Publication:
1896
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-15365322
Path:

Officielle Ausstelfungs - Nachrichten.
s
infectionskammer, welche an einem hervorragenden Thermometer
ersichtlich ist, regulirt werden.
Es herrscht die irrige Ansicht, dass unter einer derartigen
Desinfeetionsmethode die desinficirten Sachen vollkommen un
brauchbar würden, und es sträuben sich daher die Meisten da
gegen, ihre Sachen auf diese Weise reinigen zu lassen. Dieses
Vorurtheil ist nicht gerechtfertigt, denn es werden im Allgemeinen
nur solche Sachen und Gegenstände für diese Apparate angenommen,
welche durch den Dampf nicht leiden und eben so gut mit Wasser
gewaschen werden können, ohne beschädigt zu werden. Geleimte
und polirte Holztheile sind vollkommen ausgeschlossen, da
bei diesen die Desinfection auf trockenem Wege erfolgt. Allerdings
kommt es ja vor, dass Sachen etwas einlaufen; dies ist aber nicht
auf den Apparat zurückzuführen, sondern auf die minderwerthige
Qualität des Stoffes. In diesem Falle muss man sich schon zu
friedengeben, denn ein geringer pecuniairer Schaden kann gegen
über den grossen sanitairen Vortheilen der Desinfection nicht in’s
Gewicht fallen.
Ein weiteres wichtiges Ausstellungsobject bildet der Kafill-
Desinfector, welcher zum Sterilisiren und Austrocknen von
Thierleichen und thierischen Resten oder Abfallen dient und als
Product Fett, Leim und Dungpulver erzeugt. Dieser Apparat
besteht aus drei mit einander in Verbindung stehenden Theilen.
Der Sterilisator, ein dem Dampfraum der Desinfectionsapparate
ähnlich gebauter Kasten, dient dazu, mittels Dampf die Cadaver
und Fleischtheile zu sterilisiren und auszutrocknen, sowie Fett und
Leimwasser abzusondern. Die beiden letzteren Producte werden
sodann durch den bestehenden Dampfdruck in den sogenannten
Recipienten befördert. Letzterer besteht aus zwei über einander
lagernden, ballonartigen Gelassen; das obere dient zur Klärung und
Gewinnung des Fettes, während in dem unteren die Restproducte
zu Leim eingedampft werden. Das sich hierbei verflüchtigende
Wasser sowie die entstehenden übelriechenden Gase werden in
den cylinderförmigen Condensator geleitet, wo ihre Niederschlagung,
Verbrennung und Geruchlosmachung erfolgt.
Dieser Apparat verbindet gewissermaassen das Nützliche mit
dem Angenehmen. Auf der einen Seite wird für eine im gesund
heitlichen Interesse dringend gebotene, schnelle Beseitigung der Thier
leichen Sorge getragen, während andererseits aus den Cadavem das für
Dungzwecke wichtige Fleischguano, welches einen hohen Stickstoff- und
Phosphorsäuregehalt besitzt, sowie Fassleim und das für gewerbliche
Zwecke viel benutzte consistente und rein weisse thierische Fett ge
wonnen wird. Eine mit diesen Apparaten auszustattende Fleisch-
vernichtungs-Anstalt für den städtischen Schlachthof zu Berlin ist
bereits von der Finna entworfen und in Ausführung genommen.
Schliesslich ist nach ein Fleischdämpfer zu erwähnen. Dieser
Apparat besteht aus einem Kessel, in welchem mittels
Dampf Fleisch, das roh nicht verkauft werden darf, sterilisirt
und geniessbar gemacht wird. Das hierin eingedämpfte
Fleisch ist vollkommen wohlschmeckend und nahrhaft, ohne
im geringsten an Kraft verloren zu haben. G. J.
Moderne Toiletten.
[Abdruck untersagt.]
Einen der beliebtesten Sammelpunkte im Hauptgebäude bilden
für die Damenwelt die Gruppen der Bekleidungs-Industrie. Hat
man die Ausstellung der historischen Gruppen von 1796—1896
besichtigt, so lenkt sich das Interesse dem Pavillon der Firma
Herrmann Gerson zu. Der dreitheilige Pavillon präsentirt sich seiner
Anlage und Anordnung nach durchaus gefällig und vornehm.
Im Mitteltheile bewundern wir zunächst eine prachtvolle Hof
toilette (rohe de cour). Das Unterkleid besteht aus weissem Atlas
und ist reich mit lila Blüthen und grünen Blättchen bestickt, unten
herum begrenzt von weissen Straussfedern, Auch die über
fallende Hofschleppe von maigrünem Sammet, welche reiche,
künstlerisch schöne Goldstickerei aufweist, wird ebenfalls von
Blätter, Blüthen und Ranken geziert. Die Taille besteht aus einem
ausgeschnittenen Mieder von weissem, besticktem Atlas; Kragen und
grosse Puffärmel sind wiederum von maigrünem Sammt. Auch der
bei der Hofcour am Berliner Hofe vorgeschriebene, weisse Schleier
im Haar fehlt nicht.
