Path:
Volume Nr. 27, 14. Mai 1896

Full text: Officielle Ausstellungs-Nachrichten (Public Domain) Issue1896 (Public Domain)

s 
Officielle Ausstellungs - Nachrichten 
allen Dingen der Sterlett mit seinem Rückenpanzer und der langen, 
schnabelartigen Schnauze — von Hübner in Thalmühle bei Frank 
furt a. 0. ausgestellt — und die Forellenbarsche v. Ollech’scher 
Zucht (Wiesenthal bei Tzschecheln, Nieder-Lausitz) in’s Auge. 
Im elften Becken wieder Forellen (Fischzuchtanstalt Oesede und 
8. Jaffe in Sandfort bei Osnabrück). Dann finden wir wieder 
einige neue Gäste: die reizende, zierliche, muntere Schmerle und 
den Nordseeschnäpel, gesandt von der Fischzucht der Königlich 
landwirtschaftlichen Gesellschaft in Hannover, daneben die ge 
wöhnlichen Fische, unter denen besonders Barsche und Welse 
durch ihre Grösse imponiren (Willi. Kraatz—Paarsteinwerder bei 
Chorin und Paul Ahlgrimm—Coepenick). Wenn wir nun um die 
Ecke des Ganges biegen, so leuchten uns zwei vom Tageslicht un 
gehindert getroffene Bassins mit prachtvollen Goldfischen entgegen 
(Goldfische [Gold-Karauschen], Goldschleie, Goldorfen), von Haden- 
feldt in Beringstedt, Holstein, geschickt; links davon erregen die 
Riesenkarpfen der Fürstlich Hatzfeld-Trachenberg’schen Teich- 
verwaltung gerechtes Aufsehen; auch zur Rechten .fallt der 
Blick auf ausserordentliche Exemplare von Lederkarpfen, Gold 
orfen und Aalen, auch von Regenbogenforellen (0. Gundermann). 
Herrlich ist auch das Bassin von Dr. von dem Borne-Berneuchen 
ausgestattet, der zwar vorzugsweise auch Forellen, daneben aber 
auch Forellenbarsche, Schwarzbarsche, Zwergwelse (Amiurus 
nebulosus), Goldschleihe und Goldorfen von ungewöhnlicher Grösse 
und die in der Ausstellung einzigen, klumpigen Sonnenfische 
(Pnmotus auritus) gesandt hat. Daneben zeigt Lindenberg sehr 
stattliche Sterletts; auch das nächste, vorletzte Becken hat recht 
ansehnliche Bewohner, namentlich Zander und Hechte (W. Kau 
mann Nachf., Berlin), und Spiegel-Karpfen (Carl Schöppler in Augs 
burg). Das letzte (21.) Bassin ist ausschliesslich Krebsen ge 
widmet, von denen »Krebs-Micha« in allen Grössen und allen 
Farben — kann man beinahe sagen — ausgestellt hat. 
Zum Schluss begeben wir uns noch auf kurze Zeit 
in den Pavillon gegenüber dem Wasserbecken, in welches 
in Hunderten feiner Strahlen das Wasser hemiederbraust. 
Hier findet — man möchte meinen — jeder sein höchstes Ent 
zücken, denn hier sieht man die Fische, die man dort in grossen, 
dem Züchter nur noch wenig Sorge machenden Exemplaren sah, 
eben geboren, ja man sieht sie sogar geboren werden. Zunächst guckt 
durch die zarte Hülle des Eies nur das grosse schwarze Auge 
hindurch, bis dann die Hülle platzt, und sich ein winziges Fischlein 
herausarbeitet, den Nahrungsdotter hinter sich herschleppend, meist 
unter den tausend Brüdern am Boden wimmelnd, zuweilen aber 
auch mit blitzschnellen Schwanzschlägen durch das Wasser rasend, 
bis es wieder am Boden eine andere Ruhestätte wählt Auf diese 
Fischbrut-Abtheilung werde ich noch genauer und mit ganz be 
sonderer Freude zurückkommen. Es fehlt uns auch noch ganz 
die Beschreibung des Rundganges um den von Wasser erfüllten 
Hof — eine Schuld, die ich mit Nächstem einlösen werde. Dr. E. T. 
Desinfections-Apparate. 
[Abdruck untersagt.] 
-rfn hochbedeutsamer Factor für das gesunde Emporblühen einer 
Gressstadt ist die sichere und schnelle Entfernung aller Stoffe, welche 
die Gesundheit der Bewohner zu gefährden geeignet sind. Zur 
Erreichung dieses hygienischen Zweckes ist sowohl die vollkommene 
Unschädlichmachung der in den Kleidern und Möbeln aus Kranken 
stuben haftenden eigentlichen Krankheitserreger (Bakterien und 
Bacillen) als auch die gründliche Beseitigung von Fäcalien und 
thierischen Producten, welche durch eintretende Fäulnissperiode 
die besten Verbreiter von Seuchen u. s. w. bilden. Die besten 
Mittel zur wirksamen Bekämpfung der menschenmordenden Krank 
heitstoffe bilden die in den grösseren Städten und Gemeinden 
schon längere Zeit im Gebrauch befindlichen Desinfectionsapparate, 
welche besonders bei den letzten grossen Choleragefahren die Feuer 
probe auf ihre vorzügliche Wirkung sehr gut bestanden haben. 
Einen besonderen Weltruf in der Einrichtung dieser Apparate 
hat sich die wohlbekannte Firma Rietschel & Henneberg erworben. 
Ihre Haupterzeugnisse finden wir in dem nordöstlichen Theile der 
Haupt-Maschinenhalle an der der elektrischen Centralstation gegen 
überliegenden Wand, wo die Desinfectoren rechts neben den Heizungs 
anlagen ihren Platz gefunden haben. Die verschiedenen Constructionen 
sind hier am einen engen Raum zusammengedrängt, um ein einiger- 
maassen übersichtliches Bild zu bieten. 
