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Volume Nr. 27, 14. Mai 1896

Full text: Officielle Ausstellungs-Nachrichten (Public Domain) Issue1896 (Public Domain)

Officielle Ausstelfungs - Nachrichten. 
s 
infectionskammer, welche an einem hervorragenden Thermometer 
ersichtlich ist, regulirt werden. 
Es herrscht die irrige Ansicht, dass unter einer derartigen 
Desinfeetionsmethode die desinficirten Sachen vollkommen un 
brauchbar würden, und es sträuben sich daher die Meisten da 
gegen, ihre Sachen auf diese Weise reinigen zu lassen. Dieses 
Vorurtheil ist nicht gerechtfertigt, denn es werden im Allgemeinen 
nur solche Sachen und Gegenstände für diese Apparate angenommen, 
welche durch den Dampf nicht leiden und eben so gut mit Wasser 
gewaschen werden können, ohne beschädigt zu werden. Geleimte 
und polirte Holztheile sind vollkommen ausgeschlossen, da 
bei diesen die Desinfection auf trockenem Wege erfolgt. Allerdings 
kommt es ja vor, dass Sachen etwas einlaufen; dies ist aber nicht 
auf den Apparat zurückzuführen, sondern auf die minderwerthige 
Qualität des Stoffes. In diesem Falle muss man sich schon zu 
friedengeben, denn ein geringer pecuniairer Schaden kann gegen 
über den grossen sanitairen Vortheilen der Desinfection nicht in’s 
Gewicht fallen. 
Ein weiteres wichtiges Ausstellungsobject bildet der Kafill- 
Desinfector, welcher zum Sterilisiren und Austrocknen von 
Thierleichen und thierischen Resten oder Abfallen dient und als 
Product Fett, Leim und Dungpulver erzeugt. Dieser Apparat 
besteht aus drei mit einander in Verbindung stehenden Theilen. 
Der Sterilisator, ein dem Dampfraum der Desinfectionsapparate 
ähnlich gebauter Kasten, dient dazu, mittels Dampf die Cadaver 
und Fleischtheile zu sterilisiren und auszutrocknen, sowie Fett und 
Leimwasser abzusondern. Die beiden letzteren Producte werden 
sodann durch den bestehenden Dampfdruck in den sogenannten 
Recipienten befördert. Letzterer besteht aus zwei über einander 
lagernden, ballonartigen Gelassen; das obere dient zur Klärung und 
Gewinnung des Fettes, während in dem unteren die Restproducte 
zu Leim eingedampft werden. Das sich hierbei verflüchtigende 
Wasser sowie die entstehenden übelriechenden Gase werden in 
den cylinderförmigen Condensator geleitet, wo ihre Niederschlagung, 
Verbrennung und Geruchlosmachung erfolgt. 
Dieser Apparat verbindet gewissermaassen das Nützliche mit 
dem Angenehmen. Auf der einen Seite wird für eine im gesund 
heitlichen Interesse dringend gebotene, schnelle Beseitigung der Thier 
leichen Sorge getragen, während andererseits aus den Cadavem das für 
Dungzwecke wichtige Fleischguano, welches einen hohen Stickstoff- und 
Phosphorsäuregehalt besitzt, sowie Fassleim und das für gewerbliche 
Zwecke viel benutzte consistente und rein weisse thierische Fett ge 
wonnen wird. Eine mit diesen Apparaten auszustattende Fleisch- 
vernichtungs-Anstalt für den städtischen Schlachthof zu Berlin ist 
bereits von der Finna entworfen und in Ausführung genommen. 
Schliesslich ist nach ein Fleischdämpfer zu erwähnen. Dieser 
Apparat besteht aus einem Kessel, in welchem mittels 
Dampf Fleisch, das roh nicht verkauft werden darf, sterilisirt 
und geniessbar gemacht wird. Das hierin eingedämpfte 
Fleisch ist vollkommen wohlschmeckend und nahrhaft, ohne 
im geringsten an Kraft verloren zu haben. G. J. 
Moderne Toiletten. 
[Abdruck untersagt.] 
Einen der beliebtesten Sammelpunkte im Hauptgebäude bilden 
für die Damenwelt die Gruppen der Bekleidungs-Industrie. Hat 
man die Ausstellung der historischen Gruppen von 1796—1896 
besichtigt, so lenkt sich das Interesse dem Pavillon der Firma 
Herrmann Gerson zu. Der dreitheilige Pavillon präsentirt sich seiner 
Anlage und Anordnung nach durchaus gefällig und vornehm. 
Im Mitteltheile bewundern wir zunächst eine prachtvolle Hof 
toilette (rohe de cour). Das Unterkleid besteht aus weissem Atlas 
und ist reich mit lila Blüthen und grünen Blättchen bestickt, unten 
herum begrenzt von weissen Straussfedern, Auch die über 
fallende Hofschleppe von maigrünem Sammet, welche reiche, 
künstlerisch schöne Goldstickerei aufweist, wird ebenfalls von 
Blätter, Blüthen und Ranken geziert. Die Taille besteht aus einem 
