Publication:
1896
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-15365322
Path:

Officielle Ausstellungs- Nachrichten.
io
offene Flamme, sondern durch ein bis zur Wcißgluth erhitztes
Eisenrohr oder durch Erzeugung elektrischer Funkenreihen. Um
die Einwirkung der durch den Gasverbrennungsproceß entstehenden
Wärme auf den Motor und dessen Umgebung möglichst zu
annulliren, wird der Cylinder permanent durch Wasserumspiilung
gekühlt. Die verbrannten Gase werden durch einen Auspuff
topf in's Freie geleitet.
Gasmotoren können naturgemäß nur in solchen Orten zum
Betriebe verwendet werden, wo eine geregelte Gaszuführung vor
handen ist. Um nun auch in Orten ohne Gasanstalten den
Motorbetrieb zu ermöglichen, werden von verschiedenen Fabriken
Kraftmaschinen mit Benzin- und Petroleunibctrieb gebaut, welche
im Ganzen den Gasmaschinen gleich construirt sind; nur das
Gasgemisch wird in besonderen Behältern durch Verdunsten von
Benzin oder Petroleum erzeugt. Diese Kraftmaschinen haben
den Vortheil, daß sie nicht an einen Ort gebunden sind, sondern
weil der Gaserzeugungs-Apparat sich unmittelbar bei der
Maschine befindet/ kann der ganze Motor auch auf einen Wagen
montirt, nach allen Orten gefahren und so unter Anderem auch
zu landwirthschaftlichen Zwecken verwendet werden.
Im Allgemeinen haben die Gaskraftmaschinen sich im Ge
werbebetriebe schon eine bedeutende Stellung errungen und auch
für die Zukunft gesichert. Durch große Kraftentwickelung —
man baut die Motoren jetzt schon in denselben Pferde
stärken wie die gewöhnliche,: Dampfmaschinen — sowie leichte
Ingangsetzung , und das Fortfallen. einer bei Dampfbetrieb
unentbehrlichen steten Beaufsichtigung sind die Gasmotoren für
jeden Betrieb geeignet und haben demzufolge auch schon eine
weite Verbreitung in allen Gcwcrkszweigcu erhalten ; ich erwähne
nur die Verwendung zur Erzeugung des elektrischen Lichts. In
Dessau werden Gasmaschinen sogar zum Betriebe von Straßen
bahnen benutzt, wobei das Gas, in comprimirtem Zustande in
Stahlcylindern auf den Bahnwagcn mitgeführt wird.
Eine hervorragende Bedeutung hat ferner die Elektricität sich
für den Maschinenbetrieb erworben. Nachdem cs gelungen ist,
mittels Transformatoren hochgespannte Ströme zur Verwendung
für Arbeitsmaschinen umzuwandeln, und hierdurch die Möglichkeit
gegeben ist, von einer großen Centrale aus entfernt liegende
Motoren mit Arbeitskraft zu versehen, hat die Verwendung der
Elektromotoren einen erheblichen Aufschwung genommen. Die
elektrischen Kraftmaschinen wurden von verschiedenen bekannten
Firmen und Gesellschaften mehr und mehr vervollkommnet, so
daß dieselben geeignet sind, infolge der ohne Weiteres in's Auge
fallenden Vortheile bei günstiger Stromzuführung die anderen
Motorsysteme gerade im Kleingewerbebetriebe zu verdrängen.
Geräuschloser Gang, Geruchlosigkeit, geringes Platzerfordcrniß und
geringes Gewicht gestatten die Aufstellung des Motors in jedem
Arbeitsraum, sei es im Erdgeschoß oder in der kV. Etage.
Ferner kann ein solcher Motor direct mit der Arbeitsmaschine in
Verbindung gebracht werden, so daß die Transmissionsleitungen
und der damit verbundene Kraftverlust vollständig fortfallen. Da
die Motoren schon in den kleinsten Größen (V20 Pferdekraft) ge
baut werden, so können sie auch in den kleinsten Gewerbebetrieben
als Ersatz der Akenschenkraft herangezogen werden. Durch die
noch weitere Verbreitung der elektrischen Kraftmaschinen wird dann
auch bald der jetzt an sich schon nicht hohe Betriebspreis sich
noch derartig verringern, daß diese Maschine sich selbst in den
kleinsten Betrieben der Hausindustrie Eingang zu verschaffen
geeignet ist.
Auf der Berliner Gewerbe-Ausstellung werden von be
währten Firmen die drei vorgenannten Systeme von Kraft
maschinen dem Publikum vorgeführt werden. Bei andauerndem
Betriebe der Motoren kann sich Jedermann von den Vorzügen
und Nachtheilen, von der Verwendbarkeit der einzelnen für jeden
Gewerbebetrieb überzeugen. Auf dem Ausstellungsterrain
wird für diese Kraftmaschinen ein für die ganze In
dustrie bedeutsamer Concnrrenzkampf ausbrechen; hier
werden wir fehcn, wem der Siegespreis zuerkannt
werden kann, ob Elektricität oder Gas die Hegemonie
erlangen wird. G. Jacob.
