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Volume Nr. 26, 13. Mai 1896

Full text: Officielle Ausstellungs-Nachrichten (Public Domain) Issue1896 (Public Domain)

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Officiell® Ausstellungs ° Nachrichten. 
ihrer Wahrzeichen und Hausschilder bei unseren Altvordern bemerk 
bar, und so findet man auch bei ihren Epigonen von 1896 ein 
ähnliches Bestreben. Kater und Maus oder ein heraldischer Löwe sind 
beliebte Symbole der Gastwirthschaften, ein Elfenbeinschnitzer wählte 
einen grossen Elephanten, eine Milch-Trinkstube eine Kuh als Aushänge 
schild. Viel moderner sieht dagegen das Wahrzeichen der Singspiel 
halle »Zum Roland« am alten Georgenthor aus: eine mächtige irdene 
:> Steinhäger < flasche. Die innere Eingangsseite dieses Etablissement 
zeigt eine Eule und einen Spiegel, und über dem grossen Thorbogen 
liesst man die Inschrift: 
Dies Haus, es steht in Gottes Hand, 
Zum Eulenspiegel wird es genannt. 
Damit soll gleichzeitig der Charakter und das Wesen des 
Hauses als eine Stätte, wo Humor und gute Laune zu finden ist 
und allerlei Schnurren erdacht werden, gekennzeichnet sein. Denn 
auch die alten Berliner um 1650 kannten schon den Meister Till 
Eulenspiegel als Helden loser Streiche und launiger Einfälle. 
Ebenfalls im »Roland« befindet sich über dem grossen Bogenfenster 
der Küche die Inschrift: 
Der Brauer ist gut, 
Der Koch ist besser. 
und neben dem Kopf eines trunkenen Faun das Verslein: 
Gesegnet soll der Trunk uns sein, 
Euch das Wasser, mir der Wein! 
Ein vielfach gebräuchlicher Willkommensgruss ist: 
Grtiss Gott! tritt ein, 
Bring’ Glück herein! 
oder die alte märkische Schutzformel: 
Glück herein, Unglück heraus — 
Gott beschütze dieses Haus! 
Solche und ähnliche Inschriften sind in Kaufmann’s Bauern- 
Museum, dessen origineller, humorreicher Wirth und unvergessliche 
Raritäten-Sammlung einer besonderen Besprechung unterzogen werden 
sollen, im Pilsener Bierhaus, im Bayerischen Bierstübl und an 
anderen Erfrischungsstätten für die Alt-Berlin besuchenden Fremden 
vorhanden. 
Einen besonderen Reichthum an Sinn- und Kernsprüchen hat 
das Restaurant »Zum Grossen Kurfürsten« am Markt, geradeüber 
dem Rathhause, aufzuweisen. Gleich beim Eintritt liest man die 
Worte: 
Gott behüt’ uus vor Sturm und Wind 
Und vor Gesellen, die langweilig sind. 
Und ferner als Begleitverse einer launigen und flotten Zeichnung: 
Recht hat die Frau, 
Der Hecht ist blau, 
Blau ist der Hecht, 
Die Frau hat Recht. 
Für flotte Burschen ein altes Wahrwort ist der Vers: 
Alter Wein und junge Weiber 
Sind die besten Zeitvertreiber. 
und ebenfalls zum frohen Lebensgenuss mahnt das Wort: 
Iss, trink’, sei fröhlich hier auf Erd’, 
Denk’ nur nicht, dass es besser werd’. 
Hier entbehrt selbst der in altdeutscher Form auf Büttenpapier 
gedruckte »Speysenzettel vor alle lieben und fümehmen Gäste, so 
Alt-Berlin besuchen und sich laben wollen im Wirthshaus zum 
grossen Kurfürsten« nicht des poetischen Beigeschmacks. Er ist 
mit folgendem Verslein geziert: 
So Jemand saget mit Bedacht: 
Er habe cs Allen recht gemacht, 
Den bitte ich um die hohe Gunst, 
Mir zu zeigen diese Kirnst. 
Geschmäcker sind gar sehr verschieden, 
Und Allen recht, thun ist sehr schwer, 
Denn was den Einen stellt zufrieden, 
Darüber schimpft der Andere sehr. 
Im Restaurant von Gebrüder Roesler, wo die italienische 
Sängergesellschaft auftritt, finden sich folgende Inschriften: 
Das Reden kommt in’s Stocken, 
Sobald die Kehle trocken — 
oder über dem grossen Rundbogen: 
Heraus mit dem Wort — wenn es wahr ist, 
Hinab mit dem Trunk — wenn er klar ist 
ferner am Schenktisch: 
Ein frischer Trunk giebt Stärke 
Zu neuem Tagewerke 
und endlich mit dem Bilde der aufgehenden und vergnügt lächelnden 
Sonne die boshafte Mahnung für Alle, welche bis zum Tagesgranen 
zechten: 
Morgenstunde ist aller Laster Anfang. 
Die Champagner-Trinkstube hat als Wandschmuck den Vers 
