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Periodical volume Nr. 3, 15. Februar 1896

Full text: Officielle Ausstellungs-Nachrichten Issue 1896

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OfficieSle Aussteilungs- Nachrichten. 
Beiträge erhalten; auch unsere Maler werden sich an der Aus- 
gestaltung des Unternehmens, für das sich selbst in den aller 
höchsten Kreisen ein gewisses Interesse knndgicbt, in charakteristischer 
Weise bethciligcn. 
h. Die OlYmpia-Nicscntheater-Gesellschaft hat sich, 
lvie inan uns mittheilt, nunmehr cndgiltig constitnirt. Das eigen 
artige Theater ist in gewissem Sinne auch als ein Ausstellnngs- 
unternehmen zu betrachten; . es wird Anfangs Mai eröffnet 
und voraussichtlich mit Schluß der Ausstellung geschlossen 
tverden. Das für den Bau erforderliche Capital ist aus 
schließlich von Berliner Capitalisten zusammengebracht worden, 
die sich als Olympia-Riescnthcater-Gesellschaft constitnirt haben. 
Die Constituirung erfolgte ebenso wie die des „Theaters 
Alt-Berlin" und des „Theaters des Westens" durch Herrn 
Rechtsanwalt Paul Michaelis, der auch zum Vorsitzenden des 
Aufsichtsraths der Olympia-Gesellschaft erwählt tvurde. Mit 
den Fundamenürnngsarbciten zu dem Olympia-Theater, das 
in der Magazinstraßc auf dein Terrain des Militairfiscus 
errichtet und 47 2 Morgen umfassen wird, tvurde bereits be 
gonnen. Der Zuschauerrnum wird 4000 Personen fassen und 
allein 72 Logen enthalten, die Bühnenöffnung -über 40 Meter 
betragen. Als besonders bcmcrkenswcrth sei hervorgehoben, daß 
zwischen Zuschauerraum und Bühne ein breiter Kanal dahin 
fließen tvird, ans den: vollständig bemannte und ausgerüstete 
Schiffe agiren werden. Olympia gelangt in Berlin in der 
Londoner Originalform mit dem gesummten Londoner Personal, 
zu dem außer zahlreichen Tänzerinnen auch Specialitäten, Nigger 
u. s. w. gehören, zur Aufführung. Trotzdem das Olympia- 
Theater nur für die Dauer der Ausstellung berechnet ist, wird es 
ausschließlich in Stein- und Eisenconstruction ausgeführt tverden. 
V 
Die Vorbereitungen zur internationale» Knustaiisstellung Berlin 
3896, welche zur Feier des 200jährigen Bestehens der Akademie der 
Künste stattfindet, haben rüstigen Fortgang genoimnen. Die Aus 
stellung hat sich bekanntlich des Kaiserlichen Protectorats zu erfreuen 
itub steht unter dem Ehrenpräsidium der Kaiserin Friedrich. Den Vor 
sitz in der Ausstellungs-Commission führt bekanntlich Professor Graf 
Harrach. Als Eröffnungstermin ist der 3. Mai bestimmt, als Schluß 
der 30. September. Den Haupttheil der großen Ausstellung werden 
die Werke lebender Künstler aus allen Ländern bilden. Die Programme 
sind in deutscher, englischer und französischer Sprache versandt, zum 
-theil durch Vermittelung des Auswärtigen Amtes. Die einzelnen 
Länder oder Ländergruppen werden in besonderen Räumen durch 
Sammel-Ausstellungen vertreten sein. 
Im Uebrigen soll neben der großen akademischen Jubel-Ausstellung 
auch eine Ausstellung von Werken solcher namhafter Künstler älterer 
und neuerer Zeit veranstaltet werden, die Schüler der Akademie gewesen 
sind, also während ihres Studienganges die Berliner Akademie besucht 
haben. Diese Ausstellung wird im Akademiegebäude am 4. Mai 
eröffnet werden und etwa vier Wochen dauern. Zugleich ist die 
Herausgabe einer ofsiciellen Festschrift geplant, die, möglichst reich mit 
Nachbildungen der ausgestellten Werke geschmückt, einen Ueberblick über 
die Thätigkeit und Wirksamkeit der Lehranstalt von ihrem Bestehen an 
bis in die neueste Zeit geben soll. Während die Stadt eine Sub- 
ventionirung der Jubiläums - Kunstausstellung ablehnte, hat der Kaiser 
eine sehr bedeutende Summe aus seinem Dispositionsfonds der Akademie 
für die Jubelfeier überwiesen und außerdem verfügt, daß die Hälfte 
des Reinertrages der internationalen Kunstausstellung der Akademie 
.zur freien Verfügung überlassen werde. 
