Publication:
1896
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-15365322
Path:

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Officieüe Ausstellungs- Nachrichten.
u. A. treffen wir hier auch die Portale für das im Bau begriffene
Theater des Westens und verschiedener Bankhäuser.
Die Zahl der Aussteller von allerhand Mobiliar, Zelten. Schränken, .
Bettgestellen, Tischen, Stühlen, feinen Stahlwaaren ist eine sehr
grosse. Dazu kommen die Fabrikanten von Muttern und Schrauben,
Köhren, Werkzeugen aller Art, Bohrmaschinen u. s. w. Schlächterei-
Utensilien und Waagen findet man gleichfalls in Gruppe VII;
auch die Strickhufeisen von Hermann Sichert, die man
übrigens noch in Gruppe XXI beim Sport sehen .kann,
wo ausserdem daneben auch die Actien - Gesellsshaft Minerva
ihre patentirten Hufeisen ausgelegt hat. In Gruppe VII stehen
die grösseren Ausstellungsgegenstände natürlich frei für sich;
alle die vielen kleineren Arbeiten aus Eisen und Stahl aber sind
in grünen, mit Gold verzierten Schränken untergebracht.
Ausser dem zu Anfang bereits erwähnten, und dem prächtigen
Aufbau in der Mittelhalle, den Seitenhallen sieht man Eisen und Stahl
noch in dem Anbau zur ersten Seitenhalle links, hinter den Edel
metallen, dem Neusilber, und den galvanoplastischen Beschlägen
und anderen auf elektrischem Wege hergestellten Erzeugnissen: Werk
zeuge der verschiedensten Gattungen finden sich hier, Küchen- und
andere hauswirthschaftliche Geräthe, wie Maschinen.
Beträgt die Zahl der Aussteller in der Metall-Industrie nach
Gruppe VII des officicllen Haupt-Katalogs im Ganzen 343, so
kommen davon 7 3 auf Eisen und Stahl; rechnet man dazu
die Arbeiten in Stahl und Eisen aus der Sport - Ausstellung,
nicht nur Hieb- und Schusswaffen und Hufeisen, sondern auch
die Fahrräder, Schlittschuhe, Stahlrollschuhe u. s. w., so umfasst
»Eisen und Stahl« den vierten Theil der gesummten, auf der
Ausstellung vertretenen Metall-Industrie. »Kunstschmiede-Arbeiten«
und sonst »Eisen und Stahl« findet man aber auch noch in
Gruppe III beim »Bau- und Ingenieurwesen«; in Gruppe XI,
unter den »Wissenschaftlichen Instrumenten«; vor allem in Gruppe
XIII beim »Maschinenbau, Schiffsbau, Transportwesen« und in Gruppe
XIV »Elektrotechnik«; in Gruppe XVIII »Gesundheitspflege und
Wohlfahrts-Einrichtungen«, in Gruppe XX »Fischerei und Schifferei«;
in Gruppe XXII beim »Gartenbau«; in Gruppe XXIII der »Deut
schen Kolonial-Ausstellung« und bei »Alt-Berlin«.
Alles in Allem ist »Eisen« das — Rückgrat unserer Berliner,
wie überhaupt aller Gewerbe-Ausstellungen. Kob. Müller.
Gruppe II ist fertig. In dei heutigen General-Ver
sammlung der Gruppe II, bei welcher sämmtliche Aussteller dieser
Gruppe anwesend waren, wurde Jedem derselben seine betreffende
Katalognummer abgegeben, die Gruppe als vollständig constituirt
und deren Arbeiten für abgeschlossen erklärt.
o
Amateur-Photographen waren bisher auf der Ausstellung
nicht zugelassen. Der Verband für Photographie bat nunmehr be
schlossen, von nächsten Montag ab den Amateur-Pothographen das
Photographiren an allen Punkten der Ausstellung, sowohl im Park, wie in
den Gebäuden unter folgenden Bedingungen zu gestatten: 1) Anmeldungen
haben im Bureau des Verbandes (im Halbrund des Hauptgebäudes) zu er
folgen. 2) Zugelassen sind nur Hand-Cameras bis zur Grösse 9:12; auf
keinen Fall darf ein Stativ verwendet werden. 3. Es sind zu zahlen: für
eine Tageskarte 10 Mk., für eine Wochenkarte 20 Mk., für eine
Monatskarte 50 Mk. Für Wochen- und Monatskarten ist
eine erkennbare Photographie einzuliefern. Die in der Aus
stellung aufgenommenen Photogiaphiccn dürfen bei einer Conventional-
Strafe von 300 Mark für jeden Fall nicht verwendet werden. Man
wird den Amateur-Photographen vielleicht auch die Dunkelkammer
des Verbandes in der Ausstellung gegen Entgelt zur Verfügung
stellen.
