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Volume Nr. 19, 6. Mai 1896

Full text: Officielle Ausstellungs-Nachrichten (Public Domain) Issue1896 (Public Domain)

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Officielle Ausstellungs-Nachrichten. 
nur unsere Redaction, sondern auch sämmtliche Bureaux der Aus 
stellung stundenlang mit telephonischen Anfragen wegen des Un 
glücks bestürmt wurden. — Der Arbeits-Ausschuss der Gewerbe- 
Ausstellung wird gegen den Herausgeber des Extrablattes, der sich 
als Ad. Wegener, Berlin, Friedrichstrasse 250, bezeichnet, den Straf 
antrag bei der Königlichen Staatsanwaltschaft stellen. 
V 
Incognito besuchte gestern (Sonnabend) der Kronprinz 
von Dänemark unter dem Namen eines Grafen von Kronburg die 
Ausstellung. Ebenso war in strengstem Incognito ein schwedischer 
Prinz anwesend. 
V 
Neue Bauten. Dieser Tage wird der Edison-Pavillon an 
der südlichen Wandelhalle fertig gestellt, ein ziemlich grosser acht 
eckiger Bau mit farbigem Oberlicht. In demselben werden aufge 
stellt werden Kinetoskop, Phonograph Kinematograph, Kinetophon. 
Am Karpfenteich ist mit dem Bau eines Pavillon aus Eisen und 
farbigem Glas begonnen worden. Neben dem Hohenzollemschiff 
errichtet man eine Ausstellungshalle aus Holz für Pumpen; eine 
sogenannte Propfcnmühle, die zur Herstellung von Kohlenstaub dient, 
ist in Betrieb genommen. Das Gebäude befindet sich ebenfalls am 
Hohenzollemschiff. Auf der Treptower-Strasse wurde am Eingänge 
zur Feldbahn-Anlag« tia trimuphbogenartiges, hohes Portal auf 
gestellt. 
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Der älteste Rennpreis der preussischen 
Monarchie, das silberne Pferd, ist jetzt in der Sport-Ausstellung 
ausgestellt. Ein einfacher Silbersockel trägt ein silbernes Pferd. 
Der Metallwerth dieses Ehrenpreises ist gering, dagegen ist der 
historische Werth ein ganz bedeutender. Auf der einen Seite des 
Sockels ist zu lesen: Friedrich Wilhelm, Kronprinz v. Preussen, 
stiftete diese Tafel zur Aufzeichnung einer 100jährigen Reihe von 
Siegen auf der Rennbahn 1832. — Zum ersten Male gewann den 
Preis am 19. Juli 1832 Graf von Plesseu - Ivenack mit seiner 
»Principessa«, zum letzten Male am 8. Juni 1893 Hauptmann 
Spiekermann’s »Frischgesell«. 
V 
In der Sport-Ausstellung locken die grösste Zahl der 
Besucher die von dem Maler E. Koch gemalten Wandbilder an. 
Ihre Popularität verdanken diese Kunstwerke, die in Figuren wie 
in der landschaftlichen Scenerie impressionistische Naturtreue mit 
discreter Farbenmischung und feiner Lichtstimmung verbinden, der 
Portraitähnlichkeit, mit welchen hier die allen Berlinern wohl 
bekannten Gestalten der Rennbahn, die Matadoren der verschiedenen 
Sports wiedergegeben sind. Beim Eintritt in das südliche Thor 
wird der Blick auf das Bild an der linken Wand gelenkt, das 
einen Start auf der Rennbahn zu Hoppegarten darstellt. Da steht der 
Oberlandstallmeister Graf Lehndorf und betrachtet mit Kennerblicken 
das Pferd, das der Jockey eben zum Start reitet. In seiner Nähe 
sieht man den Erbprinzen zu Hohenlohe-Gehringen, den Präsidenten 
des Union-Clubs, ferner die bekannten Sportsmen Fürst Fürstenberg, 
General v. Podbielski und Freiherrn v. Oppenheim. Das Bild an 
der rechten Hallenwand bringt uns die Rennbahn von Carlshorst in 
Erinnerung. Major v. Kramsta und Major v. Heyden-Linden haben 
den Sprang über die Steinmauer bereits gethan, in schneidiger 
Attitüde setzen Lieutenant Graf Lehndorf voml.Garde-Ulanen-Regiment, 
Rittmeister v. Sydow, der bekannte Herrenreiter, Henry Suermont, 
Lieutenant von Kayser von den Zieten-Husaren, Herr von Tepper- 
Laski und der Nestor des Hindernissrenn - Sports Excellenz 
v. Rosenberg, General der Cavallerie, über die Steinmauer, während 
Major v. Schmidt-Pauli, Felix Lund, der als Capitain Joe allen Be 
suchern der Rennbahn wohlbekannt ist, und der Präsident des Ver 
eins für Hindernissrennen Freiherr v. Landsberg dem interessanten 
Reiterstückchen zuschauen. 
Die nördliche Wand der Querhalle, welche die Ausstellung 
des Kaiserlichen Marstalls als Mitteigrappe birgt, zeigt eine Scene 
aus dem Trabrennen für Herrenfahrer auf der Rennbahn Berlin- 
Westend. Im Hintergründe ist der Kaiser-Pavillon mit dem Kaiser 
paar und Herzog Emst Günther von Schleswig-Holstein, dem Ehren 
präsidenten des Trabrenn-Vereins sichtbar. Im Vordergründe stehen 
in zwanglosen Groppen die Mitglieder der technischen Commission 
füy Trabrennen im preussischen Staate Graf August v. Bismarck, Hof 
