Publication:
1896
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-15365322
Path:

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Officielle Äusstellungs - Nachrichten.
verlaufend, ansehliesst: Gehirn und Rückenmark. Von beiden
gehen Fäden aus, welche durch den ganzen Körper bis in dessen
äusserste Schichten sich verbreiten: die Nerven; sie bilden, im
Gegensatz zum Gehirn und Rückenmark, das peripherische Nerven
system.
Zwei wichtige Leistungen liegen dem animalen System ob:
die der bewussten Empfindung und die der bewussten
Thätigkeit. Jede bewusste Empfindung — das kann man als
sichere Thatsache annehmen — kommt nur zu Stande durch das
Gehirn, und auch hier nur an einer bestimmten Stelle, in der
Hirnrinde, welche durch ihre Graufärbung von dem weissen
Innentheile des Gehirns, dem Marke, unterschieden ist. Auch
die bewusste Thätigkeit, die Muskelbewegung, hat ausschliesslich
in der Rinde ihren Sitz. Das ganze Gehirn ist durch eine tiefe
Mittelfurche in zwei Hälften getheilt, welche durch den sogenannten
»Balken« miteinander verbunden sind; durch diese Verbindung
ist die Möglichkeit gegeben, dass, wenn die eine Seite des Gehirns
durch Geschwülste, Verletzungen etc. in einem nicht zu grossen
Umfänge zerstört ist, die andere für sie eintreten kann. Sehr
merkwürdig ist die Thatsache, dass alles, was von der linken
Seite des Gehirns abhängig ist, auf der rechten Körperhälfte sein
Feld hat, und umgekehrt. Will ich also z. B. mit dem rechten
Finger den Tisch berühren, so geht der Antrieb dazu von der
linken Grosshirnhälfte aus. Dem hintersten Abschnitt des Gehirns,
dem Kleinhirn, liegt die besondere Aufgabe ob, das Gleichgewicht
des Körpers zu erhalten.
Der Weg der Leitung vom Centralapparat zu den Organen
ist ein sehr eigenthümlicher. Kein einziger Muskel erhält seinen
Befehl vom Gehirn resp. Rückenmark auf directem Wege; sondern,
ähnlich der Einrichtung der Zwischenstationen in der Telegraphie,
sind auch in den Leitungsdrähten des menschlichen Körpers, den
Nerven, derartige Stationen vorhanden. Jeder Nerv besteht aus einer
Kette von einzelnen Gliedern, welche miteinander verhakt sind:
den Neuronen. Diese Neurone, von denen wir erst seit ganz
kurzer Zeit wissen, sind die eigentlichen Bausteine des Nerven
systems, aus welchen sich dasselbe zusammensetzt, wie ein Haus
aus seinen Ziegeln. Vorstellen kann man sich diese Neurone als
rundliche Körper von Sandkorngrösse, von denen Tausende der
allerfeinsten Verzweigungen verschiedener Form sich verbreiten.
Wie endigen, nun schliesslich diese Fäserchen im Körper? —
Ob in Sinnesorganen, wie im Auge, in der Zunge, ob im Bewegungs-
Apparate, den Muskeln, ob in den Absonderungs-Werkstätten der
Drüsen, stets ist die feinste Endigung eine solche, dass die Faser
sich in eine Anzahl baumförmiger, mit kleinen, knopfförmigen Ver
dickungen abschliessender Verzweigungen auflöst: das sogenannte
Endbäumchen.
Die Schnelligkeit der Leitung eines Befehles vom Central
organ zur Peripherie, oder umgekehrt einer Empfindung von der
Peripherie zum Centralorgan, ist, mit der Geschwindigkeit der Fort
pflanzung z. B. des Lichtes verglichen, keine bedeutende. Sie be
trägt 30 m in der Sekunde, nach den Untersuchungen von
Helmholtz. Bedenkt man jedoch die geringen Strecken, welche in
unserem Körper überhaupt zurückzulegen sind, so ist erklärlich,
dass uns Sinnesreizung und Empfindung, Impuls und Muskel
arbeit in momentaner Aufeinanderfolge erscheinen. Was das
für ein Agens ist, welches durch die Leitungsdrähte der i
Nerven strömt, wissen wir nicht. Elektricität ist es nicht, ob
wohl es manche Ähnlichkeit mit diesem Fluidum besitzt.
Wie der elektrische Funke überspringt zwischen zwei Polen, so
springt auch jenes unbekannte Fluidum zwischen je zwei Neuromen
über und durcheilt so die lange Kette derselben bis an den Be
stimmungsort. Denken wir uns nun, dass die Fortsätze dieser
Neurome die Fähigkeit besitzen, sich auszustrecken und zusammen
zurollen — und in der neuesten Zeit wird dies von mehreren
Seiten behauptet — so bekommen wir einen Einblick in einen un
endlich feinen Mechanismus. Wer hat nicht schon bemerkt, dass zu
Zeiten sein Nervensystem besser, schneller functionirt, als zu anderen,
wenn er übermüdet, unwohl oder überarbeitet ist. Wenn wir
uns nun vorstellen, dass im Zustande der Frische unserer Nerven
die Neurone durch Ausstrecken ihrer Fortsätze einander ge
nähert, bei Erschöpfung derselben eingezogen und weiter von
einander entfernt sind, so haben wir den Aufschluss für diese Er
scheinung. Demi, wie der elektrische Funke, so springt das unseren
Willen und unsere Empfindung übermittelnde Agens desto schwerer
über, je weiter die Pole von einander abstehen. Das ist der erste,
kleine Einblick in eine Wunderwelt, deren Pforten wir soeben erst
im Begriff sind zu eröffnen. 8—nn.
