Path:
Volume Nr. 13, 25. April 1896

Full text: Officielle Ausstellungs-Nachrichten (Public Domain) Issue1896 (Public Domain)

Gffi'cieile Äussteüungs-Nachrichten. n 
er verfiel seiner Leidenschaft stets von neuem und war schliesslich 
unfähig, überhaupt etwas anderes zu thun, als mit vorgehaltenem, 
blauem Taschentuche in den Strassen herumzulaufen und verstohlen 
zu betteln. Bekam er Geld, so beschaffte er sich sofort sogenannte 
■» Hoftmann stropfen «. 
Vom „Jurken-Willem“ erzählt uns eine »TJrberlinerin«, 
die ihn eine entschwundene Grösse nennt: »Jurken-Willem« liess 
in den sechziger Jahren auf den Höfen Berlins mit mark 
erschütternder Stimme sein »Saure Jurken, saure Jurken, zwee 
droschen de halbe Mandel« erschallen. Er war eine imposante, 
fast männlich schön zu nennende Erscheinung von beinahe 2 m 
Länge. Das Schönste an ihm aber war sein pechrabenschwarzes, 
wie Oel glänzendes, gewichstes Haar, das zu beiden Seiten der 
Schläfen, dicht über den Ohren zu zwei' länglichen Bollen höchst 
kunstfertig toupirt war. Der »Jurken-« auch der »schöne Willem« 
genannt, war beim weiblichen Dienstpersonal sowohl, als auch bei 
den Herrschaften eine allezeit willkommene und gern gesehene 
Erscheinung, da seine Waare als billig und von besonderer Güte 
bekannt war. 
V 
Der Besuch von Alt-Berlin, so schreibt uns die 
Direction, ist ein ganz ausserordentlicher und steigt und fällt im 
allgemeinen mit dem Besuche der Ausstellung. Am Himmeltahrts- 
tage waren ca. 16 000 zahlende Besucher dort. Die grossen 
costümirten Aufzüge finden Nachmittags um 5 Uhr und Abends 
um 9 Uhr statt und vereinigen stets ein ausserordentlich an 
geregtes und befriedigtes Publikum. Das Kestaurationswesen 
in Alt - Berlin namentlich in Bezug auf die Ausstattung des 
Rathhauskellers ist ein solches, wie es unter den ähnlichen 
Etablissements kaum etwas gleiches an die Seite zu stellen findet. 
Man weiss, dass in den guten alten Zeiten auf diese Dinge ganz 
besonderer Werth — ein noch grösserer als heute —- gelegt wurde, 
soweit es sich um Rathhäuser handelte. Mit Rücksicht darauf 
hat denn auch der Pächter des Rathhauskellers in Alt-Berlin etwa 
216 verschiedene Sorten alter Weine dort aufgestapelt. 
V 
Die Strassenbeleuchtung auf den Plätzen von 
Alt-Berlin wird durch Laternen von alterthümlicher Form ver 
mehrt. Die Einwohnerschaft der Plätze von Alt-Berlin ist ob dieser 
neuen und verbesserten Auflage der Beleuchtung hoch erfreut. 
V 
Drei Bettelvögte sind jetzt in Kairo von der Direction 
des Unternehmens angestellt worden, um dem Betteln der Araber 
ein Ziel zu setzen. Es sind überall Placate angebracht, durch welche 
das Publikum ersucht wird, keine Trinkgelder zu verabfolgen. Die 
Direction hat auch über die Egypter verschiedenfach wegen Betteins 
Geldstrafen bis zu fünf Francs verhängt. Die Direction aber kann 
mit ihren aufrichtigen Bemühungen, eine Belästigung des Publikums 
zu verhindern, und mit ihrer Bekämpfung des Betteins nur Erfolg 
haben, wenn sie vom Publikum unterstützt wird. Leider drängte 
ein gewisser Theil des Publikums den Egyptern Trinkgelder geradezu 
auf und ist so selbst Schuld daran, dass die Mehrheit der Besucher 
sich über den Bettel mit Recht beschwert. 
V 
Eine drifte Musikkapelle in Kairo concertirt vom 
heutigen Tage an. Da die Hauskapelle (Dirigent Christami) die 
Musik-Begleitung zu den Festspielen in der Arena übernommen 
hat, wird das neuengagirte Musik-Corps, welches Herr Kapell 
meister Thiele dirigirt, auf dem Pyramidenplatz spielen. 
V 
Das Panorama der Khalifengräber von Kairo 
ist gestern (Sonnabend) Nachmittag fertiggestellt worden und von 
heute an für das Publikum zu sehen. Zur Informirung der 
Besucher sei bereits heute über die Lage und die Bedeutung des 
Panoramas das Nöthigste mitgetheilt. Im Inneren der Moschee 
Kait Bey, deren Thor schräg gegenüber dem grossen Eingangsthor 
Kairo’s Bah el Futüh auf einer sanften Anhöhe sich befindet, 
breitet sich zur linken im Halbkreis das grosse, nach Zeichnungen 
des Malers Lehmann ausgeführte Gemälde aus, welches in ungemein 
lebensvoller Weise eine der interessanten Partleen Kairo’s wiedergiebt. 
