Publication:
1896
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-15365322
Path:

flfficielle Ausstellungs - Nachrichten.
9
könnte das schwerlich »geschehen«. Welche wundervollen Pelz-
Gehröcke, Promenaden-, Reise-, Fahr-, Jagd-, Sport- und Abend-
Pelze aber findet der solide Männer-Geschmack hier in den ver
schiedenen Ausstellungskästen mit verlockender Uebersichtlichkeit
ausgebreitet. Da ein Gehpelz mit Futter von Kronenzobel und
Besatz von Seeotter; ein Officiermantel mit Virginia-Otter verbrämt in
unvergleichlich exacter Ausführung. Dort jener Hohenzollern-Mantel
mit Zobel-Futter und auserlesenem Virginia-Iltis-Kragen stehen ausser
jeder Wettbewerbung. Wahrhaftig, neben dieser gediegenen Pracht, in
vornehmer Zurückhaltung erscheinen die prunkenden Pelz-Rotunden
und Empire-Mäntel für den Concert- und Soiree-Bedarf der Damen
fast übertrieben glänzend, z. B. dieser lose Empire mit gold
gelbem Brochat-Bezug, ächtem Hermelin-Futter (gegen .350 Thiere
in einem Mantel) und einem Matrosen-Shawlkrageu von feinstem
Virginia-Iltis oder jener Changeant-Ombre-Crepe-Bezug mit ächtem
Silberfuchs-Kragen und Hermelin-Futter, dann der pfirsichfarbene
Brochat-Bezug mit Tibet-Futter und Kragen in einer Fell-Fort
setzung, endlich eine Rotunde, durchweg von Blaufuchs gefüttert und
verbrämt, das sind Schätze, neben denen unsere Alltags-Wirklichkeit
zur Stelle des Aschenbrödels herabsinkt. Und diese Sorties de bal mit
ihrer goldstrotzenden Brochat-Aussenseite, neben den kostbaren
Hermelin-, Zobel-, Marder-, Tibet- und Blaufuchs-Verbrämungen
und ihrem Hermelin- oder Tibet - Futter scheinen für lauter
Fürstinnen gedacht zu sein!
Doch genug von diesen Herrlichkeiten! Ueber die anderen
Erscheinungen der Pelz-Industrie ein nächstes Mal. F. G.
Eisen und Stahl.
[Abdruck untersagt ]
Bei einem Rundgang durch die Ausstellung ist man fast
versucht zu sagen, dass das Eisen in der ganzen Ausstellung die
Hauptrolle spielt. Eisen giebt das Werkzeug, mit dem die fleissige
Hand fasst alles das schafft, was wir rings um uns her zu
bewundern Gelegenheit finden; Eisen liefert die Maschinen, die es
einer Grossindustrie überhaupt erst ermöglichten, die es der heutigen
Menschheit erwirkten, Bedürfnisse zu kennen und zu befriedigen,
von denen die früheren Zeiten keine Ahnung hatten.
Und welche vornehme, künstlerische Wirkungen in Eisen zu
erreichen sind, zeigt der prächtige decorative Aufbau, den
die Metallgruppe vornan im Haupt-Ausstellungsgebäude errichtet hat,
die Front gegenüber der breiten Freitreppe, die aus dem Kuppel
raum in die grosse Mittelhalle hinabführt. Durch kunstvolle Portale,
Gitter und andere Kunstschmiede-Arbeiten ist liier ein grosser
quadratischer Raum hergestellt, der die Hauptgewinne der Aus
stellungs-Lotterie aufzunehmen bestimmt ist. Ed. Puls, die älteste
Kunstschmiede-Werkstatt Berlins, der KönigL Hofkunstschlosser
Paul Marcus, ferner Schulz & Holdefleiss haben die Portale
und Gitter geliefert, die dort die Mitte der gesammten Metall
industrie umschliessen.
Als hintern Theil des Aufbaues hat die Stahlwaaren- und
Gussstahlfabrik J. A. Henckels-Solingen einen stattlichen Pavillon
errichtet und dort ihre weltbekannten Stahlwaaren ausgelegt. —
Durch ihre hoch emporragenden Stahl maste, die aus einem Block
ausgezogenen oder vielmehr »ausgestülpten«, nahtlosen Mannesmann
röhren fällt hier die Ausstellung der »Deutsch-Oesterreichischen
Mannesmannröhren-Werke« ins Auge: Röhren aller Art und
aus Röhren hergestellte Geräthschaften und Zurüstungen, insbesondere
auch für Elektricitätsleitungen, Stromzuführungs- und Lichtmaste,
Kohlensäureflaschen u. v. a. präsenteren sich hier . dem Besucher.
Doch wenden wir uns von der Maschinenarbeit der Hand
arbeit zu, der künstlerischen Gestaltung von Schmiedeeisen und
Stahl in der Kunstschlosserei,. den Werkstätten der Schmiedekunst
im engeren Sinne.
Schon im Mittelalter war die Schmiedekunst hoch entwickelt.
Da damals die Möbel, die Schlösser und Bänder die Schmiedearbeit
als äussere Beschläge sehen liessen, verwandte man viele Sorgfalt
auf die Formen, verblieb aber im Ganzen noch bei einfachen Linien
und hielt sich an die einfachsten, dem Zweck entsprechenden Motive.