Das Theater Alt-Berlin.
Von Alfred Holzbock.
Sehring ist der Schöpfer des Theaters von Alt-Berlin, und
der Name dieses Baumeisters, der in seinen Schöpfungen so ganz
und gar von der Schablone abweicht, birgt dafür, das; das Äns-
stcllungs-Theater znm Mindesten in architektonischer Hinsicht ein
origineller Musentempel werden wird. Sehring ist ein Künstler
voll Eigenart, ein Baumeister, der Allem, was er schafft, eine be
stimmte Physiognomie aufzudrücken, den Charakter des modern
Praktischen und des inodern Künstlerischen zu geben versteht.
Trotz seines scharfen Blickes für das Praktische besitzt er eine
schöpferische Phantasie, einen ausgeprägten Sinn für das künst
lerisch Schöne und Wirkungsvolle, das sich über alle Tradition
erhebt und aus dem Geist des Neuen, des abseits von der
Heerstraße Liegenden erstanden ist.
Das Theater Alt-Berlin ist ein Mnsenheim, dessen Existenz
vorläufig nur für 5'/- Monate berechnet ist; die materiellen Fac-
toren, die hierbei in Betracht kommen, sind naturgemäß andere
als bei einem stabilen Theater, das für die Dauer von Jahr
zehnten errichtet ist. Und trotzdem wird der Mnsentempel in
Alt-Berlin sich als ein großes Theater Präsentiren, das als ein
festgefügter Ban sich erhebt, das in seinem Aenßeren mit künst
lerischer Vornehmheit, in seinem Innern mit behaglicher Eleganz
und in allen seinen Bühnenräuincn nach der vollendetsten iw-
dcrnen Technik eingerichtet ist.
Das Theater liegt dicht an der Stadtmauer, die sich durch
Alt-Berlin hinzieht. Es wächst empor an der Grenze jenes Stadt
theils, in dem das Berlin vergangener Jahrhunderte sich aus
breiten soll; diesem Umstande mußte Rechnung getragen, in
Folge dessen der ursprüngliche in Aussicht genommene Gontard-
Stil aufgegeben und der Versuch gemacht werden, dem Theater
Alt-Berlin jenen architektonischen Charakter zu geben, der sich dem
Stil von Alt-Berlin anpaßt. Das Experiment ist geglückt. Wie
ein prächtiges, aufgefrischtes, etwas modern herausstaffirtcs, aber
trotzdem.charakteristisches Ueberbleibsel aus dem Berlin des Großen
Kurfürsten breitet sich der stolze Bau aus. Seine an der Südseite
gelegene Hauptfaoadc, die von rothen Backstein-Säulen gestützt wird,
ist als der Uebcrrcst einer gothischen Halle gedacht. Eine in
ihrer Art einzige Ausschmückung wird die dreieckig anslanfcndc
Stirnseite, für welche Motive des alten Marstalls in Anwendung
kommen, erhalten; sie wird in malerischer und sculpturcüer.Hin
sicht so decorirt werden, daß sie den Eindruck einer alten Stadt
macht, deren Thürme schon ans weiter Ferne grüßen.
Außerordentlich praktisch ist das Vestibüle angelegt, das die
Form eines mächtigen Tonnengewölbes hat, dessen mit zahllosen
kleinen Cassetten versehene Decke durch ihre weiße Farbenmono
tonie den gewölbcartigcn Eindruck erhöht. Das Vestibüle, an das
sich links eine gemüthliche Weinstube und rechts ein comfortables
Kaffee-Restaurant anschließt, hat eine Größe von 400 Quadrat-
inctern und soll eine Art Refugium bilden, ein Promemoire, in
dem das Publikum bei schlechtem Wetter auf und ab wandeln
kann; eine heraldische Ausschmückung wird sich der mittelalter
lichen Fornr des Vestibüle anpassen. — Die von letzterem zum
Theater selbst führenden Eingänge beweisen, daß hier alle Mittel
in Anwendung kommen, die einen sicheren Schutz gegen Fcuers-
gefahr bilden können. Acht breite, hohe Eingänge, von denen
vier für den ersten Rang und vier für das Parkett bestimmt
sind, führen in den Zuschauerraum, der in allen seinen
Theilen aus dem feuersicheren Monier-Material, einer undurch
dringlichen chemischen Verbindung von Cement und Eisendraht,
hergestellt ist und zugleich als ein Riesenausstelliingsobject des
Systems Monier gelten kann und auch gelten soll. Der nächst
dem Vestibüle gelegene Platz ist das Stehpartcrrc, das 350 Per-
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