S
Ein Probeblasen fand gestern vor dem Halbrund des
Hauptgebäudes statt. Das Zusammenspiel verschiedener Musik-
Kapellen, die ihre Pavillons am Neuen See haben, hat sich als so
unangenehm und störend erwiesen, dass man die Musik-Kapellen
vom Westende des Neuen See nach der Gegend des Cafe Bauer
zu verlegen beabsichtigt. <<
S
Das Erwachen von Alt-Berlin. Achtlos am frühen (
Morgen durch den Treptower Park bummelnd, um die frische Luft
zu gemessen, gelangt man leicht durch ein Nebenthor, durch welches
um diese Zeit Bier-Fuhrwerke ihren Weg zu nehmen pflegen, in
die Strassen Alt-Berlins. Ist man in den Höfen auch beschäftigt
mit Auf- und Abladen, auf Strassen und Plätzen herrscht tiefe
Ruhe, die Stadt ist entvölkert, nur Tauben und Spatzen naschen
in den gastlichen Vorgärten der alten Wirthshäuser die Biosamen,
die gestern vom Tisch froher Menschen gefallen. Leise rauscht
der Morgenwind in den Fahnen, den Laubgewinden und
Ktibelpflanzen und hin und her schaukeln die Wirths-
hausschilder und die ehrwürdigen Laternen. In den Gärtchen hört
man Vogelgezwitscher und Amselschlag, nirgends vernimmt man
Menschenstimmen oder Hundegebell. Laut hallen die Tritte beim
Jassiren der Gerichtslaube, und die warme Morgensonne beleuchtet
ein Bild tiefsten Friedens. Immer meint man, ein Fenster müsse
sich öffnen und ein altes, freundliches Mütterlein oder ein lieblicher
Mädchenkopf sichtbar werden. Schwerfällig tönt die Seigerglocke vom
Rathhausthurm. Endlich trippeln ein paar halb altdeutsch, halb modern
gekleidete Mamsells an, die in einer Wirthschaft verschwinden, dann
kommen auch ein paar Männer mit müden, noch halbverschlafenen
Gesichtern, ein Landsknecht taucht auf, bald mehrere, Kellnerinnen
und Verkäuferinnen folgen, man grüsst hinüber und dankt herüber,
erkundigt sich, wie das Geschäft am vorigen Tage gegangen,
wechselt Scherzreden u. s. w. Robuste Gestalten erscheinen mit
Besen und Wischtuch, um Alt-Berlin bei der Toilette zu
helfen; die Strassen werden gesprengt, Laden um Laden
öffnet sich, die Waaren werden abgestäubt und geordnet, die
Decken auf die Möbel gelegt. Allmählich nahen auch die ersten
Besucher, langsam durch die Strassen schlendernd, Architektur,
Details und Aufschriften der Schilder studirend, Alt-Berlin ist aus
tiefem Schlaf erwacht zu neuem Lehen. »Vielleicht ein Loos
gefällig?« »Danke sehr.« »Kaufen Sie doch bitte einen Katalog,«
klingt’s von rosigen Lippen. Wer kann widerstehen? Alt-Berlin
wird gekauft und durchblättert. »0 Herr, sehen Sie doch die
hübsche Rose, blos 50 Pfennige!« So geht es weiter, die Geschäfts«
zeit hat wieder begonnen in Alt-Berlin.
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Im Theater Alt - Berlin sind die Vorarbeiten für den
zweiten Premieren-Abend endlich so weit gediehen, dass die Erst
aufführungen von Carl Bleibtreirs »Wendentaufe« und Conrad
Alberti’s »Die Büsserin« nunmehr endgiltig am Sonnabend statt
finden sollen.
o
Ueber die erste grosse Illumination des Aus
stellungs-Parkes, die bestimmt Sonnabend, 16. Mai, statt
findet, sind wir in der Lage, die folgenden authentischen Details
mitzutheilen: Die dreifache lTomenaden-Allec um den See wird
mit 18000 opalfarbigen Gläsern erleuchtet. An den Ufereinfassungen
werden zahlreiche, drei Meter hohe eiserne Pyramiden angebracht, die
einen dreifachen, grünen Gläserkranz tragen, während die Verbindung
zwischen diesen Pyramiden durch eine doppelte Kette von
Gläsern hergestellt ist. Um den ganzen Neuen See herum werden
auf der Bordkante 12 000 weisse Gläser angebracht und die beiden
Wandelgänge von der Eisenbahn- resp. der Dampfschiffstation
mittels 2500 blauen und gelben Gläsern erleuchtet. Auch die
Rasenflächen und Blumenbeete vor dem Cafe Bauer erhalten einen
reichen Lichtcrsclimuck, indem ca. 7 500 verschiedenfarbige Gläser
daselbst angebracht worden. Die beiden Promenaden vom Coepc-
nicker Landweg bezw. der Treptower Chaussee werden durch
farbige Lampions, die beiden Brücken durch 1000 sclieibenhelle
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