N. Z. in Berlin. Wir sind ganz Ihrer Ansicht. Die bevor 
stehende Umwandlung einer Anzahl Pferdebahn-Linien in solche mit 
elektrischem Betrieb durch oberirdische Stromzuleitung rückt die Frage 
in den Vordergrund, ob nicht gleichzeitig eine Reform eingeführt werden 
kann, bie| allseitig mit Dank aufgenommen werden würde. Unsere 
Pferdebahnen halten bekanntlich nicht an jeder Straßenecke, sondern an 
bestimmten Stellen, die durch Tafeln kenntlich gemacht. Die Auswahl 
dieser Stellen erfolgt mit Rücksicht auf die eigenartige Gestaltung 
des Verkehrs. Daraus folgt, daß sie sich nicht in regelmäßigem 
Turnus und in gleichen Abständen folgen, sondern hier diesseits 
eines Platzes, dort jenseits desselben, an der einen Stelle hart 
an der Straßenecke, an einer anderen fünfzig Schritt davon entfernt 
sind. In seiner eigenen Gegend oder da, wo der Weg ihn oft hin 
führt, weiß wohl Jeder mit „seinen" Haltestellen Bescheid. Aber wenn 
er in einen ihm freinden Stadttheil geräth, dann ist er sehr schlimm 
daran. An dunklen Abenden sind die in dunkelblau gehaltenen 
Tafeln kaum zu entdecken, bei schlechtem Wetter ist die Möglichkeit, Er 
kundigungen einzuziehen, eine befchränkte; inan irrt umher, ohne sich 
zurecht zu finden, und versäumt dadurch viel Zeit, ganz abgesehen von 
den Unliebsamkeiten, die der Aufenthalt im Regen auf der Straße mit 
sich bringt. ES müßte mit verhältnißmäßig geringen Kosten und ohne 
besondere technische Schwierigkeiten jetzt wohl möglich sein, die Tafeln, 
welche die Haltestellen bezeichnen, am Abend durch eine elektrische Glüh 
lampe kenntlich zu machen. Eine Abzweigung der bis an die Tafeln 
gezogenen Leitungsdrähte würde sich sicherlich leicht bewerkstelligen lasten. 
F. R. in Berlin. Der Streik in der Confectionsbranche, der wohl 
in kurzer Zeit beendet sein dürfte, wird der Ausstellung voraussichtlich 
keinen Schaden bringen. 
Frau T. in H. Es ist nicht zu befürchten, daß in Berlin während 
der Zeit der Gewerbe-Ausstellung eine Wohnungsuoth für die fremden 
Gäste entstehen könnte. Es stehen in Berlin ständig 20-—25 000 Woh 
nungen leer, von denen ein Theil möblirt und an Fremde vermiethet 
werden könnte. 
Herrn Architekt M. Wir bringen keine Artikel, die in Fort 
setzn n ge» erscheinen, und können deshalb solch umfangreiche Beiträge 
nicht verwenden. 
Aussteller - Gruppe XXI. Beschreibungen von Ausstellungs- 
Gegenständen bringen wir natürlich erst nach Eröffnung der Ausstellung. 
R. M. in R. Sie wollen die genaue Zahl der Aussteller von 
uns wissen? Die Liste der Aussteller ist noch nicht abgeschlossen, es 
werden in einzelnen Gruppen noch Anmeldungen angenommen, es laßt 
sich also eine genaue Zahl nicht feststellen. Gedulden Sie sich bis 
zur Eröffnung der Ausstellung! 
A. Z. in Berlin. Tie Bezeichnung Kilogramm-Meter ist kein 
„Witz", sondern ein technischer Ausdruck. Meter-Kilogramm oder Kilo 
gramm-Meter ist die Maßbezeichnung für geleistete mechanische Arbeit. 
