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Volume Nr. 29, 16. Mai 1896

Full text: Officielle Ausstellungs-Nachrichten (Public Domain) Issue1896 (Public Domain)

8 öfficielle Ausstellungs- Nachrichten. 
besser und solider in der Ausführung. Ueberall ist ein Unterbau 
vorhanden von circa 1 Meter Höhe, die Böden sind wohlgedielt, 
Fenster sorgen für ausreichendste Lüftung und die zahlreichen Oefen 
unterhalten dauernd die Temperatur, welche für das Wohlbehagen 
dieser Söhne einer heissen Zone nöthig ist. Tritt man in eine 
solche Wohnung ein, nachdem man einen flüchtigen Blick 
auf die arabischen Schnitzereien und die Koransprüche auf der Thüre 
geworfen hat, — denn die hiesigen ostafrikanischen Neger sind wohl 
sämmtlich Mohammedaner, so nimmt uns ein freundlicher, luftiger, 
wohldurchwärmter, überaus sauberer Raum auf, in welchem an den 
Wänden entlang die Betten und Geräthschaften seiner Einwohner 
stehen. Diese sorgfältigste Beobachtung der hygienischen Vorschriften 
hat denn auch zur Folge, dass die Leute das Klima bis jetzt 
durchweg sehr gut vertragen, und, da auch in reichlichster Weise 
für kräftige, gesunde Kost gesorgt ist, so können wir wohl hoffen, 
dass alle wieder gesund in die Heimath zurückkehren werden, dort 
Wunder berichtend von dem fremden Lande, aus dem die Weissen, 
die Wasungo, zu ihnen gekommen. Dr. Konrat. 
Oie Pelz-Confection in der Ausstellung. 
[Abdruck untersagt] 
In der Bekleidungs-Industrie bildet die Pelz-Confection in 
ihren zahlreichen Gestaltungsformen, die zu einer hoch ent 
wickelten Fach-Technik geführt haben, unstreitig einen der 
wichtigsten Factoren. Die Ausstellung bietet eine recht statt 
liche Collection von interessanten Objecten der Pelz-Confection, 
nur ist es zu beklagen, dass keine unserer grossen Aussteller-Firmen 
auf die glückliche Idee gekommen ist, in einem Rauchfell-Cyklus 
die einzelnen Phasen des Werdeganges zu zeigen, den das rohe 
Pelzfell zu nehmen” hat, bis es ein fertiges Kleidungsstück oder 
eine fertige, schöne Verbrämung geworden ist. 
Wie viele Intelligenzen müssen in den Dienst dieser Aufgabe 
gestellt werden! Denn mit dem blossen Gerben des Roh-Felles 
ist noch verschwindend wenig gethan und gewonnen. Um ein 
»Rauchthier« comme il saut zu erhalten, setzen die eigentlichen 
Feinheiten der »Behandlung« überhaupt erst nach dem Gerben ein. 
Dann erst erhalten durch Rupfen, Scheeren, Rasiren und Färben 
der Haare, durch allerhand fein erwogene Abstufungen innerhalb 
dieser einzelnen Phasen die verschiedenen Fellarten jenes Ansehen, 
das Sacher Masoch als den »zärtlichsten Rahmen für zarte Frauen 
schöne« bezeichnet, und das von echten Spitzen und köstlichen 
Steinen entzückend ergänzt, aber nimmermehr an schmeichlerischem 
Reiz überboten wird. 
Und im Durchschnitt bleiben die Pelze nicht blos das, was 
sie eigentlich von Natur aus sind. Wie oft werden sie, besonders 
bei guter Qualität durch einen langen Behandlungs-Process zu einer 
höheren Rangordnung gewissermaassen hinaufgeadelt. Man denke 
nur an die erstaunlichen Resultate, die unsere heimische Pelz 
zurichterei — von dem wunderbar imitirten Nerz-Zobel, Blaufuchs etc. 
ganz abgesehen — mit der Imitation des Seal erreicht hat. Das 
ist ein technischer Erfolg, der um so wichtiger erscheint, als er 
bestimmt war, eine entstehende Lücke im Handels-Verkehr dauernd 
auszufüllen. 
Unsere ausgezeichnet beschickte Ausstellung bringt von allen 
diesen Pelzarten mustergiltige Exemplare, in zum Theil muster- 
giftiger Verarbeitung. Denn auch mit der, wie man sieht, nicht gerade 
einfachen Zurichterei ist für den Pelz noch nicht Alles gethan. 
Der wichtigere Theil steht noch aus, nämlich die vorbereitende Ver 
arbeitung der Felle, ehe sie zu einem Ganzen zusammenschlössen. 
Auf diesem Gebiete hat eine Jahrzehnte lange Erfahrung 
raffinirte Finessen gefunden, durch die man dem Pelz ein 
erhöhtes Ansehen und gleichzeitig grössere Schmiegsamkeit und 
Ausgiebigkeit verleiht. Da sehen wir in ausgestellten Exemplaren 
lausend kleine und kleinste Einzeltheile nicht in linearen Nähten, 
sondern im Zickzack, in Bogen etc. an- und ineinandergefügt, um 
den Mosaik-Charakter der Arbeit zu verwischen; ferner erfahren wir, 
wie durch Strecken und Spannen der Felle die Flächen bis zum 
Verwischen der Nähte geebnet werden. Eine ganz eigenartige Be 
handlung aber erfahren manche kostbaren Edelfelle. Für Seeotter 
und Zobel, die zugleich die dichtest behaarten sind, hat man 
folgendes Verfahren gefunden: Das ganze Fell wird in minimale 
Theilchen von etwa je 1 cm Länge und ’/ 2 cm Breite zerlegt. 