marschall Freiherr v. Buddenbrook, Rittmeister v. Arnim, Herr 
Ph. Mosino, Gbei Stallmeister Graf Wedel, Herr v. Kuklmann. 
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Zwei Armee-Gewehre, so gross, dass sie zusammen 
mit Seitengewehr und Patronen je unter einer Glasglocke Platz 
haben, sind in der Sport-Ausstellung zu sehen. Die eine dieser 
Waffen ist ein Infanterie-Gewehr 88 in 5 mal verkleinertem Maass 
stabe. Sämmtliche Theile sind mit peinlicher Genauigkeit dem 
Original nachgebildet Zur Anfertigung, einschliesslich der dazu 
nothwendigen Werkzeuge, brauchte der Büchsenmacher des 2. Ba 
taillons des Grenadier - Regiments König Friedrich Wilhelm II., 
1. Schlesisches No. 10, Carl Güntzel in Breslau ca. 4000 Arbeits 
stunden. Die grössten Schwierigkeiten waren bei dem gezogenen 
Laufe und bei der Mehrladevomchtung zu überwinden, da der 
Patronenrahmen und die Patronen bei der geringsten Maassabweichung 
den Gang der Mohrladevorrichtung stören. Neben dem Gewehr liegt 
ein ebenso sauber und genau gearbeitetes Infanterie-Seitengewehr, 
Modell 71, in denselben winzigen Dimensionen. — Unter der anderen 
Glasglocke bat der Büchsenmacher Otto Sabiers vom 1. Bataillon 
des 4. Niederschlesischen Infanterie-Regiments No »• ein gleiches 
Kunstwerk zur Schau gestellt 
V 
Kinder-KIeider. Grossmütterchen aus jener sogenannten 
»Biedermeierzeit*, d. h. jener Zeit nach den Befreiungskriegen, 
wo fast alles schlicht und einfach, ja kahl und ungemüthlich war 
selbst in den Häusern der Vornehmen, Grossmütterchen schüttelt 
den Kopf, wenn die junge Enkelin heut vor sie hintritt, znm Ball 
festlich geschmückt, Wo Grossmütterchen sich furchtbar elegant 
dünkte im weissbunten Jaconetkleid, weissen Strümpfen mit Kreuz 
bändern, ein blaues Band in den Locken, wenn es zum Ball ging, 
da steht heut die Enkelin da im seidenen Gewände, die Taille 
reich mit Crepe-Ausputz garnirt und zum Schutz vor der Kälte giebt 
es den eleganten pelzbesetzten Abendmantel. Aber Grossmüttereben 
bedenkt nicht, wie eben das Bedürfniss nach Luxus nicht 
so auf einmal von selbst gekommen ist, nein, wie es von Generation 
zu Generation mitgewachsen ist, unmerklich, aber sicher, unentbehr 
lich sich zu machen verstehend. 
Schon vom ersten Lebensmoment an um giebt das Kind von 
fin de siede jeder Luxus. 
Die Kinder der Vorfahren, jener Germanen, von denen wir so 
gerne hören und lesen, lagen statt in Wagen und Wiegen und 
in seidenen Kissen in den Schilden der Väter, gebettet auf die 
Felle der erlegten Jagdbeute. Mit Spinnerei, Weberei und Färberei 
kamen dann die verschiedenen Gewänder, — und heut? Heut 
liegt der Säugling in atlasgepolstertem Wagen, der auf Gummi- 
rädern rollt, die Bezüge von Batist sind mit den kost 
barsten Spitzen, der schönsten Stickerei versehen, die Tauf- 
bettchen sind so fein, wie von Spinnweb gefertigt. Unten in der 
Haupthalle des Ausstellungspalastes sehen wir dies alles in reizendster 
Ausführung ausgestellt. Da ist vor Allem ein Tragkleidchen von 
weissem, weichen Gacbemir, reich in Plattstich mit Vergissmeinnicht 
gestickt, ein Mantel, ebenfalls weiss mit Stickerei von Maiglöckchen, 
Wagen- und Wiegendecken, Wagen, Babykörbe, Sehnlichen und 
sonstige Sachen für die Kleinsten und Kleinen. Da sind lose faltige 
Hänger für diejenigen, die schon selbstständig herumlaufen, meist 
in lichten Farben gehalten in Wolle und Sammt mit kost 
barem Ausputz, aber auch schlichte Kleidchen giebt es, wie 
uns jener allerliebste, einem Seestrande nachgebildete Pavillon zeigt, 
wo die Jugend im Sande frohe und kindliche Spiele treibt. Da sehen wir 
reizende Kleider in Kattun und Batist, lose und praktisch gearbeitet, 
um die Arbeit des Wasehens und Plättens zu erleichtern; für die 
Knaben ist immer noch die Matrosenform sehr beliebt, wir sehen 
einen allerliebsten Anzug in Weiss mit lichtblauem Kragen. 
Tanzstundenkleidchen aus bunter Chineseide oder luftigen 
durchbrochenen Stoffen sind ebenso vertreten, wie grosse bunte, 
phantastische Hüte, die entweder eine Art Schute bilden und die 
Kleinen wie aus einem Bilde von Kate Greenaway erscheinen 
lassen, oder einen Kopf aus Strohgefleclit haben, den breite, 
weiss« oder bunte faltige Batistvolants umgeben. Für Schul 
kinder und Backfisehchen sind hübsche gerade Hüte von 
groben Stroh sehr praktisch und elegant, die entweder ganz bunt 
sind, oder einen weissen Kopf zeigen zu einem Rande von braunem, 
blauem oder rothem Stroh. Jedenfalls zeigt die Kinder-Confection
	        
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