Publication:
1896
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-15365322
Path:

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Qfficielle Äussteslungs- Nachrichten.
der Schöpfung so sehr gefährlich wird, in der Regel die
festesten Grundsätze über den Haufen wirft und das ganze
schön entworfene Programm vernichtet. Bevor die Damen ihr
Pensum nicht gewissenhaft absolvirt und das Programm
vollständig erschöpft haben, gönnen sie sich keine Neben
beschäftigung, am allerwenigsten eine Erfrischung, deren Ingredienticn
Bier oder Cognac heissen; nicht einmal eine Tasse Kaffee oder
Caeao nehmen sie zu sich. Sind sie vom Sehen in den Sälen
müde, erfrischen sie sich an der Mailuft, sind sie vom Gehen ab
gespannt, so suchen sie einsame Stätten auf) wo sie sicher sind,
dass kein Kellner nach ihren Wünschen fragt. Sie haben ja auch
keinen Wunsch, nur das Bedürfniss der Röhe; sie kennen keinen
Durst, als den Wissensdurst, keinen anderen Hunger, als den
Heisshunger, sich zu belehren.
Wer diese Matadorinnen des heisshungrigen Wissensdurstes den
Blaustrümpfen beizählen oder sie in eine Kategorie stellen wollte mit
den wohlbekannten Typen englischer Herkunft, welche nach dem Führer
die Sehenswürdigkeiten im Fluge ablaufen, der thäte den Damen
bitteres Unrecht. Dem Engländer gedachten Schlages fehlt jeglicher
Humor, geht jede Poesie ab; unsere »Ausstellungsfeeen« sprudeln über
von Geist, sie haben das Herz auf dem rechten Flecke, wissen das
Schöne zu würdigen, kennen unsere Klassiker wie das Vaterunser,
ergehen sich in den köstlichsten Bemerkungen über das Geschaute,
die von herzerquickendem Humor zeugen und von attischem Witze.
Einer solchen Schaar zu folgen ist ein Vergnügen. Denn Damen sehen
mit ganz anderen Augen die Dinge und Menschen an wie wir Männer,
die wir gewöhnt sind, Principien zu reiten und schablonenmässig
zu sehen und zu denken. Niemals wird aus dem Munde einer
solchen Dame ein so herzlos-schiefes Urtheil kommen, wie wir Männer
deren an einem einzigen Tage zu Dutzenden fällen, und lautet selbst
das Urtheil abfällig, so ist es doch immer gemildert durch die Grazie,
die dem weiblichen Herzen angeboren ist. Trotzdem wird es nie ober
flächlich sein, denn die Lehre, dass das Weib unfreieren Denkens
sei, ist- eine Irrlehre. Sie hat sich niemals als stichhaltig erwiesen,
vielmehr als sehr fadenscheinig Wer sich davon tagtäglich über-
cugen will, dass sie fadenscheinig ist, der schliesse sich heimlich
an solchen Trupp von Ausstellungsfeeen an. Er wird schon nach
wenigen Stunden anderer Meinung sein.
S
Wie mannichfach das Hammerplacat als Vorwurf
für Berliner Industrie-Erzeugnisse dient, zeigt ein Gang durch das
Hauptgebäude der Gewerbe-Ausstellung. Gleich am Eingang zur
Haupthalle finden wir den Hammer im linken Säulenknauf des
schönen, kunstvoll gearbeiteten, monumentalen Brunnens. Die
Gold- und Silberarbeiter verwenden ihn für Busennadeln, Broschen,
Berloques und Manschettenknöpfe, die Lampen-Industrie als
Lampenfuss, vernickelt und verkupfert. Wir finden ihn ferner als
Etiquette für Cigarren und Cigaretten, auf Cigarrenbündchen,
auf Briefbogen, Couverts, Cartons und Geschäfts-Empfehlungen.
Bei der Kurzwaarenbranche erscheint das Hammerplacat oder
Theile desselben als Manschettenknopf (Gold auf blauer
Email), als Briefbeschwerer (in Bronze oder vernickelt),
die hammerbewehrte Hand, stehend auf Glas-, Marmor- oder ge
schliffener Steinplatte, als Albumdeckel oder auf Mappen in Seide
gestickt, mit braunem Lederrahmen und Geldern am eü! en, aut einer
Zeitungsmappe wappenförmig mit violetter Plüscheinfassung und
Goldornamenten, den blauen Grund bildet Rips, der untere Theil
ist aus hellem Stoff gestanzt, bestickt und bemalt. In Relief
prangt der Hammer in Gold auf Weiss auf Cigarren-, Cigaretten
taschen und Portemonnaies, dann findet man ihn nochmals aus Metall als
Menuständer, vernickelt oder vergoldet, auf Glas oder geschliffenem
Stein, und als Briefbeschwerer auf derselben Unterlage, aber liegend,
schliesslich auch in der Abtheilung für Kunststickerei als Banner in
Seide gestickt, genau nach dem Original in Zeichnung und Farben.