Daneben zeigt sich ein köstliches Gesellschaftskleid von
golddnrchwirkter Chineseide mit reichem Dessin von Rosen- und Kom-
blumenbouquets in harmonischer Farbenstimmung, und ein zweites
von rosa Seidengaze über rosa Seide mit kunstvoll darauf applicirten
Rosenbouquets, goldenen Bändern und am Halsausschnitt, Aermel-
rand und unten um den Rock mit entzückendster, rosa Rüsche
begrenzt.
Eine Sortie de bal von weisser Seide mit Gold - Application
und Besatz von Straussfedern ist ebenso kostbar und eigenartig,
wie der Abendmantel aus modefarbener Seide, der eine köstliche
Stickerei aufweist: Ranken, Blumen und Blätter in Gold- und
Bronzeperlen und Flittern.
Die zweite Abtheilung bietet eine Fülle der schönsten Wäsche,
besonders apart erscheinen Hemd und Beinkleid aus heliotrop-
larbigent Batist mit gelblicher Spitze, oder auch aus weissem
Batist mit schwarzer Spitze und hellblauem Seidenband; Unter
röcke aus bunter Chinöseide, unten herum mit gezackten Rüschen
aus grüner Seide, aus gelber Spitze, mit rothen Rosen garnirt oder
ein anderer aus gelber Seide, mit Sternblumen besetzt.
Hier erblicken wir auch zwei Blousen, die durch Kostbarkeit
und künstlerischem Geschmack entzücken, die eine in grünlich-
modefarbener Seide mit altitalienischer Hand-Application, die andere
aus duftigem, weissem Crepe mit Application von schwarzen Spitzen.
Weiter sind auch drei kostbare Matinees zu bewundern, eine, Goldelse
genannt, ist von gelber Seide mit gelbem Spitzenstoff überzogen,
eine zweite, von duftigem weissem Crepe de chine mit gelben
Spitzen, eine dritte blau, ebenfalls mit gelben Spitzen garnirt.
In der Mitte dieser Abtheilung sind kostbare Pelzwerke zu schauen,
Muffs, Kragen, Fusssäcke, Sorties, eine solche von weissem Atlas
mit gelber Application und Zobelbesatz, vomherunter mit reicher
gelbweisser Rüsche garnirt und ein Kragen von gelblichem Crepe
de chine mit Hermelin fallen als ganz außergewöhnlich schön in
die Augen.
Höchst chic in ihrer Einfachheit, die dennoch die grosse
Kostbarkeit erkennen lassen, sind die beiden ausgestellten Winter-
Promenaden-Costüme, das eine schwarzer Sealskin mit Hermelin-
Kragen und Besatz, das andere aus schwarzem Breitschwanz mit
carmoisinrothem, goldgesticktem Kragen und gleichen Keilen am Rock.
In dem dritten Theil des Pavillon finden wir Promenaden-
und Reit-Toiletten, auch Kinderkleider, ferner Hüte, Schirme,
Stiefel u. s. w.
Besonders hübsch erschienen mir die beiden Promenaden-
Toiletten, die eine (Jäckchen und Rock) aus grau-blauem, feinem
Wollstoff, die Blouse von durchbrochenem Stoff in weiss und ecru-
farben, die andere, ebenfalls Rock und Jäckchen, schwarz-weiss
carrirt mit rothem Gürtel über der weissen Herrenchemisette.
Zweier eigenartig hübscher Hüte möchte ich noch erwähnen;
der eine, braun mit hohem Kopf, zeigt eine sehr eigene Gamirung
von Vergissmeinnicht und Reseda, der andere, von gelbem, grobem
Stroh, ist mit einem schwarzen Schleier und einem Strauss von
gelbem, grünem und weissem Mohn garnirt N. v. B.
Die Prinzessin Friedrich Karl traf gestern Nachmittag
gegen 5Vz Ghr ganz unerwartet in der Ausstellung ein und fuhr in
Begleitung einer Hofdame und des Kammerherrn v. Wangenheim bis zur
nördlichen Wandelhalle, wo sie aus dem Wagen stieg und, geführt von
Herrn Betriebsdirector Küster, über die Brücke nach der Ausstellung
Kairo ging. Hier machte Herr Director Möller dem hohen Gast die
Honneurs. Die Prinzessin, die ein einfaches, schwarzes Seidenkleid
und dunkelgraues .lacket trug, schritt, nur selten vom Publikum
erkannt, die Bauten voll Bewunderung betrachtend, durch die
Strassen, in welchen ein selten belebtes Treiben herrschte. Hier
kämpfte ein. Paar ägyptischer Soldaten mit einander, trottete das
Dromedar mit einer Reiterin auf dem Rücken daher, die Derwische
drehten sich wie toll im Tanze und die Fellachen schritten, eine ein
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