Publication:
1896
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-15365322
Path:

Officielle Ausstellungs - Nachrichten.
verschiedenen Register ans und dürften selbst der kräftigste!'
Behandlung Widerstand leisten.
Leute waren, die den Vortheil einer öffentlichen Ausstellung zu
würdigen und zu benutzen wußten. Das; sie beim ersten Mal im
Jahre 1804 schon Erfolg gehabt haben müssen, läßt sich daraus
schließen, daß ein großer Theil schon zwei Jahre später die Aus
stellung beschickte und es auch wieder gethan hätte, wenn nicht die
darauffolgenden kriegerischen Wirren die friedliche Erwerbsthätig-
keit gestört und gelähmt hätten.
Von den ausgestellten Clavieren werden drei verschiedene
Arten erwähnt, nämlich Pianofortes und Fortepianos in
Elavierfvrm, in Flügelform und aufrechtstehend, die mit
unseren heutigen Instrumenten fast nur den Namen und einen
kleinen Theil der äußeren Form gemein haben. Ihre Erfindung
verdanken sic einem Teutschen, Chr. G. Schröter (1699—1782),
einem ingeniösen Kopfe, welcher mit der Construction dcr.Hammer-
mechanik dein alten Clavichord den Garaus machte. Er nannte
seine Erfindung, da man auf einem solchen Instrumente beliebig
stark und schwach spielen konnte, Pianoforte oder Fortepiano.
Da Schröter kein Capital zur praktischen Ausführung besaß, so
iiberlicß er dem berühmten Königlich polnischen und Kurfürstlich
sächsischen Hof- und Landorgelbauer Gottfried Silbermaun
die Anfertigung seiner Pianvforte. Im Jahre 1721
zeigte Silbermann das erste Instrument dem Großmeister
der Tonkunst, dem unsterblichen Johann Sebastian
Bach; doch dieser tadelte es, und obgleich sich Silbermann mit
ihm deshalb überwarf, suchte er doch die gerügten Mängel zu be
seitigen, und seine Instrumente bekamen bald einen großen Ruf.
Friedrich der Große ließ sich 1747 sieben solcher Piano
forte anfertigen, von welchen jedes mit 600 bis 700 Thalern
bezahlt wurde. Die Form der ersten Instrumente war die
des tafelförmigen Clavicrs, erst später baute Silbermann
solche in Flügclform. doch bedeutend länger und spitzer
als jetzt. Der Tonumfang betrug nur vier Octaven,
der sich nach und nach auf fünf und sechs Octaven
erhöhte. Als der junge Liszt im Jahre 1824 in Paris auf
einem Flügel von 7 Octaven Umfang (vom Contra-6 bis zum
fünfgestrichenen C) spielte, wollte das Instrument keine Stimmung
halten, und man war genöthigt, in der Mitte des Stückes ab
zubrechen und die um einen halben Ton gesunkenen Saiten best
möglichst heraufzustimmen. In demselben Jahre wurden aber
von dein Berliner Fabrikanten Kisting dreichörige Pianofortes
gebaut und viel in Concerten benutzt, die sich durch ungewöhnliche
Stärke des Tones und gute Spielart auszeichneten und bei denen
der Mechanismus des Anschlages und die Dämpfung bedeutend
verbessert waren.
Bis beinahe zur Mitte dieses Jahrhunderts dominirte der
Wiener Flügelban, aber seine eigentliche Bedeutung war doch
schon gesunken, und z. B. auf der ersten Londoner Welt
ausstellung im Jahre 1851, zu der Wien seine besten Jnstru-
mcntcnbaufirmcn als Aussteller gesandt hatte, gelang es nicht
einmal, auch nur eine einzige ehrenvolle Erwähnung in dieser
Gruppe zu erhalten.
Tie bis dahin nur unbedeutende, in bescheidenen Bahnen
wandelnde Berliner Pianofortc-Jndustrie sollte mit einem
Male einen ungeahnten Aufschwung erhalten. Und das verdankt
sic an erster Stelle Carl Bechstcin, der, im Verein mit
mehreren anderen, gleichfalls sich eines hohen Rufes erfreuenden
Meistern der deutschen Pianoforte-Bauknnst eine Bedeutung gab,
die ihren Ruhm über das ganze Weltall verbreitete. Schon im
Jahre 1862 erhielt Bcchstein auf der Londoner Jndustric-
Ansstellung die „erste große englische Preisincdaille". Ter
damals veröffentlichte officielle Bericht lautet:
„Preußen. — Carl Bechstcin, Hoflieferant Sr.Majestät
des Königs und Sr. Königl. Hoheit des Prinzen Friedrich Karl
von Preußen, dessen Geschäft erst im August 1856 gegründet ivnrdc,
aber in der kurzen Zeit von sechs Jahren sich zu einer solchen
Höhe emporgeschwungen hat, daß er mit ca. 130 Arbeitern gegen
-100 Jnstrnmentc jährlich fabricirt, worunter allein 180 Flügel
zu zählen sind, und nach Amerika, Asien, England und Rußland
ausführt, hatte zwei ganz ausgezeichnete Flügel geschickt. Die
Instrumente Bechstein's zeichnen sich durch eminente Frische und
Freiheit des Tons, Annehmlichkeit der Spielart und Gleichheit der
Wir berichten mit Freuden, daß diese Flügel eine große An
zahl Freunde in London gefunden haben und sind überzeugt, daß
sich das schon vorhandene Renommee noch steigern und dieselbe,
noch größere Verbreitung in England finden werden. Die Ueber
einanderlegung der Saiten in dem einen Flügel ist zwar nicht
neu, aber mit großem Erfolg und sehr geschickt angewendet. Das
Fabrikat wird mit der „Ersten großen englischen Prcisinedaille'
prümiirt." (Unterschriften der Preisrichter.)