Zur Renaissancezeit verschwinden an Möbeln und Thüren die
Bänder und Beschläge. In immer reicherer Linienführung ent
wickelt sich trotzdem die Schmiedearbeit, entspricht aber — auch
noch in der Zeit des Barocken — durchaus den constructiven
Zwecken. Ohne den Charakter des Eisens als Material ganz aus den
Augen zu lassen, wendet man sich dann im 18. Jahrhundert,
in den Tagen des Rococo zu allerhand Ornamentformen, die oft
anders geartetem Material entlehnt sind, und suchte vielerlei Blumen
und Verschnörkeluugen auch in Eisen darzustellen.
Wie unser gesummtes heutiges Kunstgewerbe, die kunst
gewerbliche Renaissance des 19. Jahrhunderts, seit lange auf den
verschiedensten Gebieten von den Stil- und Zierformen der Ver
gangenheit gelebt hat und noch lebt, ist es auch mit dem Eisen
gewesen, und man wird so lange hierbei verharren, als die Kunst
schmiede, die selbst das Eisen verarbeiten, sich in der Mehrzahl
noch nicht daran wagen, auch die Zeichnungen selbst zu entwerfen.
Heute liefert der Architekt, der durch gelehrte Examina approbirte
»Königliche« oder auch nicht »Königliche« Regierungsbaumeister den
Entwurf, die Zeichnung, die das kunstgelehrte Wissen, das Beherrschen
des ornamentalen Formenschatzes der gesammten Kunstgeschichte,
in den meisten Fällen wohl auch ziemlich gutes ästhetisches
Empfinden und zeichnerische Gestaltungsgabe bekundet. Seltener
aber zeigt sich dabei eigenartige Erfindung und am seltensten das
vollbewusste, doch nur dem technischen Eisenarbeiter selbst
innewohnende Gefühl für das, was in der Eisenbehandlung als Fort
schritt zu bezeichnen wäre.
Unsere heutige deutsche Schmiedekunst leistet durchaus
Tüchtiges in der Bearbeitung des Eisens, ob besseres als
die besten Leistungen der früheren Jahrhunderte, wollen
wir dahingestellt sein lassen; in Chicago stand unsere deutsche
Schmiedekunst an der Spitze der Schmiedearbeiten des
Abendlandes und Amerikas. Die Kunst der Orientalen aber
im Behandeln von Eisen und Stahl steht vielfach noch un
erreicht da, unerreicht ist die feinere künstlerische Technik in der
Bearbeitung des Materials, die Feinheit der Arbeit, die Eigenart
der Formen, die Schönheit und Eleganz der Ausführung.
Die Berliner Arbeit in Stahl und Eisen wendet sich mein
den Aufgaben friedlicher Cultur zu. Die Kunstschmiede oder
Kunstschlosser Berlins schmieden Portale, Gitter für Treppen, für
Garten und Park, für Erbbegräbnisse. In Chicago ist es Julius
■Lessing aufgefallen, dass dort die Grabstätten wie die Besitzungen
nirgends mit Gittern umzäunt sind; nach Gitterwerk ist dort wenig
Bedarf, ausser etwa für die Kassenräume der Bureaux und Hotels,
die durch Gitter abgeschlossen sind, das meterweise verkauft wird.
Unsere deutschen Kunstschlosser finden für Portale und Gitter
häufiger lohnende Aufträge. So belebt der Bedarf bei uns diesen
Zweig des Kunsthandwerks.
Von den Firmen, die auf der Ausstellung mit Kunstschmiedearbeiten
vertreten sind, wollen wir ausser den bereits erwähnten Werkstätten
die beiden Krause vorläufig hier nennen, den »Kunst-Krause«,
der auch eine grosse Sammlung gestanzter Ornamente, Blätter,
■Blumen u. A. ausstellt und den »Gitter-Krause«, ferner F. Stahl
u. Sohn, Inh. Jul. Stahl, Ferd. Paul Krüger, Inh. Krüger u. Fritz,
Emil Klemm mit seinen kupfer-montirten Ampeln etc.
Wie in München 1888 massenhaft Kronen, Leuchter, Laternen,
Lampen und vielerlei Kleinarbeit aus Eisen hergestellt war, findet
man heute noch hier auf der Berliner Ausstellung das Eisen viel
fach für Zwecke verarbeitet, für das anderes, helles, leuchtendes
Metall doch mehr bevorzugt werden dürfte. Auch dies ist bei uns
zumeist als eine kunsthistorische, archaistische Schrulle zu be
trachten, eine Marotte vor allem unserer buchgelehrten Architekten
In der Zeit des romanischen Stiles besass man nicht eine
solche Fülle leicht herstellbarer, blanker Metalle; man griff zum
Eisen in Ermangelung eines anderen Materials. - Wir aber haben
heute alle möglichen Metalle zur Verfügung und thuen deshalb gut,
Schmiedeeisen und Stahl nur da anzuwenden, wo es wirklich am
Platz ist.
Für Geldschränke ist Stahl und Eisen vor allem der richtige Stoff.
Hier in Berlin sind in der dritten Halle links von den 19 Geldschrank-
Fabrikanten und Erbauern von Cassctten die meisten zu finden, voran
die Schränke des Kaiserlichen Hofkunstschlossers 8. F. Arnheim,
Dann in der ersten Seitenhalle rechts neben den Kunstschlossern
Geldschränke u. A. von Carl Ade, und die technisch interessante
Stahlkammer »Patent Ade«. Unter den Pavillons, Veranden, Tlior-
und Thürverschlüssen, Umfriedungen, Treppengeländern und anderem
Gitterwerk, Erbbegräbnissen, Grabkreuzen, Kandelabern, Kronen
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