Hiermit ist aber seine Verwendbarkeit und seine Anwendung für
die Ausstellung keineswegs erschöpft. In den Zufahrtstrassen ist
das Hammerplacat mit Glück als effectvolles ; Decorationsstück, um
geben von Laubgewinden, an Häuserfronten verwendet und wirkt
hier sehr gut, wenn es in gewissen, nicht zu weiten Abständen
wiederkehrt. Viele Kaufleute haben es auch zum Mittelpunkt
ihrer Schaufenster-Ausstattung gemacht. Damen benutzen es zur
Herstellung von Wandtellern, indem sie die Hammerschildchen der
Cigarrenbänder in Verbindung mit Reclamemarken und den Aus
stellungsmarken der Packetpost aufkleben und durch gemalte
Arabesken u. s. w. die entstehenden Zwischenräume ausfüllen.
o
Vier unserer deutschen Brüder aus Kamerun
statteten gestern (Mittwoch) Abend dem Pavillon des »Berliner Lo
kal-Anzeiger« einen Besuch ab. Mit regem Interesse und unter
heftigen Gesticulationen nahmen sie die verschiedenen Einrichtungen
in Augenschein und namentlich die Rotationsmaschinen erregten die
laute Bewunderung der schwarzen Brüder. Am meisten schien
sie das Numerirwerk der Maschinen zu fesseln, da sie immer
wieder mit den Fingern auf dasselbe wiesen. Nur mit Mühe
konnte der Begleiter die Neger veranlassen, mit ihm in die Kolm
nial-Ausstellung zurückzukehren.
N
Auf der Unfall-Station wurden gestern zwölf Fälle be
handelt, darunter ein schwerer, Diphtherie an einem jungen Mädchen
aus Alt-Berlin, dasselbe wurde im Desinfectionswageu nach Berlin
gebracht. Die anderen Fälle waren meist Schnitt- und Quetsch
wunden. In der Sanitätswache waren es 18 leichte und zwei
ernstere Fälle, die zur Behandlung kamen.
V
Aus dem Amtsbureau Treptow. Nachdem sich bei
der Untersuchung herausgestellt hat, dass den Führer des elektrischen
Wagens, durch den am Sonntag die 67-jährige Frau Malis mit
tödtlichem Ausgang in der Coepenicker Landstrasse überfahren wurde,
kein Verschulden trifft, wurde nunmehr die Beerdigung der Leiche
gestattet.
s?
Die Feuerwehr wurde gestern zu Schippanowski in den
Vergnügungspark gerufen, wo ein unbedeutender Brand entstanden
war, der sogleich gelöscht wurde. Ebenso wurde ein etwas grösserer
Scheunenbrand an der Coepenicker Chaussee, zu welchem mit der
Dampfspritze ausgerückt wurde, lokalisirt, auch die Coepenicker
Feuerwehr war zur Stelle und setzte die Löscharbeit fort. Die
Nacht zum 13. war falscher Alarm, im Hauptgebäude war die
Scheibe eines Feuermelders eingedrückt worden, von einem Brande
jedoch nichts zu bemerken.
a) In der Ausstellung’.
Trachten-Studien in Kairo.
(Abdruck verboten.)
Man kann oftmals beobachten, dass der Nord-Europäer, der Nord-
Amerikaner — kurz alle »Träger dei modernen Cultur« dicNase rümpfen,
wenn sich Jemand in auffallender Toilette zeigt, und wer in dem Haupt-
Gebäude unserer Gewerbe-Ausstellung die Aeusserungen des Publikums
vorder »historischen Trachten-Ausstellung« belauscht, kanndieErfahrung
machen, dass auch die eigenen Voreltern mitihren charakteristischen Moden
vor der Verspottung der modernen Enkel im Grabe nicht sicher
sind. Es ist eben selten eines Menschen Gehirn so selbstthätig,
sich von den »Massenideen« zu befreien, und wer sich — wie
z. B. Zschokke’s »Narr des neunzehnten Jahrhunderts« von der
Conventionellen Kleidung emancipiren würde, statt des eintönigen
Schwarz des Salonanzuges eine bunte Farbe wählen oder statt der
sinnlosen Schwalbenschwänze des Fracks eine hübschere Tracht ein
zuführen wagen wollte, der würde unvermeidlich ein Narr genannt
werden. Aber trotzdem sich der Grossstädter in seiner modernen Tracht
so über allen Zweifel vornehm dünkt, äussert er seine kleinliche
Eitelkeit in den unbedeutendsten Details, in der Fagon des Hemd
kragens, in der Breite des Rockaufschlages, in dem Faltenwurf der
Hosen, von den Geheimnissen der Damentoilette, des engeren oder
weiteren Aermels, des umgelegten oder Stehkragens, der längeren
oder kürzeren Jackentaille ganz zu schweigen.
Aber wenn ein Maskenfest die Fesseln der Couvenienz ab
zustreifen erlaubt — wie sich der individuelle Geschmack dann
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