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Volume Nr. 29, 16. Mai 1896

Full text: Officielle Ausstellungs-Nachrichten (Public Domain) Issue1896 (Public Domain)

14 Officielle Ausstellungs-Nachrichten. 
Bergriesen zu sein. Wir freuten uns dessen, und auch hier be 
gossen wir, wie einstens in den echten Bergen, in den schmücken 
Wirthschaften den inneren Menschen und machten es uns heimisch 
an der Stätte, die hei Regen und Sonnenschein bleiben wird — 
das nasse Viereck. 
V 
Carl Magenbeck’s Thier - Ausstellung. Gottes 
Thiergarten ist gross, aber Hagenbeck’s Thiergarten ist doch der 
grösste von allen! Die gesummten Thiergärten der Welt sind 
Carl Hagenbeck tributpflichtig, und sein eigener Thierpark in 
Hamburg gehört zu den grössten Sehenswürdigkeiten der Welt. 
Zu den exotischen Sehenswürdigkeiten, welche die Ausstellung der 
Berliner Industrie reizvoll umrahmen, zu dem »Kolonialen Theil«, 
zu Kairo, der Weltmusik u. s. w. bilden die Thiervorführungen in 
Hagenbeck’s grossartigen Etablissements eine sehr willkommene Er 
gänzung. Die Menagerie und Vogelausstellung mit ihren 
seltenen Exemplaren, das köstliche »Affenparadies« mit seinen 
zweihundert auf einem Jahrmarkt sich amusirenden Affen finden 
immer ein sehr dankbares und auch verständnissvolles Publikum; 
aber die grössten Sehenswürdigkeiten und Leistungen ersten Ranges 
bilden Hagenbeck’s »Zoologischer Cirkus« und das »Eismeer- 
Panorama«. 
Die Vorstellungen im »Zoologischen Cirkus« bringen die 
höchsten Errungenschaften auf dem. Gebiete der Thier-Dressur. 
Drei grosse Löwen, zwei selten schöne Königstiger, vier indische 
Elephanten, ein weisserund zwei schwarze Bären, dann Panther,, Doggen, 
Papageien, Äffen und als non plus ultra dressirte Seehunde zeigen 
hier ihre erstaunlichen Künste. Als »Die indischen Rekruten« 
figuriren die dressirten Elephanten im Programm; diese Rekruten 
lässt Herr Julius Wagner vor dem Publikum aufmarschiren, auf 
den Hinterbeinen stehen, auf Tonnen sitzen, über Flaschenhälse 
wandern, Walzer tanzen, schiessen, Gruppen bilden, — ja sogar 
Bicykle fahren! — Alles mit exactester Präcision. . Noch ver 
blüffender wirkt durch ihre Seltenheit die Dressur der Seehunde, 
vorgeführt durch Herrn Capitain Weston. Die plumpen Thiere 
mit ihren kurzen Vorderbeinchen, — die rückwärtigen Extremi 
täten sind in . Schwanzflossen übergegangen, — winden sich mit 
sonderbaren Bewegungen zur Manege herein; für .jeden der 
drei Künstler, deren einer mit einer drolligen Halskrause geziert 
ist und die Rolle des dummen August mit staunenswerther 
Intelligenz durchführt, liegt ein schräges Brettchen da, auf welchem 
sie Platz nehmen; an dem vorderen Rand desselben wird zuerst 
ein Tambourin, dann eine Mandoline befestigt, und mit dem-rechten 
Vorderbein schlagen und zupfen die Seehunde nach dem Takte 
der Musik Trommelfell und Darmsaite. Die Thiere schlossen 
Pistolen ab, rauchen buchstäblich aus Thonpfeifen, und eines ver 
steht sogar, seinen runden Leib .im Walzertakt , zu drehen. 
Den grössten Effect , macht die Schlussnummer,' genannt »Carl 
Hagenbecks Dressur-Wunder«, in welcher sämmtliche wilden Thiere 
zugleich auftreten. Artig und bescheiden setzt sich ein jedes, die 
Löwen und Tiger, Bären und Panther auf das für ihn bestimmte 
Brettchen. und wartet des Winkes von Herrn Heinrich Mehrmann, 
der — bloss mit einer Peitsche bewaffnet, die Bande regiert. 
Von den zahlreichen Kunststücken dieser Artisten-Gesellschüft 
sei hier nur verrathen, dass die schwarzen Bären auf 
dem Fass rollen und über einen schwebenden Balken 
spazieren, dass ein kolossaler Tiger auf • einer sich drehenden 
Kugel balancirt, zwei Doggen abwechselnd über und unter den 
stillstehenden Raubthieren durchspringen, und schliesslich alle 
zusammen malerische Gruppen bilden. Einen ganz prächtigen 
Anblick gewährt der »Triumphzug des Loewen.« Eine römische 
Riga wird in die Manege gebracht, zwei grosse Panther werden 
angeschirrt und ziehen den Wägen, wie man es auf Gemälden vom 
»Triumphzug des Bacchus« sehen kann —, der Loewe betritt den 