i »
Die Ausstellungsmedaille von 1844. In unserer
^Nummer 24 berichteten wir über die Medaille, die für hervor
ragende Leistungen auf der ersten Berliner Gewerbe-Ausstellung im
Jahre 1844 verliehen wurde. Wir bemerkten noch, dass es
interessant sein dürfte, zu erfahren, welche von den Berliner
Geschäften aus jener Zeit noch heut die Medaille von 1844
besitzen. In Folge dessen haben sich bei uns als Besitzer
der Medaille gemeldet die Firmen: Willi. Landwehr,
Fabrik ächter Schweizer Müller - Gaze in Seide (Beuteltuch)
(gegründet 1837), Friedrich Hartmann, Friedrichstrasse 166
(gegründet 1841), Aussteller in Gruppe XV. Es meldet uns ferner
Herr Kleindiest-Schöneberg, dass er ebenfalls eine Medaille von 1844
besitzt. Ob sie seinem Geschäft verliehen worden ist, giebt er nicht
an. Herr Sievers-Berlin hat eine solche Medaille von Verwandten
geschenkt erhalten. Sie trägt auf der Rückseite das Bild des
Berliner Zeughauses und darunter die Worte: »Dem Fabrikanten
Peter Storch zuerkannt.«
V
Die Fischkosthalle des Deutschen Seefischerei-Vereins
hat bei dem die Ausstellung besuchenden Publikum so ungetheilten
Beifall gefunden, dass das feinere Fischrestaurant, das im Haupt
gebäude der Seefischerei-Ausstellung eine Treppe hoch belegen ist, und
dessen Bewirthschaftung ebenso wie die der Fischkosthalle vom
Deutschen Seefischerei-Verein den Herren Adlon und Dressei über
tragen worden ist, etwas in den Hintergrund gedrängt erscheint. Dies
ist um so mehr zu bedauern, als der Seefischerei-Verein im Bunde mit
den Restaurateuren bemüht gewesen ist, dem Publikum nicht nur neue
gute und preis werthe Waare von Seefischen vorzuführen, sondern die
selbe auch durch Heranziehung allererster Kräfte und namentlich auf
dem Special gebiet der Fischzubereitung erfahrener Küchenchefs in
einer Form und Zubereitung aut den Tisch zu bringen, die allen be
rechtigten Ansprüchen zu genügen vermag. Allen denjenigen, welche
sich ausser für die Zubereitung einfacher Fischarten nach Hausmanns
kost auch für die feinere Fischküche interessiren, darf daher
der Besuch des erwähnten Restaurants auf der Galerie der
Seefischerei-Ausstellung mit der herrlichen Fensterfront nach
dev Spreeseite hin auf das Wärmste empfohlen werden.
Der Seefischerei - Verein ist von der Annahme ausgegangen, dass
die Liebhaber feiner Fischspeisen und entsprechend guter Weine
den Wunsch haben, gleichzeitig auch Fleischspeisen etc., überhaupt
complete Diners einnehmen zu können; und die Herren Adlon und
Dressei sind in dem gedachten Restaurant jederzeit in der Lage,
dahin gehenden Ansprüchen im weitesten Maasse gerecht zu werden.
Nachdem dem Publikum während der Ausstellung reiche Gelegen
heit geboten ist, die Zubereitungsweisen von Seefischen für die ein
fache und feinere Küche kennen zu lernen, soll gegen Schluss der
Ausstellung ein vom Deutschen Seefischerei-Verein redigirtes
Fischkochbuch zum Verkauf gelangen, welches eine Sammlung der
vorzüglichsten und namentlich bei unsern auf diesem Gebiet er
fahreneren skandinavischen Nachbaren erprobten Koch - Recepte ent
halten wird
n
Wo treffen wir uns? Das ist die Frage, die tiefsinnige,
schwer zu beantwortende, die jetzt viele, sehr viele beschäftigt,
die sich in den Strudel des Ausstellungslcbens stürzen wollen.
Der kundige Thebaner, der das Ausstellungsterrain und
seine Bauten kennt, der da weiss, wie viel Säle und
Nischen das Haupt-Industriegebäude hat, wie gross die
Anzahl der Kojen, Tempel und Pavillons in den anderen
Gebäuden ist, wie viel Bier- und Weinpaläste, welch originelle
Kneipstuben den Wanderer verlocken, Bacchus und Gambrinus zu
opfern, nur der wird die Schwierigkeit der Lösung dieser Frage
voll und ganz würdigen können. Die Packetfahrt hat sich nun
einmal in den Dienst des Verkehrs gestellt und mit anerkennens-
werther Findigkeit auch diese gesellschaftliche Verkehrsfrage iu
das Gebiet ihrer Thätigkeit gezogen. Im Pavillon der Gesellschaft
neben der Brücke am Haupteingang liegt ein Buch aus, in welches
jeder Ausstellungsbesucher gegen Erlegung eines Nickels einschreiben
kann, zu welcher Zeit er dort und dort zu treffen ist, damit die
später kommenden Freunde ihn zu finden wissen. Da findet man
z. B. folgende Eintragungen: »Bin von drei bis vier Uhr bei Dressei,
erwarte Euch! Nauke und Dussel«, oder: »Erwarte Dich um 6 Uhr
im Weinhäus’l, aber lass mich nicht wieder stundenlang sitzen! Deine
Lotte!« Dieses Dortchen, das sehnlichst ihres Werthers im Weinbaus'!
harrt, hat eine etwas energische Leidensschwester in Mieze R,
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