ausgeschnittenen Mieder von weissem, besticktem Atlas; Kragen und 
grosse Puffärmel sind wiederum von maigrünem Sammt. Auch der 
bei der Hofcour am Berliner Hofe vorgeschriebene, weisse Schleier 
im Haar fehlt nicht. 
Daneben zeigt sich ein köstliches Gesellschaftskleid von 
golddnrchwirkter Chineseide mit reichem Dessin von Rosen- und Kom- 
blumenbouquets in harmonischer Farbenstimmung, und ein zweites 
von rosa Seidengaze über rosa Seide mit kunstvoll darauf applicirten 
Rosenbouquets, goldenen Bändern und am Halsausschnitt, Aermel- 
rand und unten um den Rock mit entzückendster, rosa Rüsche 
begrenzt. 
Eine Sortie de bal von weisser Seide mit Gold - Application 
und Besatz von Straussfedern ist ebenso kostbar und eigenartig, 
wie der Abendmantel aus modefarbener Seide, der eine köstliche 
Stickerei aufweist: Ranken, Blumen und Blätter in Gold- und 
Bronzeperlen und Flittern. 
Die zweite Abtheilung bietet eine Fülle der schönsten Wäsche, 
besonders apart erscheinen Hemd und Beinkleid aus heliotrop- 
larbigent Batist mit gelblicher Spitze, oder auch aus weissem 
Batist mit schwarzer Spitze und hellblauem Seidenband; Unter 
röcke aus bunter Chinöseide, unten herum mit gezackten Rüschen 
aus grüner Seide, aus gelber Spitze, mit rothen Rosen garnirt oder 
ein anderer aus gelber Seide, mit Sternblumen besetzt. 
Hier erblicken wir auch zwei Blousen, die durch Kostbarkeit 
und künstlerischem Geschmack entzücken, die eine in grünlich- 
modefarbener Seide mit altitalienischer Hand-Application, die andere 
aus duftigem, weissem Crepe mit Application von schwarzen Spitzen. 
Weiter sind auch drei kostbare Matinees zu bewundern, eine, Goldelse 
genannt, ist von gelber Seide mit gelbem Spitzenstoff überzogen, 
eine zweite, von duftigem weissem Crepe de chine mit gelben 
Spitzen, eine dritte blau, ebenfalls mit gelben Spitzen garnirt. 
In der Mitte dieser Abtheilung sind kostbare Pelzwerke zu schauen, 
Muffs, Kragen, Fusssäcke, Sorties, eine solche von weissem Atlas 
mit gelber Application und Zobelbesatz, vomherunter mit reicher 
gelbweisser Rüsche garnirt und ein Kragen von gelblichem Crepe 
de chine mit Hermelin fallen als ganz außergewöhnlich schön in 
die Augen. 
Höchst chic in ihrer Einfachheit, die dennoch die grosse 
Kostbarkeit erkennen lassen, sind die beiden ausgestellten Winter- 
Promenaden-Costüme, das eine schwarzer Sealskin mit Hermelin- 
Kragen und Besatz, das andere aus schwarzem Breitschwanz mit 
carmoisinrothem, goldgesticktem Kragen und gleichen Keilen am Rock. 
In dem dritten Theil des Pavillon finden wir Promenaden- 
und Reit-Toiletten, auch Kinderkleider, ferner Hüte, Schirme, 
Stiefel u. s. w. 
Besonders hübsch erschienen mir die beiden Promenaden- 
Toiletten, die eine (Jäckchen und Rock) aus grau-blauem, feinem 
Wollstoff, die Blouse von durchbrochenem Stoff in weiss und ecru- 
farben, die andere, ebenfalls Rock und Jäckchen, schwarz-weiss 
carrirt mit rothem Gürtel über der weissen Herrenchemisette. 
Zweier eigenartig hübscher Hüte möchte ich noch erwähnen; 
der eine, braun mit hohem Kopf, zeigt eine sehr eigene Gamirung 
von Vergissmeinnicht und Reseda, der andere, von gelbem, grobem 
Stroh, ist mit einem schwarzen Schleier und einem Strauss von 
gelbem, grünem und weissem Mohn garnirt N. v. B. 
Die Prinzessin Friedrich Karl traf gestern Nachmittag 
gegen 5Vz Ghr ganz unerwartet in der Ausstellung ein und fuhr in 
Begleitung einer Hofdame und des Kammerherrn v. Wangenheim bis zur 
nördlichen Wandelhalle, wo sie aus dem Wagen stieg und, geführt von 
Herrn Betriebsdirector Küster, über die Brücke nach der Ausstellung 
Kairo ging. Hier machte Herr Director Möller dem hohen Gast die 
Honneurs. Die Prinzessin, die ein einfaches, schwarzes Seidenkleid 
und dunkelgraues .lacket trug, schritt, nur selten vom Publikum 
erkannt, die Bauten voll Bewunderung betrachtend, durch die 
Strassen, in welchen ein selten belebtes Treiben herrschte. Hier 
kämpfte ein. Paar ägyptischer Soldaten mit einander, trottete das 
Dromedar mit einer Reiterin auf dem Rücken daher, die Derwische 
drehten sich wie toll im Tanze und die Fellachen schritten, eine ein
	        
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