rundlichen Wagen und richtet sich hoch auf, ein Purpurmantel 
fliesst von seinen Schultern herab, eine Krone schmückt sein 
königliches Haupt, zwei Doggen nehmen als Lakaien den Rücksitz 
ein, und so geht die stolze Fahrt mehrmals im Kreise herum. 
So lebhaft es im Cirkus zu geht, so vornehm still und weltweit 
ist der Aufenthalt in dem 
Eismeer-Panorama. Künstlich nachgebildete Eisschollen, 
Blöcke, Berge sind in weitem Umkreis um zwei Wasserbecken 
gruppirt, deren eines 25 Seehunden, 50 Möwen und anderen 
arctischen Vögeln, das andere 12 riesigen Eisbären als Wohnort an 
gewiesen ist. Drei Eskimos, zwei Männer und eine Frau, in See 
hundsfelle gekleidet, rothe Juchtenstiefel an den Füssen, halten 
Wache über diese Thier-Kolonie im künstlichen Eise. Gaierieen 
und Grotten sind scheinbar in’s Eis gehauen, aus. denen das Pu 
blikum gefahrlos dem Treiben der Bewohner des äussersten Nordens 
zusehen kann. In stummer Bewunderung stehen die meisten Zu 
schauer vor diesem fremdartigen, imposanten Schauspiel, dessen 
Stille nur manchmal der schrille Schrei der Möwen und Albatrosse 
durchbricht. 
Das Hippodrom im Vergnügungspark, das am 
Himmelfahrtstag von 16 500 Besuchern frequentirt war, umfasst 
eine Fläche von 1600 Quadratmeter und ist nach dem Muster des 
Pariser Hippodroms eingerichtet. Die Reitmanege ist ungefähr so 
gross wie die des Cirkus Renz, so dass in derselben bequem 
16 Pferde hintereinander gehen können. Das Reitmatcrial, als 
32 Pferde, Sättel u. s. w„ ist für die Ausstellung neu beschafft 
worden. Zur Sicherheit des reitenden Publikums reitet bei jeder 
Tour ein geschulter Bereiter an der Tete, welcher die Gangart der 
Pferde bestimmt; während der Reitpausen concertirt eine Militär 
kapelle. . ... ,. 
b) In Berlin. 
f Das Residenz-Theater und das Neue Theater 
haben neben den Königlichen Theatern und dem Schiller-Theater 
einen eigenen Billet-Verkauf in der Ausstellung eingerichtet. 
Derselbe findet von 10 Uhr Vormittags bis 5 Uhr Nachmittags in 
Carl Stangen’s officiellem Verkehrs-Bureau statt. Ein Aufgeld 
wird für die Billets nicht erhoben. 
S 
Olympia-Riesentheater. Da zur Erreichung des exacten 
Zusammenwirkens aller an der Aufführung des Ausstattungsstückes 
»The Orient« betheiligten Factoren sich noch einige Gesammt- 
proben als nothwendig erwiesen, musste die Eröffnungs-Vor 
stellung um mehrere Tage hinausgerückt werden. Diese findet 
nun definitiv am Dienstag, 19. Mai, um 7 */ 2 Uhr Abends 
statt. Die für dieses Werk eigens geschriebene Musik rührt 
von dem italienischen Componisten Giozza her. Die Handlung wird 
mit einem fünfstimmigen, mächtigen Chor eröffnet. Das zweite 
Bild (die Wüste) enthält verschiedene charakteristische, ein morgen 
ländisches Colorit tragende Nummern. Ein grosser, vom Orchester 
in Verbindung mit Bühnentrompeten ausgeführter Marsch begleitet 
rauschend und festlich den Schluss des Werkes »The Orient« oder 
»Eine Mission nach dem Osten« von Bolossy Kiralfy. 
S 
Im Theater Unter den Linden findet die Erstauf 
führung von Arthur Sullivan’s neuer' Operette »Der Gröss- 
herzog.« am Mittwoch, 20. d. M., statt; bis ; dahin wird die 
»Fledermaus« gegeben. Im Friedrich-Wilhelm städtischen 
Theater beherrscht noch immer »Der Hungerleider« bis auf 
Weiteres das Repertoire. 
V 
Im Apollo-Theater findet die Erstaufführung der ein 
aktigen Ausstattungsposse; »Die Spree-Amazone« heute Sonnabend 
statt. Die Hauptrollen der Novität liegen in den Händen der 
beliebten Comiker Henry Bender und Robert Steidl und der Damen 
Antonie, Döring, Linda und Roberty. Die vorkommenden Tänze 
werden von einer besonders engagirten Balletruppe ausgeführt. 
Heuling; in S.W. Das Fernsprechamt der Ausstellung hat keine 
„Nummert, es heisst einfach: „Amt Ausstellung“, wie „Amt Char 
lottenburg“ oder „Amt Tempelhof“. Das ;,Ämt Ausstellung“ hat 
jetzt 2öO Anschlüsse, wird von vier Damen bedient und schliesst seinen 
Verkehr schon Abends um 7 */ 2 Uhr. 
- A. W. 10. Wir können den Beschluss resp. Vertrag nicht um- 
etossen. Photofrranhiren dürfen Sie ohne Genehmigung nicht.
	        
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