamin sind alte Kunst
werke und Antiquitäten, echt und imitirt, uralte Becher und GcfässC
aus der Zeit, in der das Innungswesen in höchster Blüthe stand,
aufgestellt. Auch eine Elfenbein - Schnitzerei und -Dreherei finden
wir in der Georgenstrasse. In einer Goldschmiede-Werkstatt werden
patentirte, verstellbare sogenannte AussteHungs - Ringe angefertigt,
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