Ebenso wie in London wurden 1868 in Paris und aus
anderen bedeutenden Weltausstellungen seine Fabrikate stets durch
höchste Preise ausgezeichnet. Die drei großen Fabriken mit
gewaltigen Dampfmaschinen beschäftigen gegenwärtig über 500 der
intelligentesten Arbeiter und liefern jährlich über 3000 Instrumente,
darunter 1200 Flügel.
In gleicher Weise wie Carl Bechstcin haben zum Rufe
der Berliner Pianoforte-Jndustrie beigetragen: die Hofpianofortc
fabrilanren Wilhelm Biese sgcgr. 1851), I. L. Dnyscn,
G. Schwechten und viele Andere. Heute umfaßt unsere hiesige
Musikinstrumenten Industrie ca. 170 Pianofortefabriken und
etwa 30 andere, die zum Theil Streich-, Blasinstrumente,
mechanische Musikwerke, Schlagzeug rc. fabricircn und über
4000 Arbeiter beschäftigen.
Auf der diesjährigen Gewcrbc-Ausstellnng tvird sic rcprä-
scntirt in
Gruppe Xlf. Musikalische Instrumente,
die im Seitenflügel, am Haupteingauge des Jndustriepalastcs,
gegenüber dem Gebäude der „chemischen Industrie" einen Raum
von 2400 Quadratmetern erhalten hat.
Die Nttsstellttttg und das Kleingewerbe.
Tie gerade in dem letzten Jahrzehnt immer mehr zunehmende
Anlage von großen Fabriketablisscments mit ausgedehnten und
technisch vollkommenen maschinellen Einrichtungen ließen durch
die naturgemäß bei der Massenfabrikation billigere Herstellungs
weise der einzelnen Artikel und Prodncte bald ernstlich befürchten
daß das Handwerk und die Kleingewerbetreibenden, oder besser
gesagt, die Gewerbetreibenden, denen keine enorme Anlage- und
Betriebskapitalien zur Verfügung stehen, durch den entstehenden,
gewissermaßen mit ungleichen Waffen geführten Concurrenzkampf
zri Grunde gerichtet iverden oder doch schwer leiden würden.
Diese Sorge hatte sich auch nicht als trügerisch erwiesen, und die
drohende Gefahr konnte nur dadurch abgewendet werden, daß die
Maschinenfabriken auch ihr Augenmerk auf die Construction
kleinerer Kraftmaschinen warfen, welche keine kostspielige Anlagen und
besondere Bauten erfordern und so auch den nicht mit großen
Geldmitteln ausgestatteten Handwerksmeistern zugänglich sind.
Von vornherein ausgeschlossen werden von der Verwendung
für den Kleingewerbebetrieb mußten die Dampfmaschinen. Sie
erfordern in jedem Falle die Anlage einer besonderen Dampf
erzeugungsstätte, welche naturgemäß hohe Geldkosten verursachen
muß und in den meisten Fällen auf den Werkstatt-Grundstücken
nicht errichtet werden kann; ebenso ist es nicht immer möglich,
die für eine Dampfmaschine erforderliche Fundamentirung herzu
stellen. Hier schaffte die Erbauung des Gasmotors Rath. Q-.
Verwendung des in Gasanstalten erzeugten Leuchtgases zum Be
triebe leichter und sicher arbeitender gewerblicher Kraftmaschinen
hat eigentlich erst der bekannte Ingenieur Otto der rationellen
Verwerthung zugänglich gemacht. Durch die eigenartige Con
strnction seiner Motoren ist die größte Kraftentwickelung bei
verhültnißmüßig geringem Gasverbrauch ermöglicht. EineExplosious
gcfahr ist durch die Anordnung der Schiebcrvcntile vollkommen
ausgeschlossen. Die besondere Weitcrvcrbcsscrnng der Biotoren
an den Regulatoren und der Züudungsvorrichtung haben sich bn
Firmen Benz-Düsseldorf und Körting-Hannover angelegen sein
lassen. Die Entzündung des zum Betriebe dienenden explosiven
Gasgemisches erfolgt nach neueren Patenten nicht durch eine
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