Wie in den Pyramiden die Gräber der alten Könige, so sind auf 
diesem pittoresken Friedhofe die Grabdenkmale und Moscheen 
zahlreicher arabischer Khalifen und Mamelukenkönige ver 
einigt. Auf einem weiten, an niedrige Hügelketten grenzenden 
Felde in der Umgebung der alten Moschee Kait Bey sind in 
malerischen Gruppen eigenartige Baudenkmale — maurische mit 
arabischen Zeichen bedeckte Kuppeln auf eckigen, nach oben stufen 
förmig sich verengernden Postamenten — errichtet; in diesen be 
finden sich die Gräber, welche ehemals durch eigene Wächter 
gehütet wurden. — Viele Orientmaler haben sich schon an der an 
ziehenden Aufgabe versucht, die geheimnissvolle Todtenstadt, über 
deren weissen Bauten der ehern blaue Himmel sich ausspannt, auf 
die Leinwand zu bannen, aber beim Anblick des eben beendigten 
Kunstwerkes drängt sich die Ueberzeugung auf, dass ein derartiger 
Vorwurf anscheinend nur in der Panoramenform befriedigend gelöst 
werden kann. 
b) In Berlin. 
Die Direction des „Olympia - Riesentheater“ weist 
nachdrücklich darauf hin, dass der Beginn der am Dienstag, 
19. d. Mts., stattfindenden Eröffnungs-Vorstellung ausnahms 
weise um 7'/z Uhr Abends stattfindet, während die ferneren Auf 
führungen des Ausstellungsstückes »The Orient« täglich zweimal, und 
zwar präcise um 5 Uhr Nachmittags und um 9 Uhr Abends beginnen. Die 
Theaterkasse für den Vorverkauf zu der Eröffnungsvorstellung 
ist von Montag ab von 10 bis 1 Uhr Vormittags und 3 bis 6 Uhr 
Nachmittags geöffnet. Der Beginn des Garten-Concertes, welches bei 
günstiger Witterung stattfinden soll, ist auf 6 Uhr Abends festgesetzt. 
Für die weiteren Aufführungen wird die Theaterkasse von 10 bis 
1 Uhr Vonnittags und von 3 bis IQ Uhr Nachmittags geöffnet sein. 
V 
Der Spielplan des „Deutschen Theater“ bringt, um dem 
fortdauernd grossen Andrang zu »Lumpacivagabundus« zu ge 
nügen, in dieser Woche Wiederholungen der Zaubeiposse ausser 
am heutigen Sonntag Abend noch am Montag, Dienstag, Donnerstag, 
Freitag, Sonnabend, sowie am nächstfolgenden Sonntag Abend. Am 
heutigen Sonntag Nachmittag werden »Die Weber« gegeben; am 
Mittwoch Abend sowie am nächstfolgenden Sonntag Nachmittag 
kommen die »Stützen der Gesellschaft« zur Aufführung. 
V 
Im Berliner Theater geht heute (Sonntag) Nachmittag 
um Y 2 3 Uhr Ernst von Wildenbruch’s »König Heinrich« in 
Scene, Abends um 1 / 2 8 Uhr wird das mit so vielem Beifall auf 
genommene Lustspiel »Cornelius Voss« von F. von Schönthan 
zum ersten Male wiederholt. Weitere Aufführungen des Schönthan- 
schen Lustspiels finden in dieser Woche statt: Mittwoch, den 20. 
und Sonnabend, den 23. Mai. Montag, den 18., Dienstag, den 19., 
Donnerstag, den 21., Freitag, den 22. (35. Abonnementsvorstellung) 
und Sonntag, den 24. Mai, finden Wiederholungen von Ernst von Wilden 
bruch’s »König Heinrich« statt. In der Montags-Vorstellung 
spielt Herr Hermann Leifier vom Stadttheater in Bremen zum ersten 
Male den »König Heinrich«. Die Freitags-Aufführung findet, 
um einem aus Abonnenten-Kreisen an die Direction des Berliner 
Theaters gelangten, Wunsche zu entsprechen, im Abonnement statt. 
Um aber allen Wünschen gerecht zu werden, stellt die Direction 
des Berliner Theaters es ihren Abonnenten frei, den Bon zur 
35. Abonnementsvorstellung gegen ein Billet zu einer beliebigen 
anderen Wochentagsvorstellung an der Tageskasse des Berliner 
Theaters umzutauschen. Der Umtausch muss spätestens bis Freitag, 
22. Mai, Mittags V2 2 Uhr, erfolgt sein. 
F. B. Besten Dank für ihre interessanten Mittheilungen, die 
wir gern veröffentlichen. Weitere Zusendungen werden uns will 
kommen sein. 
A. St. Mit vielem Dank verwerthet. 
Herrn Hugo D. in Firma BI. & Co. in Berlin. Wir sind 
Ihnen für Ihre hochinteressante Nachricht sehr dankbar, aber sie 
kommt zu spät. Auch die interessantesten Nachrichten haben 
eben ihren Beruf verfehlt, wenn sie zu spät kommen: Man kann sie 
dann nämlich nicht mehr in einer täglich erscheinenden Zeitung ver 
öffentlichen.
	        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.