Diese Theilchen nun werden in Schachbrett-Muster mit festkantigen 
Seidenbändchen versetzt und dichtnähtig verbunden, so dass in Länge 
und Breite des Felles seine natürliche Grösse verdoppelt, oft ver 
dreifacht wird! Nach gleichem Verfahren theilt man auch Felle 
nur in lange Stroischen, versetzt diese mit Bändchen und gewinnt 
so Längen, die das Naturmaass nach Belieben resp. nach jeweiligem 
Erforderniss verlängern lassen. Nach dieser Hand-Näh-Arbeit, deren 
Summe an Emsigkeit und Subtilität dem Laien immer unbegreiflich 
bleiben wird, selbst wenn er deren fertiges Ergebniss sieht, wird 
das Fell durch Feuchten und Ausspannen bis zu Stoffglätte in 
seiner ganzen Ausdehnung geebnet. In Folge der nunmehr viel 
weitläufiger vertheilten Haarmassen hat es auch eine erhöhte Ge 
schmeidigkeit erhalten, die den Verbrämungszwecken unendlich 
fördersam entgegenkommt. Denn bei beiden Fellarten kann ihrer 
Kostspieligkeit halber lediglich vom »Verbrämen« die Rede sein. 
Selbst in den Pelz-Schätzen des russischen Kaiserhauses soll 
Seeotter nur als Verbrämung sich finden; hier allerdings in 
Exemplaren, die an sich Seltenheiten sind, und die gegenwärtig 
immer noch seltener werden, weil dieses edelste Pelzthier seit Langem 
auf dem Aussterbe-Etat stellt. 
Vor. etwa fünf Jahren kam noch solch ein königliches Exemplar 
auf den Londoner Weltmarkt und wurde — wie es im Markt 
bericht hiess— »nach erbittertem Kampfe« von einer ersten Berliner 
Pelz-Firma um die Kleinigkeit von 200 Pfund, gleich 
4000 Mark erstanden. Es empfiehlt sich, diese Zahl, wie bei 
Postanweisungen, in Buchstaben zu schreiben, damit man ganz 
sicher ist. dass man seine Augen durch unverdientes Misstrauen 
nicht zu kränken braucht. 4 000 Mk. für ein Fell als Selbstkosten 
preis! Zu solchen fabelhaften Preisen bringt’s der Zobel allerdings 
nicht, doch kann es immerhin geschehen, dass ein langer Damen- 
Mantel mit' Prima Russischem Kronenzobel, reich verbrämt und mit 
sibirischem Zobel-Rücken gefüttert, trotz seines schlichten Tuch 
bezuges in der Farbe des Zobels den bescheidenen Preis von 
40000 Mk. erreicht! Doch wenden wir uns wieder zu unserer 
Ausstellung. 
Was wir hier sehen, stellt der Intelligenz und der hervorragenden 
Leistungsfähigkeit der Aussteller das beste Zeugniss aus. Da, 
gleich in den grössten Collectionen, welche berückende Pracht der 
Damen-Pelz-Artikei! Zugleich ein eminent lehrreicher Querschnitt der 
Luxus- und Bedarfsgegenstände auf dem Pelz-Gebiet der Gegenwart. 
Wer hat vor zwei, drei Decennien solche Pelz-Erzeugnisse 
überhaupt für möglich gehalten? Während in der vielbelobten 
»alten Zeit« der Pelz — bei allem Luxus, der mit köstlichen 
Fellen getrieben wurde — lediglich zu Nutzzwecken diente, ist er 
heute ein Moden- und Zier-Object par excellence geworden, wie 
unsere Ausstellung überzeugend darfhut. Dort, jene lichte gold- 
und rosenfarben gestickte Balltoilette — wie berückend wird der 
schneeige Nacken einer Schönen aus dem Edelmarder-Rahmen ihrer 
decolletirten Taille sich heben! Wie königlich stolz wird die breite 
Zobel-Verbrämung jenerrosaCourschleppe überdas Parkett hinweggleiten! 
Wie entzückend schelmisch wird jener Graukrimmer-Besatz, zu 
Muffe und Hütchen passend, an den Eis-, Corso- und Promenaden- 
Costümen unserer Backfische — Vergebung! unserer ganz jungen 
Damen — kleiden! Und nun gar diese zierlichen, koketten Capes 
dort im Mittelgange, die sich am Pelz überhaupt nicht mehr 
genügen lassen, sondern die duftigsten Stoff-Contraste wie Blumen, 
Spitzen, Crepe-lisse. Gaze-pljsse, Perl-Passementerieen, Goldstickereien 
etc. etc. in ihren Dienst stellen, um die feinsten Effecte zu er 
zeugen! Aber da wieder jene längeren, soliden Nutz-Capes von 
Caracul, Persianer, Zobel, Nerz, Real-Seal, Bisam-Seal etc., deren 
.weicher, gefälliger Faltenwurf auf die exacteste Arbeit und die 
kostbarsten Seiden satter Schliessen lassen, sind in der Ausführung 
wie in der Idee durchaus deutsches Eigenthum. Ebenso die 
Combinationen verschiedener Pelze, wie Caracul mit Chinchilla, 
Seal mit Hermelin; Nerz mit Persianer; Edelmarder (gegen 
wärtig das modernste Pelzwerk und unglaublich theuer) mit 
Zobel oder gar dort an jener famosen »Bauern-Jacke« Persianer, 
Zobel nnd Hermelin gemeinsam. Dass unsere Pelz-Orthodoxen 
auch ganze Pelzcostüme von flachhaarigen Fellen wie Caracul 
tragbar finden, ist eine bekannte Moden-Ausschreitung. 
Man denke sich einen Herrn, der einen ganzen Anzug von 
Pelz trüge! Selbst den Extremsten unter den Moden-Gigerln
	        
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