aus dem alten Jena’sehen Tafelliede »Ca ca geschmauset« gewählt: 
Trinkt nach Gefallen, 
Bis Ihr die Finger darnach leckt, 
Dann hat’s Euch Allen 
Recht wohl geschmeckt. 
So bilden auch die Wahrzeichen und Inschriften in Alt- 
Berlin einen bemerkenswerthen Beitrag zur Geschichte der wieder 
erstandenen Kurfürstenstadt und zur Charakteristik ihrer modernen 
Einwohner. P. K. 
Das Theater Alt-Berlin hat seinen wiederholt ver 
schobenen zweiten Premieren-Abend nunmehr auf den 14. d. Mts. 
festgesetzt. Neben dem bekannten »Märkischen Ringeisteehen« 
sollen zum ersten Mal Carl Bleibtreu’s »Wendentaufe« und 
Conrad Alberti’s »Die Büsserin« zur Aufführung gelangen. 
V 
Die erste Festbeleuchtung findet, wie bereits berichtet, 
am Freitag, .15. d. M., statt. Die Vorbereitungen werden unter 
der Leitung des Herrn Demuth aufs eifrigste betrieben. Die opal- 
iärbenen Lämpchen an den Eisenbogen zwischen den Bäumen der 
Ufer-Alleen des Neuen Sees sind sämmtlich ausgehängt, und man f 
nun damit beschäftigt, die See-Einfassiyig mit Candelabern, bunten Guir 
landen und einem Kranz weisser Beleuchtungsgläser zu schmücken. 
Der Bau der Felsengrotte für die unterirdische Beleuchtung der 
Wasserstrahlen der Fontaine lumineuse ist noch ziemlich weit zurück. 
V 
Marine-Schauspiele. Das Musikcorps der Kaiser!. II. 
Matrosen-Divisicn, das an der Stätte seiner bisherigen Wirksamkeit' 
zwar die grössten Erfolge errungen hat, aber in seiner ganzen 
künstlerischen Leistungsfähigkeit sich nicht zu entfalten vermochte, 
hat nunmehr auch vor einem musikalischen Zuhörerkreis Proben 
seines Könnens gegeben. Die 48 Mann starke Kapelle, die be 
kanntlich den Kaiser auf seinen Seereisen begleitet, hat auch vor 
der musikalischen Kritik Berlins, für die im Festsaal des Restaura 
tionsschiffes ein Sonderconcert veranstaltet wurde, den lebhaftesten 
Beifall gefunden. Dank der vortrefflichen Leitung ihres Dirigenten 
Wöhlbier ist die Kapelle nicht nur ausgezeichnet disciplinirt, sondern 
auch musikalisch feinfühlig; sowohl in der graziösen Behandlung 
der Streichmusik wie in der energischen Durchführung der Blas 
musik zeigte sich Wöhlbier als ein hervorragender Kapellmeister, 
dessen Orchester aus wohlgescliulten Musikern besteht und, was 
nicht zu unterschätzen ist, über klangschöne Instrumente verfügt. 
Unter den schmetternden Tönen der Kapelle spielte sich das hoch 
interessante und trefflich in Scene gesetzte Nacht-Manöver der 
Miniatur-Kriegsflotte auf dem mittels Scheinwerfern malerisch er 
leuchteten Sec ab, jedenfalls die fesselndste Darbietung der an sich 
schon so interessanten Marine-Schauspiele. Der Grundgedanke, 
Passirgefecht, sowie Angriff und Vertheidigung eines Küstenfort, 
kam seitens der in zwei Divisionen getheilten Flotte klar und 
prägnant zum Ausdruck. Die Zuschauer verfolgten mit rück 
haltlosem Staunen die exacten Evolutionen der elektrisch 
erleuchteten Schiffe, die in ihrer vorzüglichen Ausführung ein 
charakteristisches Bild unserer Kriegsflotte geben. Stürmischen 
Beifall erregte das Erscheinen der stolzen Kaiser - Yacht. 
»Hohenzollern«, die sich in glänzender Weise, scharf abhebend 
von den übrigen Schiffen, präsentirte und von diesen mit dreifachem 
Salut begrüsst wurde. Endlich verhallte der letzte Schuss; weithin 
ihre blendenden Strahlen werfend, stiegen die letzten Raketen in 
die laue Nachtluft und unter den rauschenden Klängen der Musik 
verschwand die kleine Flotte hinter dem Fort. 
V 
Die erste Auffahrt des Riesen-Fessel-Ballons 
wird sich kaum vor Freitag bewerkstelligen lassen. Der starke 
Wind und die geringe Lieferung des benüthigten Gases bereiten 
der vollständigen Füllung des Ballons grosse Hindernisse. Die 
Auffahrten des Kolosses werden unter Leitung des bekannten Luft 
schiffers Capitain Schräder stattfinden, einer auf diesem Gebiete 
wohlbewanderten Persönlichkeit. Auch die Füllung, die Tag
	        
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