Herrn A. M. in S. (Mark ) Ihre freundlichen Worte über 
Berlin und den bevorstehenden Besuch der Reichsangehörigen zur 
Gewerbe-Ausstellung verdienen weiter bekannt zu werden, und wir 
bringen sie deshalb hier zum Abdruck. Sie schreiben: „Die Alten, welche 
Berlin zur Zeit des unvergeßlichen Kaisers Wilhelm des Ersten gesehen 
haben, werden wiederkommen und finden, daß Berlin im Zeichen des 
Fortschritts steht. — Wohl werden sie manches Liebe und Vertraute 
missen, aber versöhnt von dannen ziehen, um die Jugend herzu 
senden, die in dem frisch und kräftig pulsirenden Leben einer neuen 
Zeit Anregung und Befriedigung finden wird. Manches Vorurtheil 
wird schwinden, manche unliebsame Erinnerung ausgelöscht werden, 
manche Verbindung geschlossen werden, manche Annäherung geschehen 
im Interesse einer großen Sache, auf dem Gebiete friedlichen Ringens 
und Strebens in Handel und Gewerbe, in Wissenschaft und Kunst. 
Berlin wird zeigen, wie fest und sicher es auf eigenen Füßen steht und 
fortschreitet, und später Gelegenheit nehmen, an größere und 
allgemeinere Unternehmungen heranzutreten, die dem ganzen Reiche zu 
Gute kommen. In diesem Sinne wäre wohl der Hammer im Aus 
stellungsbild gerechtfertigt; die Reichshauptstadt thut wohl daran, nicht 
Ambos sein zu wollen, sondern mit nerviger Faust den Hammer zu 
schwingen und veraltete Vorurtheile energisch in Trümmer zu schlagen. 
Glück auf!" 
Kassandra. Der erste Mai, der Tag, an dem die Berliner Ge- 
werbe-Ausstellung eröffnet werden soll, fällt allerdings auf einen Freitag. 
Sie theilen uns mit, de: Freitag sei ein Unglückstag, und rathen 
dringend dazu, einen anderen Tag für die Eröffnung der Ausstellung 
anzusetzen. Es wird Ihnen mit diesem Rath nicht besser gehen als 
Ihrer werthen Namenscollegiu im Alterthum: Man wird ihn nicht be 
achten. Die Dame, nach der Sie sich nennen, war allerdings eine 
Prophetin, aber so abergläubisch wie S i e war sie jedenfalls nicht! 
Und so etwas erlebt man im Ausstellungsjahr 1896! 
Herr» M. L. Sie schreiben uns, daß man die X - B e i n e, jetzt 
Röntgen-Beine nennt! Kleiner Schäker!! 
G. W. B. i» Berlin W. Bravo! Sie gefallen uns! Erst 
schimpfen Sie darüber, daß die Gewerbe-Ausstellung nicht weltstädtisch 
genug ist, was die Bauten anbetrifft, und dann fragen Sie ganz naiv, 
ob Sie nicht für die Dauer der Ausstellung ein Passepartout gratis 
bekommen können, wenn Sie uns dafür hin und wieder „etwas schrei 
ben". Sie gehören also auch zu den noblen Naturen, denen nichts 
theuer genug sein kann, wenn sie es nur umsonst haben können. Lassen 
Sie es sich gesagt sein: Die Gebäude der Ausstellung sind „welt 
städtisch" genug, viel zu „weltstädtisch" für Eintritts-Nassauer. Wir 
verzichten darauf, daß Sie uns hin und wieder etwas Schriftliches an 
thun ! Sie sind aber nicht der Erste und Einzige, der von uns ein 
Gratis-Passepartout besorgt haben möchte. Es giebt eben noch viele 
naive Gemüther in dem sonst so skeptischen Berlin. Was aus der 
Ausstellung werden soll, wenn Jeder, der dies wünscht, ein Gratis- 
Passepartout erhält, daran haben Sie wohl noch nicht gedacht? Wo 
sollen die Millionen, die für die Ausstellung bereits verausgabt sind, 
wieder herkommen, wenn die Besucher der Ausstellung kein Eintritts 
geld bezahlen wollen? Sie und alle anderen passepartontlüsternen 
Seelen werden eine große Enttäuschung erleben.
	        
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