In erster Linie fällt ein fahrbarer Desinfectionswagen in’s 
Auge. Auf einem kräftigen, eisernen Wagengestell ruht, dem Be 
schauer zugekehrt, der eiserne Desinfectionskasten, welcher zur 
Aufnahme der zu desinficirenden Gegenstände dient. Dahinter sehen 
wir den ebenfalls auf dem Untergestell mitbefestigten Dampfkessel, 
versehen mit allen erforderlichen Regulirungs- und Sicherheits 
vorrichtungen , in welchem der zur Desinfection erforderliche 
Wasserdampf erzeugt und mittels eines oben sichtbaren Dampf 
rohres in den Desinfectionsraum übergeleitet wird. In dem Letzteren 
befindet sich ein ausziehbares Gestell, in welchem die zu reinigenden 
Sachen niedergelegt oder aufgehängt werden. Dieser fahrbare 
Apparat eignet sich vorzüglich dazu, bei ausgebrochenen Seuchen 
für die Desinfection in den Ortschaften des platten Landes ver 
wendet zu werden oder bei einer etwa eintretenden Mobilmachung 
zu dem gleichen Zweck den Truppen mit der Sanitätscolonne zu folgen. 
Daneben finden wir die Einrichtung einer stationairen Des- 
infectionsanlage, welche im Anschluss an vorhandene Kesselanlagen 
zur Verwendung kommen. Die Construction dieser Apparate ist im 
Ganzen genau dieselbe wie bei der vorbeschriebenen fahrbaren An 
lage, nur sind die Kasten stabiler und für einen grösseren Betrieb 
eingerichtet, da sie feststehend vermauert werden können. Nach 
diesem Systeme sind die in den Berliner städtischen Desinfections- 
Anstalten im Gebrauch befindlichen Apparate eingerichtet. Selbst 
verständlich haben diese in Folge der grösseren Dimensionen 
auch eine erhöhte Leistungsfähigkeit. So hat z. B. der 
zur Ausstellung gebrachte Apparat einen nutzbaren Desinfections 
raum von 4,72 cbm, und ist somit im Stande, auch 
Matratzen und ganze Bettstellen zur Desinfection aufzunehmen. 
Ausserdem ist dieser Apparat mit zwei Thüren, Ventilationsvorrichtung 
und nach beiden Seiten herausziehbarem Wagen versehen, welch' letzterer 
Umstand zur grösstmöglichen Zeitersparnis beim Hineinlegen und 
Herausnehmen der Sachen von nicht zu unterschätzendem Vortheil ist. 
Ein weiterer kleinerer Apparat, welcher dort zu empfehlen ist, 
wo nur geringe Anschaffungsmittel vorhanden sind und wo es nur 
auf die Behandlung kleinerer Objecte wie Kleider, Wäsche, Verband 
stoffe u. s. w. ankommt, ist ebenfalls vertreten. Hier ruht die 
cylinderförmig gebaute Kammer auf einem Ofenuntersatz, in welchem 
mittels Kohlenfeuerung der erforderliche Dampf erzeugt wird. Die 
ausgestellte Construction hat ein Rauminhalt von 77 ebdem. 
Lediglich klinischen Zwecken dient ein kleinerer Special- 
Apparat, welcher zur Sterilisation von Instrumenten und kleineren 
Quantitäten Verbandstoff dient und vielfach in Operatiohssälen zur 
Verwendung kommt. 
Die Wirkungsweise dieser vorbeschriehenen Desinfectionsapparate 
ist in allen Fällen die gleiche und denkbar einfachste. Auf einem 
mit guter Luftzuführung und Rauchableitung versehenen Feuerungs 
untersatz ruht eine Verdampfungspfanne, in welcher das Wasser 
ohne jeden Carbol- oder sonstigen Chemikalienzusatz bis 
zur Erzeugung eines stark erhitzten Wasserdampfes erwärmt 
wird. Dieser Verdampfungsapparat wird bei grösseren 
Apparaten durch eine vollständige Dampfkesselanlage ersetzt. 
Der Dampf tritt entweder direct oder durch ein Zuleitungsrohr 
in die Dampfkammer, den eigentlichen Desinfectionsraum, ein. 
Es ist dies ein geräumiger eiserner Kasten oder ein stehender 
Cylinder aus starkem Eisenblech, welcher an einer oder zwei 
Seiten durch Thüren zugänglich ist. Letztere lassen sich durch 
Ueberleg-Schrauben vollständig luftdicht abdichten und sind ausser 
dem, um Wärmeveriuste soviel wie möglich zu vermeiden, innen mit 
einer doppelten Isolirschicht versehen. In diesem Kasten wird nun 
ein eisernes, genau der Form des Desinfectionsraumes angepasstes 
Gestell geschoben, die sogenannte Desinfection skammer. Der Boden 
derselben ist mit einem Holzrost zum Niederlegen der zu des 
inficirenden Gegenstände versehen, während sich oben eine Ein 
richtung zum Anhängen der Objecte befindet. Die Wände der 
Kammer sind nicht geschlossen, sondern lassen den überhitzten Wasser 
dampf ungehindert eintreten und seine Desinfectionswirkung 
ausüben. Wenn die Objecte in diesem Apparate längere Zeit dem 
strömenden, überhitzten Dampfe ausgesetzt werden, so werden 
sämmtliche in ihnen enthaltenen Bakterien und sonstigen Krankheit 
erreger getödtet, so dass jede Ansteckungsgefahr beseitigt ist. Durch 
ein Lufteinlassventil kann jeder Zeit die Temperatur in der Des-
	        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.